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ZUR OPERNGALA 2015 NACH RHEINSBERG

Ein wenig Glanz und Gloria strahlte vom Ackerbürgerstädtchen im „Ruppiner Land“ aus, nachdem der „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. es März 1734 zur Residenz für den Kronprinzen erhob. Der „Junge Fritz“ zog das Landleben dem Höfischen vor. Weltoffen, voller Inspirationen verbrachte er mit seinem musischen Freundeskreis ab August 1736 „die glücklichste Zeit meines Lebens“ – bis er Mai 1740 Friedrich II. wurde und Potsdam zur preußischen Sommerresidenz ausbaute. Juni 1744 schenkte er das bisherige Domizil Bruder Heinrich, welcher ab 1752 für fünf Jahrzehnte hier logierte und Schlossinneres wie Parkanlage wesentlich prägte. Er formte den ‚Musenhof’ und ließ 1774 Carl Wilhelm Hennert das Schlosstheater mit klassizistischer Ausstattung errichten. Mehrmals in der Woche hob sich der Vorhang, zu den Theater- und Opernaufführungen kam eine illustre Schar aus Berlin. Rheinsberg entstand derweil neu im angesagten Gewand – es war 1740 einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen.
Bis 1843 bewohnten preußische Prinzen das Schloss, danach ermattete der Glanz, aber der von Fontane und Konsorten angekurbelte Fremdenverkehr sorgte für Ersatz. 1912 setzte Kurt Tucholsky dem beliebten Ausflugsziel der Berliner Gesellschaft mit seinem „Bilderbuch für Verliebte“ ein schmunzelndes, funkelndes literarisches Denkmal. Und wer heute „…eine Reihe leuchtender Tage“ in Rheinsberg verbringt, wird bestimmt ganz entzückt den Stimmen beim Festival der Kammeroper lauschen – wie wir zur Operngala.

Direkt am Großen Rheinsberger See gelegen empfängt das 4**** Superior Wellness- und Tagungshotel nur 1 Stunde von Berlin entfernt seine Gäste, ob im kleinen oder großen Rahmen, zum Wochenend-Urlaub oder zu Kongress und Seminar. Mit maritimen Flair, mit eigenem Badestrand wie Bootssteg und einem rot-weißen Leuchtturm als Blickfang. Das Maritim Rheinsberg mit 176 eleganten Zimmern und Suiten, davon 24 mit eigenem Bootsanleger begeistert durch einen herrlichen Panoramablick über das Hafendorf, eine großzügige Wellness-Lounge von 2.300 qm und vielfältig gastronomische Angebote. Ins Städtchen Rheinsberg sind’s nur zwei Kilometer – zu Fuß auf dem Uferweg mit Seeblick.

Die Siegfried-Matthus-Arena am Hafendorf Rheinsberg gehört zum Maritim Hafenhotel. Die Arena ist eine multifunktionale Veranstaltungshalle und steht für Events aller Art zur Verfügung. Die Halle wird auch vom „Internationalen Festival junger Opernsänger“ genutzt – bei schlechter Wetterlage kann eine Aufführung vom Schlosshof Rheinsberg schnell hier her verlegt werden. Die Halle ist nach dem Gründer des Festivals benannt, seine Büste schmückt das Foyer. 24 Jahre leitete Siegfried Matthus das Festival als der Künstlerische Leiter. 2014 wurde sein Sohn Frank Matthus Künstlerischer Direktor.

Die Musikakademie mit Sitz im Kavaliershaus der Schlossanlage von Rheinsberg ist eine Ausbildungs- und Arbeitsstätte für Musiker aus aller Welt. Sie bietet Chören, Orchestern und Theatergruppen übers Jahr eine Plattform für Aufführungen im Schlosstheater und im Spiegelsaal vom Schloss. Die Akademie veranstaltet ganzjährig Konzerte und Theater für Kinder und Erwachsene, sowie internationale Gastspiele renommierter Interpreten, und unterstützt das „Festival zur Förderung junger Opernsänger“ »Kammeroper Schloss Rheinsberg«. Die Kammeroper mit ihrem Festival feiert heuer 25-jähriges Jubiläum, und fusionierte davor mit der Musikakademie zur Musikkultur Rheinsberg gGmbH mit dem Land Brandenburg als Hauptgesellschafter.

Vom Hafenhotel ins Städtchen zum Schloss geht’s zu Fuß und natürlich auch bestens auf ‚Seen-Rundfahrt’. Wer jedoch mit dem Kremser unterwegs ist, sieht Rheinsberg mal von ganz anderer Seite. Gemütlich zockelt man durch Wald und Wiesen und dann schön die Allee hinunter zum Paradeplatz der kleinen Residenz. Während der Kutscher erzählt, so von der 1762 gegründeten Fayencemanufaktur, deren Schätze im Keramikmuseum zu bewundern sind. In vier Werkstätten wird noch Keramik und Porzellan produziert – da möchte man doch nix wie hin und fröhlich stöbern. Das muntere Pferdegespann kennt bestimmt den Weg. Oder lieber ins Atelier für Holzkunst, zum Musikinstrumentenbauer, zu den Schneidern der friderizianischen Rokokokostüme fürs Frühjahrs-Fest „Friedrich und Voltaire spielen Schach“? Wir kommen wieder, auch im Oktober zum Töpfermarkt.

Das Renaissance-Schloss wurde von den Architekten Kemmeter und von Knobelsdorff zur Residenz des Kronprinzen aus- und umgebaut. Es entstand eine Dreiflügelanlage mit zwei Rundtürmen im Abschluss und einer säulenreichen Kolonnade an der See-Seite als verbindendes Element. Wodurch die Anlage sich vom Ehrenhof zur Landschaft öffnet – und am Abend, übers Wasser betrachtet, ein Ambiente aufweist wie es wohl vertrauter, romantischer kaum sein kann. Der friderizianische Rokoko – welcher in Sanssouci seine Vollendung fand – nahm hier erstmals Gestalt an. Nach aufwendigen Restaurierungen ist das Schloss seit 1991 erneut Museum. Zweifach – auch Kurt Tucholsky hat seinen Anteil, im Erdgeschoss des Nordflügels. Das Literaturmuseum beherzigt sein „Kunstgesetz: Wir wollen nicht gelangweilt werden!“.
Aus der Reihe der Säle und Gemächer mit wieder originalen Raumdekorationen glänzt beim Rundgang im Obergeschoss der Spiegelsaal mit seinen vergoldeten Reliefs hervor deren Szenen auf eine konzertante Nutzung des Saals hinweisen. Interessant auch das Deckengemälde „Der Tag vertreibt die Finsternis“ als Allegorie auf den bevorstehenden Machtwechsel. Mit der Vorkammer und dem Bacchuskabinett sind die drei Räume echt friderizianisch erhalten. Es folgt die lohnende Wohnung der Prinzessin Amalie und später ebenso die der Prinzen Ferdinand und Heinrich. Der „Muschelsaal“ mit seinem Glasarmkronleuchter aus der nahen Zechliner Hütte, die Paradeschlafkammer des Prinzen mit Säulen und seidener Wandbespannung, die Lange Kammer als eine kleine Gemäldegalerie, sowie das runde Turmkabinett entzücken bei jeder Führung. Im Erdgeschoss erstreckt sich neben beiden „Gewölbten Kammern“ mit den illusionistischen Wandmalereien die mannigfaltig gestaltete Sommerwohnung des Prinzen Heinrich.
Eine Pyramide bildet im Park das Grabmal des 1802 verstorbenen Prinzen von Preußen. Sie erhebt sich östlich vom Orangerie-Parterre im Lustgarten welcher über eine Brücke von der Schlossinsel zu erreichen ist. Alleen und Rondelle gliedern das Areal, wobei die Heckenquartiere als Obstplantagen und Irrgärten das Nützliche mit der Lust am frivolen Spiel vereinen. Im Heckentheater von damals lebt heute das Rokoko wieder auf. Getanzt wird viel zu Zeiten des Prinzen Heinrich. „Tanzt, tanzt!“ ruft Tucholsky uns zu. Vielleicht sollten wir es an diesem lauen Sommerabend vor der Operngala wirklich wagen?

Großer Stechlin (45 ha) heißt der klarste mit bis zu 69 Metern tiefste See Brandenburgs, den man zu warmen Jahreszeiten am besten mit dem Fahrrad oder zu Fuß erkundet. Der 12 km lange Rundweg durchs Naturschutzgebiet im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land mit altem Buchenwald führt – ab Neuglobsow – zu zahlreichen idyllischen Badestellen am „…buchtenreiche See“. Das wunderbare wie es scheint fast bis auf dem tiefen Grund klare Gewässer ist Heimat der ‚Stechlin-Maräne’. Diese nur hier vorkommende Fischart wird vor Ort als lokale Spezialität serviert – besonders bei der Fischerei Böttcher. Dem Familienbetrieb am Bootssteg ins Netz zu schauen macht Vorfreude auf ein tolles Mahl. Adolf, Martin und Rainer – im Bild von links nach rechts – verstehen ihr Handwerk und erzählen in einer freien Viertelstunde die schön-schaurigsten Geschichten vom Stechlin.
Neuglobsow – einzige Siedlung am See – erstreckt sich über Hang und Hügel in schöner Ortslage mit allerlei von Fischer-Kate bis Gründerzeit-Villa. Ein schmuckes Glasmuseum und das ‚Fontane-Haus’ – hier schrieb der Dichter wohl zu Teilen „Der Stechlin“ – sind die Höhepunkte beim Gang durch die Gemeinde. Deren originellste Sehenswürdigkeit bestimmt das Ensemble äh „Gäste-Bank mit Häuschen dahinter“ darstellt. Eingeborene berichten gern… Für besonders Wissbegierige am Stechlin lohnen sich natürlich die auf Nachfrage zu buchenden Exkursionen und Führungen vom Naturparkhaus in Menz und der Naturwacht im nahen Menz.

Jedes Jahr Anfang Juli erklingt bei festlicher Abendstimmung im Ehrenhof mit Blick zum See und Park durch die Kolonnade ein bunter Reigen bekannter und beliebter Melodien. „(Un)erhörte Liebe“ kam 2015 zu Gehör, von Mozart bis Puccini reichte das Programm. Bei „Abendstille überall…“ sang zum Abschluss das Publikum mit – schon aus Tradition. Für 2016 kann man jetzt Karten kaufen. So für die Operngala, für „Tosca“ – und für zum Beispiel „Der Singende See“. Mal sehen wo wir noch hinhören!

Weitere Informationen bei:

Musikkultur Rheinsberg gGmbH
Musikakademie Rheinsberg
Kavalierhaus der Schlossanlage
16831 Rheinsberg
Tel.: 033931 / 7 21 – 0
Fax: 033931 / 7 21 – 13

Stadt Rheinsberg – Tourist-Information
Frau Anke Hoffmann
Remise am Schloss / Mühlenstraße 15 A, 16831 Rheinsberg
Telefon: (033931) 34940
Fax: (033931) 349422

Maritim Hafenhotel Rheinsberg
Hafendorfstraße 1
16831 Rheinsberg
Telefon: +49 (0) 33931 800-0, Fax: +49 (0) 33931 800-888
Telefon Reservierung: +49 (0) 33931 800-812

Text:

Christoph Merten

Fotos:

Matthias Dikert

Bilder vom Schloß und Schloßgarten © SPSG