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Bäderarchitektur auf der Insel Usedom

Die Bäderarchitektur spielt auf der Insel Usedom eine große Rolle. Der Gästeführer Herr Gildenhaar kann uns dazu einiges erzählen.
Baugeschichtlich ist Bäderarchitektur ein Phänomen. In der europäischen Kunst- und Architekturgeschichte hat dieses Genre noch keinen festen Platz, da es weder als Stilrichtung noch als spezielle Bauform wissenschaftliche Anerkennung fand. Dennoch findet man an den Bauten einen Gestaltungsreichtum aus diversen klassischen Architektur- und Baukulturen von der Renaissance, dem Barock über die Neogotik, die Neorenaissance, den Neobarock bis hin zum Klassizismus, zum Jugendstil und zum Historismus.

Die Bäderarchitektur auf der Insel Usedom ist ein wahrer Gästemagnet. Die herrschaftlichen Villen aus der Gründerzeit sind auf Usedom in den Seebädern Zinnowitz, Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck zu finden. Die „Kaiserbäder“ der Insel veranstalten jedes Jahr im September die „Woche der Bäderarchitektur“ mit speziellen Vorträgen, Rundgängen und Veranstaltungen rund um diesen einzigartigen Baustil.

Die Villen erzählen von der Entstehung der Badekultur, als gut betuchte Gäste ihre Sommerresidenzen auf der Insel Usedom bauten. Auch Kaiser Wilhelm II. weilte des Öfteren auf Usedom. Die glanzvolle Architektur säumt Europas längste Strandpromenade, die auf 12,5 km Länge Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck mit dem polnischen Swinemünde verbindet. Nachdem 1824 in Swinemünde die allererste Badesaison eröffnet wurde, folgte 1825 das Seebad Heringsdorf. Erst 1852 erhält das Seebad Ahlbeck die Erlaubnis, Badegäste aufzunehmen. Noch wesentlich später – im Jahr 1897 – erhält Bansin, der kleinste dieser drei Orte, die Genehmigung für den Badebetrieb.

Die prägende Zeit für die Bäderarchitektur reicht von 1793-1918. Allerdings wurde dieser Baustil erstmals 1793 in Heiligendamm, dem ältesten Seebad an der mecklenburgischen Ostseeküste angewandt. Das ehemalige Fischerdorf Ahlbeck entwickelte sich ab 1876, als erstmals die Eisenbahn zwischen Berlin und Ahlbeck fuhr, zum mondänen Badeort. In den Villen aus der Kaiserzeit beherbergen heute luxuriöse Hotels und stilvolle Pensionen die Gäste der Insel. Das berühmteste Gebäude und Wahrzeichen der Insel Usedom ist die Ahlbecker Seebrücke. Sie wurde 1898 errichtet und ist die einzige erhaltene historische Seebrücke an der deutschen Ostseeküste, während die Seebrücke von Heringsdorf mit 508 Metern die längste in Deutschland ist. Die „Badewanne Berlins“, wie Usedom seit jeher genannt wird, widerspiegelt anschaulich die massive Gediegenheit prunkvoller Hauptstadtvillen.

Loggien sind häufig massiv gebaut und aufwendig mit Säulen und Stuck gestaltet. Nicht selten betonen vor gehängte Balkone und ausgeprägte Simse die horizontalen Fassadengliederungen, während Risalite und Türme die Vertikalen akzentuieren. Prunkvolle Auffahrten durch geplante Parkanlagen charakterisieren die Villenarchitektur ebenso wie die pompös beeindruckenden, meist mittig angeordneten Gebäudeeingänge mit freien, davor liegenden Treppenaufgängen.

Es war angesagt in den ehemaligen Fischerdörfern, eine möglichst prachtvolle Sommerresidenz zu haben. In der Folge kamen auch berühmte zeitgenössische Künstler wie Leo Tolstoi, Theodor Fontane, Johann Strauß, Lyonel Feininger und die Brüder Heinrich und Thomas Mann. Selbst Kaiser Wilhelm II. kam regelmäßig nach Heringsdorf. Im Hotel „Ahlbecker Hof“ wohnte unter anderem schon der österreichische Kaiser Franz Joseph I. und die schwedische Königin Silvia.

Jedes Haus hat eine eigene Geschichte zu erzählen, wie die Berliner Bankiersfamilie von Bleichröder, die auf der Insel ihr Geld anlegten, Maxim Gorki, der sich in der Heringsdorfer „Villa Irmgard“ von einer Lungenkrankheit erholte.
Heute ist die Villa ein Zentrum für literarische und musikalische Veranstaltungen. Die „Villa Oppenheim“ zieren an der Parkseite vier korinthische Säulen und eine Freitreppe. Sie wurde im Jahr 1883 als Sommerresidenz für die Familie des Bankiers Benoit Oppenheim errichtet. Die Villa Oppenheim gehörte einst zu Lyonel Feiningers Lieblingsmotiven beim Zeichnen. Zu DDR- Zeiten diente sie dem Minister für Staatssicherheit Erich Mielke als Quartier und repräsentatives Gästehaus. Heute werden in der Villa Oppenheim Ferienwohnungen vermietet.

Die 1883 erbaute ockerfarbene, klassizistische Villa „Oechsler“ in Heringsdorf steht auf einem Hügel. In ihrem Dreiecksgiebel befindet sich ein Glasmosaik mit badenden bekränzten Grazien. Sie ist zweifellos eines der schönsten Beispiele der Bäderarchitektur entlang der deutschen Ostseeküste. Das Heringsdorfer Haus beherbergt heute eine Edelboutique. Viele Hotels und Ferienwohnungen bieten auch heute zahlreiche Unterbringungsmöglichkeiten für den Urlauber, der gern erholsame Tage an der wunderschönen Ostsee verbringen will.

Weitere Informationen bei:

Usedom Tourismus GmbH
Hauptstrasse 42
17459 Seebad Koserow
Telefon: +49 (0) 38375 244 144
Telefax: +49 (0) 38375 244 145
E-Mail: info@usedom.de
https://usedom.de

Text:

Peter Marquardt

Fotos:

Matthias Dikert