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Flucht aus dem Alltag

Nebensaison in Travemünde? Wenn das Maritim-Hochhaus im März nur noch zehn Zimmer frei hat, kann davon nicht die Rede sein. 

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Am Strand macht sich dies nicht bemerkbar. Wochenende Vormittags ist er fast verwaist. Dabei stürmt es nicht einmal. Meine persönlichen Vorlieben wären eher ein steifer Wind, um sich den Kopf frei wehen zu lassen, und ordentliche Wellen. Die Lübecker Bucht scheint jedoch ein Schutz gegen zu viel Seegang und Wind zu sein. 
Flucht aus dem Alltag: ein Wochenende an der Küste mit Spaziergängen alleine, kulinarischen Genüssen und relaxen im Spa-Bereich. Dazu haben wir uns im Travemünder Maritim eingefunden, die gerade ihren Spa-Bereich umgebaut und erweitert haben. Doch bevor wir uns dort einfinden, besuchen wir am Freitag Abend das Maritim Timmendorfer Strand. Schließlich haben die ein Sterne-Restaurant, die Orangerie. 

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Seit 1994 leitet Chefkoch Lutz Niemann den Gourmettempel, der 1994 seinen Stern und bis heute noch viele andere Auszeichnungen erhalten hat. Dabei gehört er eher zu den Puristen seines Faches und Modeströmungen interessieren ihn nicht viel. Mit dieser Einstellung hat sich die Orangerie im Norden einen gewichtigen Feinschmecker-Namen erarbeitet. Die Gänge-Menüs beginnen ab 79 Euro, die á la carte Hauptgänge ab 34 Euro. Für die flüssigen Aha-Erlebnisse sorgt Sommelier Ralf Brönner. Im Keller lagern rund 500 Weine, darunter auch Raritäten wie ein 2000er Pouligny Montrachet Levlaife oder ein 59er Mouton Rothschild. Wir erfreuten uns ganz besonders an einem Riesling, den wir in dieser für uns geschmacklichen Klasse noch nirgendwo probieren durften. Ein 2010er Kallfelz Evolution. Da waren wir seinerzeit zu früh da, denn den gab es damals noch nicht (siehe Artikel in Rheinland-Pfalz: Die Mosel – Wandern, Paddeln, Schlemmen und mit Bacchus feiern). Zu Essen gab es übrigens: Kalbsbries mit Langustino, Velossi von Brunnenkresse und Topinambur und Wachtel, Frischling aus dem Segeberger Forst und als Nachtisch Rum Savarin mit Joghurt-Limonen-Eis und Rhabarber-Kompott mit Baiserblüte. 
Der Samstag-Vormittag stand dann ganz unter dem Zeichen Strandwandern. Am Strand oder der Strandpromenade in Richtung Niendorf/Timmendorfer Strand. Irgendwann muss man sich entscheiden, unten weiter oder oben weiter, Strand unten oder Steilküste oben. Ich gehe unten lang. Die anfänglichen Sperrungen hindern mich nicht. Die Meeresbrise ist sanft, das Wasser glatt wie ein Kinderpo. Und Menschen begegnet man hier fast nicht. Ein paar Angler waten im Wasser an diversen Stellen und probieren ihr Glück. Je weiter man geht, desto wilder wird der Anblick. Schlammlawinen, Abbrüche, heraushängende Rohre, heruntergestürzte Bäume. Es ist ab und an nicht einfach, trockenen Fußes die Baumhindernisse zu umqueren. Aber Spaß macht es. Von oben dringen immerzu Stimmen herab. Einen Aufgang sucht man jedoch vergeblich. Also immer weiter, nicht zurück. Fast in Niendorf angekommen, findet sich eine Aufstiegsmöglichkeit. Direkt angrenzend eine kleine Straße, dahinter ein Haus. Mir stellt sich unwillkürlich die Frage, wie lange es hier noch steht. Der Weg oben zurück glänzt mit Absperrungen, weil die Abbrüche sich teilweise in den Weg gefressen haben. An anderen Stellen ist der Weg schon lange verlegt worden und teilweise noch erkennbar, wo er früher einmal verlief. Die Küste lebt! Im Winter gibt es durchaus auch in der Bucht höheren Wellengang. Die Steilküste zieht Wasser, welches bei Minusgraden gefriert und dann den Weichen Sand absprengt. Was sich hier das Meer holt, wird überwiegend am Priwall wieder angespült. Dort wächst das Land und die Travemündung muss regelmäßig ausgebaggert werden, um nicht zu versanden. Am höchsten Punkt der Steilküste ist ein neues Restaurant/Cafe entstanden. Eröffnung in diesem Jahr (2012). In ein paar Jahren wird sich die Steilküste an die Terasse herangearbeitet haben und noch ein paar Jahre später dürfte das Haus unsicher geworden sein. Einige Ecken weiter gibt es ein schönes Beispiel. Das Haus steht leer, der gähnende Abhang befindet sich fast vor dem Sommergarten. Küstenbewohner werden an diese Gegebenheiten gewöhnt sein, vor allem wenn sie schon seit Generationen dort wohnen. Für Leute aus dem Hinterland ist es eine beängstigende Vorstellung. Wozu hier etwas bauen, wenn das Ende in ein paar Jahren abzusehen ist? Okay, die Aussicht ist fantastisch. Aber, wie schon unten am Strand durch das Stimmengewirr vermutet, der Weg oben gleicht einer Autobahn. Es ist langsam Mittag und massenweise Spaziergänger sind unterwegs genauso wie Fahrradfahrer. Die Neueröffnung indes ist noch hin und so regt sich langsam Durst und Appetit, denn die Strandwanderung war nicht so umfangreich geplant. 
Nach solch einer Anstrengung besuche ich die Bierstube im Maritim. Diesen Namen darf man hier nicht zu wörtlich nehmen, denn tagsüber ist es ein normales Restaurant. Der georderte Fisch ist vorzüglich und lässt einen nach dem vormaligen Gourmetabend wieder die Erde betreten. Ein bisschen Ruhe und dann zur Massage in den neuen Beauty-Flügel des Spa-Bereichs. Dieser ist im Dezember 2011 eröffnet worden und nennt sich nun Spa & Beauty Care. 

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Vier Räume sind dem Verwöhnen der Gäste gewidmet: Reiki-Massagen, Bäder, Peelings und Packungen neben klassischer Kosmetikbehandlung. Und wenn Mann jetzt denkt, prima, kann ich meine Frau abschieben, muss ich sagen, denkt an Euch selbst zuerst! Nach der Wanderung tat mir jedenfalls eine Stunde Ganzkörpermassage richtig gut. Gerade nach dem Winter, wo man sich in der Regel nicht so viel bewegt, kann ein rund vierstündiger Ausflug an der Küste zu muskulären Problemen führen. Eine Massage nach der Anstrengung lockert nicht nur, sondern setzt auch bei den Verspannungen aus dem Alltag an. Und wer wie ich sitzend vor dem Bildschirm arbeitet, dürfte mit Verspannungen auf Du und Du sein. 
Neu gestaltet ist auch der Saunabereich. Das Dampfbad gibt es nicht mehr, dafür sind zwei Saunen entstanden: eine klassische finnische und eine Biosauna mit verminderter Temperatur, die sich schon jetzt großer Beliebtheit erfreut, das so genannte Sanarium inklusive Lichtwechsel. Der Pool hingegen ist genau so geblieben. An der Fensterfront ist ebenfalls neu ein abgetrennter Ruhebereich mit Liegen und Stühlen an kleinen Tischchen entstanden. Und wer sich traut, macht morgens Aqua-Aerobic mit der Fitness-Gästebetreuerin Maren Kirch, mit der man ebenfalls zum Strandwalking aufbrechen kann. Ich muss aber warnen, das Tempo ist zügig!
Zum Abend zieht es uns ins Restaurant über den Wolken. 

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Der Ausblick ist atemberaubend. Höher geht es hier nicht. Der Chefkoch serviert Kreationen rund um Fisch. Im anderen Teil ist Büffet. Unten möchte man aber zu diesem Zeitpunkt vielleicht nicht sein. Da gibt es eine große Veranstaltung der örtlichen Tanzschule. Mehrere hundert Gäste tanzen die halbe Nacht und möchten bedient werden. Gut, dass das Restaurant über den Wolken einen eigenen Küchenbereich hat. Zu Engpässen kommt es nicht. Die Mannschaft des Hotels ist es gewohnt, dass ein volles Haus und Großveranstaltungen zusammentreffen. Auslastungsgrenze noch lange nicht erreicht. Alles im grünen Bereich. Wir durften am Spätnachmittag einen Blick in die Küche werfen. Der Chefkoch hat Zeit für einen Plausch und es gibt kein Chaos zu sehen. Im Gegenteil, eigentlich hätte man sich gedacht, hier müssen bei den Herausforderungen des Abends ganze Heerscharen von Köchen bzw. -innen herumschwirren. Die wenigen Mitarbeiter arbeiten zielgerichtet und ruhig und man mag nicht glauben, das an die 1.000 Menschen diesen Abend beköstigt werden müssen. 
Am Sonntag Vormittag haben wir hier noch einen kleinen Kochkurs. 

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Sushi und italienisch angehauchte Vorspeisen stehen auf dem Programm. Hier wird einem dann mal wieder vor Augen geführt, was berufsmäßiges Kochen vom Selbstkochen unterscheidet. 
Hernach noch einen Strandspaziergang, zum Leuchtturm, hinten zurück zum Kurpark und am Bahnhof in das kleine Wäldchen mit „Berg“ und Hochseilgarten. Dieser wird gerade gerichtet und für die Saison startklar gemacht. 
Und schon ist die Flucht beendet. Die Realität ruft unweigerlich. Und noch eine Lehre: Ein verlängertes Wochenende ist schnell vorbei.

Verlosung:

Schreiben Sie uns bitte bis zum 07.05.2012 Ihre Meinung zu unserem Magazin Reisegala an info@reisegala.de !

Das Maritim Travemünde hat uns folgendes Paket für den glücklichen Gewinner zur Verfügung gestellt:

2 Übernachtungen für 2 Personen 
Begrüßungspräsent 
Täglich Frisches Obst / Tee und Mineralwasser 
2 x  Anwendungen im Maritim spa & beauty care zur Wahl 
1 x Abendessen im Restaurant „Über den Wolken“ inkl. korrespondierender Getränke 
1 x Tagesstrandkorb am Ostseestrand 

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.


Weitere Informationen bei:


Fremdenverkehrsamt Travemünde
Bertlingstr. 21
23669 Travemünde
Telefon: 490185 – 882233
Email: info@travemuende-tourismus.de 
Internet: www.travemuende-tourismus.de


Maritim Strandhotel Travemünde 
Trelleborgallee 2
23570 Lübeck-Travemünde 
Telefon: +49 (0) 4502 89-0
Fax: +49 (0) 4502 89-2020
Reservierung: +49 (0) 4502 89-2057
E-Mail: info.trv@maritim.de
www.maritim.de/de/hotels/deutschland/strandhotel-travemuende


Fremdenverkehrsamt Timmendorfer Strand
Timmendorfer Platz 10
23669 Timmendorfer Strand
Telefon: 04503- – 3577-0
Telefax: 04503- – 3585-45
Email: info@timmendorfer-strand.de
Internet: barrierefrei.timmendorfer-strand.de


Maritim Seehotel Timmendorfer Strand 
Strandallee 73
23669 Timmendorfer Strand 
Telefon: +49 (0) 4503 605-0
Fax: +49 (0) 4503 605-2450
Reservierung: +49 (0) 4503 605-2452
E-Mail: info.tim@maritim.de
www.maritim.de/de/hotels/deutschland/seehotel-timmendorfer-strand-ostsee 


Bericht:

Otger Jeske


Fotos: 

Matthias Dikert