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Uckermark-Perle Templin

Templin lag strategisch günstig und so verdankt der Ort seinen Aufstieg im Mittelalter. Mit Aufstieg und Glanz kommt der Wunsch nach Sicherheit und so zog man eine fast 2 km lange Mauer um den Ort. Diese ist noch heutzutage nahezu komplett erhalten und gibt Templin ein besonderes Flair. Markenzeichen der Brandenburger Stadtmauern waren die fehlenden Wehrgänge. Dafür gab es Wiekhäuser, halbschalige, turmartige Ausbuchtungen, die der Wehr dienten. In einigen Städten wie z.B. Neubrandenburg sind viele der Wiekhäuser in „richtige“ Häuser integriert worden. So schlängelt sich zwar ein Außenweg an der Stadtmauer entlang, innen ist sie aber nur begrenzt erfahrbar. In Templin kann man auch innen einmal komplett die Stadtmauer erkunden. Und hat man sich dafür vorab einige Informationen eingeholt oder einen Führer dabei, mag man manchmal mit dem Kopf schütteln. Oftmals ist die Stadt abgebrannt, obwohl reichlich Wasser sie umgibt: Templiner Stadtsee, Templiner Kanal und Lübbesee. Es gab in der mittelalterlichen Konstruktion einfach zu wenig Tore, um im Fall der Fälle an das rettende Nass zu gelangen. Und so wurden nach dem letzten großen Stadtbrand von 1735 großzügige Schneisen in die schon damals militärisch überholte Mauer geschlagen. Seinerzeit, also 1314, ersetzte die Mauer Stück für Stück einen alten Palisadenzaun. Der Umbau dauerte rund 100 Jahre. Nach dem letzten großen Brand wurde die Stadt schachbrettartig neu konstruiert und hochgezogen und ist Sinnbild einer neuen städtebaulichen Auffassung. 

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Als „Rasttipp“ bei einer Umwanderung sei hier das Kutscher-Haus genannt, in der Nähe des Webertores gelegen. Rustikales Ambiente in Verbindung mit saisonaler, regionaler Küche zeichnen das Restaurant aus. Bei Sonnenschein draußen mit Blick auf Mauer, Tor und Kirche, bei Regen drinnen.
Die Stadt ist übrigens Gründungsmitglied in der Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischem Stadtkern“ und pflegt diesen deshalb besonders. Wohl nicht nur deswegen ist Templin die Nummer 4 in der Liste der Übernachtungszahlen bei den brandenburgischen Städten. Die Therme trägt wohl ebenfalls ihr Scherflein bei. Im Jahre 2000 führte dies zur Anerkennung als Thermalsoleheilbad. Die Sole stammt aus 1.650 m Tiefe und ist 57,5 Grad heiß. Leider ist sie beileibe keine neue Entdeckung. Schon im Mittelalter frönten die Askanier dem heilenden Solebad in Templin. Mit der Zeit ging diese Erkenntnis jedoch verloren und musste erst wiederentdeckt werden. 
Für einen längeren Aufenthalt in Templin spricht die umgebende Natur. Viele kristallklare Seen, idyllische Bäche und weite Moorflächen erstrecken sich umgeben von tiefen Wäldern in sämtliche Richtungen. Und so liegt der Schwerpunkt hier auf Wandern, Rad- und Bootfahren. 
Da wäre z.B. der Sechs-Seen-Rundwanderweg mit 24 km Länge: Beginnend in Templin, raus über die Pionierbrücke, den Templiner Stadtsee hoch, den Gleuensee umrunden, über Fährkrug den Fährsee entlang zum Zaarsee, durch Ahrensdorf zum Lübbesee und an diesem entlang wieder nach Templin. Oder eine Wanderung nach Lychen. In Alt-Placht stellt sich uns hier die Hugenottenkirche in den Weg. Ein wahres Kleinod außerhalb des Dorfes, welches zum Schauen und Besinnen einlädt. „Moment“, mag sich manch einer nun denken, „Kirchen stehen doch nicht außerhalb von Orten.“ Und das stimmt schon generell. Die Ortschaft war früher auch um die Kirche herum gruppiert. Die Ortschaft ist indes „gewandert“ und nun liegt die Kirche eben idyllisch am Waldesrand gelegen. Das Kleinod sollte noch Ende der 80er Jahre wegen drohendem Verfall abgerissen werden. Es kam der Mauerfall dazwischen und in den frühen 90ern ist eine Restaurierung privat in Angriff genommen worden, so dass heutzutage das kleine, von französischen Auswanderern errichtete Kirchlein dem Besucher entgegen strahlt. Die Wanderung geht daraufhin entlang am Platkowsee über Zenssee nach Lychen. Beide Seen sind für den Motorbootverkehr gesperrt, so dass die Ruhe für Großstädter schon fast erdrückend zu sein scheint. Dieser Wanderweg ist Teil des Märkischen Landweges, der sich quer durch die Uckermark zieht. 

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Lychen ist Flößerstadt. Bis ins 18.Jahrhundert kann das Handwerk zurückverfolgt werden. Sägewerke bildeten lange Zeit eine der wichtigsten Wirtschaftszweige der Region und Berlin war ein Hauptabnehmer, aber Holz aus der Region gelangte sogar bis nach Hamburg. Durch Industrialisierung und dem Erschluss anderer Transportwege geriet die Flösserei immer mehr ins Hintertreffen. Dennoch wurde bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein professionell der Beruf ausgeführt, das letzte Floß datiert gar auf das Jahr 1975. Mittlerweile ist die Flößerei wieder entdeckt worden. Es gibt einen Verein zur Traditionserhaltung und die Firma Treibholz, bei denen man Touren mit Floß individuellBUCHEN bzw. bei Rundfahrten (täglich 10-11 Uhr während der Saison) oder dem Event „Musikfloß“ sich dieses Genusses unterwerfen kann. Daneben werden noch Kanus und Hydrobikes vermietet und in einer ehemaligen Kutscherremise gibt es eine nicht alltägliche Übernachtungsmöglichkeit, mit gemeinsamer Küche am Bollerofen. 
Es gibt noch eine weitere lohnenswerte Freizeitmöglichkeit, die nicht gerade alltäglich ist, wie zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs zu sein: Fahrrad auf der Schiene! Von Templin nach Fürstenberg … halt! Hohenlychen ist Wendestation. Von Templin aus aus hin und zurück = Ganztagstour, von Fürstenberg hin und zurück = Halbtagstour. Es gilt Prinzip Einbahnstraße und die befahrbare Richtung ist zeitabhängig. Es gibt viele Haltemöglichkeiten (Draisine aus dem Gleis herausnehmen), so dass die Zeit zur Erkundung der näheren Umgebung genutzt werden kann: Hugenottenkirche Alt-Placht, Baden im Zenssee, Weihnachtsmannstube in Himmelpfort, Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Kutschfahrt in Lychen und diverse Lokalitäten entlang der Strecke. 

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Das bisher beschriebene Gebiet markiert auch die Ausdehnung des Naturparks Uckermärkische Seen. Naturführungen werden angeboten, zu den unterschiedlichsten Themen. 
Wenn es regnet, bietet sich eine Rundtour mit dem Uckermark-Shuttle an. Am Wochenende gibt es diese 175 km lange Tour in knapp 4 Stunden. Während der „guten“ Jahreszeit sogar mit Anhänger für Fahrrad. Der Shuttle ist in erster Linie ein Zubringer für Wanderer, Fahrradfahrer und Ausflügler. Eine Vielzahl von Haltestellen geben Zeugnis der ÖPNV-Angehörigkeit. Bei schlechtem Wetter bietet sich auch ein Besuch der Westernstadt El Dorado bei Templin an, die sich auf rund 70.000 qm erstreckt. Natürlich auch bei gutem Wetter (oder vor allem bei gutem Wetter) empfehlenswert. 

Appetit bekommen ? 

Weitere Infos:
Tourismus-Marketing Templin GmbH; touristinfo@templin.de
Tourismus-Marketing Uckermark GmbH; info@tourismus-uckermark.de


Bericht und Fotos: 
Otger Jeske