Die großen Drei des Spreewaldes

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Lübben – Lübbenau – Burg

Der Spreewald entstand während der letzten Eiszeit und besitzt rund 300 verzweigte Arme der Spree, die insgesamt ungefähr 1.500 Km lang sind, davon 280 km touristisch nutzbar. Einzigartig, weswegen der Spreewald seit 1991 in der UNESCO-Schutzliste geführt wird. Die Landwirtschaft ist kleinteilig und es gibt jede Menge geschützter Fauna und Flora. Im Oberspreewald dominieren Erlenhochwälder, im Unterspreewald Laubmischwälder. Im Sommer ist es heiß, im Winter kalt. Und Regen teilt sich in der Regel vor Lübben, um rechts und links am Spreewald vorbeizuziehen und in Richtung Cottbus sich wieder zu vereinen. Das bedeutet nicht, daß es niemals regnet. Und Fontane sagte einst, das ihm nichts vom Zauber Venedigs fehlen würde. 
Zur Zeit Fontanes gab es nur die Wasserwege. Heute schlängeln sich zusätzlich rund 1.000 Km Wander- und Radwege durch die Natur. Wo die Wege asphaltartig ausgebaut sind, fühlen sich auch Skater wohl. 

Lübben
Der Spreewald gliedert sich in Unter- und Oberspreewald auf. Und an der Nahtstelle liegt Lübben. Mit Lübbenau und Burg zu den großen Drei des Spreewaldes gehörend. Während „Oben“ die Fließe flach und langsam sind, verdichten sie sich ab Lübben, was eine höhere Fließgeschwindigkeit und Tiefe zur Folge hat. Staaken, die bekannteste Art mit einem Spreewaldkahn fortzukommen, ist unterhalb zunehmend nicht mehr möglich. Da wird auf Motor umgestiegen.

Genau diese Schnittstellenfunktion machte den Platz von jeher interessant. Es war seit Alters her eine wichtige Handelsstraße die sich hier samt Handelsort durchzog. Drumherum gab es sonst nur Sumpf. Also war der Fleck auch heiß umkämpft. In neuerer Zeit kam Lübben zu Sachsen und war Hauptstadt der sächsischen Niederlausitz. Anfang des 19.Jahrhunderts wechselte der Besitzer: Preußen hieß er von nun an.

Ende des 15.Jahrhundert wurde die Kirche zum ersten Mal erwähnt. Die erste Version des Kirchturmes war eine Holzkonstruktion. Insgesamt gab es über 14 große Stadtbrände über die Jahrhunderte und die Bebauung reichte bis an die Kirche heran. So sprang öfter der Funke über. Er war stets mit einem Türmer besetzt, der die Aufgabe hatte, nach Feinden und Feuern zu schauen. Heute gibt es wieder einen Türmer, genauer gesagt aktuell eine Türmerin. Aber deren Aufgabe ist heute eine touristische: Führungen zur Stadt/Kirchengeschichte bzw. Kreativität in Sachen Veranstaltungen.

Die Kirche heißt heute Paul-Gerhardt-Kirche. Ursprünglich war der Name Nikolai-Kirche. Sie wurde in den 1930ern umbenannt, eben nach Paul Gerhardt, dem bedeutendsten Pfarrer.

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Nach Luther hat er am meisten für die deutsche Sprache getan, schrieb Gedichte und Kirchengesänge. Und wirkte ursprünglich in Berlin an der Nikolai-Kirche. Er wäre nie nach Lübben gelangt, hätte es nicht einen Kirchenstreit in Preußen gegeben. Der preußische Kurfürst entschied in diesem für die Reformierten und gegen die Lutheraner und so ging Paul Gerhardt eben ins sächsische Exil nach Lübben.

Durch die Verstrickung von Stadtnutzung und Kirchenturm ist hier eine kleine Sonderrolle entstanden. Die Kirche gehört der Kirche, der Turm der Stadt. Es ist nicht so, dass die Stadt den Turm nicht hätte der Kirche wieder abtreten wollen, nur die Kirche wollte ihn nicht haben. In den 1980ern bekam der Turm wieder eine Spitze, die im Krieg runter geschossen worden war, 2008 zog Richtfunk ein und damit wurde der Innenausbau mit Treppe notwendig und seit 2011 gibt es die erwähnte Türmerin. Die Aussichtsplattform, bis zu der sie führen kann, liegt auf 22 m Höhe – über den Glocken aber unter der Uhr.

Lübben bietet mit dem Wasserspielplatz einen idealen Ort für Kinder. Und mit der Spreelagune ist gerade die zweite Attraktion für jene entstanden, die aber auch ältere in ihren Bann zieht. Es ist die schönste Flussbadestelle der Spree. Die üblichen Kahnfahrten kann man hier ebenfalls absolvieren. Und dieses Gewerbe hat hier in Lübben zwei Innovationen hervorgebracht. Der einzige behindertengerechte Kahn des gesamten Spreewaldes ist hier stationiert und es gibt eine nächtliche Lichterfahrt. Dazu ist eigens ein Kahn mit Unterwasserstrahlern ausgerüstet worden. Ein echtes Erlebnis der anderen Art. Normalerweise konzentriert sich der Blick nicht gerade in das Wasser sondern auf die Landschaft. Im Dunkeln mit Unterwasserbeleuchtung wird der Blick jedoch magisch in das kristallklare Wasser gelenkt.

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Und es gibt viel zu entdecken: große und kleine Fische schießen umher. Wenn man Glück hat, kringelt sich ein Aal oder ein Raubfisch schlägt unerwartet zu. Aber auch Krebse kann man entdecken. Diese Art des Spreewalderlebens soll aus Natur- und Umweltgründen nicht weiter ausgebaut werden, so das sich vorheriges Buchen empfiehlt. Sie zählt nicht zu den herkömmlichen Lichterfahrten, die nur zweimal im Jahr stattfinden und deren Ausbau ebenfalls aus Naturschutzgründen nicht erlaubt wird. Zumal sollen es schon touristische Höhepunkte des Erlebens bleiben und nicht zu einem Allerweltsspektakel verkommen. 

Lübbenau
Seit Fontanes Wanderungen durch die Mark gilt Lübbenau als „heimliche Hauptstadt“ des Spreewaldes. Liegt wohl auch an der zentralen Lage im Oberspreewald. Und touristisch ist mit den Spreewalddörfern Lehde und Leipe sowieso ein enges, unschlagbares Netz geknüpft. Dabei startete hier alles sehr beschaulich. Das Tor am Topfenmarkt war früher der einzige Ein- und Ausgang zum Ort, der eine kleine Straße besaß, die zur Schlossbrücke und dem Schlossbezirk führte. Ansonsten waren die Fließe die Straßen. Die heutige Spreestraße ist so ein Fall. Die mündet auf dem Kirchplatz. An der Mündung war früher die Kahnanlegestelle der Kirche für die Besucher aus den umliegenden Dörfern.

Die Bevölkerung der Gegend war geteilt in Wenden, die eher „gemütlich“ waren, und Deutschen, die eher „ordentlich“ waren. Durch die Enge war Vermischung die Regel, was die Betroffenen nicht davon abhielt, sich Gegenseitig mit Sticheleien zu überziehen, die eben jene für die jeweilige Volksgruppe schlechten Eigenschaften des anderen zum Ziel hatten. Es wurde etwas geredet, was ein Lübbenauer Original als „sumpfdeutsch“ bezeichnete. Die Bevölkerung hielt sich in erster Linie mit der Leinweberei am Leben und im Winter wilderte man auch gerne. Die Tour nach Berlin dauerte sechs bis sieben Tage. Also musste Frost herrschen, damit das Wild nicht auf der Strecke vergammelt ist. An Gemüseanbau war unter solchen Umständen natürlich ebenfalls nicht zu denken. Die Engländer und Holländer lösten mit dem Einsatz von Maschinen in der Industrialisierung ein Leinwebersterben aus. In Schlesien brach ein Aufstand aus, der kurze Zeit später einsetzende Eisenbahnboom löste im Spreewald jedoch die Gemüseproduktion aus. Die letzte Saison der Spreewaldbahn fand 1969/70 statt. Zu bestaunen sind die Eisenbahnrelikte wie auch andere Geschichts-Exponate im Spreewaldmuseum im alten Torhaus.