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Reise nach Kasachstan

Im November des Jahres 1993 machten wir uns zusammen mit einer 16-köpfigen Reisegruppe auf nach Kasachstan, um Land und Leute ein wenig besser kennen zu lernen. Vom Flughafen Berlin-Schönefeld flogen wir mit einer Aeroflotmaschine nach Moskau. Das Abenteuer begann bereits mit dem Einstieg ins Flugzeug: Teilweise fehlte der Teppichboden, so dass man hervorragende Stolperkanten vorfand, Sicherheitsgurte waren nur auf jedem zweiten Platz etc… In Moskau angekommen, stiegen wir in einen Reisebus, der uns zum nationalen Flughafen brachte. Dort mussten wir einige Zeit auf unser Flugzeug nach Petropawlowsk in Kasachstan warten. Dank erhöhter Aufmerksamkeit schafften wir es, unser Gepäck sogar vollständig nach Petropawlowsk zu bringen. Dort erwartete uns bei minus 20 Grad C eine vereiste Landebahn. Aber irgendwann kommt jedes Flugzeug zum Stehen.

Da der Leiter unserer Reisegruppe dort bereits viele persönliche Kontakte geknüpft hatte, wurden wir von Einheimischen am Flughafen abgeholt und in das beste Hotel der Stadt gebracht. Wir waren nur froh, das wir kein anderes Hotel kennenlernen mussten. Bei den herrschenden Außentemperaturen gab es weder warmes Wasser noch eine funktionierende Heizung. Vom Zustand der sanitären Anlagen ganz zu schweigen!

Diese ungewohnten und teilweise unerfreulichen Umstände vergaß man aber sofort, als wir in persönlichen Kontakt mit den dort lebenden Menschen kamen. Wir wurden überall mit großer Herzlichkeit empfangen. Von der dort herrschenden Gastfreundschaft können wir uns hier eine Scheibe abschneiden! Unter anderem besuchten wir dort ein Kinderheim, in dem kranke, verwaiste Kinder leben, die niemand mehr haben will. Dieses Erlebnis kann man nicht beschreiben. Am liebsten hätten wir diese armen Wesen alle mit nach Hause genommen.

Nach fünf Tagen mussten wir wieder abreisen. Die Rückreise gestaltete sich sehr schwierig, da in Petropawlowsk wegen mangelnden Kerosins kein Flugzeug mehr landete. Also machten wir uns per Bus zum nächsten, 180 km entfernten Flughafen auf. Unterwegs ist der Bus liegengeblieben, weil während der Fahrt der Diesel im Tank eingefroren ist. Wenn man ca. zwei Stunden bei minus 30 Grad C in einem unbeheizten Bus sitzt, kann einem schon Angst und Bange werden. Schließlich gibt es dort keinen ADAC oder ähnliches! An dieser Stelle lernten wir ein letztes Mal die große Hilfsbereitschaft der Einheimischen kennen: Mit einer wirklich riesigen Erntemaschine wurde unser Bus in ein Dorf geschleppt, die Dorfbewohner stellten ihren eigenen kleinen Bus und ihr rationiertes Benzin zu Verfügung und fuhren uns zum Flughafen! Dank der Hilfe dieser Menschen kamen wir dann mit einem Tag Verspätung wieder wohlbehalten in Berlin an.

Kasachstan ist kein Reiseziel für den Konsumtouristen, sondern nur zu empfehlen, wenn man ein ehrliches Interesse an Land und Leuten hat.


Buchtipp:

Kasachstan – Eine Reise durch das postkommunistische Zentralasien
Mit Humor und Melancholie berichtet die Autorin über dies Land voller Legenden und Schönheit, aber auch über die großen ökologischen und ökonomischen Probleme. Zugleich vermittelt sie ein äußerst lebendiges Bild von den Menschen in Kasachstan.

Kasachstan von Laurence Deonna. Quintessenz Verlags-GmbH Berlin. ISBN 3-86124-554-X.


Informationen:

Kasachstan verfügt in Deutschland über kein Touristenbüro.
Ein Ansprechpartner ist die: Deutsch-Kasachische Gesellschaft e.V. Colditzstraße 34 – 36, 12099 Berlin. Tel 030 – 7002 3478, Fax 030 – 7002 4880.

Erlebnisbericht von Andreas Koehler (Redakteur bei ReiseGala.de)