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Buga 2015

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Die diesjährige Buga in Brandenburg geht neue Wege. Dabei haben „Gartenausstellungen“ in Brandenburg durchaus schon Tradition. Fünf Landesgartenschauen und drei Bundesgartenschauen gab es. Dazu jede Menge Parks. Vielleicht ist es deswegen schwer, wieder einmal eine „normale“ Bundesgartenschau auf die Beine zu stellen.
Erstmals in der Buga-Geschichte gibt es mehrere Standorte und die diesjährige Buga ist sogar bundeslandübergreifend, denn Havelberg liegt schon in Sachsen-Anhalt. Die Havel fungiert als „roter Faden“: Von Dom zu Dom – Das blaue Band der Havel. Doch der Standort Rhinow/Stoelln liegt nicht direkt an der Havel.
Und wenn man schon dezentral organisiert, kann man es gleich richtig. Und so sind selbst an den einzelnen Buga-Standorten Brandenburg a.d.H., Premnitz, Rathenow, Rhinow/Stoelln und Hansestadt Havelberg die Flächen dezentralisiert.

Die Havel
Der Nabu brachte die Broschüre „Gute Besserung Havel“ heraus. Der einstmals beschaulich-mäandernde Fluß, der eine weitläufige Landschaft geschaffen und geprägt hatte, wurde zu Zeiten der DDR den Bedürfnissen der Planwirtschaft unterworfen. Hamburg-Berlin ging nur über Elbe-Havel. Der Dorn im Fleisch des Sozialismus mußte versorgt werden und die DDR brauchte Geld. Sie ließ sich den Ausbau der Havel in eine Wasserstraßenautobahn gut bezahlen. Die Seitenarme wurden 

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bei dieser Gelegenheit gleich abgeschnitten. Jetzt steht Renaturierung auf dem Programm: entfernen der Uferbefestigungen, öffnen der Seitenarme und der Berufsschiffverkehr läuft schon lange über den Havel-Elbe-Kanal, so das der obere Teil schon heute ein Paradies für Sport- und Paddelboote ist. 

Brandenburg
Die Buga-Zentrale steht auf dem ehemaligen Packhof am ehemaligen Werftgelände. Die Konstruktion greift hier das Motiv Fluß-Schiffe auf. Die Nordstern, der Vorzeige Oldtimer der Reederei Nordstern, wurde hier einst gebaut. Die Werft wurde bis in die 50er Jahre hinein betrieben, doch für die immer größer werdenden Schiffe war es dann der falsche Produktionsstandort. Die Nutzung wandelte sich bis hin zur Grünanlage.

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Als wir einen Blick hierauf werfen, ist die Fertigstellung noch in weiter Ferne, die fünf Schiffe des Themengarten sollen die fünf Standorte symbolisieren. Wir sehen Bagger und Sand. Ein paar Wochen später sind Fortschritte schemenhaft zu erkennen. 
Auch schräg gegenüber am anderen Ufer jenseits der Jahrtausendbrücke sieht man nichts. Hier wird in der Ruine der Kirche St. Johannis gewerkelt. Der Baugrund gilt als schwierig, über die Jahrhunderte ist die ehemalige Kirche des Franziskaner-Klosters schon um ein Meter eingesackt. Die Geschichte ist bewegt: Nach der Säkularisation Garnisionkirche, unter Napoleon Lagerhaus, praktisch am Hafen gelegen, danach kamen Reformierte. Seit dem zweiten Weltkrieg steht sie als ausgebombtes Mahnmal, jetzt soll wieder Leben einziehen. Hier wird eine Blumenschau als Hallenschau installiert. Eine Herausforderung, denn der Standort gilt als schwierig: 80-90% Luftfeuchtigkeit bei 13 Grad. 

Havelberg
Wir stehen auf der Havelstegbrücke am Winterhafen, die rüber zur „Spülinsel“ führt. Der Bürgermeister Bernd Poloski zeigt rüber zur Baustelle: „Das war eine alte Industriebrache. Eine Buga bietet ja auch immer die städtebauliche Möglichkeit, Mißstände zu entfernen. Für uns ein wesentlicher Aspekt. Unser Anliegen ist, Nachhaltig. Es wurden keine extra Flächen erschlossen. Wir haben uns auf bisher vernachlässigte innerstädtische Flächen konzentriert, wie Industriebrachen oder Grünflächen. Sie werden in Szene gesetzt, um sie auch nach der Bundesgartenschau nutzen zu können. Das Konzept geht dabei sehr viel weiter als nur die eintrittspflichtigen Bereiche, es umfaßt die komplette Altstadt. Der Besucher soll ermuntert werden, die Stadt kennenzulernen und sich wohlzufühlen.“ Zwar fließen in die Buga Bundes- und Ländermittel, doch die Kommunen müssen ebenfalls in die Taschen greifen.
Neben Brandenburg ist Havelberg der zweite Standort, der eine Hallenschau in einer Kirche anbietet. St. Laurentius liegt in der Altstadt. Wir wenden uns dem Dom zu, dem Mittelpunkt der Buga in Havelberg. Das Zentrum bildet allerdings das „Haus der Flüsse“ mit seinen fast 700 Parkplätzen. Dort ist ein Regionalmarkt geplant, welcher regionale Produkte zur Schau stellen soll. 
Den Zugang zum Dom „bewacht“ die Kapelle St. Annen. Eine achteckige Seltenheit und schön anzuschauen. Kein Wunder, daß sie ein beliebter Hochzeitsort ist. Die Zäune hinter der Kapelle markieren den eintrittspflichtigen Bereich. Nach der Buga werden sie wieder entfernt. Ab da geht es steil nach oben auf den Domberg. Ein behindertengerechter Ausbau stand auf dem Plan, doch Herr Poloski meint, das es trotz aller Anstrengungen eine Herausforderung bleiben wird. Der Behindertenverband ist auf alle Fälle einbezogen worden.
1920 gab es von Berlin ausgehend die Bewegung „mehr Grün in die Städte“. Havelberg folgte damals dem Trend und die Terrassen zum Domaufstieg wurden angelegt. Zur Buga sind sie reaktiviert und neu konzeptioniert worden. Und Aussichtspunkte wurden geschaffen, da der Domberg im Laufe der Zeit zugewuchert war. Die Krönung sind die restaurierten Havelberg Bänke. Kingsize XXL quasi, aufwändig und heute nicht mehr in der Produktion.

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Herausforderung zwei Großveranstaltungen
Der „Pferdemarkt“ in Havelberg ist legendär. Er bringt innerhalb einer Woche rund 200.000 Besucher jedes Jahr zusammen. Havelberg selbst bringt nicht einmal fünf Prozent der Besucher als Bewohner auf. Seit jeher also eine logistische Leistung. 
Nun ist 2015 die Buga und Havelberg kann deswegen den Pferdemarkt nicht absagen. Bürgermeister Bernd Poloski bringt es auf den Punkt: „Die Stimmung ist schon schlecht, wenn wir den Markt wegen Hochwasser absagen müssen.“
Soviel Möglichkeiten für Übernachtungen hat der Standort jedoch nicht. Es gibt drei Hotels und einige Pensionen, sowie den großen Campingplatz auf der Spülinsel, die sehr zentrumsnah am Winterhafen liegt. Besucher, die nicht nur Tagesgäste sein wollen, werden sich zwangsläufig auch in der Region umschauen müssen, so daß die Buga hier auch Gewinn für die Nicht-Buga-Standorte schaffen wird. 
Und mit der Erfahrung in der Hinterhand, wird Havelberg beide Veranstaltungen meistern, zumal die Buga monatelang läuft und Besucher sich selbst den Termin aussuchen können und nicht gezwungen werden, ausgerechnet zum Zeitpunkt des überregional ausstrahlenden „Pferdemarktes“ vor den Toren aufzukreuzen. 

Buga braucht Zeit
Durch die dezentrale Organisation braucht der Besucher Zeit. An einem Tag wird die Buga nicht zu schaffen sein. Dafür kann man die Bugastandorte sogar mit dem Boot abfahren. Radeln geht schneller, Havelberg ist sogar ein Kreuzungspunkt wichtiger überregionaler Radwanderwege. 
Während der Buga soll es rund 1.000 Veranstaltungen, teils mit namhaften Künstlern geben. Allein das sollte eine Dauerkarte lohnend machen, die man eh benötigt, will man sich jeden Standort in Ruhe ansehen. 
Und warum nicht ein, zwei Wochen Urlaub machen? Buga und … es gibt in der Region viel zu entdecken, auch außerhalb der Buga. 

Weitere Informationen:
Zweckverband Bundesgartenschau, Fabrikenstraße 11, 14727 Premnitz

Text:
Otger Jeske

Fotos:
Matthias Dikert
Otger Jeske
Monika Hackert

Tel.: 033 86 212 80 00Lesen Sie auch: