Das Ozeaneum

image_print

Stralsund

Das Ozeaneum – mehr als nur Meer

Auf der lang hingestreckten Hängebrücke geht’s von Stralsund hinauf und hinüber nach Rügen. Drüben in Altefähr ist der Caspar David Friedrich-Blick bei Sonnenuntergang zu genießen. Dieses Panorama der Hansestadt jenseits vom Sund würde den Meister der Romantik sogar heutzutage begeistern. Kirchtürme, viele Schiffsmasten, maritimes Flair. Verwirren könnte ihn jedoch ein geschwungener Baukörper, das weiße Rund am alten Hafen. Auch uns erscheint es zuerst als sei direkt an der Wasserfront ein riesiger Ufo gelandet – oder eher gestrandet.
Angela Merkel, Bundeskanzlerin und Wahlkreisabgeordnete, weihte das Ozeaneum ein, am 21. Juli 2008. Seitdem verleiht das preisgekrönte Werk von ‚Behnisch Architekten’ der UNESCO-Welterbestadt Stralsund einen futuristisch anmutenden Akzent. 2010 zu „Europas Museum des Jahres“ erkoren, zählt es immer über eine halbe Million Besucher im Jahr. Wohl weil Gezeigtes gut erklärt wird und so leicht zugänglich ist, eine lebendige Ausstellung bei der die Schaulust voll zum Zuge kommt, und das Ganze mehr darstellt als eine Ansammlung von Aquarien. Schon das Museum für Meereskunde und Fischerei im Katharinenkloster inmitten der Altstadt mit seinen Prunkstücken – den riesigen Wal-Skeletten und der einzigartigen Dokumentation eines tropischen Korallenriffpfeilers – war in der DDR Nr. 1. Ab 1998 fungiert es als Deutsches Meeresmuseum – wohingegen die „Stiftung Deutsches Meeresmuseum Stralsund“ auch das neue Ozeaneum sowie das auf dem Dänholm an der alten Rügenbrücke gelegene Nautineum, ferner das Natureum am Darßer Ort umfasst. 1,2 Millionen jährlich machen alle vier nun zu Norddeutschlands meistbesuchter Museumslandschaft.
Das Kloster beherbergt dabei auch das Mittelmeer; die Freunde von Nord- und Ostsee, von Nordatlantik und Polarmeer strömen ins Ozeaneum. Der informative Törn beginnt im Ostseeaquarium mit dem Stralsunder Hafenbecken. Im Lebensraum Flussmündung sind Störe die Stars – später beim Rundgang hier gezüchtete schöne Ohrenquallen. Ein Tunnelaquarium kennzeichnet in der Nordsee die Felseninsel Helgoland.

_1444157211

Dazu kommen zwei Gezeitenbecken, Wechsel von Ebbe und Flut, sowie ein Brandungsbecken – wobei sich auch viel Meeresgetier tummelt. In den offenen Atlantik führt das große Aquarium, gefüllt mit fast 2,6 Millionen Liter und voller Unterwasserleben – aus der gar munteren Schar sticht ein gut drei Meter langer Sandtigerhai heraus. Zu den fünf Aquarien gesellen sich die fünf Ausstellungsbereiche, mit seltenen Originalen und hauseigen präparierten Tieren sowie Pflanzen. Besonders lobenswert das Ostsee-Relief zum Anfassen und das Meer für Kinder, die fiktive Tauchfahrt in die Tiefsee und die Riesen der Meere im 1 zu 1, Nachbildungen von Walen in Originalgröße.
Neues Highlight im Ozeaneum wie im Meeresmuseum ist eine Expedition in die Tiefsee. Die lichtlosen Tiefen ab 1000 Meter unter dem Meeresspiegel umfassen mehr als 60% der Erdoberfläche, sind aber weit weniger erforscht als der Mond – obwohl es schön viel zu entdecken gilt. Davon erzählt auch das Modell von Walshs und Picards Tauchschiff Trieste im Erdgeschoss vom Kloster. Modelle von bizarren Bewohnern wie der Höllen Vampir, der Pelikan-Aal oder der leuchtende Silberbeilfisch gibt’s im Dämmerlicht des Tiefseesaals auszumachen. Nebenan noch Nachbildungen von Kaltwasserkorallen – im Ozeaneum sind dann die eher blassen als bunten Gestalten in drei neuen Aquarien mit Hilfe von Spotlights zu bewundern. Kaugummi-Koralle ist der King. Aber vor allem lohnt die hervorragende Ausstellung zum Thema.
Nun von unten nach oben aufs Dach vom Ozeaneum, zu den Pinguinen. Alexandra ist das Patenkind von Dr. Angela Merkel. Sie benannte ihr Humboldtpinguinweibchen nach dem großen Forscher, und fütterte es und die anderen Tiere mit Sprotten. Getöpferte Heringe mit den Namen der Paten zieren die Anlage. Wer nach dem Rundgang Hunger bekommt, geht auch gern zu Henry Rasmus in die Altstadt. „Bismarck-Hering“ nach Originalrezept von 1871 – mit einem Schnack zur Geschichte schmeckt der so richtig herzhaft.

Text: 


Christoph Merten

Fotos:

Matthias Dikert