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Offizielle Pressekonferenz Ägyptens auf der ITB 2014 

Am Donnerstag auf der ITB 2014 in Berlin informierte S. E. Hisham Zaazou, Tourismusminister der Arabischen Republik Ägypten, auf einer Pressekonferenz über die aktuelle Sicherheitslage in seinem Land. Dabei nahm er deutlich Bezug auf die vom Auswärtigen Amt verschärften Sinai-Reisehinweise infolge des Anschlags auf einen Touristenbus in Taba. Er betonte vor allem die Notwendigkeit zur besseren Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden. „Die Briten und die Russen haben ihre Reiseempfehlungen nicht geändert. Sie haben das Problem 24 Stunden beobachtet und sich entschieden, auf uns zuzukommen. Dann entsendeten sie Sicherheitsteams, die prüften, welche zusätzlichen Maßnahmen wir ergriffen und welche Pläne wir für die nächsten Wochen hatten“, so Zaazou. Zwar habe er Verständnis für das Verhalten der Bundesrepublik, doch regte er an, dass sich zukünftig auch deutsche Vertreter vor dem Ändern von Reisehinweisen ein Bild vor Ort machten und den Austausch mit ihren ägyptischen Kollegen suchten.

Besonders problematisch sieht der Minister den Schneeballeffekt, der von der deutschen Haltung ausginge: „Die Bundesregierung nahm ihre Position ein und elf europäische Staaten – darunter die für den ägyptischen Tourismus bedeutendsten – folgten.“ Zaazou verglich die Situation nach dem Terroranschlag von Taba mit der vor den Olympischen Spielen in Sotschi, als Terroristen mit Anschlägen auf deutsche Sportler drohten. „Gewiss suchte Deutschland damals den Austausch, um die Sicherheit seiner Bürger zu gewährleisten. Diese Chance haben wir nie bekommen.“ Seine eindringliche Bitte: „Belohnen Sie den Terrorismus nicht.“ 

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Die Kontroverse der geänderten Reiseempfehlungen sowie die Notwendigkeit gemeinsamer Konsultationen vor Ort besprach Minister Zaazou nach der Pressekonferenz auch mit Heike Brehmer vom Tourismusausschuss des Deutschen Bundestages. Brehmer stellte in Aussicht, beim Auswärtigen Amt die Entsendung eines Expertenteams anzuregen. Rückgang der Nachfrage Insgesamt blicke man auf drei schwierige Jahre zurück. Nach einem Aufwärtstrend 2012 folgte im Folgejahr ein Rückgang der Besucherzahlen. Im September brach das Touristenaufkommen im Vergleich zum Vorjahr gar um 90 Prozent ein. Doch zeigten die in den Folgemonaten ansteigenden Zahlen, „dass Ägypten gefragt ist und mittelfristig zurückkommen wird. Dies bewiesen schon die 1990er und 2000er Jahre.“ Von einbrechenden Zahlen ließ sich Zaazou auf der ITB auch in Gesprächen mit Reiseveranstaltern berichten. Maja Jennifer Köhl von Express Travel International sprach von einem dramatischen Abwärtstrend, was Reisen nach Sharm el Sheikh, Hurghada sowie Nilkreuzfahrten angeht. FTI-Chef Dietmar Gunz schilderte dem Minister ebenfalls „eine turbulente Situation“. 85 Prozent der Ägypten-Buchungen bei FTI gingen nach Marsa Alam und Hurghada. Roula Jouny, Group-CEO von Meeting Point International wieß auf den verheerenden Effekt der deutschen Reiseempfehlung hin. Davor konnte man eine 98-prozentige Auslastung verzeichnen.

Sicherheitsstrategie Angesprochen auf die Sicherheitslage im eigenen Land erklärte Zaazou: „Ich werde zwei Mal pro Tag vom Innenminister über die Situation informiert. Wir sprechen täglich mit dem Verteidigungsminister. Wir tun alles, was nötig ist, damit sich Gäste in Ägypten sicher fühlen.“ Die derzeitige Sicherheitsstrategie der Republik fuße auf drei Säulen: der Armee, den Sicherheitsbeamten und -experten sowie verbesserten Kontrollmöglichkeiten an den Checkpoints mittels hochmoderner Technologie. „Wir haben in den frühen 1990ern gegen die Terroristen zurückgeschlagen und wir werden diese Herausforderung wieder angehen – für die Ägypter und unsere Gäste“, gab sich der 59-Jährige kämpferisch. Zaazou äußerte sich auch zur Problematik von in den Untergrund abdriftenden Islamisten. „Wir haben deutlich gemacht, dass wir einen inklusiven Ansatz verfolgen und sind auf jeden zugegangen. Nur hat sich eine Minderheit dagegen entschieden.“ Noch immer sei man bereit, den Muslimbrüdern die Hand zu reichen. 

Einsatz für Kairo und Teil-Branding Moderator Jürgen Drensek, Ehrenpräsident der Vereinigung Deutscher Reisejournalisten, befragte den Minister zudem über die weitere Strategie in Sachen Tourismus und ging dabei vor allem auf die anhaltend schwierige Lage in und um Kairo ein. Laut Zaazou wäre es mittlerweile Mode, die Hauptstadt zu meiden. Obwohl sich die Demonstrationen längst auf wenige Stunden in der Woche reduziert hätten, reiche dies noch immer, um einen Bus daran zu hindern, von A nach B zu kommen. Allerdings kämpfe er für Kairo – denn letztlich würde der gesamte Kulturtourismus von der Metropole profitieren. Eher losgelöst von Ägypten wird im Moment die Region am Roten Meer beworben. Dies geschehe Zaazou zufolge jedoch nicht aufgrund der negativen Entwicklungen der letzten Zeit, sondern vielmehr infolge eines neuen Reiseverhaltens, dass auf bestimmte Aktivitäten ausgelegt ist. „Wir müssen das Land in Subbrands unterteilen, um Ägypten für spezifische Märkte interessant zu machen“. In Sachen Marketing setzt der Tourismusminister zuallererst auf Testimonials. Ihre Empfehlungen, kombiniert mit Social Media oder einem TV-Spot, könnten Ägypten helfen. Reiseveranstalter stehen hinter Ägypten Nach den Ausführungen des Ministers kamen FTI-Chef Dietmar Gunz, Dr. Oliver Dörschuk, Chief Operating Officer bei TUI, sowie Sören Hartmann, Sprecher von DER-Touristik, zu Wort. Gunz hob das große Engagement FTIs bei Nil-Kreuzfahrten hervor und ist optimistisch, dieses Segment nach den letzten Wochen wieder stabilisieren zu können. „Wir werden unser Flugprogramm nach Ägypten unverändert beibehalten“, sagte er. Die Bemühungen von ägyptischer Seite für ein deutsches Sicherheits-Audit bezeichnete er als sehr intensiv.

Laut Gunz ist es beispielsweise nicht korrekt, dass im Vergleich zur Türkei mit strengerem Maß gemessen wird. Sein Kollege Dörschuk wiederum sprach von einem engen Austausch mit dem Auswärtigen Amt, forderte jedoch, Europa sollte bei Reisehinweisen mit einer Stimme sprechen. „Es ist sehr unglücklich, wenn Auswärtige Ämter zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen“, erklärte er auf die Frage, warum TUI nur seine deutschen Urlauber ausgeflogen hätte. DER-Vertreter Sören Hartmann sagte, die einzige Alternative zu Ägypten könne nur Ägypten selbst sein, allein wegen des hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnisses. Doch müsse man gerade hier darauf achten, dass sich die Arbeitsbedingungen im Tourismussektor des Landes stets auf einem guten Level bewegen. 

Zu Beginn und zum Abschluss bot die Pressekonferenz den Besuchern auch etwas fürs Auge. Gleich zu Beginn gab Helmut Görlitz‘ 3D-Film „The Art of Diving“ faszinierende Einblicke in die Unterwasser-Welt des Roten Meeres. Außerdem stand eine Vorführung des virtuellen Helikopterflugs „Heliview“ auf dem Programm. Mit diesem können sich potenzielle Ägypten- Urlauber selbst ein Bild von den einzelnen Regionen machen. Die Veranstaltung schloss mit dem Verweis auf den Red Sea Kitesurf World Cup 2014 in Soma Bay. Während der ITB vom 5.- 9. März 2014 finden die Besucher das ägyptische Fremdenverkehrsamt in Halle 23 A. 

Text:

Matthias Dikert

Fotos:

Ägyptisches Fremdenverkehrsamt