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Naturismus in Aquitanien

Grande Cuisine, feines Speisen, edle Tropfen – da ist Frankreich unbestritten die Nr. 1. Betörende Düfte, elegante Mode – ebenso. Und Nr. 1 beim Naturismus. Äh? Beim FKK? Wie passt denn das zusammen? 

Es passt, weil Naturismus eben nicht (nur) FKK ist. Vielmehr frei Leben im Einklang mit der Natur – nackt also. Meist ganz ohne und somit natürlich – immer in respektvollem Zu- und Miteinander. Nudismus als pures zur Schau stellen ist nicht gefragt. Ästhetisch, mit Niveau wird beim Naturismus gern gesehen. Aber verstecken braucht sich niemand. Körperliche Rundungen: egal. Intime Piercings: nein danke! Individuell, ganz persönlich findet jeder zu seinem elementaren Wohlgefühl. Je nach Wind und Wetter. Sonne satt ist schön – aber beim frei Leben in der Natur bleibt dies nicht der einzige Reiz. Falls es kühl wird – ein Pullover ist dann nicht fehl am Platz. Und selten ein Paréo. 

Hier in Aquitanien kommt der Kenner und Liebhaber von Küche und Keller, von Genuss und Geschmack voll auf seine Kosten. Große Gewächse, die Weinschlösser der Lagen um Bordeaux wie die „Grands Crus“ vom Médoc – und Austern aus der Bucht von Arcachon sind weltberühmt. Für Teller und Tafel gibt es dazu noch viele regionale Spezialitäten zu entdecken. Und viele Öko-Produkte, denn Bio passt bestens zum Naturismus.

Dann diese ewigen, rauschenden, nicht enden wollenden Wälder. Diese Sanddünen, die höchste von Europa reiht sich ein, Wellen wie im wogenden Meer. Und der Atlantik, von ferne hört man oft bereits das Donnern der Brandung. Aber er kann sich auch ganz sanft gebärden, sicher sein zum Schwimmen wenn im Sommer gut bewacht. Für Strandläufer ist dies ein Paradies. Und für alle die das elementare Urlaubsleben lieben. 

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Wenn das Baden dort zu gefährlich erscheint erfreut kleine und große Gäste umso mehr die Poollandschaft im Resort. Naturismus ist – auch – eine Familiensache, und für Kinder wird sehr viel getan. Fröhlich, nie aufdringlich dazu die Animation. Körperlich kann man sich sportlich wie spielerisch überall gut betätigen. Zum Radfahren ist die ganze Gegend der großen Wälder mit den kleinen Seen und Wasserläufen bestens geeignet – Verleihe vor Ort. Fürs Kanu und Kajak findet sich da garantiert auch ein passendes Revier. Ach ja, nur noch nebenbei: schon nackt Golf gespielt? Nun, warum eigentlich nicht.

Reisegala hat zur Vor- und Hochsaison alle vier Naturismus-Ziele am Atlantik getestet – die Resorts in Aquitaine von Süd nach Nord:

Arnaoutchot
Unaussprechlich, dieser Name im Dialekt der Gascogne. Er klingt wie eine Zauberformel, ein Sesam öffne dich. So sagt man nur „Arna“. Arna hat Charme, hat Clubcharakter, schon bald fühlt der Gast sich aufgehoben in einer großen Familie von Gleichgesinnten. Locker im Gelände verteilt sind die Domizile auf Zeit vom Zelt bis zum Chalet. Hügelig das Areal, organisch gewachsen, keine Monotonie der Anlage, individuelle Plätze, auf Höhen und in Mulden geschmiegt. Eyecatcher: Baumhäuser, Nids perchés auf steilen Stelzen. Kompakt das Dorfzentrum, mit Pools innen und außen, dem netten Spa ‚Arna Forme’, Restaurant, Lebensmittelladen und Disco, Theater, Kino im Juli/August. Am 1 km langen Sandstrand mit Zugang über die Düne auch dann kein Gedränge. Tennisplätze, Kreativatelier – teils einfach vielleicht doch stets sympathisch. Und die Landschaft um Arna mit dem ‚Courant d’Huchet’, zu entdecken auf der geführten Bootstour durchs Naturreservat, den Dörfern mit Fachwerkhäuschen und oft noch Fronton zum originellen Ballspiel ist wunderschön.
www.arna.com

La Jenny
Naturismus stilvoll genießen. Nicht nur wegen dem einzigen Nacktgolfplatz in Europa, ein schön geformtes Green mit sechs Loch, Driving Range und Clubhaus in luftiger Lage. Oder weil es hier gar kein Camping gibt, dafür vielerlei Villen mit ausladender Terrasse und weitem Blick, oft ganzjährig von ihren Eigentümern bewohnt. La Jenny hat einfach Stil. Von der Kinderclub-Animation bis zu Atlantik-Wanderungen bei Sonnenuntergang. Chic und Eleganz wären ja fehl am Platz. Aber die besondere Note erfreut den Gast beim innovativen Angebot. Dazu passen das neue Paddle, Yoga, Bogenschießen, Tenniskurse, eine Surfschule, der Pony-Club und Ausritte hoch zu Ross – um nur einiges (neben Golf) zu nennen. Familienurlaub, wo Kindern viel Raum geboten wird. Aber auch Paare sowie Singles fühlen sich wohl. Von den 750 Chalets – auch kleinere sind dabei – werden bis zu 450 als Ferienhäuser vermietet. Die großzügige Pool-Landschaft mitsamt ‚Amphitheater’ zum Sonnen ist eine wahre Wonne und das Dorfzentrum mit Lebensmittel- und anderen Läden gut ausgestattet. Erst lecker speisen beim jungen Team des Restaurants – danach den Abend an der Eden-Bar ausklingen lassen. Allerlei Animation für Erwachsene gibt’s natürlich auch. Oh, ganz vergessen: 2 km „eigener“’ Strand mit direktem Zugang. Schnell zu erreichen sind ebenso lohnende Ausflugsziele: die nun aufgeweckte, traditionsreiche Weinhauptstadt Bordeaux, viele Weinschlösser, nicht nur im Médoc – und die Bucht von Arcachon mit ihren Austernbänken plus Perlen – den Residenzen der Belle Époque.
www.lajenny.fr


CHM Montalivet
„Monta“ wie Stammgäste (und davon hat das ‚CHM’ durchaus einige) die Anlage liebevoll nennen, Monta ist in Frankreich die Ikone des Naturismus am Atlantik. (Vom Mittelmeer spricht dort ernsthaft niemand.) Christiane und Albert Lecocq, Pioniere des Naturismus, gründeten das ‚Centre Helio Marin’ als „erstes FKK-Dorf Frankreichs“ bereits 1950. Nun im Rentenalter ist es bis heutzutage jung geblieben. An Ideen sowie an Gästen. Familien erfreut der ‚Parc Aquatique’, ein Wasser-Freizeitpark mit fünf Rutschbahnen (Mitte Juni bis Mitte September geöffnet) das Highlight vorm Dünenübergang zu ‚Plage 1’. Ja, Monta hat bei fast 2 km Strand zwei Zugänge, und ganze 21 ‚Quartiers’, Viertel auf 175 Hektar. Mit über 3000 Stellplätzen, meist für Zelte (auch eingerichtet als ‚Lodges’ zu vermieten), Reisemobile und Mobilheime als Ferienhaus auf Zeit, wie auch – 42 Chalets. Camping ist und bleibt in Monta die weitaus beliebteste Urlaubsform. Das bestimmt den Charakter – locker, lebendig, und immer hilfsbereit von Nachbar zu Nachbar. Wer holt heut früh die frischen Baguettes? Wem so was dann doch zu viel an Nähe ist, keine Sorge, generell ist das Gelände groß genug fürs abgelegene Bleiben.

An Freizeitaktivitäten besteht kein Mangel. Nicht nur bei Sport und Spiel, von Surfschule bis Skatepark wird viel geboten, auch ‚Village Artisinal’, das Handwerkerdorf ist beliebt. Beim beheizten (nach Bedarf überdachten) Swimming-Pool lockt ein weiteres Highlight: der umfangreiche Spa. Da lohnt sich die Größe der Anlage, und Monta leistet sich so ein Freilichtkino mit drei Filmvorführungen die Woche, ebenfalls eine Disko speziell für alle unter 16 Jahren. Von organisierten Wanderungen bis Karaoke läuft für jeden einiges an Animation. Viel frequentiert: das Terrassenrestaurant auf dem Weg zum Strand. Und ein frisch-fröhliches Dorfzentrum ist gut bestückt mit mehr Restaurants wie 21 Geschäften. Neben Bäcker und Metzger grüßt als drittes Highlight die Kellerei „Cave des 2 Chateaux“ mit gut sortiertem Weinladen. Wobei, der Médoc ist so nah. Besuchen und degustieren!
www.chm-montalivet.com


Euronat
Man könnte es von Monta zu Fuß in nur ein paar Stunden erreichen, den Strand entlang. Aber obwohl (oder weil) nebenan, ist das Konzept anders. Die eher festgefügten Häuser, die bewegten Teile bestimmen nicht das Bild. Gefühlt wohnt man im großen Pinienwald.

Das weitläufigste FKK-Dorf Europas feiert vom 28. Juli bis 6. August 40jähriges Jubiläum. Mit 335 Hektar ist viel Fläche vorhanden für Camping/Caravaning, bei 920 angegebenen Stellplätzen, und für Chalets, 422 zum Mieten (wie mitgeteilt) auf Parzellen von 500 qm. Die Ferienhäuser gruppieren sich in Kontinente, von Nordamerika bis Ozeanien. Ferner gibt’s Mobilheime, Holzhütten, möblierte Zelte als Unterkünfte. Kaum beengt, entspannt ist der Urlaub somit zu gestalten. Entspannung pur bietet auch das Spa mit dem einzigen „FKK-Zentrum für Thalassotherapie“ der Region. 1500 qm für Wellness und Treatments, von Algenpackungen bis Hydromassagebäder, Peelings und Modellage wie Hanakasumi, der mehrtägigen Marine Anti-Aging-Kur oder Anti-Tabak-Kur, beispielsweise. Hammam, zwei Saunen, ein 30 Grad warmes Meerwasserschwimmbad, Sonnenterrasse – alles da… 

Nahe bei Pool-Landschaft mit Innen- und Außenbecken, beiderlei auch speziell für Kids. Viele Aktivitäten, wie Tennis, Pony-Club mit Ausritte am Strand, und kreative Angebote. 28 Läden und Shops im Resort – im Dorfzentrum gutes Fischrestaurant „La Poissonerie“. 

Der 2 km lange „eigene“ Strand ist dreigeteilt, Plage Nord auch Hundestrand, zum Plage Centrale und Plage Sud separater Zugang. Besonders lobenswert – 3 Kinderclubs sowie ein Club für „Jugendliche“. Und Animation natürlich nicht nur zum Geburtstag. Santé, ein Prosit mit dem Jubiläumswein. Der Médoc gratuliert mit.
www.euronat.fr

Text: 

Christoph Merten