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100 Jahre Passat-Großsegler

Im Jahre1911 lief die Viermastbark Passat vom Stapel. Sie war eine Angehörige der legendären Flying-P-Liner und trotzte mit ihren Schwestern Pamir (in den 50ern gesunken), Padua (heute Kruzenshtern und Schulschiff der russischen Handelsmarine), Peking (Museumsschiff) und Pommern (Museumsschiff) den Dampfschiffen.

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Der Vergleich war hart und fiel zu Beginn des Jahrhunderts noch eindeutig für die Großsegler aus. Es war auf langen Strecken einfach billiger und sie waren schnell (bis zu 18 Knoten). Sehr scharf am Bug gebaut und wie die Dampfer als schwimmende Metallhaut konstruiert, waren die Großsegler des beginnenden 20. Jahrhunderts keine veralteten Holzkonstruktionen, sondern mit allem ausgestattet, was Stand der damaligen Technik war. Die Zeit der Großsegler war erst dann zu Ende, als der Panama-Kanal die Reise abkürzte, damit weniger gefährlich machte und der Kanal für Großsegler auch nicht konstruiert worden ist. Damit verflüchtigte sich der Kostenvorteil der Segler und die motorisierten Frachtschiffe begannen ihren endgültigen Siegeszug. Geblieben sind eine handvoll Legenden und deren Nutzung, zumeist als Schulschiffe, erinnert und begeistert noch heute Menschenmassen. Und wenn schon eine alte Dame 100 wird, gibt es schnell ein Stell-Dich-Ein.

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Natürlich kam zum Geburtstag die betagte Verwandtschaft in Form der Kruzenshtern und Sedov (beide heutzutage unter russischer Flagge). Darüber hinaus die MIR (ebenfalls russisch), die Dar Mlodziezy (polnisch) sowie die aus der Becks-Werbung hinlänglich bekannte Alexander von Humboldt. Letztere die kleinste im Verband der Großsegler. Zudem gesellten sich noch rund 17 Traditionssegler, die im Vergleich zu heutigen Yachten riesig wirken im Vergleich mit den Segel-Kolossen aber wie winzige Nussschalen. 
Während einige Schwestern noch immer über die Meere gleiten, ist die alte Geburtstagsdame schon lange in Rente. 1959 außer Dienst gestellt, diente sie erst als Seemanns-Schulstätte und danach bis heute als Museumsschiff. Aber wenn man sie ließe, könnte sie wohl noch problemlos. Genau diesen Eindruck vermittelt das Schiff und 1998 ist es erst generalüberholt worden. 

Die Feierlichkeiten boten Anlass, den Standort Travemünde zu besuchen. 

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Und es ist schon ein Anblick, wenn man sich auf den Ort zu bewegt, die kleinen Häuser sieht und darüber erheben sich die großen Masten mit den Rahsegeln. Waren wohl die der Kruzenshtern und der Sedov, die den Ankömmlingen entgegen winkten. Uns zog es weiter ins Maritim.

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Das Maritim Travemünde ist ein alles beherrschender Gigant und direkt am Strand mit der Mole gelegen. Der kleine Leuchtturm, dem man nachsagt, der älteste von Deutschland zu sein, hat sein Leuchtfeuer dem Maritim übergeben und von ganz oben ist die Aussicht über die Lübecker Bucht, den Traveverlauf sowie das umfassende Land schon ein Erlebnis ganz besonderer Art. Von hier aus blickt man auf die Segelschiffe wie auf kleines Spielzeug herab und selbst die großen Fähren mit ihren mehrere Etagen umfassenden Aufbauten wirken von hier oben niedlich. 240 Zimmer und Suiten beherbergt der Hotelaussichtsturm, dazu 10 Tagungsräume und 2 Säle. Bauart- und nutzungsbedingt gibt es ein Nadelöhr, den notwendigen Umstieg von Park- und Wellness-Deck-Aufzug in die Fahrstühle zu den Zimmern. Dies lässt sich nachträglich auch nicht mehr korrigieren. Da die Stadt die Fläche zwischen Hotel und Strand beräumt hat, sieht sich das Hotel nun gezwungen, den Wellnessbereich um zubauen. Das, was die Stadt nämlich freigeräumt hat, war ein Bad mit Anbindung an das Hotel. Auch dies steht auf der Agenda. Die Anforderungen an die notwendige Technik sind jedoch bisher nicht zu aller Zufriedenheit geklärt. Und für die Gäste – seien wir ehrlich – ist es egal. Innen stimmt alles. Der Zahn der Zeit hat an keinem Zimmer oder Gang genagt. Hier sind persönliche Ansprache, exzellenter Service, der Ausblick und die unmittelbare Strandnähe, die Parkplatzmöglichkeiten oder auch die Fähre vor der Haustür hinüber nach dem Priwall wesentlich wichtigere Faktoren. Stammgäste schätzen die niedrige Mitarbeiter-Fluktuation und das man sie beim Namen kennt. Und bei Veranstaltungen wie dieser, ist der Turm der beste Standort, den es weit und breit gibt. Ist mal etwas ganz anderes, auf ein Feuerwerk herab zuschauen. 

Und jedes Schiff muss einzeln an der Mole vor der Haustür vorbei flanieren… 
Ein paar Meter weiter liegt Timmendorfer Strand. Das Maritim dort hat andere Voraussetzungen.
Die Penthouses sind ein Traum, der Veranstaltungs- und Tagungsbereich fällt ein wenig größer aus und mit der Orangerie verfügt es über eine Sterne-Gastronomie. Dafür gibt es einen eigenen Shuttle-Service. Der Wellnessbereich ist größer (noch) und es gibt einen Außenpool. Dazu eine eigene Strandbar. Ruhiger ist es dennoch nicht, auch wenn es erstmal aufgrund der Hafenabstinenz so wirkt. 

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Timmendorf hat die einzige Landungsbrücke weit und breit und am Strand jagt während der Saison eine Veranstaltung die nächste. Dafür ist der Ort hip und das schon ziemlich lange. Travemünde gehörte zwar zu den ersten Seebädern Deutschlands und war auch immer eine Bank, den Glitzerruf wie Timmendorf hat es sich jedoch nie erarbeiten können, blendet man die Frühzeit aus, als sich bedeutende Leute wie Thomas Mann, Kaiser Wilhelm II, Richard Wagner oder Edward Munch, um nur einige zu nennen, hier regelmäßig tummelten. 
Was liegt näher, als bei einem maritimen Geburtstag eine Regatta zu veranstalten? Wir fuhren auf der Swaensborgh mit. Der Start verpatzt, der Wind ein Witz zuckelten wir zur Wende als Vorletzte einem traurigen Ergebnis hinterher. Dafür konnte der holländische Skipper mit seinen zwei weiblichen Matrosen nichts, die im Notfall von ein, zwei starken Armen aus der Catering-Crew unterstützt wurden. Oder wie in diesem Fall von den Gästen, sofern diese sich einspannen lassen wollten. Die Swaensborgh ist ein Drei-Mast-Topsegelschoner und 47 m lang. Setzt man die Gaffelsegel der Hauptmasten, kommt man schnell ins Schwitzen. Auf einer kleinen Yacht sind schnelle Wendemanöver mitunter entscheidend.

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Gerade wenn man gegen den Wind kreuzen muss, kann man einige Punkte einfahren. Aber die falsche Taktik macht dies kaum wett. Und Schnelligkeit bei den Segeln ist bei einem solchen Schiff (es gab im Feld sowohl größere als auch kleinere) nicht so entscheidend. Auch die Taktik war nahezu ausgeblendet. An der „Wendetonne“ erfuhr man erst, wo sich überhaupt das Ziel befindet. Und wer vorher zu viel spekuliert, verspekuliert sich schnell. Das musste dann wohl ein nicht geringer Teil der anderen Regatta-Teilnehmer erfahren, was uns unbeteiligt von den hinteren Plätzen nach vorne spülte. Und auf einmal stimmte der Wind. Zwischenzeitlich hatte sich auch das Wetter von Sonnenschein in Regen verwandelt. Wir befuhren zwar nur den küstennahen Bereich der Lübecker Bucht, doch reichten die Umstände, um einen guten Eindruck zu vermitteln, was die Faszination einerseits und die Unbillen andererseits ausmacht. Langsam legte sich der Schoner in Schräglage. Der Körper steht aufrecht, wenn man sich in 45 Grad-Winkel stellt. Die (unseemännisch – Asche über mein Haupt) linke Seite der Reling kommt dem Wasser bedrohlich nah. Ein Ausflug an den Bug geht nur mit Festhalten. Und dort spritzt einem die Gicht gegen Gesicht und Kleidung. Wir schießen auf die Küste zu und mir kommen unwillkürlich Bilder aus Filmen: Der Matrose oder Käpt’n oder Eigner oder Passagier steht vorne nach langer Fahrt und freut sich auf das Land, die Heimat, seine Frau oder wenn es ein Pirat ist, auf die zu erwartende Beute – was auch immer das Subjekt solcher Filme ist. Und dann auf einmal müssen die Segel eingeholt werden, was mich aus meinen Träumen reißt. Wir jagen förmlich durch die Wellen und die Segel sind im Gegensatz zum ersten Regatta-Abschnitt prall gefüllt. Die wollen nicht wirklich eingeholt werden und der Wind reißt und zerrt, so wie wir. Schließlich gewinnen wir den Kampf, jedoch nicht ohne noch ein paar Brecher abbekommen zu haben. Die Matrosen früher hatten Regenzeug. Und oftmals war dies auch nicht wirklich Regen abweisend bzw. in Ermangelung an Trocknungsmöglichkeiten nach wochenlangem Unwetter auch nicht wirklich einsatzbereit. Wir hatten kein Regenzeug. Schließlich waren die letzten Tage so sonnig gewesen, dass die Felder fast verbrannten und die Bauern schon stöhnten. Aber glücklich sind wir, wir fühlen uns als Helden. Nur möchte ich diese Arbeit nicht jeden Tag verrichten und schon gar nicht mehrmals am Tag. 
Abends Rummel, Musik und Show mit Feuerwerk.

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Wir stehen, wie viele andere auch, auf der MIR. Ein Abend Feuerwerk hoch über den Wolken, nun von Bord eines der Gratulanten. Die Lasershow wirkt von unten wesentlich besser als von oben. Von oben fehlte der Kontrast, um überhaupt viel wahrnehmen zu können. Gegen den Abendhimmel zeichnen sich die grünen Lichtbündel jedoch deutlich ab. Das Umgebungslicht der Festivitäten stört erheblich weniger. Allerdings ist die Choreographie der Laser, des Sprechers und schließlich des Feuerwerks irgendwie dem Anlass nicht wirklich angemessen. Und so bin ich dann wohl nicht der einzige, der still gedacht hat, „schade, da hätte man mehr daraus machen können.“
Aber vielleicht wird es ja noch was. Und eigentlich wurde die Passat im Herbst in Dienst gestellt, der Mai als Feierdatum mutet also etwas verfrüht an. Da gibt es Platz genug, um noch mehrmals voll aufzudrehen. Bei Königen und Fürsten wurde früher auch wochen- oder gar monatelang gefeiert. Und Sie können noch dabei sein!

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Weitere Informationen bei:

Fremdenverkehrsamt Travemünde
Bertlingstr. 21
23669 Travemünde
Telefon: 490185 882233
Email: info@travemuende-tourismus.de 

Maritim Strandhotel Travemünde
Trelleborgallee 2
23570 Lübeck-Travemünde 
Telefon: 04502 89-0
Fax: 04502 89-2020
E-Mail: info.trv@maritim.de

Fremdenverkehrsamt Timmendorfer Strand
Timmendorfer Platz 10
23669 Timmendorfer Strand
Telefon: 04503 3577-0
Telefax: 04503 3585-45
Email: info@timmendorfer-strand.de

Maritim Seehotel Timmendorfer Strand
Strandallee 73
23669 Timmendorfer Strand 
Telefon: 4503 605-0
Fax: 04503 605-2450
E-Mail: info.tim@maritim.de


Text:
Otger Jeske

Fotos:
Matthias Dikert
Bild Strandhotel Travemünde Pool von MARITIM Hotelgesellschaft