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Starke Frauen im Landkreis Hohenlohe

Hohenlohe ist vielen noch nicht so bekannt wie die anderen Landkreise Baden-Württembergs. Zu Unrecht, denn hier sind die Landschaft, Leute sowie Essen und Trinken sehr erkundenswert. Der Landkreis Hohenlohe liegt im Nordosten Baden-Württembergs und weist eine Fläche von 777 Quadratkilometern auf. 1973 wurde durch die Gebietsreform das Land der Hohenloher Franken in die Landkreise Hohenlohe, Schwäbisch Hall und Main-Tauber-Kreis aufgeteilt. Der Dialekt ist eine Mischung aus Fränkisch und Schwäbisch. Man sollte jedoch nie Schwaben zu Ihnen sagen. Die Menschen gelten hier als weltoffen, humorvoll und bodenständig. Auch eine gewisse Schlitzohrigkeit wird Ihnen nachgesagt. Diese Eigenschaften finden sich auch insbesondere in den starken Frauen von Hohenlohe wieder. Eine dieser Frauen ist die erste Bürgermeisterin Frau Sabine Eckert-Viereckel(52) der Stadt Neuenstein, die seit 1999 dieses hohe Amt bekleidet.

Sie wurde in die jetzige 2. Wahlperiode mit 98 % wiedergewählt. Sie kommt direkt aus der Stadtplanung, ist verheiratet und hat 3 Kinder. Sie erinnert sich, wie damals die Männer im Gemeinderat bei Ihrer ersten Sitzung schwer geschluckt haben, war es doch ein absolutes Novum, dass eine Frau dieses Amt bekleidete. Stärke sieht sie als nicht geschlechtsspezifisch an. Ihr Führungsstil ist jedoch eher von Diplomatie geprägt als von alleiniger Autorität, wie sie selber sagt. Mittlerweile kann Sie stolz auf einige Erfolge verweisen. So wurde die Umgehungsstraße unter ihrer Rigide fertig gestellt, was zu einer erheblichen Verkehrsberuhigung beitrug. Durch den Neubau von Kindertagesstätten wurde Neuenstein auch attraktiv für junge Ehepaare mit Kindern, die seitdem verstärkt in die Gemeinde zuziehen bzw. bleiben. Aktuell umfasst Neuenstein 6.243 Einwohner bei einer Fläche von 4.784 ha. Die herausragende Sehenswürdigkeit ist das Schloss Neuenstein, das in staufischer Zeit als Burg der Herren von Neuenstein gebaut wurde. Aktuell beherbergt es ein Museum mit Malerei, Goldschmiedekunst, Schnitzereien und eine umfangreiche Waffensammlung.

Nordöstlich von Neuenstein liegt die Kreisstadt Künzelsau. Hier hat Frau Carmen Würth (73), die Frau des Großunternehmers und Schraubenkönigs Reinhold Würth, damals eine mutige Entscheidung getroffen und das Hotel Anne-Sophie errichtet.

Das Besondere an dem 4 Sterne-Haus und größtem Hotel der Stadt ist die Beschäftigung von Behinderten. Frau Würth hat selber einen behinderten Sohn und so lag ihr sehr daran, diesen Menschen eine berufliche Perspektive zu bieten. Mit ihrer besonderen Philosophie hat sie sehr viel Wert auf Details gelegt und an der Einrichtung des Hauses mitgewirkt. Der Hotelkomplex umfasst 2 Häuser mit Restaurant und soll demnächst um einen Anbau ergänzt werden, in dem auch ein kleiner Wellnessbereich geschaffen werden soll. Unbedingt sehenswert in Künzelsau ist auch das Mustang-Museum.

Die Künzelsauerin Luise Hermann hat 1932 die heute weltbekannte Jeansfirma Mustang gegründet. Berühmt ist die Geschichte von den 6 Flaschen Getreideschnaps, über deren Tausch gegen 6 US-Jeans von den GI’s der Seniorchef Albert Sefranek 1948 die ersten Schnittmuster für die legendären Mustang-Jeans erhielt. Heute erwirtschaften weltweit 540 Mitarbeiter einen Jahresumsatz von 108 Millionen Euro. Sogar ein Plattenlabel wurde in den 70ern gegründet und der Tophit Jeans von David Dundas war wochenlang in allen Charts zu finden. Das Museum beherbergt die gesamte Entstehungsgeschichte der Kulthose, die in den 70ern vor allem durch Stars wie Marlon Brando und James Dean endgültig gesellschaftsfähig wurde. Westlich von Künzelsau liegt der Geburtsort Forchtenberg der Widerstandskämpferin „Sophie Scholl“ im Dritten Reich.

Durch den dortigen Gedenkpfad „Weiße Rose“ führt die ehrenamtlich engagierte Führerin Renate S. Deck und verbindet so die einzelnen Stationen des Pfades mit den Sehenswürdigkeiten wie der Michaelskirche mit einer Kanzel von Michael Kern III. aus 1620 und einem Taufstein von J.A. Sommer aus Künzelsau. Und wenn einen der Hunger plagt, kann zu einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis im drei Sterne Superior Landhotel Krone gespeist werden.

In dem Familienbetrieb servieren die Seniorchefin Ilsetraud Walter (63) und die 2007 in den Hotelbetrieb eingetretene Juniorchefin Angelika Walter (29) regionale Wild- und Fischgerichte vom Küchenchef Peter Walter. Sehr erfolgreiche Firmen wie die BTI Befestigungstechnik Ingelfingen GmbH & Co. KG werden auch durch Hohenloher Frauen geführt.

Die Unternehmerin Kerstin Berner-Göbel erwirtschaftet mit 1000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 190 Millionen Euro Umsatz. Der Großhandel für Profiwerkzeuge vertreibt seine Produkte im Direktvertrieb durch einen großen Außendienst. Mit einem Anteil von 10 % Auszubildenden zeigt die Unternehmerin auch ihr Engagement für die Jugend. Eine Besonderheit im Unternehmen ist das Azubi-Car. Diese Auto wird 4 Wochen lang kostenlos inklusive Benzin allen Azubis zur Verfügung gestellt. Nicht zuletzt durch solch innovative Ideen sichert sich das Unternehmen einen ständigen Expansionskurs. Dazu gehört auch der kürzlich eingeweihte Westernshop. Ganz andere Produkte bietet dagegen die Winzerin Susanne Schmezer mit ihrem Weingut Gaufer in Ingelfingen.

Die ehemalige Württemberger Weinkönigin Susanne I. von 1988/89 hat den elterlichen Betrieb gepachtet und füllt 4.000 Flaschen Wein pro Jahr ab, die sie aus 5 Hektar Anbaufläche gewinnt. Sie vermarktet den Wein selbst und ist zudem sehr erfolgreich mit ihrem Weinbergschuppen an der Zarge, wo neben dem Wein auch deftige Hohenloher Spezialitäten wie Sauerbraten mit Spätzle serviert werden. Der Landkreis wurde aber auch schon von Alters her durch den Adel geprägt. Fürstin Saskia und Fürst Philipp zu Hohenlohe-Langenburg sind sowohl Schlossbesitzer als auch Unternehmer, da das Anwesen hohe Unterhaltskosten von mind. 110.000 Euro pro Jahr vertilgt.

Seit 2004 haben sie die Anlage übernommen und betreiben mit 11 Mitarbeitern u.a. ein Museum mit kostümierten Führern und einen Kletterpark, der auch für Firmenevents und Incentives zur Verfügung steht. Die Verwandtschaft zur Queen beschert ihnen jährlich 2 Einladungen an den englischen Königshof. Die Nachfolge ist mit 2 Söhnen und der baldigen Geburt einer Tochter gesichert. Einen berühmten Bruder aus der Politik mit Rezzo Schlauch hat der Langenburger Unternehmer Bernulf Schlauch. Er hat das alkoholarme Lifestylegetränk „Holunderzauber“ kreiert, welches nach dem klassischen Sektverfahren aus frisch gesammelten Holunderblüten, Zucker, Wasser und Zitronen gewonnen wird. Durch seinen geringen Alkoholanteil von 2% Vol eignet sich das prickelnde Getränk als leichter Sommeraperitif. Kein großes Unternehmen, dafür aber das Sandelsche Museum in Kirchberg leitet die ehrenamtlich tätige Frau Grete Gonser.

Das Sandelsche Museum ist ein Heimatmuseum, dass seit 1972/73 in der Alten Schule, einem Barockbau von 1748, untergebracht ist und 2004 mit einer neuen Ausstellungskonzeption wieder eröffnet wurde.
Benannt ist es nach dem Kriegsgerichtsrat Theodor Sandel (1861–1927), der seine wertvolle Sammlung für dieses Museum stiftete.

Gleich zwei starke Frauen im Doppelpack gibt es im Hotel Rose in Bretzfeld-Bitzfeld.

64 Hotelzimmer und neue Veranstaltungsräume bietet das schöne Hotel, geführt von Frau Carle und der Tocher Elke Bender. Und obendrein gibt es noch Spezialitäten aus der hauseigenen Metzgerei zu probieren.
Das man Wein auch auf eine andere Art kennen lernen kann, dass verspricht die zertifizierte Weinerlebnisführerin Frau Regina Weihbrecht.

Ihr Weingut in Bretzfeld war ihr nicht genug und nachdem ihr Ehemann das OK gab, startete sie die Ausbildung zur Weinerlebnisführerin. Auf ihren Touren im schönen Kremserwagen bringt sie dem Interessierten das Thema Wein und korrespondierende Speisen auf vergnügliche und unterhaltsame Weise näher. Und zur Stärkung lädt sie dann in die eigene Besenwirtschaft, wo traditionelle Speisen angeboten werden wie Schlachtplatte, Bratwürste und Sauerkraut.
Eine echte Hohenloherin durch und durch ist Frau Anneliese Ottliczky, die ihren Balkon von Hohenlohe, wie Waldenburg auch gern genannt wird, in einer echten Tracht präsentiert.

Waldenburg wurde erstmals 1253 urkundlich erwähnt und das sehenswerte Schloss ist die Residenz der Grafen und späteren Fürsten von Hohenlohe-Waldenburg. Augen zwinkernd lobt Frau Ottliczky den Fürsten als attraktiven Herren, aber er ist ja leider schon vergeben. Neben dem Rathaus, der Kirche und dem Lachnersturm lohnt sich ein Abstecher in das Panoramahotel Waldenburg, das 136 Betten und zahlreiche Tagungs– und Bankettmöglichkeiten für bis zu 150 Personen bietet.

Das Frauen aus Hohenlohe auch erfinderisch sein können beweist Frau Irmgard Sanwald in Waldenburg, die ihre SanVino-Produkte aus den Kernen von Weintrauben herstellt.
Die Kosmetikserie basiert auf reinen Naturstoffen und vereint Wein und Schönheit.

Eine echte Allrounderin schließlich ist die Landwirtin Frau Irene Truckenmüller aus Pfedelbach.

Sie bietet nicht nur Hohenloher Backkunst, sondern vermietet auch erfolgreich Ferienwohnungen in ihrem Haus am Limes, verkauft landwirtschaftliche Produkte und ist im Vorstand der Anbietergemeinschaft Urlaub auf dem Bauernhof in Hohenlohe-Franken e.V.. Und der Ehemann brennt einen hervorragenden Obstler aus selbst geernteten Früchten wie Mirabellen und Birnen.

Bei so vielen starken Frauen wird die Entdeckerlust für das Gebiet Hohenlohe zu Recht erweckt.

Weitere Informationen bei:

Touristikgemeinschaft Hohenlohe e.V.
Allee 17
74653 Künzelsau
Telefon: (07940) 1 82 06
Telefax: (07940) 1 83 63
E-Mail: info@hohenlohe.de

Text und Fotos:

Matthias Dikert

Fotos vom Hotel Anne-Sophie vom Hotel Anne-Sophie Künzelsau
Fotos vom Hotel Krone vom Hotel Krone
Foto weiße Rose von Renate Sophie Deck