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Spannungsbogen der Architektur

Eigentlich sollte sich eine Stadt wie Halle freuen, auf 1.200 erfolgreiche Jahre zurückblicken zu können. Doch das DDR-Erbe einerseits und die Lage in einer der Kernzentren des Reiches im Mittelalter lässt die Stadt im Dornröschen-Schlaf. Merseburg liegt einen Steinwurf entfernt und fast jedes Dorf kann in der Gegend mit Sehenswürdigkeiten aufwarten. Zum Beispiel liegt die Grablege der Wettiner in der Nähe. Und natürlich ist auch Querfurt mit seiner Burg nicht weit, die gut erhalten, mit Museum und Wehrturm als Aussichtsplattform Besucher lockt und über das Jahr verteilt etliche Veranstaltungen bietet.

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Und letztlich das nahe Leipzig, welches nicht nur mit der Messe Halle ebenfalls weit überstrahlt. Da hat Halle es schwer, sich eindeutig bei Reiselustigen zu positionieren. Dabei hat die Stadt durchaus einiges zu bieten und in den letzten Jahren konsequent in Sanierung investiert.

Der Ursprung Halles
Halle enthält den Wortstamm „Hal“ und dies meint Salz. 
Der Franke Karl Martell eroberte das Gebiet und schenkte die Salzwiesen seinen treuen Soldaten. Unter dem heutigen Halle liegt ein Salzmeer, welches durch Einleitung von Wasser aufgeweicht und zu Sole verarbeitet wurde, die anschließend per Siedung wieder in Salzkristalle zurückverwandelt wurde. Ein paar Jahrzehnte später wurde ein Kastell errichtet, der Grundstein von Halle sozusagen. Das Land gehörte später dem Erzbischof zu Magdeburg und die Hallenser waren so reich, dass sie sich für 200 Jahre freikaufen konnten. Als aber Streit und Neid unter ihnen grassierte, schlugen die Magdeburger zu: Enteignung der Pfänner und die Errichtung einer Zwingburg waren die Folge. Die noch heute schwelende Feindschaft Halle-Magdeburg nahm ihren Lauf. 

Das Logenhaus auf dem Jägerberg
Die gerade genannte Moritzburg wurde mit der Verteidigungslinie gegen die Stadt gebaut. Mit dem Aushub der Wallanlagen musste irgendwas passieren und so errichtete man bequemerweise gleich neben der Zwingburg noch einen Hügel. Hier baute die Loge von Halle ein Haus, welches zweimal erweitert wurde. Das erste Mal um den rechten Flügel, dann um den linken. Die Bauherren achteten nicht auf ein einheitliches Erscheinungsbild und so ist noch heute die Zerrissenheit des Baues sichtbar. Ob dies ein schlechtes Omen war? 
Die Loge löste sich unter Hitler selbst auf, um einer Enteignung zuvorzukommen und das Eigentum verschenken zu können. Nach dem Krieg hausten hier die Russen, die viel von der Sammlung plünderten. Hochkarätige Schriften von u.a. Keppler beweisen, welchen Wert die Sammlung des Hauses einst hatte. Aber auch der Krieg selbst hat Tribut gefordert. Rund 25 Prozent, darunter die komplette Gemäldesammlung, verschwanden. 
Die Restaurierung auf den heutigen Stand ist stark von den 1930er Jahren kurz vor der Selbstauflösung bestimmt, da hier das Quellenmaterial rudimentär vorhanden war. 
Nach den Russen ist die Uni eingezogen und hat das Gebäude durch den täglichen Betrieb heruntergewirtschaftet. Da die Loge nach der Wende Rückgabe-Ansprüche geltend machte und in einem Gerichtsverfahren auch gewann, verwahrloste das mittlerweile verwaiste Gebäude zusätzlich. Der Rechtsstreit dauerte lange, niemand kümmerte sich um die „Ruine“ und als die Loge endlich ihr Eigentum zurückhatte, musste sie feststellen, dass sie die Sanierungskosten niemals aufbringen würde können. Dabei wäre es für die Loge(n) wichtig gewesen, es behalten und sanieren zu können. Es gibt kaum noch alte, originale Logenhäuser. Nach Schätzungen wäre das Haus bis 2020, spätestens 20130 total verfallen gewesen.
Und so kam die Leopoldina ins Spiel.

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Es ist die älteste Gelehrtenvereinigung der Welt, die schon 1652 in Schweinfurt als Zusammenschluss von Medizinern gegründet wurde. Bestand hatte die Vereinigung auch während der Teilung in der ehemaligen DDR. Da die Mitglieder aus vielen verschiedenen Ländern stammen, ist der Sitz egal. Früher war der Sitz immer dort, wo der Präsident zu Hause war. Irgendwann wurde in Leipzig Halt gemacht. Und so wurde zu DDR-Zeiten mit dem Umzug nach Schweinfurt gedroht, was die DDR-Oberen auf gar keinen Fall wollten. So gab es hier eine Insel der Freiheit in der Forschung und Lehre, die die Gründer schon gegen die Fürsten aufgebaut hatten. Kaiser Leopold privilegierte die Vereinigung einige Jahre nach ihrer Gründung mit Rechten wie „Zensurfreiheit“, was damals ebenfalls ein absolutes Novum war und den Kaiser als visionär und weitsichtig erscheinen lässt. Denn Fakt ist, das sich danach die Forschungswelt nachhaltig verändert hat. 
Sie konnten durch ihren Status Fördertöpfe aufreißen, die den Freimaurern für die Sanierung verwehrt waren. So oder so, die Bevölkerung bleibt außen vor – es sei denn, es ist „Lange Nacht der Wissenschaften“, denn dann öffnen sich die Türen für Besucher und der Andrang ist gewaltig. Okay, wir durften außerplanmäßig besichtigen, doch auf den Sitzen des Präsidiums im ehemaligen Teil des Allerheiligsten der höheren Freimaurer-Ränge durften wir auch nicht Platz nehmen.

Salz und Halloren-Kugel
Als Halloren werden in Halle die Salzsieder bezeichnet. Sie gibt es noch heute als Bruderschaft. Die Salzgewinnung steht dabei nicht mehr im Vordergrund. Eine alte Anlage wird noch traditionsgemäß gepflegt, das Ergebnis in örtlichen Geschäften verkauft. Die Zunft ist vielmehr eine Tradition, die sich die heutigen Mitglieder einiges kosten lassen müssen: ein Paar Schuhe kosten rund 700 € – ohne die obligatorischen Echt-Silberschnallen, der Hut schlägt mit 200 € zu Buche. Und das ist der geringste Teil des Sonntagsstaates eines Halloren. 
Dafür wussten die Salzsieder schon immer, sich gut zu vermarkten. Das heute bekannteste Produkt, die Halloren-Kugel, ist sehr jung und entstammt der DDR-Mangelwirtschaft. Heute ist es der größte Verkaufsschlager nach Rotkäppchen-Sekt der Ex-DDR und auch in den alten Bundesländern bekannt. Als Vorbild dienten die Knöpfe vom Sonntagswams der Halloren. 
Das Salinenmuseum ist von ihnen vor ein paar Jahren von der Stadt übernommen worden, da diese es ziemlich runtergewirtschaftet hatte. Die Bruderschaft meinte, sie könne es besser und konnte tatsächlich seitdem die Besucherzahlen verdoppeln. Das Museum ist die ehemalige preußische Saline, die so hoch auf der Salineninsel gebaut war, dass Hochwasser sie nicht erreichen konnte. 100 Tonnen ist die heutige Jahresproduktion als technisches Schaumuseum. 
Früher lagen die Salinen der Stadt jedoch beim heutigen Hallmarkt. Im noch jungen Kaiserreich wurde die Produktion dann eingestellt und das Gelände um zweieinhalb Meter für einen Platz aufgeschüttet. Unterirdisch führt hier immer noch ein Saalearm hindurch, was den Baugrund zweifelhaft erscheinen lässt. Das musste auch der Investor bemerken, der jüngst das alte Polizeipräsidium zwecks Sanierung und neuer Nutzung erwarb. Die Gegend unterhalb des Platzes gilt gar als hochwassergefährdet. 
Jeder ehemalige „Regierungs-Chef“ hat in den letzten 300 Jahren den Halloren einen Silberbecher als Ausdruck der Wichtigkeit der Zunft geschenkt. Später war es eher Tradition. Es gab nur eine unrühmliche Ausnahme: Erich Honecker ließ sich lumpen! Diesen Fauxpas hat sich selbst ein Ulbricht nicht geleistet. Die Legende besagt, das er wegen seiner zweiten Frau, die eine Hallenserin war, ein gespaltenes Verhältnis zur Stadt pflegte.
Die Gefahr lauerte indes in direkter Nachbarschaft. Eine alte Vorschrift für die Salzsieder-Zunft besagt: Jeder Hallore soll einen Eisenhelm, eine wattierte Jacke und eine Lanze zu Hause haben, um gegen die Sachsen kämpfen zu können, wenn diese angreifen sollten … Wollen sie prüfen?

Bekannter Sohn: Händel
In dem Eckhaus Große Nikolaistraße/Kleine Ulrichstraße wurde der bekannte Musiker geboren. Sein Vater war Administrator (nein, früher hatte das nichts mit Computer zu tun) und somit durchaus begütert. Klein-Händel zog mit 17 Lenzen hinaus in die Welt und vermarktete sich dermaßen gut, dass er als der „Bohlen des Barock“ durchgeht – jedenfalls was das Selbstmarketing angeht und das daraus gescheffelte Vermögen. 
Heute ist im Hof des Geburtshauses ein Café/Restaurant. Man kann im Hof unter einem uralten Baum sitzen und fühlt sich in die Behäbigkeit früherer Zeiten zurückversetzt. Wer sich hier wieder loseisen kann, hat noch viel zu entdecken.

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Roter Turm
Zum Beispiel den Roten Turm auf dem großen Marktplatz. Der war als Turm der nahestehenden Marienkirche geplant, wurde dann aber als Bürgerturm freistehend geschaffen. Purer Protz und Angeberei eines durch Salz reichen Bürgertums. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, baute man nicht irgendeinen Turm. Er beherbergt ein Glockenspiel, welches noch heute regelmäßig die Passanten erfreut. Solch typischer italienischer Campanile mit Glockenspiel ist einzigartig nördlich der Alpen. 
Den Namen stammt indes nicht von seiner Färbung ab, wie man annehmen möchte, denn Rot sieht eindeutig anders aus. Vielmehr war der Baumeister des Turmes ein gewisser Herr Rot(h)er. 
Und am Ende des Krieges schossen die Amis die Spitze runter, weil sie ein gefundenes Flakgeschütz ausprobieren wollten und sich nach einem „lohnenden“ Ziel umsahen. Erst in der Mitte der 70er erneuerte die damalige DDR die Turmspitze.

Der kuriose Dom
Der in Halle so bezeichnete Dom ist eigentlich keiner. Es ist eine turmlose Kirche für die Klosteranlage. Erzbischof Albrecht erkor ausgerechnet diese schlichte Kirche zu seiner Grablege. Da er ein großer Reliquiensammler war, ließ er die Kirche äußerlich in einen „Reliquienschrein“ umbauen. Außerdem kursiert seit Jahrhunderten das Gerücht, er mochte keine Dächer und hat durch den Umbau das Dach kaschieren lassen. 
Als Preußen die Magdeburger ablöste, wurde der „Dom“ den Hugenotten geschenkt. 
Im Hof des ehemaligen Klosters findet heutzutage ein interessantes Projekt von Arbeitslosen statt. Für drei Monate im Sommer setzen sie Jahr für Jahr ein anderes Thema um, bauen die Kulissen und betreiben das Café. Im Sommer 2012 wurden 88.000 Besucher gezählt. Das Projekt kann also als voller Erfolg gewertet werden, auch wenn die Arbeitslosen arbeitslos bleiben und vielmehr demonstrieren, was alles in ihnen steckt, wenn sie eine Chance erhalten. Nachahmenswert!
Das klassizistische Gebäude neben dem Dom gehört der Uni und beherbergt die Zoologie. in 2013 wartete es noch auf den Beginn der Sanierung, um danach wieder in vollem Glanz erstrahlen zu können.

Von der Wehrmacht zum Gründerzentrum
Kurios ist die Geschichte des Heide-Stadtwalds kurz vor Halle-Neustadt. Halloren hatten hier Zutrittsverbot, denn die haben alles abgeholzt, was man zum Sieden verbrennen konnte. Damit überhaupt noch ein Stück Grün der Stadt erhalten blieb, wurde diese drastische Maßnahme als notwendig erachtet. Später baute die Wehrmacht hier Kasernen, dann kamen die Russen und heute ist die Uni auf dem Gelände angesiedelt. Bisher belegt sie drei Komplexe und weite Bereiche sind noch nicht saniert. 
In unmittelbarer Nachbarschaft schießen auch die Wohnanlagen aus dem Grün. In angrenzender Nachbarschaft zum Militärgelände standen Villen der Landesirrenanstalt. Momentan residiert das Finanzamt genau daneben … Die Villen wurden saniert und neue Wohngebäude errichtet. Dieser Teil von Halle ist momentan „in“. Zu DDR-Zeiten herrschte hier absolutes Zutrittsverbot. 
Und wenn wir am Anfang des Abschnittes von „kurios“ geredet haben, es geht noch mehr: Mit dem Hochwasser 2013 entdeckten die Hallenser, das der Stadtwald auch eine Aufgabe hat und er die Dämme sozusagen verdeckt. Die Bevölkerung hatte völlig vergessen, dass die Saale auch Hochwasser führen kann und dann Deiche recht sinnvoll sind. Jedenfalls schützten die nicht nur das ehemalige Militärgelände sondern auch die Plattenbau-Stadt Halle-Neustadt vor den drohenden Wassermassen, müssten aber dringend überprüft und gegebenenfalls saniert werden.

Halle-Neustadt
Hat sich etwas seit unserem letzten Besuch verändert? Nicht viel. Der Rückbau ist noch lange nicht abgeschlossen, die drei markanten Turm-Hochhäuser präsentieren sich noch genauso verwahrlost. Es wird noch dauern. Dabei war es bei der Grundsteinlegung der Prototyp einer sozialen Stadt. Das DDR-Regime hatte hochtrabende Pläne. Es wurde die letzte Stadt der DDR auf der Wiese. Danach gab es zwar weitere Plattenbausiedlungen, doch nicht mehr in diesem Umfang als eigenständige Einheiten. Und im direkten Vergleich mit der Silberhöhe auf den anderen Seite von Halle, die kurz vor dem endgültigen Untergang der DDR fertiggestellt wurde, zeigt sich der Unterschied: Dort ist nur noch für die Verwahrung möglichst vieler Menschen auf möglichst engem Raum gebaut worden. Alle sozialen Ansätze der Planungen von Halle-Neustadt waren Schnee von gestern.
Zu DDR-Zeiten lebten hier 90.000 Menschen, heute knapp die Hälfte. Geplant wurde in Karree-Bauweise. Jedes Karree hatte Kindergarten und Ärzte. Die Post hatte durchgesetzt, das es Blocknummern als Adresse gab und nicht Straßen und Hausnummern. Also wurde auf Namen hier verzichtet. Die Bauleistung war immens. Und nicht alles, was gebaut wurde, durfte gebaut werden bzw. war geplant und von oberster Stelle abgesegnet. Darunter soziale Einrichtungen wie öffentliche Verwaltungsgebäude. Wir hatten das Vergnügen, mit Heiner Hinrichs, dem ehemaligen Oberbauleiter, und ´Horst Siegel, dem Architekten, zu plaudern. Vieles wurde improvisiert. Es galt die Maxime, was wichtig für den Arbeiter war … und natürlich Planerfüllung. 
Herr Hinrichs eckte an, hatte aber Erfolg. Er stolperte später über eine Affäre mit einer Frau aus höheren Politikerkreisen. Die Leistung, die seine Leute hier erbracht haben, will er heute noch zu würdigen wissen. Es ging nicht um Politik sondern um Wohnraum. Und der wurde dringend benötigt, als die Gegend zum wichtigen Industriestandort der DDR entwickelt wurde. Wo sollten all die Arbeiter wohnen, die benötigt wurden? Der Absturz sozialverträglicher Plattenbausiedlungen ist nicht nur im direkten Vergleich mit der Silberhöhe zu entdecken. Schon der westliche Teil von Halle-Neustadt ist wesentlich dichter bebaut, so dass der ursprüngliche Planungsbereich heute durchaus attraktiven Wohnraum bietet, während die eigentlichen Aufgaben der Umgestaltung in Richtung Zukunft eher bei den auf Massenabfertigung getrimmten späteren Bereichen liegen. 
Gut zu überblicken ist Halle-Neustadt vom Skycafé im 18.Stockwerk des Bürobaus West von der Terrasse aus. Hier wandert der Blick auch weit über die Stadt hinaus ins Umland. Ist eigentlich ganz einfach zu finden. Das Arbeitsamt ist im selben Gebäude und gut ausgeschildert. 
Apropos … Halle ist im Wandel begriffen, von einer Industriestadt hin zu einer Wissenschaftsstadt. Jedenfalls sieht so der Plan aus, und deswegen gibt es wieder einmal massive Streitpunkte mit Magdeburg, die ebenfalls ihre Universität ausbauen wollen. Das die Richtung stimmt und die Rechnung für halle aufzugehen scheint, zeigt die Entwicklung der Arbeitslosenquote. Halle hat es geschafft, diese auf 10 Prozent abzusenken, das Umland liegt sogar darunter. 

Maritim Halle
Das Hotel liegt zwischen dem Hauptbahnhof und der Altstadt an einer der Tangenten durch Halle. Städtebaulich ist hier sehr gut ein Bruch zu sehen. Die Brache hinter dem Hotel wird als Parkplatz benutzt. Zu DDR-Zeiten war einmal etwas anderes geplant, doch die Plattenbausiedlungen sind noch nicht soweit rangezogen worden und die umgebende Bebauung wirkt eher zufällig und konzeptlos.

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Das Hotel an sich war einmal Planungszentrum des Aufbaus von Halle-Neustadt. Es musste ja nicht nur eine gesamte Stadt geplant und gebaut werden, auch die komplette Infrastruktur musste dafür erst noch errichtet werden. 
Zu späteren DDR-Zeiten war es Interhotel und diente auch als Ausweichquartier für die Messestadt Leipzig, die hoffnungslos überfüllt war. Noch heute ist die Nähe zu Leipzig für die haller Hotellerie ein gutes Geschäft. Zu DDR-Zeiten gab es im Keller eine Dependance der Stasi, die in jedem Zimmer mitlauschte. Für wichtige Gespräche ging man in der Regel um den Block. Heute ist dies nicht mehr nötig. 

Die Franck’schen Stiftungen
Bei unserem letzten Besuch war fast nichts zu sehen, da in Sanierungsarbeiten verschanzt. Also waren wir neugierig, wie es sich entwickelt hat. Die Arbeiten sind weit vorangekommen, die Hauptgebäude fertig. 
Als August Hermann Francke das Gelände erwarb und seine Bautätigkeit begann, war es durchaus ein Schock für die Bewohner des beschaulichen Orts vor den Toren von Halle. Die spätere Apotheke bildete die Basis und erstrahlt heute im renovierten Zustand. Die Bauten an sich hatten eine Größe, die die kleinstädtische Traufhöhe sprengten und den kleinen Ort wie ein Anhängsel wirken ließen. 2.500 Schüler hatten Platz. Zu den Wohn- und Unterrichtsgebäuden gesellten sich noch Werkstätten und Gärten. Die Stiftungen waren darauf ausgerichtet, sich selbst zu versorgen. Das Hauptgebäude besitzt einen Aussichtsturm, der wieder begehbar ist und auf dem auch schon hochherrschaftliche Besucher zusammen mit Francke standen. Ebenfalls im Haupthaus befindet sich das Kuriosen-Kabinett. Nicht heutigen wissenschaftlichen Systemen folgend, bildet es eine weltweite Sammlung, wie sie im 17./18. Jahrhundert üblich war. Damit ist die ursprüngliche Art und Weise der Präsentation heutzutage recht einmalig, da das alte System beibehalten und keine wissenschaftliche Neuordnung versucht wurde. Im Seitenflügel gibt es noch ein Museum und die alte Bibliothek. Diese kann genutzt werden – zu wissenschaftlichen Zwecken. 

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Nach der Sanierung ist ein Zustand angestrebt worden, der sich dem von Franckes Zeit annähert. Dies bedeutete, Bestand auslagern und den Ballast zu reduzieren. Dabei kamen sogar originale Glasfenster zu Tage, die bei späteren Umbauarbeiten verdeckt worden waren. Einen Blick hineinwerfen können Besucher. Der eigentliche Bereich ist noch einmal extra abgetrennt. Und wenn man lange genug wartet, kommt vielleicht doch der ältliche Herr mit abgestoßenem Frack, wirrem Haar und Zwickel auf der Nase mit einem Buch in der Hand um die Ecke und blickt eher erschreckt … Und vielleicht können Sie dann halb hindurchsehen.


Weitere Informationen:

Fremdenverkehrsamt und Touristeninformationen über Halle (Saale)
Marktplatz 13
06108 Halle (Saale)
Telefon: 0345 – 1229984
Telefax: 0345 – 1229985

MARITIM HOTEL HALLE
Riebeckplatz 4
06110 Halle/Saale
Telefon: +49 (0) 345 5101-0
Fax: +49 (0) 345 5101-777
Reservierung: +49 (0) 345 5101-712


Text:
Otger Jeske

Fotos:
Matthias Dikert