1. Kreativ-Wochenende Bad Reichenhall

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„Zukunftspotential Kreativität“ – Tagung 10. und 11. Okt. 2014
im Rahmen des 1. Kreativ-Wochenendes Bad Reichenhall 

Wir leben in der Zeit eines Kreativ-Wirtschaftswunders, das geprägt ist von creative industries. „Kreativität“ scheint auch als Modewort allgegenwärtig, denn Kreativität verspricht Innovation und das wiederum Dynamisierung. Die Frage was Kreativität ist, wie (und ob) sie zu generieren ist, was sie ausmacht, wie sie integrierbar und implementierbar ist, ist zu einer der zentralen Fragestellungen nicht nur im klassischen (künstlerischen und gestalterischen) Umfeld, sondern längst auch in Gesellschaft, Politik, Wissenschaft und Arbeitswelt geworden. Kreativität wird mehr und mehr als Rohstoff verstanden, vor allem in Deutschland, einem Land, das ökonomisch primär auf wissenschaftliche und technische Innovation angewiesen ist. Deshalb wird es immer wichtiger – und interessanter – der Kreativität auf die Spur zu kommen.

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Das 1. Kreativ-Wochenende in Bad Reichenhall fand vom 9. – 12. Oktober 2014 statt. Es widmete sich mit der Tagung „Zukunftspotential Kreativität“ an zwei Tagen dieser Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts. Neue Denkanstöße und die Erweiterung des Blickes über den eigenen Tellerrand hinaus vermittelten bekannte Zukunfts- und Trendforscher, Philosophen, Künstler, Musiker, Psychologen und Ökonomen. 

Eingeladen war u.a. die Journalistin und Trendforscherin des Zukunftsinstituts München Anja Kirig. Sie gab einen Einblick in die soziokulturellen Entwicklungen und Trends zum Thema Kreativität als Standortfaktor.

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Kreativitätsindustrie ist eine der wichtigsten Zukunftsbranchen für Regionen. Mobilität als Megatrend erfordert neue Arbeits- und Inspirationsräume. Freizeit/Arbeit-Kreativität findet künftig mehr denn je breitgefächert zwischen den Extremen Hobby und Kunst statt. Die Gegensätze Freizeit und Arbeit lösen sich hier auf, wenn das „Hobby“ Nebenjob wird. Und ebenso wenn während der Freizeit unentgeldlich Dinge „geleistet“ werden. Kreativität kennt keine Altersgrenzen und wird zunehmend mit Werkzeugen bewerkstelligt, die primär als unkreativ galten – etwa wie die neuen Medien. Der Megatrend der Konnektivität und die Digitalisierung der Gesellschaft lässt kreative Lösungen für gesellschaftliche Probleme entstehen. 
Was bedeutet der (ähnlich wie Innovation) überstrapazierte Begriff „Kreativität“ heute? Wie wird Kreativität in Zukunft interpretiert? Ist Kreativität ein existentieller Bestandteil für eine funktionierende Gesellschaft? Anhand von Beispielen wurden Standorte/Regionen präsentiert, die sich über Kreativität neu positionieren. 

Der Philosoph und Professor für Volkswirtschaft und Kreativitätstechniken, Karl-Heinz Brodbeck (Musik als Kommunikationssystem) referierte über musikalische Prozesse, die es erlauben, wie in einem Hohlspiegel das Wesen der menschlichen Kreativität überhaupt zu entdecken. 

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Musik wurde immer wieder mit der menschlichen Sprache verglichen. Dieser Vergleich wird dann fruchtbar, wenn es gelingt, die Sprache als Kommunikationsprozess näher zu beschreiben. In der Musik ist dies die Kommunikation zwischen Interpret und Publikum, zwischen Komponist und Rezipient, zwischen musikalischer Form und menschlicher Lebenswelt. Auf diese Weise lässt sich an der Musik auch die Struktur kreativer Prozesse genauer studieren. Hierbei rückt vor allem der Ort der Kreativität in den Mittelpunkt: Die menschliche Situation in ihren näher zu erläuternden Formen. Dadurch fällt zugleich ein neues Licht auf das Herz der menschlichen Kreativität: Die Achtsamkeit. Die Achtsamkeit ist nicht rein subjektiv zu deuten. Sie umfasst die ganze Situation, in der die Musik erklingt und sich kreativ wandelt. 

Der Journalist, Fernsehmoderator und Professor für Musik und Medien/Musikjournalismus Holger Noltze (Die Leichtigkeitslüge, Edition Körber) sprach über Die Entfesselung des Denkens durch Musik.

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Macht Musik schlau? Die Hoffnungen auf einen „Mozart-Effekt“ haben sich nicht erfüllt, jedenfalls nicht messbar. Doch dass die Verbindungen zwischen Ohr und Hirn vielfältig sind, ist eine Alltagserfahrung. Der Vortrag ging von der Prämisse aus, dass die Beschäftigung mit Kreativität selbst ein kreativer Akt sein kann, und dass (Kunst-) Musik in ihrer einzigartigen Verbindung von Komplexität und Unmittelbarkeit ein idealer Gegenstand ist, an dem sich etwas über das Wesen von Kreativität lernen lässt. Sie kann tatsächlich das Denken entfesseln. Das wurde an Beispielen erläutert.

Den zweiten Tagungsschwerpunkt am Samstag, den 11. Oktober in der Kunstakademie Bad Reichenhall auf dem Kreativcampus der Alten Saline bildete das Thema Kreativität und Kreativitätsforschung. Es referierte der renommierte Kreativitätsforscher und Professor für Psychotherapeutische Medizin an der Universität Heidelberg Rainer Holm-Hadulla (Die vielen Gesichter der Kreativität. Neuigkeiten aus der Kreativitätsforschung). 

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Der Begriff Kreativität steht derzeit hoch im Kurs und das Schöpferische wird als grundsätzlich positiver Wert angesehen. In Erziehung, Ausbildung, Berufstätigkeit und Lebensführung werden kreative Neigungen gefördert und Kreativität gilt als allgemeines Lebenselixier. Dabei wird übersehen, dass Kreativität auch mit negativen Gefühlen und sogar (selbst-)zerstörerischen Impulsen assoziiert sein kann. Die aktuellen Neurowissenschaften sehen in der autopoietischen Organisation des Gehirns ein kreatives Prinzip, das nicht nur von Lust, sondern auch Unlustgefühlen begleitet wird. Psychologen analysieren unterschiedliche Aspekte der kreativen Persönlichkeit und des kreativen Prozesses. Wie Neurobiologen finden auch sie ein Wechselspiel von Labilität und Stabilität, Spannung und Entspannung. Kulturwissenschaftler sprechen von Verstetigung und Verflüssigung im  kreativen Prozess. Der Vortrag versuchte eine Synthese moderner neurobiologischer, psychologischer und kultureller Kreativitätsvorstellungen. Daraus wurden Konsequenzen für die Förderung kreativer Prozesse in Arbeits-und Lebensgestaltung gezogen. Diese wurden anhand von prominenten Beispielen (Mozart, Goethe, Picasso, Madonna, Mick Jagger) illustriert.

Darauf folgte der Philosoph und Professor em. an den Universitäten Bamberg, Jena, Berlin, Stanford (u.a.) Wolfgang Welsch mit dem Thema „Kreativität und Kontingenz – Warum Zufälle uns voranbringen“.

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Oft wird Kreativität mit besonders erfolgreichem und innovativem Handeln gleichgesetzt. Das ist allenfalls halb richtig. Gerade wo wir feststehende Ziele energisch verfolgen, drohen wir in Sackgassen zu geraten. Zu Kreativität gehört nicht nur die Zielgerichtetheit, sondern ebenso sehr das Achten auf Randbedingungen, auf scheinbare Nebensachen und Hindernisse sowie auf Überraschungen und Zufälle. Oft sind es die Letzteren, die uns in eine bessere Richtung locken. Das ist aus der Kunst – der prototypischen Sphäre von Kreativität – seit Jahrtausenden bekannt. Diskutiert werden Beispiele von der Antike über die Renaissance bis zur Moderne. Zielgerichtetheit und Zufallsoffenheit stehen einander nicht wie Feuer und Wasser gegenüber, sondern können und sollen zusammengehen; dann kann Unerwartetes gelingen. Im übrigen (die asiatischen Kulturen legen davon Zeugnis ab) können gerade aus einem Abrücken von intentionaler Anstrengung, ja geradezu aus Phasen des Nichtstuns die produktivsten Wirkungen hervorgehen.

Der Künstler und Professor an der Hochschule für Graphik und Buchkunst in Leipzig Heribert C. Ottersbach referierte dann zum Thema „Kann man Kreativität lehren?“.

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Nach einigen einführenden Gedanken zu Kreativität im Allgemeinen und zur künstlerischen Kreativität im Besonderen, wurde diskutiert, ob künstlerische Kreativität denn lernbar ist. Muss sie nicht eher erfahrbar sein bzw. gemacht werden? Zudem stellte sich anschließend die Frage, inwieweit kreativ gelehrt und dann eben auch gelernt werden soll und kann? Vielleicht geht es in der künstlerischen Lehre eher um Kenntnis und Erkenntnis fördernde Maßnahmen? Was ist der erkenntnistheoretische Mehr- und Nährwert kreativen Tuns, solange dies ein künstlerisches ist und kein wissenschaftliches?

Der Ökonom, Soziologe und Direktor der Forschungsabteilung „Kulturelle Quellen von Neuheit“ am Wissenschaftszentrum für Sozialforschung Berlin Michael Hutter dozierte anschließend über Kulturtechniken für das Finden von Neuem.

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Der soziale Prozess des Findens und Erfindens von Neuem wird von bestimmten performativen Verhaltensweisen im Kreis derjenigen Akteure beeinflusst, denen später die Innovation zugerechnet wird. Fünf derartige Kulturtechniken wurden im Verlauf des knapp siebenjährigen Forschungsprogramms „Kulturelle Quellen von Neuheit“ am WZB identifiziert. Eine jede wurde in Beispielen aus den empirischen Untersuchungen vorgeführt. Die Wirkung ästhetischer, also mit körperlicher Empfindung verbundener Aspekte wurde dabei deutlich.

Abschließend berichtete der Professor für Rechtsphilosophie an der Universität Kiel Ino Augsberg über das Thema „Wissenschaftliche und künstlerische Kreativität zwischen romantischem Geniekonzept und Plagiatsverdacht“.

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Setzt Kreativität, dem theologischen Muster folgend, eine creatio ex nihilo voraus? Ist wahrhaft kreativ nur das einzelne Genie, das aus sich heraus, allein den eigenen subjektiven Kräften vertrauend, schöpferisch tätig wird? Oder ist diese Figur des Genies und die mit ihm assoziierte individuelle Schaffenskraft selbst nur eine soziale und nicht zuletzt: juristische Kreation, die zeitgleich mit der aufkommenden Genieästhetik so etwas wie individuelle Rechte auf „geistiges Eigentum“ anerkennt? Bildet möglicherweise die Figur des genial-kreativen Subjekts das genaue künstlerische Pendant zum normativen Konzept der Autonomie – und muss dann auch jene Figur, wie die Autonomie, mit ihren eigenen Grenzen konfrontiert werden? 

Kunstakademie Bad Reichenhall
Im Kontext einer sich wandelnden Lebens- und Arbeitswelt ist eine Ausrichtung auch auf inter- und transdisziplinäre Fragen von Kultur und Kreativität notwendig. Kreativität ist heute nicht mehr nur im künstlerischen Kontext zu verorten, sondern reicht bis weit in gesellschaftliche, politische und ökonomische Bereiche hinein. Die Kunstakademie Bad Reichenhall hat sich mit ihren Kreativangeboten nicht nur auf die Vermittlung von Techniken konzentriert, sondern verfolgt unter der neuen Leitung von Brigitte Hausmann neue, zusätzliche Ziele. Ermöglicht werden sollen auch inspirierende Diskussionen, Gruppenerlebnisse und die Weiterentwicklung der Persönlichkeit. Das 1. Kreativ-Wochenende bot daher neben den Schnupperkursen, die einen praktischen Einblick in das Kursangebot der Akademie geben sollen, viele neue Formate wie z.B. den Photowalk mit der Künstlerin Kirsten Johannsen und viel „foods for the brain“.

Damit verknüpft die Kunstakademie Bad Reichenhall, was dem ursprünglichen, antiken Akademiegedanken entspricht: Bildung und Reflektion, um daraus Neues in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext entstehen zu lassen.

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Open House hieß es am Sonntag dann in der Kunstakademie Bad Reichenhall – für alle, die ihre künstlerischen und kreativen Talente entdecken oder ausbauen möchten. Große und kleine Künstler oder solche, die es werden wollen, konnten in verschiedene Kurse der Akademie schnuppern, zum Beispiel bei einem Outdoor-Photowalk mit der Künstlerin Kirsten Johannsen oder dem „Scrapbook“-Kinderkurs bei Nicoletta Kellner. Weitere Kurse wurden angeboten von Heribert C. Ottersbach (Malerei), Isabel Kerkermeier (Plastik) und Almut Determeyer (Bildroman).

Als Veranstalter des 1. Kreativ-Wochenendes in Bad Reichenhall kooperierten die Kunstakademie Bad Reichenhall und die Kur-GmbH Bad Reichenhall/ Bayerisch Gmain mit der Philharmonie Bad Reichenhall, die sich aus dem ehemaligen Kurorchester entwickelt hat.
Mit dem Kreativ-Quartier Alte Saline, untergebracht in einer denkmalgeschützten Anlage, an deren Planung im 19. Jahrhundert auch der Münchner Architekt Friedrich von Gärtner beteiligt war, erweitert das Staatsbad sein attraktives Kurangebot um eine weitere Facette. Das Thema Kreativ-Urlaub bietet eine sinnvolle Ergänzung zu den bereits bestehenden medizinischen, Erholungs- und Freizeit- sowie Sportangeboten.

RupertusTherme
Das Schwimmen in der Therme ist eine willkommene sportliche Abwechslung zum Kreativ-Wochenende, denn das Bad im warmen Wasser entspannt Körper und Geist. Obendrein tut die AlpenSole in der ThermenLandschaft auch den im Herbst und Winter durch Kälte, Heizungsluft und Erkältungen gestressten Atemwegen gut. 
Der Gast kann im Dampfbad, in der Stollensauna und in natürlicher AlpenSole ungestört entspannen – etwa in der Solegrotte, wo farbiges Licht unter der Wasseroberfläche seinen stimmungsvollen Schein verbreitet. Im 36 Grad Celsius warmen Wasser mit zwölf Prozent Solegehalt liegt der Körper in dieser ruhigen Atmosphäre wie schwerelos auf dem Wasser. Ergänzend bietet das neue Laistzentrum stündlich wechselnde Anwendungen mit Salz, Laist und Latschenkiefer – eine Wohltat für die gestresste Winterhaut. 

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Die RupertusTherme wurde 2012 erneut vom Deutschen Wellnessverband für den besonderen Service und ihr vielfältiges wie regionaltypisches Angebot mit dem Gütesiegel für „Premium-Qualität“ und dem höchsten Prädikat „Exzellent“ ausgezeichnet.
Das behindertengerechte Sport- und Familienbad hat eine Wasserfläche von rund 700 Quadratmetern. Der Sportbereich verfügt über ein wettkampfgerechtes Schwimmerbecken (25 mal 15 Meter), sechs Bahnen sowie eine Zeitmessanlage, die Wassertiefe beträgt bis zu 2,20 Meter. Die räumliche und funktionale Trennung der Bereiche „Therme & Wellness“ und „Sport & Familie“ mit separaten Zugängen garantiert das harmonische Miteinander der verschiedenen Nutzer. Der Wellnessbereich ist ruhig und beschaulich, der Sportbereich bietet Gelegenheit zu ungestörtem Training und im Familienbad darf fröhlich und ausgelassen getobt werden.Die Öffnungszeiten der RupertusTherme sind für Sport & Familie täglich von 9.00 – 21.00 Uhr, für
Therme & Wellness täglich von 9.00 – 22.00 Uhr (Sauna ab 10.00 Uhr).Lesen Sie auch:

Bad Reichenhall

Weitere Informationen bei:

Kunstakademie Bad Reichenhall
Alte Saline
D-83435 Bad Reichenhall
Fon: +49 8651 3713
Fax: +49 8651 984577

Spa & Familien Resort RupertusTherme, Friedrich-Ebert-Allee 21, 83435 Bad Reichenhall.
Telefon +49 (0)8651-7622200

Text:

Matthias Dikert

Fotos:

Matthias Dikert

Copyright Bilder RupertusTherme von Spa & Familien Resort RupertusTherme