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Ctour Salongespräch zum Thema Schloss Wackerbarth

Am 28..11.2016 fand in der Gerichtslaube Berlin ein Ctour Salongespräch zum Thema Schloss Wackerbarth statt. Vorstandsmitglied Fred Hafner stellte den Gästen Martin Junge (Head of Communications) vom Sächsischen Staatsweingut GmbH Schloss Wackerbarth vor. Herr Junge wusste Interessantes zu berichten über die geschichtliche Entwicklung.

Vor den Toren Dresdens, direkt in den Radebeuler Weinbergen, liegt Schloss Wackerbarth. Die feine sächsische Art zu genießen – sie ist tief verwurzelt in der Geschichte des traditionsreichen Weinguts. Wo früher Grafen residierten und schon der Hof Augusts des Starken rauschende Feste feierte, begrüßt heute Europas erstes Erlebnisweingut täglich seine Gäste.

Namensgeber war August Christoph Graf von Wackerbarth. Er wurde am 22. März 1662 in Kogel geboren. Mit 17 Jahren begannen seine Lehrjahre als Page am kurpfälzischen Hof. Nach zahlreichen Studienreisen startete Graf von Wackerbarth 1690/91 zunächst seine militärische Karriere. Später übernahm er auch verstärkt politische Aufgaben im Dienste des sächsi- schen Hofes. So war Wackerbarth ab 1710 unter anderem Geheimrat und hatte das Amt des Kabinettsministers inne. Als Gouverneur in Dresden bleibt Wackerbarth jedoch bis heute vor allem als Bauherr in Erinnerung. So begleitete er die Entwürfe George Bährs zur Frauen- kirche mit kritischen Kommentaren und spendete für den Bau ein Vermögen aus seiner privaten Schatulle. Als einem der engsten Vertrauten Augusts des Starken unterstanden Graf von Wackerbarth Architekten wie Pöppelmann oder Knöffel. Und Johann Christoph Knöffel lieferte 1722 nicht nur den ersten Entwurf zum Bau der Dresdner Frauenkirche – er errichtete für Wackerbarth auch anno 1728 sein Lößnitzer Weingut mit barockem Herrenhaus, großzügiger Gartenanlage und einem Lusthäuschen, dem Belvedere.

Am 3. August 1836 schlossen sich die drei angesehenen Weingutsbesitzer Ludwig Pilgrim, Georg Schwarz und Karl Friedrich Sickmann zusammen und gründeten eine Aktiengesellschaft zur Errichtung einer Fabrik moussierender Weine.

Bereits im 1. Jahr wurden 37.000 Flaschen Sekt aus heimischem Blauen Burgunder produziert. Den Grundstein für 180 Jahre Sektkompetenz legte der Kellermeister Monsieur Joseph Mouzon aus Reims, im Herzen der Champagne. Er brachte die Methode der klassischen Flaschengärung – »Méthode champenoise« – in die Lößnitz. Zur Sektfabrikation verwendete er aus- schließlich Trauben aus der Lößnitz und deren näherer Umgebung.

Die Sekte waren so begehrt, dass innerhalb von 25 Jahren über 150 % Dividende an die Aktionäre ausgezahlt wurde. Auf Wunsch erhielten die Anleger ihren Gewinn auch in Form von prickelndem Genuss. 1899 wurde die florierende Fabrik an die Fa. »H. Schönrocks Nachfolger« verkauft, die sie als „Sektkellerei Bussard GmbH“ weiterführte und unter dem Namen »Bussard« bekannt machte. Die Sektkellerei war der Mittel- punkt des hiesigen Schaumwein-Genusses sowie Anziehungspunkt für die sächsischen Könige, welche die erlesenen Bussard-Kreationen für die königliche Tafel wählten und die Manufaktur auch regelmäßig besuchten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgt die Integration in das VEG Weinbau Radebeul und schließlich im Jahr 1979 der Umzug in die Räumlichkeiten von Schloss Wackerbarth. Schloss Wackerbarth führt nach der Wiedereröffnung die Sekttradition meisterhaft fort.

Nach der französischen Tradition des Kellermeisters Monsieur Mouzon vermählt auch Jürgen Aumüller, heute Kellermeister von Schloss Wackerbarth, die sächsischen Trauben zu prickelndem Genuss. Er verarbeitet die Rebsorten Riesling, Traminer, Müller-Thurgau, Scheurebe, Grauburgunder, Dornfelder, Kerner, Frühburgunder, Bacchus, Blaufränkisch, Weißburgunder, Spätburgunder, Goldriesling und Regent.

Mit täglichen Führungen durch die Manufaktur, einem eigenen Gasthaus sowie einer Vielzahl erlesener Veranstaltungen bringt Schloss Wackerbarth seinen Gästen den sächsischen Wein- und Sektgenuss mit allen Sinnen näher. Auf dem Erlebnisweingut erfahren mehr als 190.000 Gäste pro Jahr, was über 850 Jahre Weinbautradition in Sachsen ausmachen und warum die Sekte einer der ältesten Sektkellereien Europas seit 180 Jahren gerüttelt und nicht geschüttelt werden.

In Wackerbarths Manufaktur entstehen pro Jahr insgesamt 250.000 Flaschen feinste Flaschengärsekte.

Text:

Matthias Dikert

Fotos:

Copyright Sächsisches Staatsweingut GmbH Schloss Wackerbarth