Das Lausitzer Seenland

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Geschichte und Ausblick

Die Lausitz ist und war Tagebau-Revier. Der Braunkohleabbau fraß Dörfer und Natur und hinterließ Mondlandschaften. Angefangen hatte alles Mitte des 19. Jahrhunderts. Die industrielle Revolution begann in Deutschland Fuß zu fassen. Zwischen Senftenberg, Spremberg und Hoyerswerda wurde seitdem zwei Milliarden Tonnen Kohle aus bis zu 60 m Tiefe gefördert. Laut bundesdeutschem Bergbaugesetz muss eine Sanierung und Wiedernutzbarmachung der Altlasten erfolgen. Dieses übernimmt die eigens dafür gegründete LMBV (im Eigentum des Bundesfinanzministeriums). Neben den Tagebau-Restlöchern gehören aber auch die Industrierelikte zum Aufgabengebiet. Als man die Planungen für die Region begann, wurde wenig Naturschutz eingeplant. Mittlerweile ist das Thema immer stärker in den Fokus gerückt, so dass aktuell 18% der Fläche dafür vorgesehen sind. Wenn alle ehemaligen Tagebaue ihre volle Seehöhe erreicht haben, wird die Seenlandschaft 14.000 Hektar umfassen, dazu noch einmal 7.000 Hektar schiffbare Kanäle. Es entsteht die größte Seenlandschaft Deutschlands, gleichzeitig die größte künstlich errichtete Seenlandschaft Europas. Irgendwann wird auch noch Welzow-Süd hinzukommen, welches heute noch von Vattenfall betrieben wird und mit seiner Fläche locker ein paar der heutigen Seen verschlingt. Nicht ganz so groß ist Nochten, ganz im Südosten des Reviers gelegen. Zählt man den Bodensee nicht mit, wird die Seefläche in Deutschland um 20% erhöht.
Es gibt mehrere Probleme, vor die die Gesellschaft gestellt ist: Es gibt keine vergleichbaren Gebiete auf der Erde, die als Hilfe herangezogen werden können. Die Lausitz und die LMBV stochern somit im Dunkel und sind ständig dabei, neue Techniken zu erfinden. Mittlerweile gelten sie als weltweite Experten und sind gefragte Berater.

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Die Seen können nur langsam aufgefüllt werden. Das Wasser kommt aus Spree, Neiße und Schwarzer Elster. Mehr Flüsse gibt es nicht. Und die sind hier auch noch nicht voll ausgewachsen. Im Sommer bei Niedrigwasser wird die Einspeisung ganz abgestellt. Dann sickert nur das Grundwasser ein. Dieses musste wegen dem Tagebau abgesenkt werden. Jetzt sorgt die Rückkehr des Wassers für Probleme. Mehr Probleme, als ursprünglich erwartet: Böschungsbrüche, Sackungen, Fließverschiebungen. Die treten überraschenderweise auch in schon zu DDR-Zeiten sanierten Gebieten auf. Wie Bodenuntersuchungen ergaben, wurde damals nicht verdichtet. So dass heutzutage insbesondere nach starken Regenfällen bei hohen Belastungen mit dem Kollabieren des Untergrundes zu rechnen ist. Weiträumige Absperrungen und zusätzlicher Sanierungsbedarf sind die Folge.
Da es eine Gesellschaft auf Zeit ist, wird das Personal abgebaut und die Finanzmittel eingeschränkt. Durch die entstehenden Probleme, verlängert sich die Lebensdauer der Gesellschaft, so dass kurzfristig wieder aufgestockt werden muss. Es gilt die Regel: Sicherheit für die Zukunft schaffen.

Touristischer Ausblick

Der Spreetaler See soll ein Speedbootzentrum werden, mit Möglichkeit zum Trainieren und für Wettkämpfe. Hier entsteht auch das erste deutsche Jugendzentrum. Geformt fast wie ein Dreieck, ist an der Längsseite eine Besuchertribüne vorgesehen. An der Spitze kommt ein Anleger für die Schifffahrt hin, denn trotz sportlicher Nutzung sollen alle Seen über die Kanäle mit Personenschifffahrt verbunden werden.

Da die Seen sowieso über Ausgleichssysteme hätten miteinander verbunden werden müssen, entschloss man sich, gleich schiffbare Kanäle zu installieren. Da die Seen aber unterschiedliche Niveaus haben werden, gibt es überall Schleusen. Diese sind hier nach einem Einheitsplan genormt. Die Ausschreibung für den Fahrgastverkehr läuft. Aber die Abmaße folgen nicht unbedingt denen der genormten Schiffe. Breite und Länge sind nicht das Problem, hier macht es die Höhe.

Inzwischen ist auch eine Anbindung an den Spreewald in der Diskussion. Zwar weiß man heute noch nicht wie und woher die finanziellen Mittel dafür kommen sollen, doch es könnte für den Spreewald lebenswichtig sein. Der hat nämlich teilweise mit extremem Niedrigwasser zu kämpfen und um einer eventuellen Austrocknung vorzubeugen und diese einmalige Landschaft erhalten zu können, würde sich das Wasserreservoir der Seenlandschaft anbieten.

Das Seenland erstreckt sich über Brandenburg und Sachsen. Damit gelten unterschiedliche Gesetze und Regelungen. Die touristische Vermarktung ist schon zusammengelegt worden, derzeit versucht man, sich auf anderen Gebieten anzunähern. So gelten in den beiden Ländern unterschiedliche Höchstgeschwindigkeiten für Boote auf Wasser. 
Der Plan sieht für die Region vor, dass es einmal eine Million Übernachtungstouristen geben soll. Die Tagesausflügler sind bewusst hier nicht eingerechnet. Der Senftenberger See, der schon fertig ist, hat derzeit 230.000 Übernachtungen. Schwerpunkt der Besucher: Sachsen und CSR.

Der Sedlitzer See ist vorgesehen, um ein Wasserflugzeugdrehpunkt zu werden. Der Geierswalder See erhält eine Ferienhaussiedlung auf dem Wasser. Die ersten Häuser sind schon in der Vermietung. Hier gibt es auch schon einen Campingplatz. Der Sabrodter See soll Zentrum einer großen Ferienanlage werden; Bungalows und Hotels sowie Tagungs- und Entertainmentzentrum. Fast zum Standard gehören Rundwege für Wanderer, Radler und Skater. Diese existieren heute schon zum größten teil, wenn auch an manchen Stellen aus Sicherheitsgründen immer mal wieder eine Sperrung erfolgen muss. Der Scheibe See und Umgebung wird zum Bio-Standort, Lohsa als Hoch-/Niedrigwasserausgleich für die Spree. Und wo Naturschutz geplant ist, fungiert der BUND als Partner. 

Naturschutz

Nördlich Hoyerswerda und da der Grenze Brandenburg-Sachsen folgend, ist ein Kerngebiet des Naturschutzprojekts „Lausitzer Seenlandschaft“. Auf knapp 6.000 Hektar hat man die zerschnittene Landschaft belassen. Sie erinnert an die Folgen der letzten Eiszeit vor über 10.000 Jahren und ist einzigartig in Deutschland. Man nennt es Offenlandschaften. Diese sollen auch so bleiben, im Gegensatz zu den Waldflächen, die fast die Hälfte der Landschaft bestimmen. Hier sollen sich typische Vertreter der Fauna und Flora ausbreiten können. Dazu muss jedoch Landwirtschaft erfolgen, da die Flächen sonst nicht offen zu halten sind. Die Landwirtschaft soll sich an Bio-Maßstäben orientieren.

Der Brachpieper und das Tausendgüldenkraut sein hier stellvertretend genannt. Sie bevorzugen offene Lebensräume und gelten mittlerweile als selten. Die Magerräsen und Heideflächen werden für Schaf- und Ziegenherden ausgewiesen, um eine Offenhaltung zu gewährleisten. Da haben junge Baumtriebe keine Chance. Die Heidelandschaften müssen gestaltet werden, da das Vorkommen der Arten nicht mehr gegeben ist. Es wird zwei verschiedene Sorten geben: Sandheide, mit Ginster, Arnika Besenheide etc. und Feuchtheide, die ein Biotop darstellt, der in Folge des Bergbaus und der notwendigen Entwässerung vollständig ausgestorben ist. Hier fühlen sich Pflanzen wie die Glockenheide wohl.

Erfolge: Durch den Umbau von Waldflächen hat sich das Vorkommen von Nachtschwalben fast verdoppelt. Die Schönschrecke, die in Sachsen als ausgestorben galt, hat sich wieder angesiedelt. Die Farnart Mondraute hat sich durch die Beweidung ausbreiten können. Sie wird sonst von anderen Pflanzen verdrängt. Es konnte der bedeutendste Wiedehopf-Bestand Deutschlands etabliert werden. Dazu gab es umfangreiche Bruthilfen, da der Vogel in Deutschland aufgrund intensiver Landwirtschaft fast ausgestorben ist. 

Tipps

Unter den Überleitern sticht die Nummer 12 heraus, vom Senftenberger See zum Geierswalder See. Ein Tunnel für den Kanal und damit die zukünftige Schifffahrt führt unter der B96 hindurch. Damit nicht genug. Es ist extra die Schwarze Elster verlegt worden und der Fluss hat eine eigene Brücke bekommen. Er führt nun über den Kanal hinüber. 
Gemütliches feiern und Grillausflüge zu Wasser verspricht die Grill & Chill-Beachbar am Geierswalder See. 

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Es gibt extra Rundboote mit Platz für bis zu zehn Personen. Gefahren wird mit Motor und der Betrieb ist Führerschein frei möglich. Neben dem Grillen auf dem Wasser sind Kaffefahrten der Renner. Wer die Sicherheit des Landes bevorzugt, die Beach-Bar verfügt über Terrasse und Strandbereich. Der Nahe Campingplatz samt Bootsanleger eröffnet zusätzliche Möglichkeiten. 
In unmittelbarer Nachbarschaft soll das Projekt Leuchtturm entstehen. Ein maritimes Ensemble mit Restaurants und Ferienappartements. Eröffnung soll 2014 sein. Beherrschender Blickfang: der Leuchtturm.

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Er wird ein Restaurant beherbergen und ganz oben für Mutige eine kleine romantisch-gemütliche Unterkunft.
Erfolgsgeschichte hat jetzt schon die Krabat-Mühle geschrieben. Gelegen in Schwarzkollm, ist sie das Verdienst einer beherzten Frau und derer Vision. Laut Sage war die schwarze Mühle genau in jener Gegend zu finden. Und die Krabat-Sage ist noch heute eine beliebte Geschichte nicht nur der sorbischen Einwohner. Mittlerweile ist ein Verein Träger. Begonnen hatte alles 2006 auf der grünen Wiese. 150 Wanderburschen haben den Grundstock gelegt. Später kam die Idee der Krabat-Festspiele auf und dazu musste ein Turm angebaut werden. Der Platz reicht für 400 Besucher und soll auch nicht ausgebaut werden. Wenn nötig, wird der Spielzeitraum um einige tage verlängert. 

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Immer mehr Gebäude kamen mit der Zeit hinzu, die anderswo abgerissen werden sollten, denkmalgeschützt sind und hier originalgetreu aufgebaut als Freiland-Museum dienen. Mittlerweile zieht die Krabat-Mühle an die 100 bis 200 Besucher pro Tag an. Die originale Schwarze Mühle ist schon vor rund 400 Jahren abgebrannt. Und mittlerweile gehört der Ort zu Hoyerswerda und stellt einen Ortsteil dar. Hier sollte man nicht nur die hausgemachten Plinse mit einem Pott Kaffee kosten sondern auch einen Schluck Bier nehmen. Schwarzkollm liegt im Westen des Stadtkerns, Wittichenau im Süden. Und hier ist eine der ältesten Brauereien angesiedelt. Seit 1356 produzieren sie ununterbrochen Bier. Heute sind es 13 Sorten, vom Pils zum Bock.
Abenteuerlich wird es in Klein Partwitz. Die Gaststätte zum Anker ist empfehlenswert. Und nein, diese ist nicht das Abenteuer. Essen ist in dem Traditions-Restaurant (seit 115 Jahren) nicht gefährlich. Serviert werden vorzugsweise regionale Gerichte mit regionalen Produkten (teilweise Selbsterzeugung). Der Sohn des Wirtes bietet aber seit 2005 Quad-Touren an. Das Wachstum liegt bei 10% pro Jahr. Noch sollte man die Gelegenheit nutzen, in den wenig bis gar nicht touristisch erschlossenen Gebieten Off Road zu fahren. 90% der Touren finden auf diesem Untergrund statt und das Gelände ist überwiegend in privater Hand. Da es aber immer noch einen offiziellen Restteil gibt, darf der Führerschein nicht vergessen werden. 2011 führte Andreas Ittman 220 Touren mit rund 2.000 Teilnehmern durch. Mittlerweile ist die dritte Quad-Flotte im Einsatz. Auf ordentliches Gerät legt er Wert, weswegen es keine heruntergekommenen Fahrzeuge gibt. Reparaturen werden umgehend ausgeführt, die Quads regelmäßig gewartet und auch nach jeder Tour gereinigt. Derzeit baut er einen neuen Standort im Nachbarhaus. Das Restaurant selbst ist ein typischer Lausitzer 4-Seitenhof. Hinten auf dem grünen rasen entstand vor kurzem eine kleine Ferienhaussiedlung. Alle zehn Häuser sind barrierefrei, zwei Häuser Rollstuhl gerecht ausgestattet.

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Ideal für Gruppen zum Einmieten. Tagsüber Quad-Tour, abends Grillen am hofeigenen Grillplatz und dann gleich in die Hütte fallen. Wer über das Wochenende Abwechslung möchte oder nicht auf die spaßige Vierrad-Variante kann, den nimmt die hauseigene sächsische Bierkönigin an die Hand. Anja Ittman ist neben ihrem Amt als Bierkönigin und Restaurant-Angestellte bei den Eltern auch zertifizierte Reiseleiterin. Sie organisiert Bustouren, Radtouren und Wanderungen. Und als Besonderheit kann man auch Rundflüge bei ihr buchen.

Weitere Informationen:
Tourismusverband Lausitzer Seenland e.V. i.G.
Schlossergasse 1
02977 Hoyerswerda
Telefon 03571 / 456810

Text: Otger Jeske
Foto: Matthias Dikert