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Ein bunter Streifzug durch die Franche-Comté

Aus Sicht der Geophysik ist der Bereich von Saône-Tal bis zu den Gipfeln der Vogesen über das Jura das goldene Dreieck der Franche-Comté. Die politische Geographie hat daraus ein Sechseck gemacht, das durch die Region Rhône-Alpes, den Burgund, die Region Champagne-Ardenne, Lothringen, das Elsass und die Schweiz abgegrenzt ist, mit dem es eine 230 km lange Grenze teilt. Verwaltungstechnisch ist es die Summe aus vier Departements: Doubs, die Haute-Saône, das Jura und das Territoire de Belfort. Auf alle Fälle ist die Franche-Comté mit ihren (16 200 km 2 (3 % des Staatsgebietes) eine der kleinsten Regionen Frankreichs und bezieht aus dieser geringen Größe ein Verbundenheitsgefühl, das sich in ihrer einzigartigen Geschichte widerspiegelt. Die 1,1 Millionen Bewohner der Region sind ungleichmäßig über die Franche-Comté verteilt und über die Hälfte lebt entlang der Doubs-Achse (von Dole nach Montbéliard via Besançon) und im Stadtgebiet des Territoire de Belfort, das sich in Richtung Norden erstreckt. Die Franche-Comté ist ein schönes Beispiel für das Konzept der Städte auf dem Land mit einer durchschnittlichen Bevölkerungsdichte von 71 Einwohnern per Quadratkilometer , was deutlich unterhalb des französischen Durchschnitts liegt. Ein ländlich geprägtes Gebiet, wo nur die zwei Ballungsgebiete Belfort-Montbéliard und Besançon mehr als 100 000 Einwohner haben.Die anderen Präfekturen – Lons-le-Saunier für das Jura und Vesoul für die Haute-Saône – haben nur knapp 30 000 Einwohner. Mit Ausnahme von Dole, der Hauptstadt des ehemaligen Comté, übersteigt die Einwohnerzahl der Städte Pontarlier, Sochaux und Audincourt im Doubs, Champagnole und Saint-Claude im Jura sowie Gray, Lure und Luxeuil in der Haute-Saône diese Schwelle nicht.
Aus der Franche-Comté stammen große Persönlichkeiten, die Geschichte oder Geschichten ge-schrieben haben…Neben Louis Pasteur, Gustave Courbet und Victor Hugo kommen aus der Franche-Comté auch Namen, die in der damaligen Zeit für einigen Aufruhr gesorgt haben und bis heute bekannt sind: Marcel Aymé, Louis Pergaud, Pierre-Joseph Proudhon, Georges Cuvier, Georges Oudot, Bernard Clavel, Jean-Claude Bourgeois, Pierre Bichet, André Charigny, Charles Bel, André Roze, Robert Fernier, Bernard Gantner, Auguste et Louis Lumière, Nicolas Perrenot de Granvelle, Pierre et Marie Curie, Joseph Rouget de Lisle, Cadet Rousselle, Antoine-François Momoro, Georges Colomb, Balthazar Gérard, la Famille Peugeot, Étienne Oehmichen, Robert Bichet, Hilaire de Chardonnet, Jouffroy d’Abbans, Jules Rimet, der General Michel…

Belfort

Lange Kriegszeiten und häufige Belagerungen haben Belfort und sein gesamtes Territoire sehr schnell gezwungen, hinter einem Befestigungsring Schutz zu suchen. 

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Die Zitadelle liegt an einer seit dem 12. Jahrhundert strategisch bedeutenden Stelle und wurde auf Anweisung des Grafen de la Suze ab 1648 gebaut. Aufgrund der zahlreichen Invasionen vertraute Ludwig XIV. das Projekt der Befestigung Belforts dem Festungsarchitekten Vauban an. Dieser schlug 1687 eine fünfeckige Stadtfestung vor mit Bastionstürmen an den Ecken vor. General Haxo baute das Schloss zu einer modernen Festung um, unter der ein einzigartiges System aus Galerien verläuft.In diesem geheimnisvollen und düsteren Labyrinth wird den Besuchern eine grandiose Inszenierung mit Klang- und Lichtspielen über große Persönlichkeiten präsentiert, die die Geschichte Belforts geprägt haben. Die Zitadelle diente den Belforter Bürgern während des Kriegs von 1870 als « befestigtes Lager ». Hier konnten die tapferen Verteidiger der Stadt die Belagerung überstehen und den Widerstand aufrecht erhalten. Im Jahr 1871 wächst die Stadt Belfort über sich hinaus, als sie unter der Führung von Oberst Denfert-Rochereau mehr als 103 Tage lang der preußischen Armee standhält. Gleich nach der Befreiung haben die Stadt und 106 umliegende Gemeinden ihre französische Identität und zugleich ihren unabhängigen Geist erneut bekräftigt.
Der Löwe von Bartholdi, stark und beeindruckend, aber voller Würde und Gutmütigkeit, wacht seit 1880 über die Stadt. Aus rosarotem Vogesen-Sandstein gefertigt, ist er mit seinen 22 m Länge und 11 m Höhe das Symbol des Widerstands der Belforter Bürger gegen Invasoren. 

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Museen in Belfort

Le Musée d’Art Moderne – Donation Maurice JardotDas Musée d’Art Moderne, das in einem ehemaligen Herrenhaus des ausgehenden 19. Jahrhunderts untergebracht ist, beherbergt eine unglaubliche Sammlung von Kunstwerken, die Maurice Jardot zusammengetragen und später der Stadt Belfort geschenkt hat: Picasso, Léger, Braque, Le Corbusier, Manolo und noch viele andere…

Das Musée des Beaux-arts wurde in dem von Vauban geplanten Turm 41 eingerichtet. Es zeigt eine umfangreiche Sammlung von Skulpturen, Gemälden, Flachreliefs und Stichen. 

Im Turm 46, der als « geschichtliches Denkmal » eingestuft ist, finden wechselnde Ausstellungen der Belforter Museen statt.

Weitere Sehenswürdigkeiten

Die Place de la Grande Fontaine mit dem Brunnen aus dem 15. Jahrhundert liegt direkt neben Gebäuden im Haussmannschen Baustil. Die Fréry-Markthalle von 1905 bildet einen interessanten Gegenpol zum Monument des Trois Sièges, dem Denkmal der Drei Belagerungen, von Bartholdi. Ein schöner Weg, an dem man an vielen Museen, Kunstgalerien, Antiquitätenhändlern, Grünanlagen, traditionellen Läden und Geschäften der großen Marken vorbeikommt. 

Eine eigene Zuckerbäckerakademie betreibt das Geschäft PATISSERIE SALON DE THÉ CHOCOLATIER in der 19 Thomas Wilson Avenue.

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Das Rathaus am Place d’Armes wurde 1724 vom Ingenieur Mareschal als Stadtpalais für François Noblat erbaut. 

Die Kathedrale St-Christophe de Belfort ist in den Jahren von 1727 bis 1752 aus Vogesen-Sandstein am Place d’Armes erbaut worden. Erwähnenswert sind 2 Gemälde von Gustave Dauphin aus den Jahren 1830 und 1843.

Montbéliard

Das „Pays de Montbéliard“ verdankt seine Besonderheit seiner vom Protestantismus geprägten Kultur und seiner in Frankreich einmaligen Geschichte: es war vier Jahrhunderte lang ein deutsches Fürstentum. Montbéliard hat von den Herzögen von Württemberg, Fürsten von Montbéliard, ein vielfältiges und farbenfrohes Kulturgut geerbt, das man im Laufe des Heinrich Schickhardt-Stadtrundgangs bewundern kann. 

Montbéliard ist eine Welt der Erfinder, Forscher und Pioniere. Es ist die Wiege des Automobils, die Heimat des Paläontologen Georges Cuvier und von Oehmichen, dem Erfinder des Hubschraubers. Dieser besondere Sinn für Technologie und Wissenschaft belebt das „Pays de Montbéliard“, das besonderen Wert auf den auf die Themen Wissenschaft und Technik bezogenen Tourismus legt. 

Montbéliard, die tausendjährige Stadt, hat eine außergewöhnliche Geschichte. Ein Felsen war der Ursprung. Von dieser befestigten „Akropolis“ aus, die die Mündung der Lizaine in den Allan überragt, haben die ersten Grafen Dank ihrer wohlwollenden Herrschaft Händler angezogen. Das Stadtleben entwickelte sich dann am Fuße des Schlosses. 1397 ging der kleine Staat durch die Verlobung von Henriette von Orbe, der Erbin der Grafschaft, mit Eberhardt von Württemberg, dem jungen Prinzen des Reiches, ins germanische Reich über. Montbéliard wurde zum Zweitwohnsitz des Herzoges erhoben. Daraufhin folgten vier vom Protestantismus Luthers und von den Werken des Architekten Heinrich Schickhardt geprägte Jahrhunderte. Schickhardt war der Architekt des Prinz-Herzogs Friedrich des Ersten von Montbéliard-Württemberg, einem humanistischen und autoritären Prinzen, der sich gerne von Talenten umgab. 1524 entflammte der Pastor Guillaume Farel die Bevölkerung mit seinen leidenschaftlichen Predigten. 1556 wurde das Luthertum auf Anordnung des Prinzen zur Staatsreligion und ist es bis zur Angliederung an Frankreich (1793) geblieben. 

Das Ende des 16. Jahrhunderts war einGOLDENES Zeitalter für die Fürstenstadt; Schickhardt ist der Künstler dieses Wiederaufblühens gewesen. Seitdem zeigt das zwischen den Vogesen und dem Juragebirge liegende Montbéliard den Charme der schönen alemannischen Städte – angeschmiegt an sein Schloß und somit gut behütet. Steinerne Markthallen und protestantische Kirchen, Renaissance-Wohnsitze und kleine Stadthäuser in lebendigen Farben wurden im 17. Jahrhundert errichtet. 
Um das Bündnis mit Preußen zu bekräftigen, wurde 1776 die Hochzeit von Sophie- Dorothée von Montbéliard mit dem Zarewitsch Paul, dem Sohn Katharina der Großen gefeiert. Die ersten Gerüchte über die Französische Revolution erreichten Montbéliard sehr spät. Erst 1793 wurde das Fürstentum französisch. Die lutheranische Kultur, die bei der Arbeitgeberschaft mehrheitlich verbreitet war und der Anschluss des Fürstentums an Frankreich haben einen gewaltigen industriellen Aufschwung zur Folge gehabt. Die Familien, die den anglosächsischen Vorstellungen anhingen, gestalteten das „Pays de Montbéliard“ und impften ihm einen wahren Erfindergeist ein. Es war die Zeit der Familie Japy und das erste Jahrhundert des „Abenteuers“ Peugeot. Heute präsentiert sich das stark von Kunst und Geschichte geprägte „Pays de Montbéliard“ als wichtige Kulturstadt: Zauber der Feste, Straßenveranstaltungen und „Weihnachtliche Lichter“, Glanz internationaler Ausstellungen. Das ehemalige Fürstentum, hervorragendes Beispiel der einmaligen Atmosphäre in der Franche-Comté, gibt sich königlich… 

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Montbéliard hat von den Herzögen von Württemberg, Fürsten von Montbéliard, ein vielfältiges und farbenfrohes Kulturgut geerbt, das man im Laufe des Heinrich Schickhardt-Stadtrundgangs bewundern kann. Die Ähnlichkeiten zu den baden-württembergischen Städten sind derart zahlreich, dass man sich auf der anderen Rheinseite denken könnte. Das Schloß der Herzöge von Württemberg überragt die Stadt! Das Hauptgebäude, der Henriettenturm (15. Jh.) und der Frederiksturm (16. Jh.) beherbergen einen historischen Rundgang und ein Museum (Abteilung für Naturgeschichte Georges Cuvier, galloromanische Archäologie und interessante Sommerausstellungen). In der Abteilung für Naturgeschichte kann der Besucher die Paläontologie und das Ergebnis der Forschungen von Georges Cuvier entdecken. 

Die protestantische Kirche Saint Martin ist das älteste erhaltene Gebäude, das dem reformierten Gottesdienst in Frankreich bestimmt ist. Sie ist das Symbol des Erfolgs des Luthertums, vom Herzog gewünscht und von Schickhardt 1604 errichtet. Die katholische Kirche Saint Maimboeuf (1850) überragt die protestantische Kirche Saint Georges, die sich direkt nebenan befindet. Die Fassade der Kirche Saint Maimboeuf ist im Stil der Neo-Renaissance sehr prunkvoll gestaltet und zeigt den starken Willen, die Rückkehr des katholischen Glaubens auf diesen protestantischen Boden zu behaupten. Diese Gebäude sowie andere (wie die steinerne Markthalle, das Bailli-Pavillon, das Patrizierhaus Beurnier-Rossel, das Forstner-Haus,…) sind abwechselnd aus rosernem Sandstein und Kalkstein aus dem Juragebirge erbaut. In den kleinen Gassen findet man mit Tchâfas und Yorbes versehene lachs- und lavendelfarbene, blutrote- und lilafarbene Häuschen, die die farbenfrohe Tradition der alemannischen Städte der 16. und 17. Jahrhunderte zum Ausdruck bringen. Das reiche und einzigartige Erbgut von Montbéliard ist Dank des 1992 erhaltenen Gütesiegel „Pays d’Art et d’Histoire“ anerkannt worden. 

Montbéliard ist in aller Welt bekannt. Dafür gibt es zwei Gründe: das Montbéliarder Rind, das in der ganz Welt exportiert wird… und etwas geringfügiger die köstliche Wurst aus Montbéliard! 

Das Montbéliarder Rind. 
Die seit 1889 bekannte Montbéliarder Rasse ist das Ergebnis einer strengen Auswahl und der Kreuzung verschiedener Rassen durch die anabaptistischen Bauern, die sich im 18. Jahrhundert mit ihren „pie rouge“-Herden im Fürstentum niedergelassen haben. Die Rasse ist seitdem auf der ganzen Welt bekannt. 

Die Montbéliarder Wurst – Juwel der regionalen Gastronomie. 
Sie ist eine geräucherte Wurst hoher Qualität, die nach traditioneller Methode hergestellt wird. Seit den 70er Jahren widmet sich die „Confrérie des Compagnons du Boitschu“ (eine Metzgerbruderschaft) der Verkaufsförderung dieser Spezialität. Seit dem Frühjahr 2011 hat sie Anspruch auf eine „Indication géographique protégée“ (Bezeichnung für eine kontrollierte Herkunft). 

Notre-Dame-du-Haut

In der Haute-Saône birgt eine kleine Stadt eine große Dame, die über ein malerisches Tal wacht: Notre-Dame-du-Haut, die berühmte Kapelle von Ronchamp, die der nicht minder bekannte Architekt Le Corbusier gebaut hat. Notre-Dame-du-Haut als bedeutende Vertreterin der zeitgenössischen Kirchenbaukunst, liegt auf der Anhöhe von Bourlémont und ist eines der beiden von Le Corbusier gebauten religiösen Bauwerke. Die erste Kapelle wurde 1913 durch Blitzschlag zerstört, die zweite 1944 durch den Krieg, für den dritten Ansatz wurde diese schließlich dem Genie der Architektur anvertraut. 

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Nach der Ausführung von Skizzen und Modellen konnte am 25. Juni 1955 ein erstaunliches, im Widerspruch zur traditionellen Kirchenarchitektur stehendes, religiöses Bauwerk eingeweiht werden. Lichtspiele, luftige Linienführung, spürbare Kraft und künstlerische Sensibilität ziehen den Betrachter in ihren Bann und schaffen Perspektiven, die der Rohheit des bloßen Betons entgegenwirken. Wie dies von dem Architekten gewollt war bildet die Kapelle einen Bereich, der sich zu allen vier Himmelsrichtungen öffnet. 
Heutzutage lebt eine Klarissen Schwesterngemeinschaft auf dem Hügel. sie bewahren die geistliche und nachdenkliche Berufung dieses Ortes in dem in 2011 gebauten Kloster von Renzo Piano. 

Die Tausendseenplatte im Naturpark Ballons des Vosges 

Das sanft hügelige Relief dieser Region entstand im Quartär, als Ausläufer eines Moselgletschers den alten Granitstock und seine Sandsteinsedimente abschliffen. Nach der Eisschmelze bildeten sich dann die typischen Torfmoore, charakterisiert durch eine einzigartige, 12 000 Jahre alte Vegetation. Schon im Mittelalter hoben die Bewohner dieser armen Gegend in den feuchten Senken Fischteiche aus: Diente der Torf ihnen als Brennstoff, so waren die Fische ein willkommener Eiweißlieferant. Und auch heute noch lassen manche Besitzer die Weiher gemäß alter Tradition abfischen.

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Wer selbst angeln möchte, sollte sich an die Verkehrsämter wenden; die Seen sind meist in Privatbesitz. Oder Sie beteiligen sich an einem der im Naturpark organisierten Ausflüge, die interessante Einblicke in die Vielfalt dieser kostbaren Biotope gewähren. 
Wir haben einen Spaziergang in der Umgebung von Melisey unternommen, wo man die urpsrüngliche Natur persönlich und hautnah miterleben kann. Durch gut begehbare Waldwege ging es entlang an Seen, umgestürzten Bäumen und durch einen interessanten Mischwald.

Luxeuil-les-Bains

Luxeuil-les-Bains, am Fuße der Vogesen der Haute- Saône gelegen, ist seit der Antike für seine wohltuenden heißen Quellen bekannt. Die Stadt ist von einer reichen Geschichte geprägt, ihre Ursprünge reichen zurück bis zur Entstehung eines gallischen Heiligtums bei den heißen Quellen und zum Bau einer gallisch-römischen Stadt. 

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Luxeuil-les-Bains ist heute eine Kurstadt mit einem bemerkenswerten Kulturerbe, wie zum Beispiel die Basilika Saint- Pierre und ihr romanisch-gotischer Baustil aus dem 13. Jahrhundert oder die neben der Basilika gelegene Abtei Saint-Colomban zeigen. 

Im Schöffenturm (Tour des Échevins) befindet sich heute ein Museum, in dem insbesondere die Werke des berühmten Malers Jules Adler zu sehen sind, der in Luxeuil-les-Bains geboren wurde.

Die Thermen von Luxeuil-les-Bains, die laut den Römern Langlebigkeit und Fruchtbarkeit schenken, machen auch heute noch den Ruf der Stadt aus. 

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Das Thermalbad, eines der ältesten Frankreichs, ist aus rotem Sandstein, typisch für die Region, und bietet zahlreiche Wellnessbehandlungen und medizinische Kuren an.

Champagney-das Haus der Negritude und der Menschenrechte

Vor der französischen Revolution zählte Champagney etwa 2000 Einwohner, hauptsächlich Bauern. Der Pfarrer war das Zentrum des Dorflebens. Neben seinen priesterlichen Pflichten war er für das bürgerliche Amt zuständig, die königlichen Anordnungen zu verbreiten. Die Einwohnerversammlung traf sich regelmäßig im Anschluss an den sonntäglichen Gottesdienst um Gemeindeangelegenheiten zu besprechen. 

Das schwarze Gesetz („code Noir“) 
Es wurde von Ludwig dem 14. im Jahre 1685 verkündet. Dieser Gesetzestext beinhaltet 60 Artikel, die das Leben von Sklaven von der Geburt an  (oder seit Gefangennahme) bis zum Tod regelten. Sklaven werden hier als bewegliches Gut angesehen. Die Situation der Sklaven war schlimmer als im Gesetz vorgesehen, denn die Artikel, die sie  schützten, wurden nicht eingehalten. 

Der Artikel 29 
Der Originaltext wird in den Archiven des Departements Haute-Saône aufbewahrt: „Die Einwohner und Gemeinschaft von Champagney können nicht an die Übel, die die Negersklaven in den Kolonien erleiden, denken, ohne das Herz vom lebhaftesten Schmerz durchdrungen zu haben, bei der Vorstellung, dass Ihresgleichen, verbunden mit ihnen durch das doppelte Band der Religion, härter behandelt werden, als seien sie Lasttiere. Sie sind nicht davon überzeugt, dass man Produkte aus den genannten Kolonien nutzen kann, wenn  man darüber nachgedacht hat, dass sie mit dem Blut Ihresgleichen befleckt sind: sie fürchten zu Recht, dass zukünftige Generationen, aufgeklärter und philosophischer, die Franzosen dieses Jahrhunderts bezichtigen, Menschenfresser gewesen zu sein, was der Bezeichnung Franzose und noch mehr der des Christen widerspricht. Daher gebietet ihnen ihre Religion, seine Majestät untertänigst anzuflehen, die Mittel zu veranlassen, 
damit diese Sklaven nützliche Untertanen des Königs und des Vaterlandes werden.“ 

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Die Entstehung des Gelöbnisses von Champagney 
Im Jahr 1788/89 gab es im Königreich Frankreich zahlreiche Schwierigkeiten, die den König Ludwig XVI zur Einberufung der Generalstände zwangen. Zusammengesetzt aus drei Ständen – aber der dritte Stand, Adel und Klerus, hatten sich seit 1614 nicht mehr zusammengefunden.  Es sollte im Mai 1789 beginnen. Als Vorbereitung wünschte Ludwig XVI, dass in jedem Dorf Eingaben abgefasst werden. Die aus Champagney  ist typisch und in seiner Gesamtheit gemäßigt. Aber man findet dort einen erstaunlichen Artikel, die Nummer 29, der dringend um die Abschaffung der Negersklaverei bittet. Er wurde zweifellos von Jacques Antoine Priqueler angeregt, einem Offizier der königlichen Garde,  damals auf Urlaub in Champagney, seinem Geburtsort. Aus Paris kommend, sind ihm die I deen der Abolition bekannt, die sich dank philosophischer Schriften zu entwickeln beginnen. Zum delegierten Wahlmann der Bauern Champagneys gewählt, nahm er die Abfassung des „cahier de doléance“ in die Hand. Er musste die Bewohner Champagneys (die als Repräsentanten eines schwarzen Mannes nur („König“) Balthasar auf einem Bild in ihrer Kirche kannten) dazu bringen, sich mit dem Schicksal der Negersklaven auseinanderzusetzen.

Der Gründer des Hauses der Negritude: René Simonin
René Simonin war ein großer Verehrer seiner Geburtsregion wie seine Schriften, in der Vitrine ausgelegt, erkennen lassen. 1971 holte er aus den Archiven des Departements das „cahier de doléance“ von 1789 hervor und erkannte die Bedeutung des Artikel 29. Als Ehrerbietung gegenüber den Bürgern von Champagney beschloss er einen Ort des Gedenkens zu schaffen: das Haus der Negritude und der Menschenrechte. Der Begriff Negritude wird in Anerkennung an den Dichter und Präsidenten des Senegal, Léopold  Sédar Senghor, benutzt, der dem Haus seine Schirmherrschaft gewährte. 

Kristallglasfabrik von Passavant-la-Rochère

In der Kristallglasfabrik von Passavant-la-Rochère, der ältesten noch betriebenen Glasmanufaktur Frankreichs, können Gäste den Handwerkern bei der Kunst des Glasblasens zusehen und in dem daneben liegenden Shop zugleich auch diese Kunstwerke erwerben. 

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Die Glasbläser schaffen durch Blasen, Drehen und Schwenken bereits seit 1475 kunstvolle Gefäße wie Karaffen, Vasen und Schalen in den verschiedensten Formen und Farben. Die Erzeugnisse der comtoiser Glashütte werden übrigens auf der ganzen Welt verkauft und große Marken wie Nina Ricci, Moët et Chandon, Veuve Cliquot und Mumm haben sich die Fachkenntnisse der Glasbläser aus Passavant-la-Rochère zunutze gemacht. 

Weitere Informationen bei:

Atout France – Französische Zentrale für Tourismus
Postfach 100128
D-60001 Frankfurt am Main 
Fax: (069) 74 55 56 

TOURISMUSVERBAND BELFORT UND TERRITOIRE DE BELFORT
2 bis, rue Clémenceau 
90000 Belfort 
Franche-Comté 
Tél : 03 84 55 90 90

Text und Fotos:


Matthias Dikert

Bilder von Notre-Dame-du-Haut Copyright Notre-Dame-du-Haut