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Die MS Belvedere aus einer anderen Perspektive

Eine Flusskreuzfahrt auf der Donau ist immer ein Genuss. Das gilt besonders für das Schiff MS Belvedere von TransOcean. Wir hatten das Vergnügen, die Teil-Strecke Budapest bis Passau zu erleben.

Natürlich werden bei den einzelnen Haltestellen auch Landausflüge von TransOcean angeboten, die sich immer lohnen. Man braucht sich um nichts zu kümmern und startet direkt ab Schiff per Bus oder zu Fuß, immer mit einem Reiseführer in deutsch und englisch.
Auf unserer Strecke wurden die Ausflüge Budapest bei Nacht, Puszta, Bratislava, Wien, Schloss Schönbrunn (Wien), Abend beim Heurigen (Wien) und Linz angeboten. Die Berichte hierzu finden Sie in den Links am Ende des Artikels.

Aber zurück zu unserem schönen Schiff: 84 Kabinen, 4 Suiten, ein Wellness-Bereich, 1 Restaurant, 1 Bar und 43 Crew-Mitglieder stehen maximal 176 Passagieren zur Verfügung.
Macht sich jemand eigentlich Gedanken, was dies bedeutet? Das Schiff ist rund 24 Millionen Euro wert. Alleine eine Glasscheibe in der Bar kostet 8.000 Euro. Es ist eine immense Verantwortung, die auf dem Kapitän samt Mannschaft lastet. 

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Der Chef kommt aus Serbien und heißt Grbovic. Er und sein Steuermann haben das große Patent. Die Ausbildung zum Kapitän dauert 5 Jahre und jedes Land hat andere Bestimmungen für die Untersuchung von Kapitänen. Dazu kommt, dass auf jedem Fluss wieder ein neuer Schein fällig ist. Auf Frachtschiffen gibt es nur 5 Leute und keine Küche. Auf den Kreuzfahrtschiffen sind es ein paar Matrosen mehr. Die Crew ist in jedem Fall mehrere Monate zusammen. Der Kapitän sagt, dass es mit Passagieren gefährlicher aber auch schöner ist. Einen Brand hätte er noch nie erlebt aber eine Havarie schon. Regelmäßig werden einmal im Jahr verschiedene Szenarien geprobt. Und schaut man sich die Flüsse und das Verkehrsaufkommen dort an, kann man verstehen, dass die Verantwortung für Passagiere schwer wiegt. Der Bremsweg eines Schiffes unterscheidet sich nach Geschwindigkeit und Strömung des Flusses. Die MS Belvedere benötigt Donauabwärts rund 200 m. 
Wie erkennen die Passagiere die einzelnen Ränge? Streifen geben den Grad an. 4 Streifen bedeutet Kapitän. Ein Stern ist das Nautik-Symbol. Den trägt der 1. Kapitän, der Schiffsführer und der Steuermann. Ein Zahnrad hingegen weist auf den Maschinisten hin. Auf Schiffen wie der MS Belvedere gibt es einen davon. Er ist für die gesamte Technik verantwortlich. Das bedeutet im Prinzip ein 24h-Tag. Hier wird monatlich gewechselt. 
Und der Maschinist erzählt dann, was hier verbraucht wird:

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„Wir haben zwei Maschinen für die Bewegung und eine Maschine für die Bordenergie. Wenn alles auf Hochtouren läuft, verbrennen 400 l/h. Im Durchschnitt verbrauchen wir 250-300 l/h.“ Eine Maschine bringt hierbei 1.200 PS. Mittlerweile gibt es Schiffe mit Maschinen mit 5.500 PS. 
Die gesamte Crew ist während der Saison für acht Monate am Stück zusammen an Board. Die Arbeitsbedingungen sind hart, weswegen die Crew i.d.R. aus osteuropäischen Donauanrainer-Staaten stammt. Es ist mehr eine Frage des Lebensgefühls, sich für Schiffe zu entscheiden, statt am Land in Restaurants und Hotels zu arbeiten. Der größte Teil der Crew besteht nämlich aus solchen Kräften. Geführt wird sie nicht vom Kapitän sondern vom Hotelmanager. Auch an Land gibt es in der Gastronomie keine Wochenenden oder Feiertage. Und in den touristischen Hochburgen wird ebenfalls monatelang eine 7-Tage-Woche gefahren. Aber im Gegensatz zur Hochsee-Kreuzfahrt ist der Job auf den Flüssen nicht ganz so stressig. Auf den Flüssen sind die Passagiere viel an Land, dann kann sich die Crew ein wenig entspannen und auch nach Hause telefonieren – regelmäßig und oft. Zählt man alles zusammen, sind die, die sich hierfür entschieden haben, in der Regel zufrieden mit der Wahl. Dennoch fällt auf, dass die Crew recht jung ist. Wohl auch ein kleines Abenteuer-Gen der Jugend. 
Gelernt wird hier nach dem Prinzip „Learning by doing“. Der Wille sei wichtiger als die Vorbildung. Und Hochschulabsolventen wären eher ungeeignet, da diese oftmals gleich Chef sein wollen, statt ganz unten anzufangen. Aber genau dies sei wichtig, um alle Abläufe auch wirklich kennen, verstehen und beherrschen zu lernen. Dies erzählt der Hotelmanager Herr Edletzberger. 

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Er stammt aus Österreich und hat 23 Jahre auf der Hochsee verbracht. Er hat Koch gelernt und seine erste Station war der des Salat-Kochs. Warum er irgendwann gewechselt hat, erklärt er auch: „Die Schiffe sind immer größer geworden. Irgendwann ist einfach der Kontakt zu den Gästen abgerissen. Aufgrund der Arbeits-Belastung wechseln die Besatzungen wöchentlich. Dadurch baut sich kein Teamgeist auf. 23 Jahre auf See zählen 46 an Land.“ Er ist jetzt seit vier Jahren auf Flüssen unterwegs und glücklich. Das Team ist irgendwann eingespielt, er weiß wie seine Leute ticken und der Kontakt mit den Passagieren ist jeden Tag gegeben. 
Herr Keizlar, ebenfalls Österreicher, war unser Küchenchef. Auch er hatte einiges zu erzählen. 

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Pause nach acht Monaten auf dem Schiff? „Nein, ich mache drei Wochen Urlaub. Den Rest bis zur nächsten Saison arbeite ich bei einem Freund in dessen Hotel in der Schweiz.“ Vollblut Koch also. Die Arbeit auf dem Schiff richtet sich nach der Anzahl der Menüs und Gänge, und diese wiederum ist abhängig vom jeweiligen Charterer. Sterne und Namen sind dabei variabel. Im Gruppenverbund gibt es Küchenchef-Treffen. Dort werden neue Kreationen besprochen. Ansonsten zeigt man sich flexibel, wenn Hochzeits-, Geburtstags- oder andere Feiern an Bord abgehalten werden sollen. Es sollte aber vorher angemeldet werden, denn die Versorgung muss geplant werden. Die Menüs werden vor der Saison beim Treffen festgelegt. Sie sind nicht immer gleich sondern richten sich nach der Route. In unserem Beispiel fuhr die MS Belvedere Passau-Budapest. Danach Passau-Frankfurt. Also ist er komplette Speiseplan an Bord dem angepasst worden. Zu 99% wird vor jeder Reise in Passau gebunkert. Und jeden dritten Tag wird dann frisches Obst, Gemüse und Kräuter ergänzt. Der Küchenchef gibt dann auch mal ein paar kurze Verbrauchsdetails: 700 Eier, 180 Kg Kartoffeln und 80 Kg Zwiebeln pro Woche. In der Spitze zweimal am Tag 190 Essen. Da kommt die Crew auf 10-12 h/Tag. 
Die Zulieferer sind zertifiziert, damit einerseits die Qualität gewährleistet ist, andererseits aber auch die Lieferzeit garantiert eingehalten wird. Es gibt vier bis fünf Zulieferer. Der Bäcker ist Reeder-eigen. Kompliziert wird es, je mehr verschiedene Volksgruppen zusammen auf Reisen sind. Da entstehen oftmals verschiedene Wünsche aus den jeweiligen Gewohnheiten. Wenn dann noch Allergiker dazukommen, wirbelt man ganz schön umher. Und natürlich ist man auch Trends unterworfen. Vegetarische Wünsche sind in den letzten Jahren um 10% gestiegen. 
Letztlich gibt es sehr scharfe Vorschriften für die Schiffe. Hotels an Land haben die noch nicht. Aber in der Schweiz würden sie sich auch schon zunehmend verbreiten. 
Die Donau ist zwischen Budapest und Passau zwischen 3 und 6 m tief. Bei Hochwasser 10 bis 11 m und bei Niedrigwasser knapp über 1 m. Zwischen Serbien und Rumänien gibt es eine Stelle, die ist 120 m tief. Die vollbeladene MS Belvedere hat einen Tiefgang von 1,76, der sich recht zügig wegen des Verbrauchs verringert. Aber nicht nur Niedrigwasser kann eine Nicht-Befahrbarkeit der Donau zur Folge haben. Bei starkem Hochwasser ist die Donau ebenfalls nicht befahrbar. Dann sind nämlich die Donaubrücken das Problem. Schiffe wie die MS Belvedere haben zwar ein hydraulisch einfahrbares Steuerhaus und auch die Reling am Oberdeck lässt sich zügig demontieren, doch manchmal reicht auch das nicht. Das Schiff ist 6 m hoch. 
Die deutsche Donau ist für Schiffsführer eine Herausforderung. Sie ist schmal und man muss somit ständig auf den Verkehr aufpassen. Die mittlere Donau hat viele Schleusen, viel Verkehr. Hier läuft alles gemütlich ab. Die untere Donau hat wenig Verkehr, ist in der Regel wesentlich tiefer aber dennoch sehr gefährlich. Verkehrs bedingt zeigen weniger Bojen die Fahrrinne an und trotz der augenscheinlichen Sicherheit durch eine höhere Tiefe des Flusses ist sie gefährlich, weil es eine Menge Sandbänke gibt. Falls das Schiff aufläuft muss es ganz schnell runter gezogen werden. Wenn es nicht möglich ist, wird es schnell sehr schwer, weil sich dann viel Sand zusätzlich um das Schiff herum ansammelt. 
Durch die Internationalität an Bord und der Donau kommen auch sprachliche Herausforderungen hinzu. Amtssprachen sind deutsch, russisch und englisch. Die Bordsprache hingegen wechselt schon mal abhängig von der jeweiligen Zusammenstellung der Crew, wobei der Gast an Bord davon nichts mitbekommt. Im Service-Bereich sind deutsch und englisch Standard.

Am Ende jeder Flusskreuzfahrt gibt es die Abschiedsgala mit dem Cocktailempfang des Kapitäns. Danach folgen das Dinner und als Highlight wird immer von der Schiffscrew eine Show produziert, die verschiedene Gesangseinalgen und Sketche beinhaltet. 

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Dies findet bei den Gästen immer guten Zuspruch, denn jeder kennt den einen oder anderen aus der Crew und sieht diesen nun auf einmal in einer völlig anderen Rolle auf der Schiffsbühne. 
So kann man sogar den Kapitän als Rockgitarrist live erleben.
Alle Gäste waren sich am Ende einig, diese Flusskreuzfahrt auf der MS Belvedere war ein kulinarischer und kultureller Genuss.

TransOcean ist ein Reiseveranstalter, der auf die europäische Flusskreuzfahrt spezialisiert ist. Mit der MS Astor hat das Unternehmen jedoch einen kleinen aber feinen Fuß in der Hochsee-Kreuzfahrt.
Uns interessierten jedoch mehr die Flüsse. Eine äußerst behagliche Art, Teile von Europa kennenzulernen. Die Flussflotte fährt auf Rhein, Main, Mosel, Donau, Elbe, Oder, Rhone, Saone, Wolga, Swir, Newa und gelegentlich auch auf der Ostsee.
Seit der Umstrukturierung der Firma profitiert der Reiseveranstalter von geballter Unternehmensgruppen-Kraft. Denn auch die Köln-Deutzer gehört zum Verbund. Und dort werden Wartung und Pflege der Schiffe erledigt. Und auch das Personal stammt von dort. Insgesamt gehören derzeit 25 Schiffe zur Gruppe, die von den einzelnen Gesellschaften gechartert werden. TransOcean hat sich dabei in einer 4-4,5-Sterne-Ausrichtung etabliert. Und neben der Belvedere befahren noch vier andere Schiffe unter der Firmen-Fahne die Flüsse Europas.

Landausflüge von TransOcean:

Von Budapest bis Passau – Kleine Donaukreuzfahrt

Weitere Informationen bei:

Transocean Kreuzfahrten GmbH & Co. KG
Stavendamm 22 
28195 Bremen

Tel.: 0421/33 36-0
Fax: 0421/33 36-100


Text:
Otger Jeske

Fotos:
Matthias Dikert