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Franken
Wir sind in Franken. Aber Vorsicht! Nord-Franken sind nicht gleich Süd-Franken und ob Bayern der Hauptfeind ist … im Zweifelsfall – gerade im Fußball – ist es nicht unbedingt so. Da gibt es tiefere Feindschaften innerhalb Frankens und es ist ratsam, nicht das Falsche zu sagen.
Der Franke hier ist gesellig. Es wird gesagt, dies kommt vom Wein. Wer aber nicht mittut, wird auch scheel angesehen und nicht in die Gemeinschaft aufgenommen. Und wie es in Weinbauregionen üblich ist, jagt hier ein Weinfest das andere. Und im Winter muss man unbedingt den Winzerglühwein probieren – darauf ist der Winzer hier stolz.
So manch einem erscheint der Franke auch als kauzig. Doch muss man so einige Besonderheiten kennen, um ihn richtig einstufen zu können. Ein „nit schlecht“ ist z. B. als „Ausruf ekstatischer Begeisterung“ zu übersetzen.

Kultur alt
1981 nahm die UNESCO als drittes deutsches Bauwerk die Residenz von Würzburg in die Liste des Weltkulturerbes auf. Sie gilt als eine der prächtigsten Rokoko-Schlösser überhaupt. 

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Dabei wurde sie im Krieg schwer zerstört und 40 Jahre lang restauriert. Die Inneneinrichtungen konnten zum größten Teil gerettet werden, so das heutzutage noch Originale zu sehen sind.
Allein die Kapelle ist an Pracht kaum zu übertreffen. Und wer bayrische Kirchen kennt, weiß was dies bedeutet. Sie besitzt allerdings einen eher unscheinbaren Eingang im Hof der rechten Tordurchfahrt. Hier geht es auch zu den Teilen des Gebäudes, die von der Universität genutzt werden. Denn die Residenz ist noch heute in Gebrauch: Verwaltung und Universität. Das Museum umfasst nur einige ausgewählte Repräsentanz-Zimmer im Hauptteil des Schlosses. 
Linkerhand geht es im Hof in den Weinkeller des „staatlichen Hofkeller Würzburgs“.

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Seit 1128 gibt es dieses Gut, welches auch Weine aus dem städtischen Gebiet hat: Am Schloßberg gibt es die quer zum Main liegende „innere Leiste“ sowie die parallel zum Main verlaufende „Schloßberg“ Weinlage. Die Mauern sind hier unten 5 m dick, die Gesamtfläche beträgt 400 qm und das Gangsystem hat eine Länge von 900 m. Während der Saison werden 1.000 Kerzen am Tag verbraucht. Die Kerzen waren früher lebenswichtig und in Brusthöhe aufgestellt. Früher waren offene Gärbottiche üblich und die Produzieren CO2. Wenn also die Kerzen erloschen, war es für die Kellermeister Zeit, den Keller zu verlassen. Andernfalls drohte der Erstickungstod. Heute sorgen Kerzen eher für eine heimelige Atmosphäre für die Touristenströme.
Etwas links der Residenz befindet sich die Straße rüber die evangelische Johanniskirche. Diese ist ebenfalls im Krieg zerstört worden. Der alte Turm blieb als Mahnmal erhalten und darum wurde eine neue Kirche gebaut, die optisch mit ihren beiden konischen Türmen weithin einen interessanten Architektur-Kontrapunkt setzt. An dieser Stelle finden immer die Bach-Tage statt, die bei der nicht sehr großen Kirche schnell ausgebucht sind.

Kultur neu
1904 stand im Würzbuger Hafen Bayerns modernster Speicher. Diese Stellung behauptete er rund 30 Jahre. Ab 1992 verfiel er, da der Hafen umgezogen war. Zunehmend als Ärgernis eingestuft, entschied die Stadt, hier einen Ort von Kunst- und Kultur zu schaffen. Eröffnung war dann 2002.

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Bekannt ist Würzburg eher für alte, traditionelle Kunst. Riemenschneider wäre hier zu nennen. Und die Würzburger sind eher Traditionalisten. Ein Gegensatz, der den modernen Kulturspeicher wie ein Dorn im Fleisch vieler Würzburger erscheinen lässt. Doch es wurde bewusst dieser Kontrapunkt gesetzt, da man auch in die Zukunft denken muss. Um eine Nische zu finden, wurde im Museum die Sammlung des Berliners Peter C. Ruppert als Dauerleihgabe untergebracht. Es ist die bedeutendste Sammlung weltweit von „konkreter Kunst“. Des Weiteren gibt es Räumlichkeiten für Wanderausstellungen, die nicht immer so provokativ sein müssen. Die Besucherzahlen schwanken ein wenig, haben sich jedoch eingependelt. Der Erfolg vom ersten Jahr konnte jedoch nicht wieder erreicht werden. Das lag wohl daran, das der Würzburger über die moderne Kunst gerne verächtlich lästert aber letztlich doch neugierig auf die „Quadrate“ war. 
Womit wir bei der Kernfrage wären: „Was ist konkrete Kunst“? Moderne Kunst spaltet und oftmals wird sie nicht als Kunst empfunden. Die konkrete Kunst ist eine Richtung der 20er Jahre, die eine dritte Sichtweise in die Kunst einbringen. Sie sind der Meinung, das Dinge abmalen kein Abbild der Realität sein kann, weil viele Sinneseindrücke wie Haptik und Geruch fehlen. Wenn jemand lang und ausschweifend erklärt, was er will, wird es oftmals nicht verstanden. Man sagt dann: werde konkret! Also wird es umgesetzt, gemalt, dann versteht man, weil man sieht. Generell ist es eine sehr wissenschaftliche Richtung und vor allem Mathematiker und auch Techniker/Ingenieure haben hier ihre helle Freude. Allen Kunstwerken liegen mathematische Systeme zugrunde. Kennt man diese, kann man die Kunstwerke logisch ins Unendliche erweitern. Die Künstler haben sich teilweise sehr intensiv mit Grundlagen beschäftigt, z. B. um das Farbzusammenspiel. Es wird mit optischen Täuschungen experimentiert und wissenschaftliche, physikalische Theorien sind neben politischen und philosophischen Themen Inspirationsquelle. Sehr anschaulich umgesetzt im Bild zu Einsteins Theorie gekrümmter Räume. 
Es gilt: Ausführung ist KEINE Kunst. Es ist Handwerk, was sehr sorgfältig ausgeführt werden muss. Die Kunst ist der Gedanke, die zugrunde liegende Ordnung.
Im Haus gibt es noch eine Kleinkunstbühne und den Tanzspeicher. 

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Er ist einer der wenigen Bühnen in Deutschland, wo zeitgenössischer Tanz zur Aufführung gelangt und mittlerweile in seiner neunten Spielzeit. Die Tanzbiennale feierte gerade siebenjähriges. Und zum Feierabend gibt es in der Lobby regelmäßig Lesungen, Musik und was sonst noch aufgeführt werden kann. 

Unterkunft
In der Nähe des Bahnhofes direkt am Mainufer gelegen, findet sich das Maritim in idealer Lage. Den Kranenkai entlang und ein mittelalterliches Hafenrelikt besuchen oder einen Dampfer besteigen, die Straße von Bahnhof zu Friedensbrücke queren und im alten Hafen mit Kulturspeicher ankommen, ein Blick auf die Festung am anderen Ufer werfen oder zehn Minuten zu Fuß zur Fußgängerzone, zum alten Rathaus, Dom(e), Marktplatz und alte Mainbrücke gehen.

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Und Über die Friedensbrücke rüber liegt ein großer Parkplatz (umsonst), da das mit Parken in Würzburg so eine Sache ist. Das Kongresszentrum befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft und verfügt über ein öffentliches Parkhaus (gegen Entgelt).
Wenn das Wetter es zulässt, kann man auf der Terrasse Frühstücken und mit der fränkischen Weinstube besitzt das Hotel ein urgemütliches fränkisches Spezialitäten-Restaurant.
Zu erwähnen wäre, dass das Hotel über behindertenfreundliche und Allergiker-Zimmer verfügt. Die sollten vorher jedoch auf Verfügbarkeit nachgefragt werden. 

Geschichte
Es gab eine Zeit, da kreuzten sich wichtige Handelswege, noch heute schneiden sich die Autobahnen A3 und A7 quasi als Fortsetzung alter Handelswege. Und wo wichtige Knotenpunkte sind, entstanden meist auch Siedlungen und Schutzeinrichtungen. Hier kam hinzu, dass Würzburg als Tor zum Osten und zum Süden gilt. West-Ost und Nord-Süd sind in einem großen Umkreis nur über Würzburg möglich – schon immer! Also eine immens strategische Lage. Und der Schloßberg am Mainufer hat eine sehr günstige Lage, um dieses Nadelöhr auch effektiv schützen und verteidigen zu können. Schon die Kelten errichteten an diesem Ort eine Fliehburg, und die hier errichtete Burg, später als Festung aus- und umgebaut, galt als uneinnehmbar. Was den Schutz der Stadt zu Gute kommt, kann sich jedoch auch gegen jene wenden. Die Festung war also auch Pfand in bischöflicher Hand gegen die Stadt Würzburg. 

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Die Bewohner versuchten zwar mehrmals zu rebellieren, scheiterten aber und schafften nicht, was die Bewohner von z.B. Augsburg oder Speyer geschafft hatten. Und so war es auch kein Wunder, dass in Zeiten des Bauernkrieges hier 20.000 Bauern beim Sturm auf die Festung verbluteten, die von lediglich 400 Mann gehalten wurde. Trotzdem wurde sie eines Tages eingenommen – von den Schweden im 30-jährigen Krieg. Es waren wieder nur 400 Mann Besatzung und 12.000 Kampferprobte und gefürchtete Gegner standen zum Sturm bereit. Brutal ausgedrückt, auch sie hätten eigentlich das Schicksal der Bauern rund 100 Jahre zuvor ereilen müssen. Es gab als Kommandanten aber nur einen unerfahrenen Rittmeister … Nach diesem Krieg gab es einen neuen Fürstbischof. Er kam eigentlich aus dem Militär und kam zum Posten wie die Jungfrau zum Kind. Jedenfalls rüstete er die Festung so auf, dass die nächsten 120 Jahre kein Versuch mehr unternommen wurde, anzugreifen. 
Im zweiten Weltkrieg versank die Stadt in einem Trümmermeer – Festungen schützten schon lange nicht mehr. Mitte März 1945 – auch hier wie bei vielen anderen Städten typisch – wurde ein sinnentleerter Angriff geflogen, der einzig und alleine dem Terror gegen die Zivilbevölkerung diente und auf reine Zerstörungswut zurückzuführen ist. Es gab in Würzburg keine Schwerindustrie, weswegen keine Ausrede als „kriegswichtiges Ziel“ gilt. Würzburg wurde als „Ausweichziel“ klassifiziert und schon diese Formulierung lässt den eigentlichen, verbrecherischen Sinn erkennen. und an jenem Abend war das Wetter halt gerade günstig für die Bomberverbände … Nur drei Wochen später wurde die Stadt von den Amerikanern besetzt, die zu diesem Zeitpunkt eher selten überhaupt noch auf nennenswerten Widerstand trafen. Im Rathaus (Grafeneckart) gibt es ein Modell samt Dokumentation, bei der auch ausländische Besucher (erlebt: Amerikaner) entsetzt die Kopfe schütteln über die völlige Sinnlosigkeit dieser Aktion.
Noch heute „krankt“ Würzburg an seiner Lage. Was in früheren Zeiten reichlich Geld in die Stadt spülte, behindert heutzutage das Wachstum. Wohnraum ist knapp und jedes Semester müssen Studenten ihren ergatterten Studienplatz wieder aufgeben, weil sie keine Wohnung finden. Im Herbst 2012 griff man darauf zurück, Wohnwagenplätze als vorläufige Studentenunterkünfte anzubieten. 
Der Aufstieg begann zu einer Zeit, als „heidnische Germanen noch durch die Wälder streiften“. Der Sage nach kamen ein paar irische Mönche zum Bekehren und wurden massakriert. Über 100 Jahre später fanden merowingische Würdenträger die Gebeine und errichteten einen ersten Wallfahrtsort. Der wurde bald zu knapp, da die Christianisierung in der Zwischenzeit rasch vorwärts gekommen war. Und so wurde ein erster Dom errichtet. Das merowingische Herzogtum verfiel mit der Zeit und Kaiser Barbarossa wandelte es in ein kirchliches um. Das waren machtpolitische Überlegungen. Im Mittelalter wurde Würzburg durch die Pilger richtig reich. Der Märtyrer-Kult um St. Kilian und seine Begleiter wurde überschwänglich inszeniert und bald reichte der erste Dom nicht mehr, ein viel größerer wurde daneben gebaut. Die Kirche zog sich dann irgendwann aus der Märtyrerverehrung zurück, der zu nah am Volksaberglauben angesiedelt war.
Vor dem 30-jährigen Krieg wurde die Universität gegründet. Reden machte sie vor allem mit Conrad Röntgen, der hier seine X-Strahlen entdeckte und den ersten Nobel-Preis aus einer bis heute schon recht ansehnlichen Liste einheimsen konnte. Es folgten so bekannte Namen wie Ferdinand Braun, Max von Laue … allein acht Preise konnten bis 1920 nach Würzburg geholt werden. Und Virchow erhielt keinen, ist dennoch weltberühmt, wie Walther von der Vogelweide, Tilman Riemenschneider oder auch Balthasar Neumann, die alle irgendwas mit Würzburg zu tun hatten. 

Weitere Informationen:

Tourist Information
Falkenhaus, Marktplatz 9
97070 Würzburg
Tel: 0931 37 23 98

Maritim Hotel Würzburg
Pleichertorstr. 5
97070 Würzburg
Telefon: 0931 30 53 – 0
Telefax: 0931 3053-900
Reservierung: 0931 3053-832

Text:
Otger Jeske

Fotos:
Matthias Dikert

Bilder Residenz Würzburg
© Bayerische Schlösserverwaltung
www.schloesser.bayern.de