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Trier – das Zentrum der Antike

„Augusta Treverorum“ hieß Deutschlands älteste Stadt bei ihrer Gründung durch Kaiser Augustus im Jahr 17 vor Christus. Als Hauptstadt des römischen Westreiches und prachtvolle Kaiserresidenz bekam die Stadt auch den Namen „Roma Secunda“, das Zweite Rom.
Nirgendwo in Deutschland wird die Römerzeit so lebendig wie in Trier. Aber auch andere Epochen, Romanik, Gotik, Renaissance und Barock, haben ihren Spuren hinterlassen.
Doch nicht nur wegen ihrer historischen Baudenkmäler, davon acht UNESCO-Welterbestätten, und Kunstschätze hat sich die Moselstadt einen Namen gemacht, sondern auch wegen ihres vielfältigen kulturellen Angebotes. Veranstaltungs-höhepunkte sind das Trierer Altstadtfest, das Mosel Musik Festival, das Trierer Weinfest und der traditionelle Weihnachtsmarkt vor der malerischen Kulisse des Hauptmarkts und des Trierer Doms.
Anziehungspunkt für Gäste aus aller Welt war Trier schon immer. Seit der Antike kamen Eroberer, aber auch friedliche Händler und Gelehrte. Heutzutage ist die Nähe zu den Nachbarn im Vierländereck zu spüren. Dreißig Autominuten sind es nur bis zur französischen Grenze, nur wenig mehr nach Belgien und Luxemburg liegt praktisch vor der Tür. Dazu kommt das bunte Völkchen der Studenten und der Gäste aus aller Welt.

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Eingebettet in ein reizvolles Umland, mit den Bergen und Wäldern von Hunsrück und Eifel sowie den Weinterrassen der Flusstäler von Mosel, Saar, Ruwer und Sauer, bietet Trier auch Radfahrern und Wanderern ein großes Freizeitangebot.
In der Trierer Gastronomie genießt der Besucher vielfältige Speisen von raffiniert und edel, wie im Zwei-Sterne-Restaurant Becker´s, über Römisches nach Originalrezepten des Kochs Apicius im Restaurant Zum Domstein bis zu deftigen, moselländischen Spezialitäten, die bei den zahlreichen Winzern frisch auf dem Grill zubereitet werden. Ein Glas Wein aus dem Anbaugebiet Mosel gehört natürlich immer dazu!

Rheinisches Landesmuseum
Das größte und unbestritten auch bekannteste Trierer Museum ist das Rheinische Landesmuseum. Kein anderes Museum in Deutschland unterrichtet so umfassend über Zivilisation, Wirtschaft, Siedlung, Religion und Kunst der ersten vier Jahrhunderte nach Christus.
Aus der Vorgeschichte werden die ältesten menschlichen Spuren, Inventare keltischer Fürstengräber und die Ergebnisse von Ausgrabungen der Latènezeit (seit 450 v. Chr.) veranschaulicht. Modelle und Rekonstruktionen machen diese Zeit dem Betrachter zugänglich.
Der Großteil der Bestände stammt aus der römischen Epoche. Nach Umfang, Vielfalt und Qualität ist diese Sammlung einzigartig. Die imposanten Grabdenkmäler aus Neumagen und dem Trierer Land, die das Leben und Treiben an der Mosel illustrieren, nehmen auch in der internationalen Kunstgeschichte einen hervorragenden Rang ein. An farbenprächtigen Fußbodenmosaiken besitzt das Landesmuseum über 150 Einzelstücke, weitaus mehr als alle anderen deutschen Museen zusammen. Ebenso kann das Landesmuseum mit frühkaiserlichen Buntgläsern und in der Kleinkunst mit einer Fülle von Terrakotten und figürlichen Kleinbronzen aufwarten.
Das spätantike Trier als Kaiserresidenz der westlichen Reichshälfte und als bedeutendste frühchristliche Gemeinde des Rheinlands lieferte neben anderen Kostbarkeiten wie prunkvollen Gläsern des 4. Jahrhunderts, feinen Elfenbeinarbeiten und im Rheinland einzigartigen reliefverzierten Sarkophagen über 800 frühchristliche Grabinschriften – eine Fülle, die kein anderes Museum nördlich der Alpen aufzuweisen hat.

Die Münzsammlung, die vorrangig Prägungen der Trierer Münzstätte aus der Römerzeit und dem Mittelalter aufbewahrt, besitzt die vollständigste Sammlung spätantiker Prägungen sowie der numismatischen Zeugnisse der Trierer Kurfürsten.
Die fränkische Zeit ist durch anschauliche Grabfunde mit reichen Waffen- und Schmuckbeigaben, Gläsern, Ketten, Fibeln, Goldscheiben und prächtigen Beschlägen von Pferdegeschirren vertreten. Das Mittelalter und die Neuzeit werden illustriert durch reiche Sammlungen an Kleinkunst, bedeutende Skulpturen und Architekturteile, besonders aus romanisch-gotischer Zeit, sowie durch rheinisch-moselländische Keramik.

„Ein Traum von Rom“

Mit der Expansion des römischen Imperiums gelangte die römisch-mediterrane Lebensweise auch in entfernte Provinzen. Rom war dabei stets das Vorbild für alle neu gegründeten Städte und stand für gehobenes Wohnen, florierende Wirtschaft, privaten Luxus und städtebaulichen Glanz. Erstmals widmet sich eine Ausstellung im Rheinischen Landesmuseum der römischen Stadtkultur im Nordosten Galliens und im rechts-rheinischen Obergermanien, zu sehen noch bis 28. September 2014 . In Wirtschaft und Verwaltung, im Privatleben und bei öffentlichen Bau-vorhaben –  alle römischen Städte von groß bis klein verband das Vorbild Rom. Allem voran steht in der Ausstellung die römische Metropole Trier, die anderen Städten vergleichend gegenübergestellt wird. „Ein Traum von Rom“ gewährt aber auch Einblicke in städtische Privathäuser mit Wandmalereien, Skulpturen und Mosaiken. Eine einmalige innovative 270°-Filmanimation zeigt eindrucksvoll die römischen Stadtlandschaft im heutigen Südwesten Deutschlands und die Entwicklung des antiken Trier.

Barbara-Thermen
Die Thermen entstanden im 2. Jahrhundert n. Chr. Ihren Namen hat die Anlage aufgrund eines heute nicht mehr existierenden Klosters erhalten. Zugänglich ist die Anlage von der Südallee her.
Zur Entstehungszeit hatten die Barbara-Thermen vermutlich eine Größe von 172 x 240 m. Damit waren sie neben den Trajansthermen in Rom die zweitgrößten dieser Art.

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Heute ist leider von der prachtvollen Größe nicht mehr viel zu erkennen, da die Thermen, wie zahlreiche andere Bauten auch, jahrhundertelang als Steinbruch dienten.
Der Besucher kann einem beschilderten Rundgang durch das Kellergeschoß folgen. Dort gibt es die Möglichkeit, eine rekonstruierte Fußbodenheizung und Gänge, von denen aus die Feuerstellen unterhalten wurden, zu besichtigen.

Kaiserthermen
Zu den Hauptattraktionen Triers zählen ohne Zweifel die Kaiserthermen, die jüngste der drei römischen Badeanlagen Triers. Zu Anfang des 4. Jahrhunderts begonnen, gehörten sie zu den größten Badeanlagen des römischen Reiches. Noch heute kann man in den Thermen ober- und unterirdisch hautnah Geschichte fühlen und erleben!
Eine Umgestaltung der Kaiserthermen in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts hatte wahrscheinlich die Errichtung eines repräsentativen Kaiserforums zum Ziel. Wie alle anderen römischen Großbauten der Stadt wurden auch die Kaiserthermen im Mittelalter als Steinbruch ausgebeutet.

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Betritt der heutige Besucher die Kaiserthermen, gelangt er zunächst in das »caldarium«. Dieser frühere Warmbadesaal bietet in der heutigen Zeit ausreichend Platz für Theateraufführungen mit bis zu 650 Sitzplätzen.
Das ankommende kalte Wasser wurde in insgesamt sechs Kesselräumen aufgeheizt, von denen noch vier sichtbar sind. Die Gemäuer der Kaiserthermen – oder was von ihnen übrig war – dienten später als Teil der mittelalterlichen Stadtmauer.
Das jetzt etwa 40 Grad heiße Wasser wurde in die drei halbkreisförmigen Badebecken geleitet, wo es von einer Fußbodenheizung, die auch den übrigen überwölbten Raum heizte, heiß gehalten wurde. Vom Caldarium aus kann man in die unterirdischen Bedienungsgänge hinabsteigen oder zum Kaltbad (Frigidarium) hinübergehen.

Amphitheater
Etwa 500 m von den Kaiserthermen entfernt erstreckt sich das Amphitheater, das schon 100 n. Chr. erbaut wurde und ein Fassungsvermögen von 20.000 Zuschauern hatte. Ein Beweis dafür, daß Trier eine reiche Stadt mit ansehnlichen Ausmaßen war, denn nur für eine solche Stadt wurde eine derart prestigeträchtige Anlage erbaut.
Die Bauart der Trierer Arena weicht allerdings ab von der anderer Anlagen. Durch die besonders günstige Lage am Fuße des Petrisberges konnten die römischen Baumeister auf einer Seite des Theaters darauf verzichten, dort Erde aufzuschütten. Sie nutzten die natürliche Hanglage für die Zuschauertribünen.

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Am Hang wurde die Erde stellenweise abgetragen und auf der anderen Seite wieder aufgeschüttet. Aus Stein fertigte man die „Vomitorien“, die  Eingänge unter den künstlichen Hügeln, die Eingangsportale und die Mauern für die Zuschauerreihen über der Arena.

In den Mauern gibt es Öffnungen zu Steinkammern, die der Unterbringung von Menschen und Tieren dienten. Unter der Arena befindet sich eine Art Keller, der unregelmäßig kreuzförmig ist. Vermutlich gab es dort eine Hebebühne. Noch immer kann man die Holzbalken einer Kolbenpumpe im Original besichtigen, die der Entwässerung in den Olewiger Bach diente.

Das Amphitheater wurde bis Anfang des 5. Jh. genutzt. Später im Mittelalter wurde es wie zahlreiche andere Bauten als Steinbruch zweckentfremdet.

Porta Nigra
Für den gerade in Trier eingetroffenen Gast ist die Porta Nigra der vorteilhafteste Ausgangspunkt für eine Stadterkundung. Die Porta Nigra ist das am besten erhaltene römische Stadttor nördlich der Alpen – eine unvergleichliche Verbindung zwischen der antiken Vergangenheit und der heutigen modernen Stadt.
Die Porta Nigra selbst stammt aus einer Zeit (ca. 180 n. Chr.), als die Römer öffentliche Gebäude gerne aus großen Quadern (die größten wiegen hier sechs Tonnen) errichteten. Die Sandsteinquader aus dem nahen Kylltal wurden von mühlengetriebenen Bronzesägen zurechtgeschnitten (einige Sägespuren sind noch sichtbar) und ohne Mörtel aufeinandergesetzt. Allerdings verband man je zwei Steine horizontal durch Eisenklammern, die in Blei ausgegossen wurden. Eine solche Klammer ist noch im Inneren des Tores nahe der östlichen Wendeltreppe sichtbar; Rostspuren vieler ehemaliger Klammern sind noch außen zu sehen, denn im Mittelalter meißelte man tiefe Löcher, um das Metall zu rauben und einzuschmelzen.

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Die Steinquader entgingen dem Recyclingschicksal, da sich nach 1028 der griechische Mönch Simeon als Einsiedler in den Ostturm der Porta Nigra einmauern ließ. Nach seinem Tod 1035 wurde er im Erdgeschoß bestattet und heiliggesprochen. Ihm zu Ehren ließ Erzbischof Poppo von Babenberg in das römische Tor zwei übereinanderliegende Kirchen einbauen, die erst 1804-1809 auf Napoleons Befehl hin abgetragen wurden.
Der Name »Schwarzes Tor« ist mittelalterlich und läßt sich neben dem Zahn der Zeit auch auf umweltbedingte Verschmutzung zurückführen.
Im Inneren sind Spuren der Doppelkirche, römische Steinmetzzeichen und Datumsgraffiti zu sehen; die Aussichten auf Stadt und Tal sind bemerkenswert.

Trierer Dom
Mitten im Trierer Stadtzentrum gelegen, steht der Trierer Dom – die ältestes Bischofskirche Deutschlands – heute über einer ehemaligen konstantinischen Palastanlage, die im frühen 4. Jahrhundert durch die größte christliche Kirchenanlage der Antike überbaut wurde. Sie bestand aus vier Basiliken, die durch ein großes Taufbecken miteinander verbunden waren, und bedeckte eine Fläche, die an ihren Grenzen bis zum heutigen Hauptmarkt reichte. Unter dem Gebäude der Dom-Information können noch die Reste der ersten frühchristlichen Versammlungsstätte nördlich der Alpen aus dem späten 3. Jahrhundert und die Reste der ersten Basilika bei einer Führung besichtigt werden.

Der heutige Dom enthält noch den römischen Kernbau, den sogenannten „Quadratbau“ mit Originalmauern bis zu einer Höhe von 25,88 m. Auch das riesige Fragment einer Granitsäule neben dem Eingang zum Dom deutet auf den römischen Ursprung dieses Gotteshauses hin: Der Domstein war ursprünglich eine der tragenden Säulen des Quadratbaus; er wurde im Zuge des Einbaus eines Seitenaltars im 17. Jahrhundert vor dem Dom abgelegt und bildet dort wohl die älteste Rutschbahn Deutschlands und ein heute noch begehrtes Fotomotiv für Gruppen. Der Legende nach soll der Teufel die Säule vor den Dom geworfen haben, als er hörte, man baue nicht die größte Kneipe, sondern ein Gotteshaus.

Nach Teil-Zerstörungen im 5. und 9. Jahrhundert wurde der intakt gebliebene antike Kernbau durch romanische Anbauten erweitert, im 13. Jahrhundert wurde auf den Resten der niedergelegten antiken Südbasilika die Liebfrauenkirche unmittelbar neben dem Dom errichtet – als erste Kirche auf deutschem Boden im spätgotischen Stil. Später wurde ein Westturm des Doms aufgestockt, und im 17. Jahrhundert folgte eine weitere Umgestaltung im barocken Stil: Die Decke der Westapsis wurde reich mit Stuck verziert, und am Scheitel des Ostchors wurde die Heilig-Rock-Kapelle angebaut. Sie birgt die kostbarste Reliquie des Doms, die Tunika Christi, den Heiligen Rock, den der Legende nach die Mutter Konstantins, die Hl. Helena, von einer Pilgerreise mit nach Trier gebracht haben soll. 1512 wurde der Hl. Rock zum ersten Mal öffentlich gezeigt, was den Dom im Laufe der Jahrhunderte zu einer Stätte großer Pilgerströme machte.

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Im 20. Jahrhundert wurde der Dom restauriert und der Altarraum umgestaltet. So zeigt die älteste deutsche Bischofskirche mit ihren drei Krypten, dem Kreuzgang und der Domschatzkammer Kunst und Architektur aus einer Zeitspanne von über 1750 Jahren.

Liebfrauenkirche
Unmittelbar neben dem Trierer Dom steht die früheste gotische Kirche in Deutschland, die im 13. Jahrhundert erbaute Liebfrauenkirche.
Die Liebfrauenkirche war bereits einige Jahre im Bau, als unter Erzbischof Theoderich von Wied die finanziellen Mittel ausgingen. Daraufhin führte der Erzbischof Konrad von Hochstaden im Jahre 1243 in seiner Diözese Köln eine Kollekte durch, die die Fortsetzung des Trierer Baus ermöglichte.
Eine Besonderheit ist der kreuzförmige Grundriß. In den Kreuzarmen befinden sich Kapellen, die ein Zusammenschluß von Apsidiolen sind, in deren Mitte sich ein Vierungsturm erhebt. Eine eigentliche Fassade gibt es nicht; am Westportal ist lediglich eine Art Fassade errichtet. Im Tympanon sieht man den Beginn der Heilsgeschichte, im Giebel die Vollendung durch den Kreuzestod. Das Bogenfeld und die Fenster zeigen die Vorgeschichte mit Abraham und Noe, die Voraussagungen der Propheten sowie die Verkündigung an Maria. Bei den Figuren des Westportals handelt es sich jedoch nur um Kopien, die Originale befinden sich im Museum am Dom.
Der Eingang zur Kirche ist heute das Nordportal, das sogenannte »Paradies«. Die Portalwände zeigen symbolhafte Pflanzen. Im Inneren der Kirche beeindruckt zunächst die Schlankheit der Säulen. Das ursprüngliche Inventar ist fast vollständig zerstört worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde als Ausstattungsstück eine Altarinsel von Rudolf Schwarz eingerichtet.

Weitere Informationen:

Tourist-Information Trier Stadt & Land e. V.
An der Porta Nigra
54290 Trier
Tel.: +49 (0)651 97808-0
Fax: +49 (0)651 97808-88

Text und Fotos:

Matthias Dikert