Das Elbe-Elster-Land

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Das Elbe-Elster-Land

Im 3-Ländereck Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt auf brandenburgischem Gebiet gelegen, ist die kleine Region ein Ziel für Naturliebhaber. Die flach wellige Landschaft aus Wiesen, Wäldern und Äckern zieht Fahrradfahrer magisch an. Und so fahren diese auf rund 700 Km asphaltierter Radwege gemütlich durch’s Land. Für die Unterhaltungspunkte sorgen Industriedenkmäler wie z.B. die Brikettfabrik Louise oder das Kraftwerk Plesser. Aber auch die vielen Schlösser mit ihren Gärten und Parks laden zum Verweilen ein. Für eine sommerliche Abkühlung sorgen geflutete Teiche aus ehemaligen Tagebauflächen.

Die Natur hautnah entdecken kann man in vielen kleinen Naturschutzgebieten und -parks. In Moorgebiete, Heidelandschaften und Seen tummeln sich Biber, Fischotter, Kiebitze und Kraniche. Die ehemaligen Tagebaugelände bieten Platz für eine Vielzahl von spezialisierten Pflanzen und Kleinsttieren und werden von der Nabu betreut.

Aufgrund der vielen Gewässer ist die Region auch bei Anglern sehr beliebt. Dazu ist ein ehrgeiziges Projekt gestartet worden, die schwarze Elster dem Wassertourismus zu erschließen. Für Paddler beginnt die Tour derzeit kurz vor Bad Liebenwerder und reicht bis fast an Herzberg heran. Insgesamt rund 40 Km die sukzessive weiter ausgebaut werden sollen. Dazu sind eine Menge Ein- und Ausstiege geschaffen worden, mit Einschluss- und Rastmöglichkeiten für Boot und Mensch bzw. notwendige Umtragepunkte, da der Flusslauf vor Jahrzehnten begradigt wurde. Das daraus resultierende Gefälle sorgt für hohe Fließgeschwindigkeiten, die Wehre notwendig machen. Die ersten Rückbauprojekte sind ebenfalls in Angriff genommen worden, betreffen aber die kleine Elster.

Parallel werden auch Fahrradwege weiter ausgebaut. Der Schwarze Elster-Radweg umfasst derzeit knapp 130 Km und geplant sind weitere 60. Er wird dann fast komplett den gesamten Flusslauf umspannen.

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Finsterwalde
Die größte Stadt der Region mit ihren rund 20.000 Einwohnern trägt seit Anfang des letzten Jahrhunderts den Namen „Sängerstadt“. Ende des 19. Jahrhunderts wurde in Berlin das Theaterstück uraufgeführt, welches die Zeile „Die Sänger von Finsterwalde“ enthielt. Dabei war der Ortsname beliebig gewählt und stand lediglich als Synonym für „Provinz“. Der Gassenhauer „Wir sind die Sänger von Finsterwalde“ verselbständigte sich jedoch. Die Finsterwalder waren nicht sonderlich begeistert, der Rest des Reiches pfiff ihn an jeder Ecke und der Schwank von Wolff war nach kurzer Zeit schon wieder völlig vergessen. Der Sängerclub nutzte jedoch schon 1901 das Lied als Werbung, denn Finsterwalde war ja nun im ganzen Reich bekannt. Man krempelte das Image um und gab sich das Attribut der „Sängerstadt“, auch wenn dies so nie gewesen ist, trotz einer der ältesten Kantoreien in Brandenburg (seit 1565). Nach dem Krieg, genauer gesagt 1954, wurde das erste Sängerfest veranstaltet, welches dem Wunsch nach Vergnügen nach langen entbehrungsreichen Jahren entsprang. Es hat sich seit dem zu einem der größten Volksfeste Brandenburgs entwickelt und beschert der Stadt jeweils alle 2 Jahre Ende August mehr als 100.000 Besucher. Das Programm spannt sich heutzutage über alle Facetten der Musik, es ist nicht nur ein Eldorado für Chöre. 
Als Besichtigungsstationen bieten sich das Schloss an, der neu gestaltete Marktplatz mit Rathaus und den restaurierten Häusern, der Wasserturm und die Kirche Süd. Viele Gründervillen warten dagegen noch auf eine Wiedergeburt in altem Glanz und verstecken sich bis dahin lieber in einem Mantel aus dichtem Grün. Ebenfalls interessant das Heimatmuseum mit originalem Kaufmannsladen der Kaiserzeit.

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Für den kulinarischen Höhepunkt sorgt dann das RestaurantGOLDENER Hahn. In der 3. Generation in Familienbesitz, zog der Sohn durch die Welt, und ist nun seit einiger Zeit wieder zurück. Der „Meisterkoch Brandenburgs 2006“, Kochweltmeister und Vize Kocholympia-Sieger sammelte hervorragende Bewertungen beim Feinschmecker und Gault Millau und damit für seine Heimatstadt, deren weiteres Aushängeschild er ist. Die Frage scheint nur zu sein, wann gibt es den „Stern“? Und wer sich für die Geheimnisse der „großen“ Kochkunst interessiert, kann auch einen Kochkurs mit Frank Schreiber buchen…

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Bad Liebenwerda
Seit gut 100 Jahren kann in Bad Liebenwerda gekurt werden. Damit ist die kleine Stadt eine der ältesten Kurstädte Brandenburgs. Heutzutage eher bekannt für das Wasser der gleichnamigen Marke, ist die kleine Kurklinik speziell auf Orthopädie und Rheumatologie ausgerichtet und liegt zudem in unmittelbarer Nähe zur Lausitztherme Wonnemar. Beides am Rande der Stadt gelegen und die Klinik eingebettet in einen schönen Park direkt am Fluss.

Die seit dem Mittelalter gewachsene Struktur der Stadt ist noch heute erkennbar, obwohl die Bausubstanz gründerzeitzentriert ist und in den letzten Jahren vielfach saniert und restauriert wurde. Interessant die zwei Märkte der Stadt, der „normale“ und der Rossmarkt. Letzterer zeugt von der großen Tradition und Bedeutung Liebenwerdas als zentraler Viehmarkt bis in das letzte Jahrhundert hinein. Entgegen dem Namen war es kein reiner Pferdemarkt sondern ein Nutztiermarkt im allgemeinen. Von anderer Bedeutung ist die religiöse Tradition Liebenwerdas. Schon 1519 trifft Luther hier den päpstlichen Nuntius zum Streitgespräch und weist 1544 den ersten Superintendenten Liebenwerdas persönlich ein. Vom ältesten Gebäude ist indes nur noch ein mächtiger Turm zu sehen: Der Lubwartturm ist Wahrzeichen der Stadt und wurde einst als Bergfried einer mittelalterlichen Burg errichtet. Später zu einem Schloß umgebaut, ist das Ensemble schon im 18. Jahrhundert abgebrannt und nicht wieder errichtet worden. Der Turm gehört zu den ältesten Bauwerken des gesamten Elbe-Elster-Kreises.
Und natürlich ist Bad Liebenwerda auch ein Hauptzentrum des jährlichen Puppentheaterfestivals, welches sich über die ganze Elbe-Elszter-region erstreckt. Diese gilt als Keimzelle des mitteldeutschen Wandermarionettentheaters und vor gut 250 Jahren wurden viele Puppenspielerfamilien hier sesshaft. Was lag also näher, als ein weltweites Festival-Treffen ins Leben zu rufen? Es wird darauf Wert gelegt, dass es sich nicht nur an Kinder richtet sondern auch an Erwachsene und so kann man auch nachts in den Schänken der Stadt Auftritte erleben.

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Saxdorf
Auch schon mal als „Vorhof des Paradieses“ bezeichnet, würde sich niemand um diesen Ort scheren, wenn nicht der Pfarrgarten Saxdorf existieren würde. Die Kirche stammt aus dem 13. Jahrhundert und verrottete langsam, bis 1967 der Pfarrer Zahn die Gemeinde übernahm. Mit seinem Freund Hanspeter Bethke, einem Maler und Grafiker, wurde damals der Grundstock für das heutige Aussehen gelegt. Die ersten Bäume und Sträucher wurden noch im selben Jahr gepflanzt, die privat organisierte Restaurierung in den 70ern begonnen. Beides stand unter keinem guten Vorzeichen, denn der Staat war nicht an der Kirche und deren Erhaltung interessiert und „exotisches“ Saatgut musste ebenfalls über „dubiose“ Wege beschafft werden, da auch hier der Staat seine eigenen Ansichten hatte. Heute gilt das Ensemble aus Garten, Friedhof und Kirche als Gesamtkunstwerk und ist ein Kleinod der gesamten Region. In der Kirche finden regelmäßige Konzerte statt und der Garten ist teilweise der Öffentlichkeit freigegeben (Mi, Sa, So, Winter Ruhe). Er verfügt über 3.000 Arten und Sorten, die den Umständen entsprechend eher zufällig zusammengekommen sind und heutzutage den Reiz dieses Gartens ausmachen.

Weitere Informationen:TMB Informations- und Buchungsservice
ReiseLand Brandenburg
Am Neuen Markt 1 – Kabinetthaus
14467 Potsdam
Hotline: 0331-200 47 47
E-Mail: hotline@reiseland-brandenburg.de

Text und Fotos:
Otger Jeske