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BMW BERLIN-MARATHON 2021

Zu warme Temperaturen verhinderten leider neue Rekorde beim diesjährigen BMW BERLIN-MARATHON.

Es war aber ein triumphaler Tag der Äthiopier, denn Guye Adola und die Debütantin Gotytom Gebreslase sorgten beim BMW BERLIN-MARATHON für einen äthiopischen Doppelsieg. Der 30-jährige Adola gewann in 2:05:45 Stunden vor Bethwel Yegon (Kenia), der nach 2:06:14 im Ziel am Brandenburger Tor war. Es war nicht der Tag des Kenenisa Bekele. Der äthiopische Superstar musste sich bei seiner  Jagd auf den Weltrekord von Eliud Kipchoge (Kenia), der in Berlin 2018 eine Zeit von 2:01:39 gelaufen war, mit Rang drei in 2:06:47 zufrieden geben. Philipp Pflieger (LT Haspa Marathon Hamburg) belegte Rang 16 als schnellster Deutscher in 2:15:01.

Ein hochklassiges Debüt lief die 26-jährige Gotytom Gebreslase, die die Favoritinnen überraschte und in 2:20:09 Stunden triumphierte. Dies ist die drittschnellste Zeit weltweit in diesem Jahr. Als Zweite lief Hiwot Gebrekidan 2:21:23. Auf Rang drei komplettierte Helen Tola ein rein äthiopisches Podium in 2:23:05. Rabea Schöneborn (LG Nord Berlin) war mit 2:28:49 auf Rang neun die schnellste deutsche Läuferin. Bei der 47. Auflage des BMW BERLIN-MARATHON – einem Rennen der Abbott World Marathon Majors-Serie – gingen unter strikten Hygiene-Regeln 24.796 Läufer:innen aus 139 Nationen an den Start. Damit war das Rennen in Berlin der größte Marathon weltweit seit Beginn der Corona-Pandemie.

Das Rennen der Männer
Im Weltrekordtempo führten die Pacemaker die Spitzengruppe durch den ersten Teil des Rennens. Unerwartet hatten sich neben Kenenisa Bekele und Guye Adola, der vor vier Jahren in Berlin als Zweiter überrascht hatte und damals mit 2:03:36 einen inoffiziellen Debüt-Weltrekord erzielt hatte, noch vier andere Läufer der Spitzengruppe angeschlossen: die beiden Kenianer Philemon Kacheran und Abraham Kipyatich sowie die Äthiopier Tesfaye Lencho und Olika Adugna.

Sieger Guye Adola Copright SCC EVENTS_Sebastian Wells_OSTKREUZ Beitragsbild

Die 10-km-Marke passierte diese Gruppe in 28:47 Minuten. Damit lagen sie auf Kurs für eine Weltrekord-Zielzeit von knapp unter 2:01:30 Stunden.  Nachdem Olika Adugna als erster Läufer das Tempo nicht halten konnte, war es dann überraschend Kenenisa Bekele, der etwas zurückfiel. Der Titelverteidiger verlor bereits zwischen Kilometer 17 und 18 den Kontakt zur Spitze, weil er das Tempo nicht halten konnte. Mit einer Halbmarathon-Zwischenzeit von 60:48 Minuten lag die Führungsgruppe noch knapp auf Weltrekordkurs, Bekele jedoch, der diesen Punkt nach 61:00 passierte, schon nicht mehr. Dass der dreifache Langstrecken-Olympiasieger nach rund 27 Kilometern wieder ganz vorne mitlief, lag daran, dass die Spitzengruppe langsamer geworden war. Mit Kilometerzeiten von teilweise über 3:00 Minuten geriet der Weltrekord außer Reichweite.  Guye Adola löste sich dann kurz vor Kilometer 35 von Kenenisa Bekele und sah schon wie der sichere Sieger aus. Doch es wurde noch einmal spannend, denn von hinten kam Bethwel Yegon noch bis ganz nach vorne. Kurz vor Kilometer 40 konnte dann jedoch Guye Adola, der sich 2017 in Berlin lediglich Kenias Superstar Eliud Kipchoge hatte geschlagen geben müssen, noch einmal zulegen und lief zum schließlich zum größten Sieg seiner Karriere. „Ich hatte mir schon vor dem Start Chancen ausgerechnet, Kenenisa zu schlagen.  Kenenisa Bekele erklärte: „Das große Problem war, dass mir aufgrund der Pandemie einiges an Training fehlt. Dadurch lief es nicht so gut wie erhofft. Aber meine Karriere ist noch nicht zu Ende.“Auch für Philipp Pflieger lief es nicht wie geplant. Er hatte auf eine Bestzeit im Bereich von unter 2:12 Stunden gehofft und lag nach der ersten Hälfte mit einer Zwischenzeit von 65:55 Minuten auch auf Kurs. „Ich bin mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Nach einer Stunde wurde es unangenehm heiß, so dass meine Tempomacher früher aus dem Rennen gingen als geplant. Die letzten 17 Kilometer bin ich alleine gelaufen und dann ging es nur noch darum, ins Ziel zu kommen“, sagte Philipp Pflieger.

Das Rennen der Frauen 
Die Führungsgruppe der Frauen lief lange Zeit ein Tempo, das auf eine Zielzeit von unter 2:19 Stunden hinauslief. Neben der Jahresweltbesten Hiwot Gebrekidan (2:19:35), ihrer äthiopischen Landsfrau Helen Tola und der Kenianerin Fancy Chemutai lief überraschend auch die Debütantin Gotytom Gebreslase in der ersten Gruppe, die den Halbmarathon-Punkt nach 69:19 Minuten erreicht hatte.  Knapp zehn Kilometer vor dem Ziel war es dann Gotytom Gebreslase, die das Tempo anziehen konnte und sich absetzte. Noch bei Kilometer 35 lag sie mit einer Zwischenzeit von 1:54:54 auf Kurs für eine hochkarätige Endzeit von 2:18:30. Doch auf den letzten Kilometern musste auch die Newcomerin der Wärme Tribut zollen.

Sieger Guye Adola Copright SCC EVENTS_Sebastian Wells_OSTKREUZ

Sie wurde deutlich langsamer und verpasste am Ende eine Debüt-Zeit von unter 2:20 nur um zehn Sekunden. „Obwohl es mein erster Marathon war, war es mein Ziel, das Rennen zu gewinnen. Es ist eine sehr gute Strecke, ich will zum BMW BERLIN-MARATHON zurückkommen“, sagte Gotytom Gebreslase. Mit der Wärme zu kämpfen hatte auch Rabea Schöneborn, die die erste Hälfte in 73:56 Minuten gelaufen war, dann aber nicht wie erhofft einen schnelleren zweiten Abschnitt rennen konnte. „Es war ein tolles Erlebnis, obwohl ich mit der Zeit nicht zufrieden bin“, sagte die Berlinerin. „Ich bin recht verhalten angegangen und habe es bewusst laufen lassen, ohne auf die Zeit zu achten. Doch meine Beine wollten nicht so und dann habe ich einfach nur das Beste daraus gemacht. Es war schon ziemlich heftig bei der Wärme.“

Zusammen mit den Läufer:innen und Partnern sendete SCC EVENTS als Organisator des BMW BERLIN-MARATHON mit dem Regenbogen-Starttor vor jeder Startwelle ein Zeichen für Weltoffenheit, Toleranz und Akzeptanz in die Welt hinaus. Werte für die der BMW BERLIN-MARATHON inklusive seiner Ausdauersport-Community seit Jahren steht.

BMW BERLIN-MARATHON Inlineskating

Nach Monaten des Wettkampf-Verzichts knallte am 25. September pünktlich um 15:30 Uhr der Startschuss für 2.247 Skatern beim BMW BERLIN-MARATHON Inlineskating. Wie sehnsüchtig dieser Moment erwartet wurde, spiegelten die nahezu greifbare Emotionalität in den Startblöcken wider. Auch wenn alle dem Hygienekonzept entsprechend ihre Maske trugen und Abstand hielten, war die Freude auf das zu erlebenden Gemeinschaftsgefühles allgegenwertig. Als dann noch das Starttor in Regenbogenoptik animiert wurde, war das #restartstakting vollends auf den Straßen Berlin angekommen.
Bei trockenen Straßen sowie 20 Grad begaben sich die Skater auf ihre Sightseeing-Tour durch Berlin. Zum Betrachten der Sehenswürdigen war für die Elite-Athlet:innen ganz vorne im Feld keine Zeit – viel zu hoch ist das Prestige des Rennens in der Szene. Der BMW BERLIN-MARATHON Inlineskating gilt für die meisten der Spitzenskater als das mit Abstand wichtigste Rennen des Jahres. Dementsprechend hart umkämpft sind die Podiumsplätze.

Das Rennen der Herren
Bei den Männern passierte eine große Führungsgruppe mit rund 30 Skatern die Halbmarathonmarke nach 28:52 Minuten. Damit lagen sie im Vergleich zum Streckenrekord von 56:49, den Bart Swings 2015 aufgestellt hatte, rund 20 Sekunden zurück. In der zweiten Hälfte konnte sich der Belgier, der in Berlin bereits von 2013 bis 2018 sechs Mal hintereinander gewonnen hatte, mit einer Tempoverschärfung absetzen und einen großen Vorsprung herausfahren.

Bart Swings gewinnt beim BMW BERLIN-MARATHON Inlineskating Copyright SCC EVENTS

Mit 56:50 Minuten verpasste er schließlich den Streckenrekord um nur eine Sekunde und gewann deutlich vor dem Titelverteidiger Felix Rijhnen (Darmstadt/Powerslide Matter/58:04). Zeitgleich wurde Martin Ferrié (Frankreich/EO Skates) Dritter. „Es war eine starke Teamleistung von uns. Acht Kilometer vor dem Ziel konnte ich mich absetzen. Dann sah ich, dass der Streckenrekord möglich war. Doch am Ende fehlte leider eine Sekunde. Ansonsten war es ein perfektes Rennen“, resümierte Bart Swings.

Das Rennen der Damen
Auch bei den Frauen formierte sich eine sehr große Spitzengruppe mit über 30 Athletinnen. Dass so viele noch an der Halbmarathonmarke in der ersten Gruppe lagen, hing auch mit dem eher moderaten Tempo zusammen. Die erste Hälfte passierten die Führenden nach 35:57 Minuten. Damit war klar, dass der hochkarätige Streckenrekord der Damen an diesem Tag nicht in Gefahr geraten würde.

Sandrine Tas siegt beim BMW BERLIN-MARATHON Inlineskating Copyright SCC EVENTS

Diesen hatte die Argentinierin Maira Arias 2017 mit 66:35 aufgestellt. Sie war nicht am Start. Am Ende triumphierte in einer Spurtentscheidung Sandrine Tas (Belgien/Powerslide Matter) in 1:13:40 Stunden vor den zeitgleichen Aura Quintana Herrera (Kolumbien) und Katharina Rumpus (Darmstadt/Powerslide Matter).

Rennrollstuhl- und Handbiker-Ergebnisse des BMW BERLIN-MARATHON

Rennrollstuhl-Ergebnisse

Manuela Schär und Marcel Hug sorgten erneut für einen Schweizer Doppelsieg der Rennrollstuhlathlet:innen beim BMW BERLIN-MARATHON. Für Hug war es bereits der siebte Sieg auf dem Berliner Marathonkurs, für Schär der sechste. Die Handbike-Konkurrenz entschieden die Deutsche Yvonne Pijahn sowie der Belgier Jonas Van de Steene für sich. Begeistert feierten die Rollis und Handbiker ihr Comeback in Berlin.

Manuela Schär (SUI), Gewinnerin des BMW BERLIN-MARATHON Wheelchair Copyright SCC EVENTS_Jiro Mochizuki

„Es ist so schön wieder hier zu sein und die Marathonatmosphäre in Berlin zu spüren“, freute sich Manuela Schär sichtlich bewegt nach ihrem Rennen. Auch für die Rennrollstuhlfahrer:innen und Handbiker war es nach langer Pause der erste Straßenwettkampf mit Zuschauern. Die Schweizerin (1:37:31h) erreichte das Ziel mit deutlichem Vorsprung vor Tatyana Mcfadden (USA/1:38:54h), die ihre persönliche Bestzeit verbesserte. „Heute war es zum Teil windig, aber generell liegen mir flache Kurse sehr“, so Mcfadden. Die Brasilianerin Aline dos Santos Rocha (1:41:39h) kam als Dritte ins Ziel. Für besondere Aufmerksamkeit sorgte zudem die erst 16-jährige Merle Menje, die bei ihrem Marathondebut Vierte wurde. „Mein grobes Ziel war, unter 1:50 Stunden im Ziel anzukommen. Ich habe nicht damit gerechnet, dass es heute so schnell wird“, so Menje. Für alle Fahrer:innen bleibt kaum Zeit zur Erholung: Bereits am kommenden Wochenende steht im Rahmen der Abbott World Marathon Majors ein Start in London auf der Agenda.
„Ich war überrascht, dass wir uns in einer Dreiergruppe so früh absetzen konnten“, erklärte der Schweizer Marcel Hug.

Marcel Hug (SUI), Gewinner des BMW BERLIN-MARATHON 2021 Wheelchair Copyright SCC EVENTS_Jiro Mochizuki

Mit Daniel Romanchuk (USA) und Brent Lakatos (CAN) formierte sich zunächst auf den ersten Kilometern eine Führungsgruppe, die jedoch schon bei Streckenhälfte immer mehr auseinanderfiel. Die Ziellinie erreichte Hug in 1:24:03 Stunden deutlich vor Romanchuk (1:24:47h) und Brent Lakatos (1:29:54h).

Deutsche Siegerin im Rennen der Handbiker

Höchste Spannung bis zum Schluss bot das Rennen der Handbiker. Keine der drei Deutschen Fahrerinnen Yvonne Pijahn, Katrin Möller und Annett Zenker-Urban konnte sich auf der Strecke absetzen, so dass die Entscheidung erst im Zielsprint fiel:

Yvonne Pijahn (GER), Gewinnerin des BMW BERLIN-MARATHON 2021 Handbike Copyright SCC EVENTS_André Fiebig

Hier zeigte Yvonne Pijahn ihre Sprintstärke und siegte in 1:22:03 Stunden vor Katrin Möller und Annett Zenker-Urban (zeitgleich in 1:22:06h).
Auch im Feld der Herren war ein Dreiergespann über weite Teile der Strecke zunächst eng zusammen: der Berliner Lokalmatador Vico Merklein, Jonas Van de Steene (BEL) sowie Joseph Fritsch (FRA).

Jonas van de Steene (BEL), Gewinner des BMW BERLIN-MARATHON 2021 Handbike Copyright SCC EVENTS_Jiro Mochizuki

Van de Steene gelang es auf der zweiten Streckenhälfte sich zu distanzieren. Er siegte in 1:01:40 Stunden deutlich vor Merklein (1:02:26 h) und Fritsch (1:02:37 h).

Text:

Matthias Dikert und Günter Dräger

Fotos:

Die Bilder unterliegen dem jeweiligen Copyright SCC EVENTS (siehe Bilduntertitel)