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Expeditionen im Bayerischen Wald

Der Bayerische Wald steht für Natur – Punkt. Den Bayerischen Wald wird niemand in eine All-Inclusive-Partysause à la Mallorca und alpenländischer Ski-Hütten verwandeln. Die anderen Touristen, die der Gast hier trifft, haben demzufolge alle ähnliche Interessen: Ruhe und Natur. Also hinfahren und Wandern, Radeln oder Kanu fahren und gut. Geht sehr wohl, doch ein bisschen mehr rund um die Natur samt Abenteuer hat man schon zu bieten. Und deswegen begaben wir uns auf Expedition für Sie …

Als Dreh- und Angelpunkt diente das Natur- und Wohlfühlhotel Brunnerhof in Arnschwang. Familie Brunner hat aus dem kleinen Gasthof neben der Kirche in Arnschwang ein Kleinod erschaffen. Ideen und Visionen konsequent umsetzen sind der Leitspruch vom Chef. Die Zimmer sind recht großzügig gestaltet, es gibt einen eigenen Beauty- und Wellnessbereich sowie eine herrliche Garten ähnliche Außenanlage und Bootssteg direkt am Bachlauf der Chamb. Im Feststadl wird jeweils Montags Schlachtfest gefeiert (das Hotel ist aus einer Metzgerei heraus entstanden und diese existiert nach wie vor).

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Über die Jahre ist das Schlachtfest zu einem überregionalen Magneten geworden und jeden 2. Freitag im Monat gibt es den Musikantenstadl (der im Sommer allerdings Pause macht). Die Tenne ist auch ein gefragter Platz für Hochzeiten und der Brunnerhof hat sich aufgrund seiner direkten Anbindung zur Kirche zu einem Rundum-Dienstleister mit eigener Hochzeitsmesse gemausert. Und noch etwas sei erwähnt, der Chef hat kurzerhand eine eigene Handwerksfirma gegründet, um alte Holztechniken wiederzubeleben und zu bewahren. Die Tenne samt alten Schuppen auf dem Gelände sind Originale, die dem Verfall bzw. der Vernichtung entrissen und durch Platzwechsel zu neuem Leben erweckt wurden. Inzwischen sind er und seine Leute zu wahren Spezialisten herangewachsen, was Erhaltung und Restaurierung alter bäuerlicher Gebäude anbelangt.

Ein kleines Stück vom Brunnerhof entfernt, geht es über Feldwege zum Start vom Naturerlebnispfad im Feuchtbiotop, der wiederum direkt zum LBV Zentrum in Nößwarting führt. Dieses Zentrum steht ganz unter der Regierung von „Abenteuer im Fluss“. Um die alte Mühle herum wurde im Lauf der Chamb ein „Eisvogelsteig“ implementiert, der den Besucher in Watthosen durch den Fluss führt. Gesichert an Seilen watet man mal knöchelhoch mal brusthoch durch den Fluss und kann erleben, wie sich Strömung anfühlt.

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Dazu gibt es verschiedene Stationen, an denen audiovisuell erklärt wird, wie sich die verschiedenen Lebewesen in ihrem natürlichen Lebensraum verhalten. Wir befinden uns hier auf dem Territorium von Biber, Eisvogel, Molch, Bachforelle und Co. Vor allem Kinder sind begeistert und für viele Schulklassen der Region gehört ein Besuch zum Unterricht dazu. 
Zu Fuß ist die Drachenstadt Furth i.W. sicherlich zu weit. Dort liegt die nächste Station, der „Wildgarten“. Vom Stadtzentrum führt der Weg zu Fuß über den Weiherdamm vorbei am Freibad und dem Campingplatz zum Wildgarten.

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Hier hat sich Ulrich Stöckerl seinen eigenen Traum erfüllt. Er kombiniert Natur mit Abenteuergefühl und Kunst zu einer sehenswerten Wissensvermittlung. Und wer mit ihm als Führer durchs Gelände zieht, wird überdies noch blendend unterhalten. Herr Stöckerl ist Natur-Entertainer. Auch wenn die Natter beim Fangen eher unwirsch reagiert, zeigt sie sich dann doch ziemlich neugierig, wenn sie den Besuchern um den Hals gelegt wird. Zentrales Element ist die Unterwasser-Station, ein Teich, der einen Besucherraum am Grunde hat und von dem sich das grünliche Teichleben bestens betrachten lässt. Die Sichtweite ist eingeschränkt und somit Hechte bei der Arbeit eher selten zu erleben. Dafür flanieren andere Fische vorbei und betrachten ihrerseits den Besucher quasi als Abwechslung zum engen Teicheinerlei. Die einzelnen Stationen des Rundweges dürften Kinder erfreuen sowie ängstlich Veranlagte erschaudern lassen: Spinnenbaum, Hängebrücke, Sumpfweg, Schädelwald, Irrgarten (mit herrlicher Hütte samt Aussichtsturm) sowie Hornissenbaum. Unser Lieblingsabschnitt ist ganz klar der Erlenholzsteg durch den Schädelwald. Am Beginn steht eine Hütte mit Schrumpfköpfen und wunderbarem Ausblick auf den Flussabschnitt. Danach folgt ein Holzsteg halb über Wasser, halb im Wasser und mit eindeutigen Exponaten geschmückt. Übrigens, Charon kommt doch in einer Fähre und nicht über das Wasser gelaufen. Das mit dem Wasser war doch der der Charon besiegt hat, oder ? Und wer jetzt zu viel grübelt, muss wohl doch vor Ort Recherche betreiben !
Und wenn wir schon in Furth i.W. sind, ein kurzer Besuch beim Drachen kann nicht schaden. Immerhin gibt es seit 2010 den neuen Drachen zu bestaunen. Seine Höhle liegt gleich neben dem Landestormuseum. Und wer sich nun fragt, woher der Name kommt, nun der alte Stadtturm ist gleich nebenan und kann über das Museum auch bestiegen werden, um einen Blick über Furth hinaus zu werfen. Und natürlich schaut man dann auch ins Drachenmuseum, schließlich ist der Further Drachenstich das älteste deutsche Volksschauspiel mit über 500 jähriger Tradition. Aber eine Sondervorführung des Kolosses außerhalb seiner vertraglichen Pflichten zur Festspielwoche ist für Sie, verehrte Leser, leider unwahrscheinlich.

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Uns hingegen ward die Ehre zuteil, dass sich seine 10-Tonnen-Lieblichkeit bequemte, seinen 16 m langen Leib durch seine enge Eingangpforte zu winden, was angesichts seines Gehörns eine zeitaufwendige Sache ist. Aber einmal seiner düsteren Höhle entfleucht, unterhielt es zufällig vorbeiflanierende Einheimische sowie Touristen mit engagiertem Feuerspucken, Flügelschlagen und Brüllen. Man konnte sehen, dass es dem Drachen gefiel und er ein geborener Entertainer ist. Dennoch begab er sich hernach wieder in seine Höhle, um bis zum nächsten offiziellen Auftritt zu schlummern. Schließlich weiß ein Entertainer auch, dass man sich nicht zu inflationär seinen Fans anbiedern sollte. Und der Drache ist immerhin seit Jahrhunderten im Geschäft, was die ganzen Teeniestars nicht behaupten können, weswegen die meisten wieder aus der Mode sind, wenn sie gerade einmal hellgrün hinter den Ohren geworden sind. Doch der Drache wird auch noch in 500 Jahren „in“ sein. 

Wandern und Bayerischer Wald sind fast schon synonym zu sehen. Und ein Prädikatswanderweg ist der Goldsteig (nicht zu verwechseln mit dem Goldenen Steig von Passau nach Böhmen, der ein ehemaliger Handelsweg war). Mit 650 Km Länge der längste unter den 57 Prädikatswanderwegen und auch der abwechslungsreichste. Von der Oberpfalz kommend, teilt er sich bei Thanstein in eine nördliche und eine südliche Route, die insgesamt einen Rundkurs bilden. Dabei ist die Nordtour die anspruchsvollere, reihen sich doch hier die 1.000er aneinander: Kaitersberg, Großer Arber, Großer Falkenstein, Großer Rachel, Lusen und Dreisesselberg. Große Höhenunterschiede und überwiegend schmale Steige laden Anfänger nicht gerade ein. Gut im Mittel liegt, wer die Strecke Rötz – Passau in 13 Etappen schafft. Zwischen Falkenstein und Lusen wird es einsam, da Einkehrmöglichkeiten fehlen und man sich mitten im Nationalpark befindet. Dafür ist die Wildnis hier am beeindruckendsten. Dieser Streckenabschnitt schlägt mit 270 Km zu Buche. Noch einmal 13 Tage und man hat die Runde fertig. Urige Landschaften mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad gibt es hier nur zwischen Brotjacklriegel und Pröller, wo sich wie im nördlichen Teil, 1.000er aneinanderreihen. Aber nicht, dass Sie nun denken, wir haben diese Strecke für sie bewältigt. Wir wählen die nähere Umgebung und konzentrieren uns auf den Kaitersbergrücken: Von Eck geht es über den großen Riedelstein durch die Rauchröhren über den Mittagsstein (mit Kötztinger Hütte zum Rasten) und den Kreuzfelsen (mit 999 m fehlt leider 1ner an der 1.000-Marke) zur Räuber Haigl-Höhle und dann abwärts nach Bad Kötzting, herrliche Ausblicke, Klettern und Stehen an einer steil abfallenden Bergwand inklusive. Die Hütte hat übrigens schon ihren Sinn, denn dieser Weg ist mit 7 Stunden eine Tagestour und da will man doch verpflegt sein. An schönen Tagen zur Mittagszeit ist hier allerdings auch die Hölle los und der bezaubernde Wanderweg gleicht einer Autobahn. Die Rauchröhren werden gerne von Bergsteigern zum Training okkupiert und vor dem Schlot artigen Aufstieg gibt es einen Umgehungsweg des gesamten Höhenbergmassivs für Wanderer, die sich von den auf sie wartenden Schwierigkeiten nicht berufen fühlen. Für mich zählen nur gesundheitliche Gründe. Und diejenigen verpassen dann leider den besten Teil der Wegstrecke. Die Räuber-Haigl-Höhle liegt etwas abseits vom Weg und ist nicht wirklich spektakulär, aber der Räuber war ein armer Tropf und brauchte ein Loch, um sich zu verstecken. Und die vielen kleinen und großen Felsen, die ein Gutteil dieses Wegabschnittes säumen, sind unübersichtlich und daher ideal. Ebenfalls ideal, um daran rumzuklettern oder doch gleich die Steilwand zum Bergrücken in Angriff zu nehmen. Danach wird es unspektakulär und gemütlich gelangt man nach Bad Kötzting.
Wer nun süchtig geworden ist, wandert am nächsten Tag die andere Richtung, von Eck zum Großen Arber. Acht Tausender und die „Königsetappe“ des Goldsteigs und wieder ein Tag unterwegs. Die Tour ist 5 km länger als die Bad Kötztinger Seite. Wanderprofis ziehen den gesamten Weg von Bad Kötzting zum Arber auch schon mal an einem Stück durch, nur wollen wir ja auch genießen und uns nicht für Olympia vorbereiten.
Hinüber zum Hohenbogen. Hier warten vier Tausender auf einer Tagestour. Start ist Neukirchen b. Hl. Blut, der bekannte Wallfahrtsort. Mit Erreichen des Pürzerriegels ist der Aufstieg geschafft und die erste Einkehrmöglichkeit winkt bei der Forstdiensthütte. Mit einem kleinen Umweg erreicht man den Burgstall, wo der bayerische Rundfunk einen Sendemast betreibt. 1190 begann der Graf von Bogen mit dem Bau einer Burg, die jedoch nie vollendet wurde. Die Fragmente sind bis heute erhalten. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, dass die weiß-blaue bayerische Raute seinerzeit das Wappen der Herrn vom Bogen war. Von diesen „erbte“ es der bayerische Herzog und noch heute ist es Staatswappen, obwohl es die Herren vom Bogen schon seit Jahrhunderten nicht mehr gibt. Um den Eckstein zu besteigen, ist es notwendig, sich am Zaun des ehemaligen Nato-Sperrgebietes entlang zu schummeln. Man muss sich schon fragen, warum bei einem ehemaligen Gebiet immer noch ein Zaun die Natur zerschneidet, auch wenn das Gelände heutzutage in privater Hand ist. Immerhin findet so was wie musealer Betrieb in den ehemaligen Anlagen statt. Wenn man den Ahornriegel erreicht hat, ist man auch bei der Bergstation der Hohenbogenbahn. Die längste Doppelsesselbahn im bayerischen Wald verbindet die Talstation (mit dem Freizeitpark) mit dem Gipfel und ist im Winter Zentrum der wintersportlichen Betätigungen. Hier ist gleichzeitig die längste Flutlichtpiste im bayerischen Wald angesiedelt und der Wintersportkomplex verfügt auch über eine FIS-Piste. Im Sommer ist die Sommerrodelbahn (ab der Mittelstation) ein Magnet. Eine sommerliche Teilnutzung der Skipisten wird dem Graskart gewährt, einem Dreirad mit breiten Auslegern. Und oben, bei der Berghütte mit Bergstation ist eine Skisprung-Simulationsanlage erbaut worden. Wer einmal in etwa das Gefühl eines Springers erhaschen möchte, kann seinen Mut unter Beweis stellen. In voller Springermontur wird man an ein Seil gehängt, kann den Sprungtisch hinunterrasen, den Absprung versuchen und wird dann 150 m weit den Abhang hinunter getragen. Die Seilbremse sorgt erst bei Erreichen der Landeplattform für ein Ende des „freien“ Falls. Wir kehren nach den Sprungversuchen ins Haus Schönblick ein, die eindeutig vorzuziehende Hütte, obwohl das Berghaus zu den schönsten des ganzen bayerischen Waldes zählt. Raten Sie einmal, warum es Schönblick heißt ? Ach ja, dies wäre nicht der wirklich überzeugende Grund, diese Hütte aufzusuchen. Der gemütliche Wirt macht nicht nur das beste Spanferkel weit und breit (im alten Holzofen), er glänzt auch als Hausmusiker am Kontrabass. Kein Wunder, dass hier viele Festivitäten stattfinden. Allein während unseres Aufenthaltes gab es einen Junggesellenabschied und eine Geburtstagsfeier. Und neu ist die Hochzeitssuite im benachbarten Blockhaus: Sternenfenster über Bett und Wanne, Zuber auf dem Balkon und von diesem eine herrliche Aussicht … Frühzeitige Anmeldung ist da geraten, denn gerade eröffnet und schon geben sich die Paare die Klinke in die Hände. Gleich in der Nähe beginnt auch die schwarze Wartnerabfahrt am Schönblickhang, die im Sommer Drachenflieger wegen ihrer Steilheit als Startrampe dient. Von hier kann man sich nun entscheiden, die Wanderung bis hl. Blut als Rundweg fortzusetzen oder doch lieber die Mittelstation ansteuern und per Spaßbahn hinunter rodeln. Raten Sie, was wir gemacht haben! Wer zauderlich ist bremst und wer bremst hat schon verloren … und verdirbt nachfolgenden den Spaß. Eine nette Bahn, die eher harmlos ist und gut geeignet, den Bremshebel nur sporadisch zum Anbremsen für die Steilkurven einzusetzen oder gleich durchgedrückt bis unten zu belassen, um dort rechtzeitig eingesetzt zu werden, da es sonst durch die „Gepäckabfertigung“ geht. 
Und hier schließt dann die Expedition. Wir waren froh, dass die Brunners eine Saunaanlage betreiben, denn nach den Strapazen der Tage war unser Liebling das KuK-Dampfbad mit Ruhephase im Solekeller unter der Kirche. 


Weitere Informationen bei:
Tourismusverband Ostbayern e.V.
Im Gewerbepark D 04
93059 Regensburg
Tel. 09 41/5 85 39-0
Fax 09 41/5 85 39-39
Kostenlose Info-Hotline: 0800/1212111
E-mail: info@ostbayern-tourismus.de


Text:
Otger Jeske

Fotos:
Matthias Dikert