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Der Ruhrtal Radweg

230 km durch das Ruhrgebiet mit dem Fahrrad, das hört sich zunächst an nach Industrielandschaften und rauchenden Schornsteinen. Wer vermutet schon, dass sich das Ruhrgebiet mittlerweile völlig gewandelt hat durch das Schließen vieler Zechen und den Strukturwandel hin zu Handel und Dienstleistungen. Heute bietet sich dem Besucher eine wunderschöne und grüne Landschaft zwischen den einzelnen Industriedenkmälern.

Im Rahmen der Kulturhauptstadt 2010 wurde das Ruhrgebiet (Ruhr 2010) aber gerade deswegen ausgewählt, weil es sowohl seine Vergangenheit als Stahl- und Kohlestandort durch die Schaffung von Industriedenkmälern unterstreicht als auch die Naherholung durch viele Grünflächen entlang der Ruhr bietet. Rund um Ruhr 2010 fanden und finden sehr viele Events statt. So wird beispielsweise die A40 für einen Tag gesperrt und mit der längsten Biertischreihe versehen, alles organisiert vom ADFC, dem deutschen Fahrradclub. Die Extraschicht ist eine jedes Jahr im Juni wiederkehrende Abendveranstaltung mit viel Musik und Kulturdarbietungen.

Der Ruhrtalradweg beginnt offiziell in Winterberg im Sauerland und endet in Duisburg. Zur An- und Abreise ist grundsätzlich die Bahn zu empfehlen, allerdings gibt es im Regionalexpress keine Reservierungsmöglichkeiten von Fahrradstellplätzen und die Plätze im IC/ICE sind begrenzt. Insofern ist eine frühzeitige Buchung anzuraten. Winterberg wird mehrmals täglich vom Regionalexpress angefahren, der Duisburger Hauptbahnhof besitzt zahlreiche Nah- und Fernverbindungen. Alternativ kann auch ein Rad ausgeliehen werden. Beim Anbieter Revierrad kann das Rad sogar an unterschiedlichen Stationen ausgeliehen und zurückgegeben werden. Der Ruhrtalradweg ist einer der wenigen Radwege in Deutschland, die mit 5 Sternen bewertet wurden. Die Radwegklassifizierung erfolgt ebenfalls durch den ADFC und hierbei werden Kriterien wie die Ausschilderung, Querung von Bundesstraßen sowie die Wegbeschaffenheit bewertet. Das Angenehme ist, dass er durch einen Höhenunterschied von ca. 657 m Höhenmetern auf der Gesamtstrecke zumeist bergab geht. Natürlich gibt es auch Steigungen, so speziell die erste Etappe durch das Sauerland. Als Alternative zu einem normalen Fahrrad sind die E-Bikes derzeit groß in Mode. Ein E-Bike oder auch Pedelec genannt, besitzt einen elektrischen Hilfsmotor, der je nach Bedarf auf Dauer oder nur bei schweren Etappen wie Steigungen oder Gegenwind zugeschaltet werden kann und durch einen Akku gespeist wird. Dabei wird ganz normal weiter getreten, aber die Kraftanstrengung ist wesentlich geringer und dadurch erhöht sich der Fahrkomfort beträchtlich. Aber ganz ohne Treten funktioniert auch ein E-Bike nicht. Bei der Wahl des Fahrrades können fast alle Typen, egal ob Trekking- oder Mountainbike etc. verwendet werden. Lediglich bei echten Rennmaschinen kann es teilweise zu Problemen kommen, da ein Großteil der Wege ungeteert ist und stellenweise kleinere Schlaglöcher auftreten können.

Ab der Hälfte der Strecke wird der Weg dann jedoch relativ flach und stellt auch ältere Fahrer vor keine Probleme. Die Strecke ist hierbei auch für Familien mit Kindern geeignet. Dementsprechend sollten kürzere Etappen gewählt werden. Durchschnittliche Biker benötigen ohne Abstecher wie besondere Besichtigungen ca. 4 Tage, um den gesamten Weg zu absolvieren. Der Weg ist normalerweise sehr gut ausgeschildert, an manchen Stellen kann es aber dennoch zu Irritationen kommen. Hier sind Reiseführer mit ausführlichen Routenbeschreibungen sehr zu empfehlen. Eine kleine Auswahl finden Sie am Ende des Berichtes. Zusätzlich sollten noch die Wetterlage, Wochentage sowie eventuelle Hochwasserwarnungen beachtet werden, da die Route teilweise in flacheren Abschnitten überflutet sein kann und speziell am Wochenende bei schönen Wetter die Wege sehr stark frequentiert sind.

Allerdings sind gerade die Sehenswürdigkeiten entlang des Ruhrtalradweges das Besondere und so sollte man schon mindestens eine Woche Zeit einplanen.

Sehenswürdigkeiten auf der Route

Das besonders Reizvolle am Ruhrtalradweg liegt in der Abwechslung zwischen Grünflächen und Industriedenkmälern sowie der Wechsel vom hügeligen Sauerland ins eher flache Ruhrgebiet. Gegensätzlichere Kontraste finden sich in kaum einem anderen Radwanderweg wieder.

Einige der besonders erwähnenswerten Sehenswürdigkeiten haben wir für Sie besucht:

In und um den Kurort Winterberg locken vor allem die Ruhrquelle und der kahle Asten mit 842 m Höhe und ein Museum für Naturkunde. Auch der Rothaarsteig, die Bike Arena Sauerland, die berühmte Bob- und Rodelbahn sowie die St. Georg Sprungschanze sind einen Besuch wert.

Das Rosendorf Assinghausen lockt mit seiner Blütenpracht und der Rosenverein lädt zu einem Glas wohlschmeckendem Rosenlikör.

In der Umgebung von Olsberg locken zahlreiche Tropfsteinhöhlen sowie das Ramsbecker Erzbergwerk. Danach geht es direkt zur Erholung in das AquaOlsberg mit einer großen Wellnesslandschaft.

Aus der Route der Industriekultur sollte man nicht die Jahrhunderthalle in Bochum und den angeschlossenen Westpark versäumen.

Die „Himmelstreppe“ von Herman Prigann auf der Halde Rheinelbe bietet nicht nur Kunstgenuss, auch der wunderschöne Ausblick bei gutem Wetter ist ein beliebtes Fotomotiv.

Das UNESCO Welterbe Zollverein war einst die größte und schönste Zeche der Welt. Nun ist es Heimat für die Kultur- und Kreativwirtschaft.

In Essen ist die Villa Hügel ein absolutes Muss. Sie wurde 1873 von Alfred Krupp gebaut und war das ehemalige Wohn- und Repräsentationshaus der Industriellenfamilie Krupp.
Die Villa hat 269 Räume und liegt in einem 28 Hektar großen Park mit dem anliegenden Baldeneysee, der im Sommer Anziehpunkt für alle Radfahrer und Wasserratten ist.

In Essen-Kettwig lockt vor allem die idyllische Altstadt mit einzelnen Skulpturen aus der Märchenwelt.

In Mühlheim an der Ruhr schließlich sind der Wasserbahnhof und die berühmte Camera Obscura beliebte Ausflugsziele. Letztere bietet in einem ehemaligen Wasserturm eine beeindruckende Demonstration von Akustik in Verbindung mit einer Art überdimensionalen und begehbaren Fotokamera. Angeschlossen ist ein Museum mit der Geschichte der Fotografie.

Weitere Informationen bei:
Ruhr Tourismus GmbH
Centroallee 261
46047 Oberhausen
Hotline: 01805 / 18 16 20

Reiseführer:
Ruhrtalradweg(ADFC) von Matthias Eickhoff
Ruhrtalradweg BVA von Ingrid Janssen und Gesa Delija
Ruhrtalradweg ADAC Tour books von Matthias Eickhoff
Route der Industriekultur per Rad vom Regionalverband Ruhrgebiet

Text und Fotos:
Matthias Dikert
Foto Rosendorf von Ruhrtal Tourismus
Fotos AquaOlsberg von AquaOlsberg

Wir danken der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung für die Fotogenehmigung von der Villa Hügel.