image_print

Rheinsberg Hafendorf

Rheinsberg ist der Ort, der eng mit Friedrich dem Großen in Verbindung steht. Als Kronprinz verbrachte er seine Jugend hier. Dann überließ er es seinem Bruder Prinz Heinrich, der dem Ganzen den heutigen Schliff gab. Das sozialistische Bettenheim des FDGB in Nord-Nord-West plante er nicht. Nach der Wende verfiel es und wich Anfang des neuen Jahrtausends einem neuenHOTEL. Und darin findet die Prinzessin von heute einen üppigen Wellness- und Spa-Bereich für die Verwöhnung.

Maritim im Hafendorf
Neu ist der Hotelbetreiber. 2013 wurde der Vertrag unterzeichnet. Die Eigner ließen sich Zeit, da sie mit dem alten Betreiber unzufrieden waren und sich sicher sein wollten, einen Partner mit Zukunftspotential zu gewinnen. Da das Haus über die Siegfried-Matthus-Arena verfügt, paßt es von der Tagungskapazität in das Maritim-Konzept. Der Wellness-Bereich gehört zumHOTEL, damit die Kontrolle über die Richtung in einer Hand bleibt. Das wurde von den Gästen sehr schnell honoriert, denn die Besucherzahl in den Beauty-Räumen, der Sauna und dem Schwimmbad ist seit der Übernahme um 30 Prozent gestiegen. Wer die Massenabfertigung nicht mag und eher seine Ruhe vor anderen Gästen haben will, findet Räume mit eigener Sauna, Wanne, Whirlpool und Ruhesektion zum Mieten.

_1407100288

Bilder vom Schloß und Schloßgarten © SPSG, Fotos: Matthias Dikert
24 Inselsuiten gehören ebenfalls zum Maritim. Das sind Häuser im Hafendorf. Der Rest befindet sich in privater oder Investoren-Hand. Zwei Stockwerke, eigener Bootsanleger und Terrasse. Im Winter sind sie allerdings nicht buchbar – zu gefährlich. Wobei „Winter“ variabel gehandhabt wird, denn gefährlich ist es dann, wenn die Holzplanken der Terrasse vereist sind. 
Ebenfalls befindet sich das Bistro am Kai in Hotelbewirtschaftung. Über das Wahrzeichen, den Leuchtturm, erreichbar, mit schöner Aussicht auf See oder Dorf hat das Bistro nur bei gutem Wetter geöffnet.
Weiter hinten gibt es noch eine Anlegestelle. Mit dem Ausflugsdampfer der Reederei nach Rheinsberg oder über die Mecklenburger Seenplatte. 

_1407106281
Durchschlängeln durch Kanäle, Anglern und Bootsbesatzungen zuwinken und auf dem weiten Wasser überrascht sein, wieviel Geschwindigkeit so ein Ausflugskahn entwickeln kann. Da drückt der Wind selbst bei sonnigem Wetter ganz schön hart auf dem Deck.

Rheinsberger Geschichte
Glashütten dominierten einst das Bild von Rheinsberg. Im Verlaufe des 19. Jahrhunderts sind sie aus dem Stadtbild verschwunden. Die Keramik hat es länger ausgehalten. Trotz der Brandgefahr. 1972, zu DDR-Zeiten, brannte letztmalig eine Keramikfabrik. Große Stadtbrände gab es zwei, die Kirche ist nach dem zweiten großen errichtet worden. Dabei ist „Stadt“ nach heutigem Verständnis nicht eine 800-Leute-Gemeinde (unterm alten Fritz) mit kleinen Häusern und Ställen für Tiere. Das ist eher Dorf. Doch in solchen Städten hieß es dann „Ackerbürger“. Im Kern zum Beispiel bei der Kreuzung Lange Straße/Seestraße noch gut zu sehen. Und See/Ecke Kirch steht die erste Schule von 1715. 

_1407106210

Umgeben war Rheinsberg – wie es sich gehörte – von einer Stadtmauer. Diese richtete sich auch gegen die Wasserburg der Bredows. Ein in der Stadt sehr unbeliebtes Adelsgeschlecht. Der Standort war jedoch Grenzregion zu Mecklenburg und so die Burganlage eine Grenzfestung zur Sicherung. Obwohl man nicht weiß, wie die Bredows das mit der Stadt so sahen …
Friedrich den Großen hatte die Bevölkerung jedoch ins Herz geschlossen. Der wurde nämlich Ende des 19. Jahrhunderts auf den Stadtthron gestellt, obwohl sein Bruder Heinrich wesentlich mehr für die Stadt getan hatte. Es gab jedoch einen kleinen Hintergedanken: Das Handwerk war nahezu gestorben und die Bevölkerung machte sich Gedanken über die Zukunft. Und Friedrich versprach Touristen-Kasse. Nach den holprigen Anfängen ist Heinrich aber nicht vergessen worden.
Die Kanäle zwischen den Seen, die für ein weitreichendes Paradies für Bootsfahrer und Kanuten sorgen, stammen aus dem 17. Jahrhundert. Sie sind also künstlich und dienten der Holz-Flößerei, denn Rheinsberg hatte eine Anlandestelle. 
Die Tradition der Keramik reicht indes noch weiter zurück. Mindestens 800 Jahre, denn es gibtFUNDE, die dies belegen. Eine industrielle Produktion bildete sich dann Ende des 18. Jahrhunderts heraus, und Rheinsberg ist die drittälteste Keramikstadt Deutschlands, die immer noch produziert, mittlerweile wieder an zwei unabhängigen Standorten.

Rheinsberger Preussenquelle
Rheinsberg hat sein eigenes Mineralwasser. Die Preussenquelle ist jedoch nichts Traditionelles. In den Neunzigern suchte man nach einer Badequelle, fand jedoch „nur“ eine Mineralquelle. Also wurde die Bohrung wieder ordentlich zugeschüttet. 

_1407106726

Diese Bohrung kam Jahre später einem Norddeutschen zu Ohren, der sie dann reaktivierte und zum Mineralwasser „Preussenquelle“ entwickelte. Inzwischen ist es auch in Berlins Top-Gastronomie angekommen und gilt gar als „in“.
Der Bedarf konnte da kaum gedeckt werden, da die Abfüllung alles Handarbeit war. Inzwischen ist ein größerer Investor eingestiegen.

Das Schloß
war ursprünglich eine Wasserburg mit einem Wehrzinnenturm. Friedrich wurde nach seiner mißratenen Flucht nach Neuruppin verbannt und entdeckte es bei einem seiner Streifzüge. Er wünschte, daß sein Vater es ihm besorgte. Der war einem Erwerb nicht abgeneigt, da Friedrich in der Verbannung wohl auf den „rechten Weg“ zurückgekommen war. Aber er stellte die Bedingung, daß Friedrich heiraten müsse …
Die Anlage besaß nur den linken Flügel und Friedrich ließ das Ensemble zu einer Drei-Flügelanlage erweitern. Friedrich war hier glücklich, auch wenn das Schloß eine stete Baustelle war. Er hatte letztlich aber nicht viel davon. Überraschend starb der Vater und er wurde König. Einmal in Berlin, kam er nie wieder nach Rheinsberg zurück. Er schenkte es seinem Bruder, allerdings mit der Auflage, es nur an einen Erben weitergeben zu können. Da der Bruder nicht nur im Verdacht stand, Frauen zu verschmähen wie Friedrich, sondern erwiesenermaßen seinesgleichen anhimmelte, war Heinrich damit Schachmatt gesetzt. Weg von Berlin, Friedrich nicht reinreden, keine unbequemen Fragen stellen und das Geschenk nicht versilbern können. Man merkt, die konnten sich (nicht) leiden. Heinrich versuchte das Beste daraus zu machen, kümmerte sich um das Schloß, ließ umfangreiche Umbaumaßnahmen durchführen, betätigte sich in der Gartenarbeit und versuchte, das Handwerk der Stadt zu fördern. Mit seinem Tod fiel es an die Familie Hohenzollern als Gesamterben. Was für Heinrich galt, galt auch für die Familie, weswegen das Schloß eher ein Klotz am Bein war. Hier wurde ausrangierter Plunder aus den herrschaftlichen Sitzen hergebracht und das Schloß hatte eher die Nutzung einer FeWo, weswegen die Pflege auch nicht sonderlich intensiv durchgeführt wurde, was dem Bauwerk nicht so gut bekam

_1407106357jpg

Nach dem zweiten Weltkrieg gab es verschiedene Nutzungen, darunter auch als Flüchtlingslager. Zu jener Zeit waren die Winter extrem hart und so wurde viel Holz aus dem Schloß verfeuert, womit hauptsächlich Heinrichs Erbe in Rauch aufging und viel von Friedrichs übrigblieb.
Man sieht im allgemeinen nur die pompöse Ausstattung von Schlössern. Und man meint, der Adel hätte die Bevölkerung in Sklavenketten zum Bau schleifen lassen. Doch ganz so war es nicht. Kein Geld, kein Bau. Geld war auch für Adlige immer etwas sehr Knappes. Also wurde übermalt, neue Holzvertäfelungen wurden über alte gesetzt, und Schmuck und Zier waren oft nur Holz und Stuck goldig angepinselt. Effektiv! Die Spannungsmuster kann man bei einer Führung sehen. 
Ab 1950 war das Schloß TBC-Klinik, danach Sanatorium für Diabetiker. Zehn Jahre nach der Wiedervereinigung wäre ohne diese nichts mehr übriggeblieben. Der komplette Verfall ist durch die Wiedervereinigung in letzter Sekunde gestoppt worden. Nach aufwendigen Restaurierungen glänzt das Haus heute vor allem im friderizianischen Stil, wobei auch versucht wurde, die Zeit Heinrichs einzufangen. Ganz Schluß ist jedoch noch nicht. 2016 soll alles fertig sein. 

KeramikMANUFAKTUR Dornbusch
Dem Standort fehlte nach der Wende etwas die Luft. Zu DDR-Zeiten wurde hier rote Keramik produziert und in alle Welt billig verteilt. Das hat nachhaltig gewirkt. Rot = billig, blau = teuer. Der Produktionsprozeß indes ist bei rot wesentlich aufwendiger. Ein komplettes rotes Service kostete in der DDR 15,– M. Der Herstellungspreis betrug indes 150,– M, die Differenz wurde vom Staat draufgepackt. Nach der Wende war rot nicht mehr zu verkaufen, weswegen der Standort nur durch die Produktion der „luxuriösen“ blauen Keramik überleben konnte. „Bürgeler Keramik“ ist deswegen berühmt geworden, weil es die einzigen in der DDR waren, die Cobalt bekamen, der für die blaue Farbe notwendig ist.

_1407106396

Der Unterschied von Keramik zu Steingut ist die Herstellung. Keramik wird zweimal gebrannt und ist hart, Steingut wird nur einmal gebrannt, hat deswegen einen höheren Wasseranteil und ist leicht brüchig. Nach dem ersten Brand kann das Material noch Wasser aufnehmen, ist also saugfähig. Steingut ist eine Entwicklung, die gut für die Industrie war. Es gibt meist nicht mehr als 0,5 Prozent Materialschwund durch den Brennvorgang zu berücksichtigen und der Ausschuß ist kaum nennenswert. Bei der Keramik sieht es anders aus. Die Brenntemperaturen sind höher und das Material schrumpft deutlich. Damit steigt auch der Ausschuß. In derMANUFAKTUR wird Feinsteinzeug hergestellt, quasi die Krönung der Keramik. Noch höhere Temperaturen, spezieller Ton. Die Ware ist extrem haltbar, sowohl bei Kälte als auch Hitze.
Was ist Hauptgeschäft und was Nebenbein? Das KeramikHOTEL produziert sehr übersichtliche Kosten, die Lohnkosten liegen bei rund zehn Prozent. Die Keramikmanufaktur hat Lohnkosten von über 50 Prozent – und niemand verdient den gesetzlich angedachten Mindestlohn. Kommt dieser, müßten die Preise deutlich angehoben werden. Das Geschäft ist jedoch heute schon extrem hart.
Derzeit gibt es 15 Angestellte, die je nach Bedarf im Hotel oder der Manufaktur arbeiten.
Unterlegt wird die Bedeutung der Keramik für die Stadt durch das jeweils im Oktober stattfindende Töpferfest.

Weitere Informationen bei:

Stadt Rheinsberg – Tourist-Information
Frau Anke Hoffmann
Remise am Schloss / Mühlenstraße 15 A, 16831 Rheinsberg
Telefon: (033931) 34940
Fax: (033931) 349422

MARITIM HAFENHOTEL RHEINSBERG
Hafendorfstraße 1
16831 Rheinsberg
Telefon: +49 (0) 33931 800-0, Fax: +49 (0) 33931 800-888
Telefon Reservierung: +49 (0) 33931 800-812

Text:
Otger Jeske

Fotos:
Matthias Dikert