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Auf den Spuren Vaubans in der Provence

Der französische General und Festungsbaumeister Sébastien Le Prestre, Seigneur de Vauban hat sich durch seine als uneinnehmbar geltenden Zitadellen und Festungen in der Provence ein ewiges Denkmal gesetzt.
In Frankreich ist er so berühmt, dass ihm das Jahr 2007 gewidmet wurde.
Vauban (01.05.1633 – 30.03.1707) trat mit 17 Jahren in die Armee ein und stieg durch seine Ingenieurkenntnisse bald in höchste Ränge auf.
Durch seine vielen gewonnenen Schlachten wurde Vauban von König Louis XIV.1678 zum Generalinspekteur ernannt. In seiner 57-jährigen Dienstzeit nahm er an insgesamt 53 Belagerungen und 140 Gefechten teil. Obwohl er als Feldherr sehr viele Menschen auf dem Gewissen hatte, war er dennoch ein sehr sozial veranlagter Charakter, der vor allem die Zivilbevölkerung bei Schlachten schonte.
Insbesondere in den südlichen Alpen sicherten seine durch ihn erbauten oder ausgebesserten Befestigungsanlagen die militärisch wichtigen Gebirgspässe gegen die Eroberungsgelüste des Herzogs von Savoyen ab.

Das Vallée de la Blanche stellte eine natürliche Grenze zum Gebiet des Herzogs dar. Der Ort Seyne-les-Alpeswar eine strategisch wichtige Grenzstadt und wurde daher 1686 von Vauban für eine Befestigung ausgewählt. 1690 wurden zuerst die Stadtmauern durch ihn verstärkt, um dann später in 1693 den Bau einer Zitadelle rund um den großen mittelalterlichen Turm zu beginnen.

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Nach 6 Jahren Bauzeit beendete Vauban das Bauwerk, mit dem er laut Überlieferung aber nicht so richtig zufrieden war. 1840 wurde noch eine zweite Schutzmauer errichtet. Die Festung wurde nie angegriffen und daher auch nie eingenommen. Sie bot Platz für 125 Mann Besatzung, die eine Belagerung von bis zu 8 Monaten aushalten konnten. 

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afür sorgte u.a. eine Zisterne mit einem Fassungsvermögen von 220.000 Litern bei einem durchschnittlichen Tagesverbrauch von 7 Litern pro Mann.

Nicht weit davon entfernt in St. Vincent les Forts liegt eine ebenfalls von Vauban umgebaute Zitadelle, die sich in Privatbesitz befindet und daher nicht von Innen besichtigt werden kann.

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Der Ort lohnt sich aber auch für einen fantastischen Panoramablick auf den Stausee von Serre Poncon.Luftsportliebhaber können von hier Drachen- und Gleitschirm fliegen. Das Besondere an dem See und ein beliebtes Fotomotiv ist der überflutete Kirchturm, der nur bei Niedrigwasser zu sehen ist.

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Im Ubaye-Tal ( Vallée de l’Ubaye) thront die im Fels liegende Festung Fort de Tournox wie ein Adler über den Pässen zu den Tälern von de l’Ubaye und de l’Ubayette. Die Ausmaße und Bauweise erinnern mehr an tibetanische Anlagen als an Vauban. Der Name Tournox stammt vom römischen Hauptmann Turnus.1692 wurde Vauban von König Louis XIV. hierher entsendet , als das Gebiet noch zum Besitz des Herzogs von Savoyen gehörte.

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Das Fort wurde aus Schiefer und rosa Kalksteinen erbaut und erstreckt sich über einen Höhenunterschied von 700 Metern.

Eine merkwürdige Besonderheit der Region findet sich im Ort Barcelonnette. Ein Museum, das der Emigration von Einheimischen nach Mexiko gewidmet ist. Die Bergregion mit 9 harten Wintermonaten bot den Einheimischen meist nur sehr beschwerliche Arbeitsmöglichkeiten, daher suchten sie nach neuen Beschäftigungsmöglichkeiten im Ausland.

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Zuerst verschlug es sie 1805 nach Louisiana in den USA, bevor sie 1820 weiter nach Mexiko zogen. Von den insgesamt 2.500 Auswanderern aus 100 Jahren leben heute noch ca. 50.000.- 60.000 Nachkommen in Mexiko. Die Zahlen klingen zuerst sehr unglaubwürdig, wenn man bedenkt, dass damals Barcelonnette nur 1.800 Einwohner beherbergte. Anders als heutzutage hatten die Familien durchschnittlich 10-20 Kinder, was die hohen Zahlen an Auswanderern wiederum erklärt. Die Region bietet aber auch typische Genüsse wie den Likör de Meleze, der aus Lärchenblüten hergestellt wird, sowie Konfekt und Likör aus der Heilpflanze Genepy, deren Tee besonders bei Erkältungskrankheiten helfen soll.

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Das von Vauban befestigte Städtchen Briancon wurde 1692 zuerst vom Herzog von Savoyen infolge der Invasion der Region Haute-Dauphin ausgebaut.

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Der Ort liegt strategisch sehr günstig an einem Schnittpunkt von 5 sternförmig angeordneten Tälern. Vauban erdachte und konstruierte 3 Ringmauern, die den Ort vollständig umschlossen und so Schutz boten. Außerdem wurden so die unterschiedlichen Reichweiten der Kanonen besser ausgenutzt. Durch die vertikal verlaufenden Schutzmauern entlang der Horizontalmauern wurden künstliche rechte Winkel geschaffen, um so den Verteidigern freies Schussfeld auch auf die toten Winkel zu bieten. Damit gab es für die Angreifer keinerlei Schutz- oder Versteckmöglichkeiten mehr.

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Für die Soldaten entwickelte Vauban ein spezielles Bajonett und besondere Munition, die größere Verwundungen bei den Gegnern hervorriefen. Rund um den Ort wurden insgesamt 25 Forts errichtet beginnend bei Les Têtes über Randouillet bis l’Infernet.

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Eine architektonische Besonderheit stellt die über den Fluss Durance nach Briancon führende Brücke (le pont d’Asfeld) dar. Wer auch kulinarisch die Genüsse zur Zeit Vaubans probieren will, es gibt 5 Gastronomen in Briancon und Umgebung, die spezielle Vauban-Menüs (z.B. mit Fleisch und Kräutern gefüllter Labmagen an Tomatenpuree, Basilikum und Gemüse) anbieten. Als Abwechslung zum Thema Festungen und Vauban bietet das nahe gelegene Thermalbad von Monêtier les Bains Entspannung pur. Es wird derzeit umgebaut und stark vergrößert.

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Einen Zwischenstopp wert ist das 1400 Meter hoch gelegene Château-Ville-Vielle im Queyras. 1260 wurde der Mittelteil des Forts erbaut. Ihr alter Zweck war der Schutz vor Vagabunden.

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Am 4.8.1692 wurde das Dorf angegriffen und vom Herzog von Savoyen eingenommen. Das Dorf wurde abgebrannt und der Herzog zog weiter. Das Fort jedoch blieb in der Hand der Einwohner.Dieser Angriff war dann auch im selben Jahr der Ausgangspunkt für den Auftrag an Vauban, die Schlossfestung aufzurüsten.


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Sie diente mehr als Vorposten zu Mont Dauphin und Briancon. Bis 1967 war Château-Ville-Vielle im Besitz des Militärs. Besichtigungen unter fachlicher Anleitung können von April bis November durchgeführt werden. Bei Radfahrern übrigens sehr beliebt ist der nahe gelegene mit 2.746 m  vierthöchste Alpenpass Col de’Agnel.


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Einen Prototyp der Festung in den Bergen stellt Mont-Dauphin dar, die Vauban ab 1693 auf einem  Hochplateau zwischen den Flüssen Durance und Guil erbaute. Sie wurde in 7 Jahren fertig gestellt und ist vollständig erhalten.

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Bis 1953 wurde Mont Dauphin noch militärisch genutzt. Im alten Arsenal von Mont-Dauphin finden oft Ausstellungen statt, so zuletzt eine spezielle Vauban-Ausstellung. Berühmt sind auch die ansässigen Kunsthandwerker, die speziell Sonnenuhren fertigen.

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Die Festung bot 2.500 Soldaten und 300 Zivilisten Platz. Eine Besonderheit stellte die von Vauban erdachte Verbindung von Militär und Zivilisten dar, die in der Festung gemeinsam lebten und arbeiteten. Dadurch sollte den Soldaten Abwechslung geboten und so Desertation vermieden werden.


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Die Festung war daher sehr groß angelegt, um einer ganzen Stadt Platz zu bieten.Um bei einer eventuellen Belagerung die Wasserversorgung zu sichern, baute Vauban eine unterirdische Zisterne, die direkt aus einer Bergquelle gespeist wurde. Wegen seiner hervorragenden Befestigungsanlagen wurde das Fort nie angegriffen. Der Ruf Vaubans als genialer Festungsbaumeister eilte ihm schon
weit voraus, weshalb die Feinde Frankreichs die Bauwerke Vaubans generell mieden.

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Weiterführende Literatur:

„Michelin-Der grüne Reiseführer“
Provence (mit Karten, Stadtplänen,HOTELS und Restaurants); ISBN 3-8342-8998-1; 19,90 Euro

„Iwanowski’s Provence mit Camargue“
(mit regionalen Reise- und persönlichen Autorentipps)
ISBN 3-933041-19-8; 20,95 Euro

„Dauphiné Ost“
aus der Reihe Rother Wanderführer (mit den schönsten Tal- und Höhenwanderungen); ISBN 3-7633-4320-2; 12,90 Euro

Weitere Informationen:

Atout France – Französische Zentrale für Tourismus
Postfach 100128
60001 Frankfurt am Main
E-Mail: info.de@rendezvousenfrance.com

Regionales Tourismusamt Provence-Alpes-Côte d‘Azur
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Fax: 0033- 4 91 56 47 01

Text und Fotos:
Matthias Dikert