Altenburg

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Altenburg „reizt“

Altenburg liegt im Schatten von Leipzig, jedoch nicht im gleichen Bundesland. Altenburg ist der östlichste Zipfel von Thüringen und hat es eigentlich nicht nötig, ein Dornröschenschlaf zu führen, führt ihn dennoch. Wer mit Karten vertraut ist, weiß, dass Altenburg die Metropole für Skatspieler schlechthin ist. In Altenburg wurde das Spiel vor rund 200 Jahren erfunden, der deutsche Skatverband residiert in der Stadt und hier tagt auch das internationale Skatgericht. Alle zwei Jahre findet die Skatolympiade statt und jedes Jahr gibt es im Mai ein Skatbrunnenfest.

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Den Grundstein für die Stadt hatte einstmals Kaiser Barbarossa gelegt. Die alte Burg ließ er zur Pfalz ausbauen und die Stadt entstand als Marktstadt nach den Plänen italienischer Mönche. Diese Struktur ist noch heute, nach 800/900 Jahren nachzuvollziehen. Die romanischen Türme der Marienkirche, auch rote Spitzen genannt, sind die ältesten noch erhaltenen Teile des ehemaligen Bergerklosters, welches Barbarossa stiftete und bei seiner Einweihung auch anwesend war. Der Kirchenbau ist mit der älteste Backsteinmonumentalbau nördlich der Alpen und gilt als Initialzünder und Vorbild anderer großangelegter romanischer Projekte. Es war neben dem sakralen Charakter auch ein Machtzeugnis des Kaisers, der in Altenburg samt Umland eine zentrale Bedeutung sah. Und wer sich über die Größe des Marktplatzes wundert, es war einstmals ein Turnierfeld.

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Die Siedlungsgeschichte des Altenburger Landes reicht indes noch viel weiter zurück. Das Land ist überaus fruchtbar, mit das beste in ganz Deutschland, und zog somit Siedler schon seit Urzeiten an. Die Bauern galten als wohlhabend. Die Regionalgeschichte ist bei dieser Gründung eng mit „ganz oben“ verknüpft. Margarete, die Schwester des Kaisers, sah sich beim „Prinzenraub“ mitten im Scheinwerferlicht der Geschichte. Die beiden Prinzen gingen als Väter der heutigen Freistaaten Thüringen und Sachsen in die Bücher ein. Jahrelang musste dieses historische Ereignis als Vorbild für ein Theaterspektakel herhalten, welches im Schloss aufgeführt wurde.

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2011 gab es die letzten „Prinzenraub-Festspiele“. Kaiser Barbarossa löst ab 2012 ab und wird wohl ebenso zum Publikumsmagneten in der Hof-Freilichtbühne werden. 
Kurze Zeit später gab es Luther und die Reformation. Altenburg stand in vorderster Reihe. Spalatin, Sekretär des Kurfürsten, unterstützte seinen Freund Luther und verwandelte Altenburg in ein „Versuchsfeld Reformation“. Die Altenburger hatten Luther recht früh um einen „evangelischen“ Prediger gebeten und setzten somit selbst diesen Prozess in Gang. Wer weiß, wie die Reformation ohne Altenburg verlaufen wäre? Hier traf Luther auch den päpstlichen Gesandten, der ihn zum Schweigen bringen wollte. 
Die weitere Geschichte Altenburgs und seiner Herren verlief im Wechselspiel der lokalen Mächte. Am deutlichsten sichtbar auf dem Burgberg. Die Wandlung zum Schloss verlief in mehreren Etappen und ein Großteil des ursprünglichen barocken Interieurs fiel der Angst vor ansteckenden Krankheiten zum Opfer, nachdem im Zuge der Leipziger Völkerschlacht hunderte von verletzten Soldaten einquartiert waren. Erst im 19. Jahrhundert wurde die Stadt dann Residenz und vor allem Herzog Ernst I. ist für das heutige Bild der Stadt verantwortlich. In seiner 50-jährigen Regentschaft erlebte Altenburg eine wirtschaftliche Blütezeit: Spielkarten, Nähmaschinen, Zigarren, Handschuhe, Trommelfelle und Zylinder. Zuletzt hat auch die berühmte Altenburger Senfvielfalt von sich reden gemacht. 

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Es war ein bunter Mix, dem eins gemein war: Altenburg war Marktführer. Und neben der Barockzeit drückte somit die Gründerzeit mit seinem Jugendstil der Stadt seinen Stempel auf. Leider ist heutzutage nicht allen Besitzern daran gelegen, ihre Gemäuer zu erhalten. Und so fristen nicht nur Barockstätten sondern auch Jugendstil-Kleinode ein trostloses Leben und warten auf den Prinzen, der sie wachküsst. Eine Stadt, die derzeit im Wandel begriffen ist und zwischen Verfall und Auferstehung wandelt. Eine Stadt, die Emotionen heraufbeschwört. Der interessierte Besucher kann eine Menge Gegensätze erkunden und sich ausmalen, wie die Stadt aussehen könnte, wenn eine gute Fee ihren Stab schwingen würde oder sich eine Zeitreise vorstellen, wie es früher einmal ausgesehen hat, zwischen all den herrschaftlichen Kutschen und dem geschäftigen Treiben – ohne Autokolonnen, Staus und Abgase.
Und wer dann tiefer in die Geschichte tauchen will, besichtigt die Museen auf dem Schlossberg, oder besucht ein Orgelkonzert in der Schlosskirche, welches internationale und nationale Organisten aufbietet. 

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Im Wettstreit der Museen hat Altenburg noch etwas zu bieten: die Lindenau-Sammlung. Der Staatsmann, Naturwissenschaftler und Kunstsammler vermachte der Stadt seine Sammlungen mit der Auflage, dass sie nicht veräußert werden dürfen. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts waren Teile davon einer Öffentlichkeit zugänglich und schon in den 70er Jahren wurde am Fuß des Schlossberges eine neue, repräsentative Heimat errichtet. Hier sind u.a. eine Sammlung früher italienischer Malerei zu finden sowie antike Keramik (aus Griechenland; Etrusker galten bei den Griechen auch als ihresgleichen). Und in der Abguss-Sammlung kann man bei Veranstaltungen zwischen Moses und dem heiligen Georg essen, bewacht von einem Sklaven und argwöhnisch betrachtet von einem Faun, während Demostheos und Sophokles miteinander diskutieren. 

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Wem es mittlerweile zu schwer wird von Kunst und Geschichte, dem sei ein Besuch in der Altenburger Brauerei und/oder der Destille empfohlen. Die Erlebnisbrauerei kann besichtigt werden, verfügt über einen Festsaal für Veranstaltungen und einen Biergarten. Verschiedene Biersorten werden gebraut und mittlerweile reicht das Vertriebsnetz schon recht weit und so findet man Altenburger in der klassischen Bügelflasche auch schon im heimischen Supermarkt. 

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Die Destille bietet ebenfalls Räume für Veranstaltungen und ein Museum. Auch die Produktion kann besichtigt werden. Die Altenburger sind übrigens eine der größten Brennereien Thüringens und warten mit einem Sortiment von über hundert geistigen Getränken auf. Es dürfte schwer sein, sich hier durchzukosten. Wer die Wahl hat, hat die Qual: es warten traditionelle Schnäpse, Trendliköre sowie Innovationen auf die Gaumen.

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Gut, wenn man dann im Hotel Altenburger Hof abgestiegen ist. Das befindet sich fast Vis a Vis und wurde erst 1993 errichtet. Nicht ganz zentral gelegen, ist neben der Destille auch der Inselzoo in Griffweite. Und ein paar Gehminuten obenauf gelegt, beginnt dann die Stadtbesichtigung: Nikolaikirchhof, Roßplan, das wunderschöne Renaissance-Rathaus mit Marktplatz und die Brüderkirche sind wie die Roten Spitzen bequem zu erlaufen. 
Außerhalb warten ein paar alte Vierseit-Höfe auf Besucher. Gut Priefel z.B., mit Ferienwohnungen und einer Hoffleischerei. Die Räumlichkeiten sind leider nicht der breiten Öffentlichkeit zugängig sondern für Veranstaltungen angelegt. Schade eigentlich, denn ein Käffchen samt Kuchen im Hof unter dem Baum und abends ein Weinchen im Keller dürfte auch dem ein oder anderen Vorbeireisenden und Ausflügler gefallen. 
Burg Posterstein ruft und die Augen der kleinen (Söhne) und großen (Väter) Kinder leuchten bei der Kohlebahn. Für ganz neugierige Gourmets ist der Würchewitzer Milbenkäse zu empfehlen. Und wenn man schon dabei ist, auch der echte, der grüne, Altenburger Ziegenkäse ist ein Besuch in Lumpzig wert. Eine berühmte Silbermann-Orgel ist in Ponitz zu besichtigen (auch ein Rittergut) und in Schmölln das Knopfmuseum. Und auch wenn man es kaum glauben mag, Altenburg hat auch einen Flughafen. Und der hat eine lange Tradition, denn den Grundstein legte der letzte deutsche Kaiser. Nach dem Krieg war er sowjetischer Militärflughafen und nun Lokalflughafen mit Flugmuseum, der besichtigt werden kann – inklusive alter Bunkeranlagen. 
Zum Wandern und Radeln lädt die Via Imperii ein, die alte Reichsstraße und Pilgerweg durch das Altenburger Land. Dieses ist im westlichen Teil leicht hügelig und stellt somit keine großartigen Ansprüche. Hier lockt der Altenburger-Obstland-Radweg mit immerhin 66 Km Länge. Dorfkirchen, Bauerngärten, Freibäder, Museen und ein Wasserschloss rufen zum Verweilen, die gastronomischen Angebote sind vielfältig und man muss aufpassen, dass man nicht wie ein Esel bepackt von der Tour in sein Feriendomizil zurückkommt. Oder ein Ausflug von knapp 50 km ins Kohrener Land (sächsisch), bei der Schlösser und Burgen locken wie auch die Eisenbahn-Viadukte. 

Weitere Infos:
Altenburger Tourismus GmbH
und Fremdenverkehrsverband Altenburger Land e.V.
Friedrich-Ebert-Straße 14
04600 Altenburg
Telefon: 03447 551838
Fax: 03447 519994
Email: info@altenburg-tourismus.de


Text: 
Otger Jeske

Fotos: 
Matthias Dikert