Bonn und Königswinter

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Auf den Spuren der Bonner Republik

Eingangs steht die Frage, was die Bonner Republik ausmacht? Bonn? Provinz? Rhein’sche Gelassenheit? 
Das Zentrum der Macht schlug nicht allein in Bonn. Wenn man sich die Geschichte der jungen Bundesrepublik vor Augen führt, sind es ein paar Namen, die die Anfangstage prägen. Einer davon ist Konrad Adenauer. Der war Kölner und im dritten Reich sozusagen aus seiner Heimatstadt verbannt worden. Seine neue Heimat fand er in Rhöndorf. Als er dort sein neues Anwesen bezog, lag es einsam im Berghang und bot einen fantastischen Ausblick über das Rheintal zu Füßen. Es standen zur Gründung der neuen Republik einige Alternativen zur Verfügung. Warum ausgerechnet Bonn sich durchsetzte, wird dem Übervater der neuen Republik zugeschrieben. Noch einmal umziehen? Ständiges Hin- und Hergereise? Adenauer war dazu zu bodenständig und hatte einen Starrkopf. Also „trickste“ er, wie man so schön sagt. Damit saß das eigentliche Machtzentrum der jungen Republik im Vorhof der beschaulichen Rentnerstadt Bonn. Und auch wenn Herr Adenauer rigoros Arbeit und Privates zu trennen versuchte, kam er nicht umhin, in seinem Domizil zu empfangen.

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Dieses und noch viel mehr erfährt man, wenn man das Adenauer-Haus in Rhöndorf besucht. Als einzigartiges Zeugnis der Zeitgeschichte ist es im Originalzustand erhalten, da die Erben schon kurz nach dem Tod das Anwesen dem Staat schenkten und dieser sogleich eine Stiftung einrichtete. Manches im Haus mutet skurril an und über Geschmack lässt sich streiten, genauso, was als bequem zu betrachten wäre. Aber so war der große Staatsmann eben. Und ein paar Ecken weiter, lag der Weinkeller, den er auch gerne aufsuchte. Hier wird echter Rhöndorfer verarbeitet. Kein Massenbetrieb sondern ehrliche Winzerarbeit, die feine Weine hervorbringt. Verarbeitet werden die Haussorten Rivaner, Riesling und Scheurebe.

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Das Weingut Broel ist seit 1742 im Familienbesitz, hat sowohl Hänge im Drachenfels als auch im benachbarten Bad Honnef.
Der Drachenfels beherrscht die Gegend und ist omnipräsent. Die Burgruine ist nicht sonderlich spektakulär, der steil abfallende Hang zur Rheinebene ließ diesen Platz seinerzeit als geeignet erscheinen, eine Burg zu errichten. Schroff war der Fels wohl schon zu diesem Zeitpunkt, jedenfalls an einigen Stellen. Schon die Römer hatten begonnen, Trachyt, ein vulkanisches Gestein, abzubauen. Ab dem Mittelalter ist hier massiv gebrochen worden. Nicht nur Häuser der unmittelbaren Gegend, sondern auch der Kölner Dom sind aus dem Gestein des Berges errichtet worden. 

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Die Burg fiel schließlich dem 30-jährigen Krieg zum Opfer. Normalerweise wäre es das gewesen. Keiner hätte mehr großartig über die Provinz geredet, denn romantisch gelegene Burgreste gibt es vor allem am Rhein inflationär. Aber zu Beginn des 19.Jahrhunderts widmete der englische Lyriker Lord Byron dem Drachenfels ein Gedicht, der damit in den Mittelpunkt von begüterten Reisenden rückte. Der Beginn der Rheinromantik wurde damit gelegt, die touristischen Wurzeln gesetzt. Ausflugsdampfer, Eisenbahn, Hotels, Winzerstuben und am Ende des Jahrhunderts waren allein in Königswinter rund 30 Fotografen verzeichnet, die im Massenbetrieb Erinnerungsstücke zu produzieren hatten. Königswinter und der Drachenfels steht synonym für den Beginn des schönsten Teils des Rheins. Das Siebengebirge mit seinen wild-romantischen Tälern, die beschaulichen Dörfer, der Rhein mit spektakulären Punkten rechts und links sorgen noch heute für nicht abreißende Touristenströme. Dem Drachenfels gehörte teilweise die Ehre, der meist bestiegene Berg der Welt zu sein, obwohl er mit seinen etwas über 300 m Höhe selbst in der unmittelbaren Nachbarschaft der Vulkanlandschaft der Köln-Bonner-Bucht zu den kleineren Erhebungen gehört. Aber da gab es auch noch einen Herren Sarter. Dieser stammt aus einer Bonner Familie, die nicht zu den Privilegierten gehörte, absolvierte eine Banklehre und brachte es in Frankreich zu erheblichem Wohlstand. Später stieg er in den Adelsstand auf und ließ sich in Frankreich einbürgern.

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Die von ihm erbaute Drachenburg samt Landschaftspark sind dem Historismus und der Ritterromantik geschuldet, die im 19. Jahrhundert wie ein Sturm über Deutschland herein brach. Interessanterweise hat er für seine Zeit revolutionäre Bautechniken verwandt, die erst viel später zum Standard wurden und somit seiner Zeit weit voraus waren. Die Folge waren eine Rekordbauzeit und Vorbildcharakter.
Schloss Drachenburg hat es so nie gegeben, es war eine reine Erfindung des Herrn Sarter und seiner ausführenden Architekten. Damit steht er seinem bayrischen Träumer Ludwig dem Zweiten in nichts nach. Bewohnt hat er sein Schloss freilich nie. Nach seinem Tod gab es nur einen Verwandten, der an dem Gemäuer interessiert war und schon eine touristische Nutzung in Betracht zog. Jedoch sein wirtschaftliches Händchen reichte nicht aus, um diese Vision auch umsetzen zu können. Der nächste Besitzer arbeitete konsequent an der Umsetzung dieser Vision, fiel jedoch im 1. Weltkrieg. Danach begann die Phase der Umnutzung. Die reichhaltige Ausstattung wurde verkauft und was dem nicht zum Opfer fiel, besorgte der 2. Weltkrieg. Das Land NRW als Erbe nach dem Krieg plante den Abriss, bis Anfang der 70er wieder ein privater Interessent und Visionär auf den Plan trat. Herr Spinat steckte viel Geld in die Restauration. Er bewohnte das Schloss und leitete mit seinem Enthusiasmus die Wende ein. Beim Tod des Eigners zog das Land eine Option und von Abriss war auf einmal keine Rede mehr. Vielmehr dauerten die Sanierungsarbeiten bis 2010 an. Vieles ist indes immer noch nicht fertig. Es mangelt an Geld, z.B. alle Mosaikfenster nach alten Überlieferungen originalgetreu rekonstruieren zu lassen. Die Besucher erhalten dennoch einen beeindruckenden Einblick in diese Traumwelt der Rheinromantik. Es wird als Neuschwanstein vom Rhein bezeichnet und fungierte als Vorbild für die Disney-Schlösser.

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Vor der Tür hält die Drachenfelsbahn. Ihre Stationen: Königswinter, Drachenburg und Drachenfels. So ganz nebenbei, es ist die älteste Zahnradbahn in Deutschland. Es ist ein ‚uneheliches Kind‘ der weltberühmten Marke 4711. Die Transportkapazität beträgt 1400 Personen die Stunde und die Transportleistung beläuft sich auf rund 700.000 Personen pro Jahr. Sie ist eine der bekanntesten Bahnen Europas und die Technik der Wagen wurde 1999-2004 komplett modernisiert. 

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Ein angenehmer Ort, um Quartier zu beziehen, ist das Maritim in Königswinter. Direkt am Rhein gelegen, bietet es eine herrliche Aussicht auf den Fluss. Bei geeigneter Jahreszeit drängt sich ein Frühstück auf der Rheinterrasse förmlich auf. Sehr zu empfehlen sind die 32 Suiten, vor allem jene mit Blick auf den Rhein. Ansonsten bietet das Haus 218 Einzel- und Doppelzimmer. Tagungs- und Konferenzräume lassen unwillkürlich die Frage aufkommen, was die Teilnehmer in der atemberaubenden Kulisse denken müssen. Vor der Haustür liegt der Anleger der Fähre hinüber nach Bad Godesberg, den Haupteingang rechts raus, am Ende des Gässchens links und ein paar Meter weiter beginnt die Fußgängerzone. Kurz davor rechts abbiegen, führt der Weg zur Talstation der Drachenfelsbahn bzw. zum Beginn der alternativen Route, dem Eselsweg – zu Fuß oder eben mit Esel. Und wer mag, begibt sich auf den Rheinsteig, einem recht jungen Wanderweg durch das Siebengebirge, welches auch eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands ist. Zurück im Hotel, lockt die Rhein’sche Stuff mit lokalen Spezialitäten, die Piano Bar oder der Wellnessbereich mit Sauna, Dampfbad und Schwimmbad. 
Und da wir uns eigentlich auf dem Terrain der Bonner Republik bewegen, muss der Weg nach Bonn führen. Hier lernt man schnell hinschauen und wundert sich, dass die alten Gründerzeit-Häuser nicht nur akkurat in Reih- und Glied stehen sondern irgendwie auch gleich aussehen. Aus irgendeinem Grunde ist Bonn im späten 19. Jahrhundert zu einem Refugium von Pensionären geworden. Das spülte Geld in die Kassen, kurbelte die Wirtschaft an und ließ ein Quartier nach dem anderen aus dem Boden sprießen. Aufgrund steuerlicher Gesetzgebung, setzte sich ein bestimmender Bautyp vor und da immer mehr Menschen hineindrängten, wurde schon bald nicht mehr individuell geplant, sondern Häuser auf Vorrat gebaut. Der Epoche geschuldet ist die dennoch individuell aussehende Fassade. Nicht nur geschmacklich hatte man damals die Nase wesentlich weiter vorne als heute. Während heutzutage das Wort Individualismus inflationär bemüht wird, ist in den Häuschen-Vororten kaum irgendwas davon zu sehen. Identitätslose Massenware dominiert und hochgelobte Glaspaläste entpuppen sich bei genauerer Betrachtung ebenfalls als identitätslose Einheitsbrühe. In allen Stätten gibt es wohl Altlasten an Bausünden, doch dort, wo Macht sich konzentriert, womöglich mehr als anderswo. Und demzufolge ist eine Wanderung durch Bonn auch eine verdichtete Architektur-Schau: Barock, Gründerzeit und Moderne mit typischen 70er-Bausünden markieren die Eckpfeiler. Und nirgendwo knallen die Gegensätze so stark zusammen, wie im ehemaligen Allerheiligsten: dem Bundeskanzleramt.

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Was in den Bildern der Nachrichten nicht zu sehen war, drängt sich bei einer persönlichen Begutachtung förmlich auf: der Charme eines verrotteten und verkommenen Stahlkolosses, welches zu keiner Zeit auch nur annähernd irgendeinem Geschmack zu dienen hatte sondern nur einem bestimmten Zweck. Jeder Bunker aus dem 2. Weltkrieg ist ästhetischer. Und gleich daneben gelegen, das barocke Palais Schaumburg. Der angelegte Garten des Palais dürfte für viele im Bundeskanzleramt Arbeitende das reinste Paradies gewesen sein. Erholung, Rückzug, Schatten und etwas für das Auge. Und mittendrin der Kanzlerbungalow. Jeder Kanzler wohnte dort und gab ihm einen individuellen Touch. Ursprünglich in Auftrag gegeben von Erhard und von Sepp Ruf geplant, stand er nach dem Umzug leer und wurde 2001 unter Denkmalschutz gestellt. Geteilt in einen öffentlichen und einen privaten Bereich, hatte der Bungalow nicht primär das Ziel, bevorzugte Wohnstätte zu sein. Jedenfalls kann man sich dies nicht vorstellen, wenn man sich einer Besichtigung anschließt. Herr Bundeskanzler a.D. Schröder zog erst gar nicht ein und überließ ihn gnädig noch eine Weile seinem Vorgänger zur Nutzung. Dieser hatte ihn so lange wie sonst niemand zuvor in seinem Beschlag und demzufolge die gravierendsten Änderungen herbeigeführt. Dabei sind einige grundlegende Raum-Funktionen außer Betrieb gesetzt worden. Und auch hier gilt wieder, über Geschmack lässt sich streiten. Unterm Strich steht unser Rekord-Kanzler a. D. Kohl aber ziemlich einsam auf seinem Standpunkt. Nur ändert alles nichts an der Gesamtkonzeption: fast opulente Öffentlichkeitsräume und ein spartanischer Privatsektor. Und da die Terrasse durch den Park vom Rhein gut einsehbar ist und demzufolge ein Sicherheitsrisiko für Anschläge bildete, wurde eine Panzerglasbarriere geschaffen. Jede Laube eines x-beliebigen Kleingärtners mutet heimeliger an. Ab 2006 wurde hier eine Dauerausstellung geschaffen, die genau jenes Spannungsbild wiedergibt und ab 2009 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.
Am Rheinufer entlang wandern ist weniger aufwändig. Das Bundeskanzleramt wird heutzutage noch genutzt und somit ist eine vorherige Anmeldung mit Sicherheitsüberprüfung notwendig. Am Ufer schlendert man entlang und genießt entweder den Blick auf den Rhein oder schaut interessiert die Hinterlassenschaften des ehemaligen Sitzes der Macht an: Bundesrat, Plenarsaal, Wasserwerk, Langer Eugen. 
Ursprünglich befürchtete ja die Stadt Bonn, dass mit dem Wechsel des Regierungssitzes sie zu den Verlierern gehören wird. Die Abstimmung für oder gegen Bonn viel ja nur sehr, sehr knapp zugunsten Berlins aus und viele Sonderregelungen, Verzögerungen und sonstige Kostenfresser wurden installiert, um nicht nur den Bediensteten den Abschied von der provinziellen Idylle leichter zu machen sondern auch, um Bonn nicht in arge Existenznöte strudeln zu lassen. Inzwischen hat man jedoch festgestellt, dass dieser Sog nach unten überhaupt nicht stattgefunden hat. Die ehemaligen Regierungsgebäude stehen nicht leer herum. Andere Institutionen haben sich angesiedelt, andere Nutzer sind auf den Plan getreten. Und gebaut wird nach wie vor in Bonn. Inzwischen ist auch ein starker Wandel hin zu einer Kulturstadt vollzogen worden. Die Museumsmeile lockt genauso wie die Musik-, Theater- und Opernaufführungen. Schließlich wurde ein Herr Beethoven als Bonner geboren. Es locken das Poppelsdorfer Schloss mit Botanischem Garten, die Godesburg und um den Kreis wieder zu schließen, das Haus der Geschichte, um nur einiges zu nennen.

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Im Gegensatz zum kleinen Bruder in Königswinter, hat das Maritim in Bonn rund doppelt so viel Tagungsfläche. Die gastronomischen Möglichkeiten sind größer, die Panoramaaufzüge nichts für ängstliche Personen und die Suiten legen in Anzahl und Geräumigkeit ebenfalls noch einiges drauf. Das gesamte Haus ist größer und hat den Umbruch in Bonn wirtschaftlich nicht zu spüren bekommen. Dies ist dann wohl das sicherste Anzeichen dafür, dass Bonn auch weiterhin gut aufgestellt ist. Vielleicht einfach nach der Last der Behörden nun sich selbst entdeckt hat.


Weitere Informationen bei:

Fremdenverkehrsamt Bonn
Windeckstraße 1
53111 Bonn
Telefon: 0228 – 7750-00
Telefax: 0228 – 7750-77
Email: bonninformation@bonn.de

Maritim Hotel Bonn 
Godesberger Allee 
(Zufahrt/Access: Kurt-Georg-Kiesinger Allee 1)
53175 Bonn 
Fax: + 49 (0) 228 8108-811
Reservierung: + 49 (0) 228 8108-777
E-Mail: info.bon@maritim.de

FREMDENVERKEHRSAMT Königswinter
DRACHENFELSSTRASSE 7
53639 KÖNIGSWINTER
Telefon: 02223-21048

Maritim Hotel Königswinter 
Rheinallee 3
53639 Königswinter 
Fax: +49 (0) 2223 707-811
Reservierung: +49 (0) 2223 707-819
E-Mail: info.kwi@maritim.de

Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus
Konrad-Adenauer-Straße 8c
D–53604 Bad Honnef-Rhöndorf
Tel. 02224-921-234


Text:
Otger Jeske

Fotos:
Matthias Dikert
Außenansicht Maritim Hotel Bonn von MARITIM Hotelgesellschaft