image_print

Bier, Barock und Bimmelbahn Oberschwaben hat eine Menge mehr zu bieten als nur Spätzle und Schupfnudeln.

Oberschwaben hat eine vielfältige Freizeit- und Erholungslandschaft, die zwischen Schwäbischer Alb und Bayern liegt. Auch die Nähe zum Bodensee wertet diese Region zusätzlich auf. Ein idyllisch am Hang gelegener Ort ist Aulendorf. Die Landschaft hier ist vor ca. 25.000 Jahren durch die letzte Eiszeit geprägt worden. Dadurch sind interessante Täler entstanden, die sich mit romantischen Hügeln abwechseln. Der Kurort Aulendorf hat derzeit 10.000 Einwohner und ist ein idealer Startpunkt für Erkundungen im Umland. Sehenswert ist das Schloss, welches als Fluchtburg für das Geschlecht der Welfen diente. Seine Anfänge gehen auf das 11. Jahrhundert zurück. Wen die Sehnsucht nach ritterlichen Erlebnissen und zugleich der Hunger packt, der findet in dem Aulendorfer Ritterkeller, Gasthaus zum Rad, eine gute Möglichkeit, dies zu befriedigen.

In historischen Gewölben wird von stilecht gekleideten Mägden zum gar köstlichen Gelage empfangen. Kusprige Hühnerbeine und eine erfrischende Trauerkaltschale, auch Schwarzbier genannt, stillen Hunger und Durst. Auf Wunsch können auch Fakire, Feuerspucker und Minnesänger bestellt werden, die das Ganze abrunden. Aber wehe, es wird nicht auf den gestrengen Mundschenk gehört. Dem drohen garstige Strafen.

Zur Nachtruhe bietet sich dann das Vita Wellnesshotel an, in dem schon Fußballer Mario Basler als erster Gast noch weitere Sportler wie die Berlin-Capitals Eishockeyspieler angelockt hat. Aber nicht nur Sportler fühlen sich in diesem familiär geführten Hotel wohl. Der Wellnessbereich bietet Massagebehandlungen, Sand-Wärmeliegen, Sauerstoff- und Magnetfeldbehandlungen nebst Sauna und Dampfbad und schließt sich einem Fitneßbereich an. Aber auch Geschäfts- und Tagungsgäste können hier in ländlicher Ruhe gut arbeiten und entspannen. Und wer noch nicht genug von Wellness hat, der geht gern die 2 Minuten Fußweg zur benachbarten Schwabentherme. Hier wird für die ganze Familie alles rund ums Thema Baden geboten. Vom Thermalschwimmbad, welches eine sich im Sommer öffnende Glaskuppel besitzt, über einen Spaßbereich mit Riesenwasserrutsche, verschiedene Whirlpools und Sprudelliegen zum Saunabereich mit römischem Dampfbad mit ätherischen Duftölen und diversen finnischen Saunarien in mehreren Temperaturlagen. Und die Sauna Dachterasse bietet einen herrlischen Ausblick auf das Tal.

Zur Besinnung kommt der Gast in der wohl schönsten katholischen Barock-Dorfkirche der Welt in Steinhausen, an der oberschwäbischen Barockstraße gelegen, die zum Kloster Schussenried gehört. In Bad Schussenried ist auch die Erlebnisbrauerei angesiedelt, die zu einem Besuch einlädt. Hier kann man das Bier nicht nur frisch gezapft geniessen, sondern sich auch bei einer Besichtigung vom hochqualitativen Herstellungsprozeß überzeugen. Der ebenfalls dort zu besichtigende drittgrösste Bergkristall der Welt hat die Brauerei zu einer neuen Bierspezialität inspiriert, dem „Bergkristall“. Und für Mondsüchtige bietet sich das Vollmondbier geradezu an.Wenn dann noch Zeit ist, sollte das erste deutsche Bierkrugmuseum besichtigt werden,das der Brauereiinhaber selbst mit seiner persönlichen Sammlung errichtet hat.Auch das Fernsehen war hier schon oft zu Gast im sogenannten Bierkrugstadl.

Lohnenswert ist ein Besuch in Biberach, das schon im Lied von der schwäbischen Eisenbahn Verewigung fand. Neben der schönen Altstadt gibt es hier die interessante Stadtkirche St. Martin zu sehen, in der zwar ökumenische Gottesdienste abgehalten werden, aus Kostengründen jedoch getrennte Stromzähler vorhanden sind. Die Schwaben wissen halt zu sparen. Der berühmteste Bürger war der Dichter Wieland, der als Stadtschreiber die „Schildbürgerstreiche“ in seine literarischen Werke einfließen ließ. Auf dem Marktplatz steht ein Esel-Denkmal, an dem sich die Gemüter der Stadt scheiden. Es basiert auf dem Wieland-Werk „Prozess um des Esels Schatten“, in dem ein Mann einen Esel, aber nicht dessen Schatten zum Ausruhen mietet. Als Kontrast zur alten Stadt ist moderne Kunst im Braith-Mali-Museum zu sehen.

In Warthausen wartet eine besondere Spezialität auf die Besucher. Hier gibt es das Knopf & Knopf-Museum zu besichtigen. Immerhin ist der Knopf das drittbeliebteste Sammelobjekt der Amerikaner. Knöpfe aller Generationen von der Steinzeit bis zur Moderne können hier in dem auch für Kinder interessant gestalteten Museum betrachtet werden. Ein kulinarisches Erlebnisangebot rundet auch diesen Besuch ab. Radwandergruppen dürfen hier durchaus mit Überraschungen rechnen…

Wer danach weiter nach Ochsenhausen möchte, der fährt am besten mit der historischen Schmalspur-Bahn, liebevoll „Öchsle“ genannt, die echte Dampflokromatik verspricht. Über hundert Jahre ist die Eröffnung dieser Bahnstrecke her. 1983 stellte die Bundesbahn den Betrieb endgültig ein, nachdem schon in den `60ern der Personenverkehr gestrichen wurde. Der älteste noch in Benutzung befindliche Personenwagen fristete ab nun ein Dasein als Hühnerstall… bis dann die Öchsle Bahn-AG gegründet wurde, die im Zusammenwirken mit engagierten Eisenbahnfreunden diese Bahn restaurierte. Und so schnauft die vielbesungene „schwäb`sche Eisebahn“ wieder.

An der Endstation Ochsenhausen wartet das Kloster, welches dem Ort seinen Namen gab. Prunkstück ist die wunderschöne Klosterkirche, die sogar Hochzeitspaare aus Übersee anlockt. Disneyland made in Europe! Der größte Teil der alten Anlage wird heutzutage allerdings von der Landesakademie für Musik genutzt. Dennoch lohnt ein Streifzug durch Wirtschaftswege und Gärten, um wenigstens die äußerliche Pracht und Ruhe zu genießen.

Romantische Vollmondnächte erwarten den erlebnishungrigen Besucher auf Burg Waldburg. Literarische oder geschichtliche Führungen durch das Burgmuseum sind mehr für die Erwachsenen interessant, aber Kinder mit grosser Geduld, die es allerdings nicht allzuoft geben soll, vergnügen sich im historischen Burggasthof oder beim Herumtollen in den rustikalen Rittersälen. Wer es nicht so ausgefallen mag, nutzt die normalen Öffnungszeiten und erhält bei Tageslicht einen einmalig schönen Blick auf Bodensee mit Alpenkulisse

Einen schönen Schlusspunkt auf der oberschwäbischen Barockstrasse bietet die Satdt Wangen, die bereits zur Allgäuer Ferienregion zählt. Eine gut erhaltene Stadtmauer ist neben der schönen Altstadt ein echter Höhepunkt dieser Tour. Die Herrenstrase in Richtung Frauentor ist eines der wohl am meisten abgelichteten Panoramen Deutschlands. Kostenlose Stadtführungen und schön angelegte Radwanderwege mit Leihrädern vom Gästeamt sind ein Service, der zahlreiche Touristen zu Stammgästen werden läßt. Seit kurzem hat man auch ein Herz für Wohnmobile… Ein „Gast“ ganz anderer Sorte hatte schon vor Jahrhunderten den auch heute noch passenden Satz zum Luftkurort gewählt: „In Wangen bleibt man hangen !“ Nur jener meinte es ein klein wenig anders…

Weitere Informationen:

Bodensee-Tourismus GmbH
Tel. 07531/9094-10

IBT-Zielgebietsagentur Allgäu und Oberschwaben
Tel. 07524/905351

Text:
Matthias Dikert

Fotos:
Otger Jeske
Rittertafel mit freundlicher Genehmigung vom Gasthaus