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Frankfurts anderes Gesicht

Wenn heutzutage ein alter Kupferstichmeister Frankfurts Bild ritzen müßte, würden Banktürme dominieren. Die modernen Götzentempel des Kapitals überstrahlen weithin sämtliche althergebrachten Wahrzeichen. Früher waren es die Tempel des Glaubens, die die Stadtbilder charakterisierten, vielleicht noch das Rathaus, ein besonderes Tor oder ein Wehrturm.
Die Wolkenkratzer, die Frankfurt den geläufigen Spitznamen „Mainhattan“ eingebracht haben, vermehren sich rasant. Noch ist alte Geschichte im Zentrum erfahrbar. 

Das Goethehaus
Zum Beispiel Goethes Geburtshaus. Es atmet alte Frankfurter Geschichte. Original ist es indes nicht mehr. Pünktlich am Todestag des großen deutschen Schriftstellers wurde es durch alliierte Brandbomben 1944 komplett zerstört. Heute steht also ein komplett im alten Stil mit alter Technik rekonstruiertes Gebäude dort.
Die Goethestiftung hatte das alte Gebäude 1863 gekauft und in ein Museum verwandelt. Die Stiftung sammelte seither alles, was mit Goethe zu tun hat. Das Problem war, daß die Frau von Goethe nach dem Tod des Dichterfürsten alles verkaufte. Das einzig Vollständige ist die Bibliothek. Bücher waren wohl damals auch schon nicht sonderlich populär …
Ursprünglich kaufte Oma Goethe das Haus, da sie mit Weinhandel reich geworden war. Es bestand damals aus Frankfurter Fachwerk und wurde später in ein Bürgerhaus umgebaut. Der Sohn protzte, wo er nur konnte. Er war Anwalt, durfte in Frankfurt jedoch nicht seinen Beruf ausüben, da er, gierig nach Selbstdarstellung, sich einen Titel als „kaiserlicher Rat“ erkauft hatte. Und das in einer freien Reichsstadt … Die Ordnung war eindeutig: keine Adelskriecher! Und so protzte er mit Mutters Geld, wo er nur konnte. Das Haus war modern und fortschrittlich eingerichtet. Die innenliegende Küche war das modernste, was es zu jener Zeit gab, Herd mit Abzug, eigene Wasserpumpe im (!) Haus samt Waschbecken. Normal war, daß das Backwerk wie auch der Sonntagsbraten in der Backstube abgegeben und dort gebacken und gebraten wurde. Die Gefahr, im eigenen Haus bedingt durch das Fachwerk ein Feuer auszulösen, welches dann auf die gesamte Stadt übergriff, war einfach zu groß. Durch Herdfeuer sind in der Geschichte immer wieder komplette Straßenzüge abgebrannt. Die Goethe’sche Küche war also eher wenig in Gebrauch und diente vielmehr mit der üppigen Ausstattung auch wieder nur dem Prunk. 
Und der ist besonders im roten Salon sichtbar. Dort gab es Papiertapete, auch noch eine sehr bunte Sorte. Die Papiertapete war gerade erfunden worden und im allgemeinen extrem teuer und eigentlich dem Adel vorbehalten. 

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Goethes Frankfurter Zeit endete mit 26 Jahren, als er nach Weimar zog. Er hatte gerade erfolgreich das Jurastudium beendet und zwei Jahre im Hause seines Vaters eine Kanzlei geführt. Sein Vater war stinksauer, daß der Sohn die aussichtsreiche Karriere als Anwalt sausen ließ, um sich auf ein „perspektivloses“ Abenteuer einzulassen. Der Vater sah eine mögliche Beamtenkarriere bei Hof nicht, der Sohn hatte diese Hoffnung schon, als er sich auf Weimar einließ. Die Geschichte gab ihm recht.
Doch Goethe hatte eh kaum gearbeitet, statt dessen die ersten Schriften verfaßt. Vater Johann Caspar führte vielmehr die Akten, und seien wir ehrlich, sein krankhafter Ehrgeiz hätte dem Sohn ein Leben lang den Hals in Frankfurt zugeschnürt. Da der Vater nicht arbeiten durfte, beriet er Freunde und Bekannte und verwaltete das geerbte Vermögen. Und er sammelte: Frankfurter Rechtsfälle. Damit ist er dann doch noch bedeutend geworden, seine Sammlung heutzutage ein besonderer Schatz Frankfurter Geschichte. Das Motiv vom Gretchen stammt zum Beispiel aus Frankfurt und ist auf Grund der Sammlung nachrecherchierbar. Johann Wolfgang fand es seinerzeit nicht gerecht und empfand Mitleid, begehrte auf. Später als Minister mußte er – das Schicksal nimmt dann oft solche Wendungen – in einem ähnlich gelagerten Fall genau diese Entscheidung treffen, die er als junger Mann verdammt hatte. Er unterzeichnete ein Todesurteil und wurde daraufhin angefeindet. Er redete sich damit heraus, daß er als Minister entscheiden müsse und nicht als Mensch entscheiden könne. 
Im Museum werden noch viel mehr Geschichten erzählt und sämtliche Räumlichkeiten sind zugänglich. Der Eingang ist in einem modernen Neubau, der noch wesentlich mehr Ausstellungsfläche bietet.

Das Städel-Museum
Städel war der Name eines Bankers, der 1815 als erster Bürger eine Kunststiftung gründete. Davor gab es nur Adlige, die so etwas taten. Das Bürgertum fühlte sich schon lange vom Adel zu eingeengt und begehrte auf. Doch so richtig hat sich wohl niemand getraut oder wollte sein Geld nicht hergeben. Johann Friedrich Städel änderte dies und schuf damit den Grundstein für die älteste und renommierteste Museumsstiftung in Deutschland. 700 Jahre europäische Kunstgeschichte … fast lückenlos. Höhepunkte sind Cranach, Dürer, Botticelli, Rembrandt, Monet, Picasso, Beckmann und einige jüngere. 
Viel kam durch Schenkungen in den Bestand. Ende des 19. Jahrhunderts wurde ein Unterstützer-Verein gegründet, durch den dann gezielt Erwerbungen ermöglicht wurden. Notwendige Umbauten und Erweiterungen sind ebenfalls zu 50 % durch Unternehmen, Stiftungen und Bürger finanziert worden. 

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Aber nicht nur Sammeln wurde als Aufgabe gestellt, eine weitere war Ausbilden. Die Schule ist schon lange von der Stadt übernommen worden, das Museum hat extra einen Neubau für Gegenwartskunst errichtet. Dabei bleibt der Blickwinkel aber immer zweidimensional. Bilder, Collagen und Fotos, keine Installationen. Ateliers liegen hinter dem Museum quer über den Hofgarten. Der Neubau gestaltete sich als immenses Problem, da die alten Gebäude nicht aufgestockt werden konnten und nur der Hof als Platz zur Verfügung stand. Also ging man in die Tiefe: unter den Hof. Getragen von tiefen Pfählen wurde eine Konstruktion mit gewölbter Decke errichtet, die in den „Kuppeln“ Tageslichtdurchlässe hat, die „dimmbar“ sind und von LED-Beleuchtung ergänzt werden. Die Lichtverhältnisse sind so auf die Exponate anpaßbar und durch Raumteiler können im gesamten Untergeschoß verschiedene voneinander abweichende Lichtverhältnisse geschaffen werden – beeindruckend!

Main-Kreuzfahrt
Wer sich bei so viel Kultur etwas entspannen will, am Eisernen Steg auf der Römer-Seite liegt die Anlegestelle für die Ausflugsdampfer. Es geht den Fluß runter oder hoch, Dauer jeweils 50 min. Wer beide Touren verbinden will, wählt die große Tour und hat einen Zwischenstop – und zahlt nicht viel mehr. 

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Mainabwärts geht es bis zur Schleuse Griesheim. Leider nicht bis nach Höchst, was wohl aber der Staustufe geschuldet ist. Mainaufwärts geht es bis zur Schleuse Offenbach, mit kleiner Rundfahrt im Hafen Ost. 
Sonntags gibt es auch die „Brunchreisen“ bzw. Frühstück mit Kindertheater. 
Am Anleger zurück, gleich auf der Mainseite bleiben und geradeaus in Richtung Römer, dann am Platz links geht es zur …

Schirn Kunsthalle
Diese hat keine feste Sammlung, sondern dient wechselnden Ausstellungen. Dabei gibt es immer einen roten Faden, eine zeitliche Festlegung. Rahmenprogramme oder auch Mitmachaktionen (wie offenes Kinderatelier) runden die künstlerischen Schauangebote ab, die auch mehrere Sonderschauen gleichzeitig präsentieren können.

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Ein erklärtes Ziel ist es, dem Publikum ein (Kunst) Erlebnis zu bieten, welches sie so noch nicht hatten, nicht mit dem Thema, nicht mit dem Künstler. 
Die Kunsthalle zählt mittlerweile zu den Top-Häusern Europas, obwohl sie erst 1986 eröffnet wurde und zählt zu den Magneten der Region. Das Konzept scheint also stimmig zu sein.

Feiern, Übernachtung und kulinarischer Weitblick
Wer sich nach so viel Kunst ein wenig freischaufeln möchte, besucht das Skyline-Restaurant im Maintower. Plätze reservieren empfiehlt sich, da recht begrenzt in der Kapazität und jeder natürlich am Fenster sitzen möchte.

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Im Eingangsbereich gibt es einen kleinen Barbereich, wo sich mit Aussicht eine kleine Erfrischung zu sich nehmen läßt. Und manchmal kann man auch Glück haben und es findet sich noch ein freies Plätzchen im Restaurant.
Richtig frischen Wind um die Nase gibt es dann oben auf der Aussichtsplattform. Weit in die Frankfurter Umgebung schauen und das Panorama genießen … ohne Getränk. Dafür sind in der Regel Dutzende von (Amateur-)Fotografen zu finden, die sich hier austoben. Auf Grund des Windes manchmal kein leichtes Unterfangen.
Die Ausgehszene hat sich in Frankfurt in den letzten Jahren gewandelt. Große Diskotheken haben offensichtlich geschlossen und es sind zunehmend Bars in den Fokus gerückt. Und da steht das Maritim, welches günstig an der Messe in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof gelegen ist, mit dem Barkeeper des Jahres 2009 Toni Arena recht weit vorne.

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Die Würde des Titels spiegelt sich in der Karte wieder und das Team ist hundertprozentig motiviert. Der Besucher wird von Conferencier, DJ und Zauberkünstler Jerry mitgerissen und so sind die Abende hier recht unterhaltsam. Aber Vorsicht: Er gastiert nicht immer hier.
Und bei über 500 Zimmern ist sicherlich ein Plätzchen zum Schlafen verfügbar, es sei denn, eine der großen Messen oder Kongresse gastiert in der Stadt. Wer dies tut, erlebt zum Frühstück eine Überraschung: das Büfett bietet unter anderem original japanisches Frühstück. 

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Grund sind die asiatischen Airlines, die Rahmenverträge mit dem Hotel haben und diesen Service sehr zu schätzen wissen, vertragen Asiaten doch oftmals nicht die europäische Küche. 


Weitere Informationen:

Tourismus+Congress GmbH Frankfurt am Main 
Kaiserstraße 56 
60329 Frankfurt am Main 
Deutschland
Telefon +49 (0) 69 / 21 23 88 00
Fax +49 (0) 69 / 21 23 78 80


Theodor-Heuss-Allee 3
60486 Frankfurt/Main
Telefon: + 49 (0) 69 7578-0
Fax: + 49 (0) 69 7578-1000
Reservierung: + 49 (0) 69 7578-1130


Text:

Otger Jeske

Fotos: 

Matthias Dikert

Bilder vom Städel Museum © Städel Museum, Frankfurt am Main, Fotos: Norbert Miguletz