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Die gemütliche Insel

Gozo und Malta verhalten sich ungefähr so wie Preußen und Bayern. Man pflegt Gegensätze. Gozo ist klein, besitzt im Gegensatz zu Malta jedoch Grundwasser, womit die Insel ein anderes Bild aufweist, als die große Schwester. Die Insel hat Tonschichten und ist nicht so verkarstet. Es dominieren Tafelberge, die auf die Eiszeit zurückgehen. Schon verwunderlich, wie grundverschieden die beiden Inseln sind, und doch nur einen Steinwurf auseinanderliegen (rund 6 Km). Die Fähre benötigt von Cirkewwa eine halbe Stunde, bevor sie im Hafen von Mgarr wieder anlegt. 

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Gall ist die phönizische Bezeichnung, Gaulos die römische, Gaudii hieß sie im Mittelalter und Gaudesch ist die arabische Version. Übersetzt bedeutet es soviel wie Freude. 

Gozo ist abhängig von Malta, denn es gibt auf der kleinen Schwester kaum Arbeitsplätze. Das Geld bringen die Malteser. Gozo gilt als Insel der Ruhe und der Gemütlichkeit – anders als Malta, wo die Bewohner oft hektisch sind. Sie suchen deswegen gerne am Wochenende die Ruhe der kleinen Insel oder verbringen gar ihren Urlaub dort. In den letzten Jahren sind viele alte Bauernhäuser zu Feriendomizilen umgebaut worden. Das sorgt zwar einerseits für die Erhaltung und teilweise sogar Restaurierung bzw. Wiederinbetriebnahme, ist allerdings auch nicht gerade billig. Dafür warten sie zumeist mit eigenem Pool und Garten auf. Auf der anderen Seite sind dieHOTELS ebenfalls zumeist behutsam geplant und umgesetzt. Bettenburgen im 60er/70er-Bausünden-Stil findet man auf Gozo nicht.

Und so wie die Malteser sich Eigenarten über all die Jahrhunderte Fremdherrschaft bewahrt haben, haben auch die Gozitaner ihre Eigenarten gegenüber den Maltesern behalten. Die Türken zerstörten die Festung von Gozo wie ein kleines Kind die Sandburg von anderen Kindern. Wütend über den Misserfolg auf Malta, wo sie eine schwere Niederlage einstecken mussten, schlugen sie auf die Schwachen ein. Der Orden hat die Insel sich weitgehend selbst überlassen. Und so lag Gozo ohne Schutz knapp vor einer der mächtigsten Festungsanlagen, die das Mittelmeer je gesehen hat. 

Auf Comino, einem unbewohnten Eiland zwischen Malta und Gozo, hatten es sich zeitweilig gar Piraten bequem gemacht, die sich einen Spaß daraus machten, zu nächtlicher Zeit über Gozo herzufallen. Irgendwann erbarmte sich der Orden und richtete die Festung von Victoria/Rabat wieder her. Die Bevölkerung zog sich darin des Nachts zurück, da Sklavenjäger regelmäßig der Insel einen Besuch abstatteten.

Tauchparadies Xlendi
Aber selbst die heute idyllische, touristische Hochburg (u.a. tauchen) der Xlendi-Bucht war in früheren Zeit als Piratenbucht verschrieen. Direkt unten an der Bucht sind heute Restaurationen zu finden. Z. B. Das Zafiro, ein schönes Restaurant, von welchem man einen guten Blick über die Bucht und die Felsenlandschaft hat. Es liegt links (mit Blick auf das Meer) an der Promenade. 

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Je weiter man nach rechts kommt, desto näher kommen die Felsen und der Ausblick richtet sich eher auf die linksseitige Bebauung und Küstenstraße, was nicht so toll ist. Jedenfalls kann man, wenn man das Glück hat, auf der Terrasse einen Tisch zu ergattern, die Taucher beobachten, die hier ins Wasser gehen oder ihm entsteigen. 

Monumental sieht die Kirche von Ta‘Pinu aus. Doch halt! Es ist ein neoromanischer Bau aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts. In Ghajnsielem gibt es gar eine Kirche mit zwei Türmen – in verschiedenen Bauweisen. 

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Die Bewohner konnten sich nicht entscheiden, also wurde einer neogotisch errichtet, der andere im Neo-Barock. Und wenn wir schon bei Kirchtürmen sind, muss unbedingt die Johannis der Täufer-Kirche in Xewkija mit seinem 76 m hohen Turm erwähnt werden. 

Der Megalith-Tempel
Die älteste Tempelanlage befindet sich ebenfalls auf Gozo. Dschgantija wurde ungefähr 3600 v. Chr. Erbaut und ist damit ein paar hundert Jahre älter als Stonehenge. Sie gilt ebenfalls als Megalith-Anlage, weist aber ansonsten keine Ähnlichkeiten auf. Im 19. Jahrhundert legten die Engländer die Anlage frei. Seit dem nagt der Zahn der Verwitterung an ihr. Das Baumaterial der Inseln ist nicht sonderlich hart und man kann an den eindrucksvollen Festungsanlagen des Ordens den Verwitterungsprozess dramatisch sehen. Überall wird geflickt und selbst diese Nachbesserungen gehen schnell in Verwitterung über.

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Ein Teil der ausgegrabenen Tempelanlagen wird seit einiger Zeit von „Segeln“ geschützt, dieser Tempel hatte zum Zeitpunkt unseres Aufenthaltes noch keines und ist der nächste auf der Liste. Übersetzt bedeutet diese Anlage – man kann es sich schon denken – der Gigantische. Er besteht aus einem „alten“ und einem „neuen“ Tempel und war mit einer Schutzmauer umgeben. Die komplette Anlage war einst sehr stabil ausgeführt, besonders am Wall wird jedoch deutlich, das durch die Erosion die Anlage rapide instabil wird. Auffällig ist auch, das im direkten Vergleich zu Hagar Qim und Mnajdra anders gebaut wurde. Dort gab es weder Mauern noch Löcher in den Pfostensteinen, die nahelegen, dass das Innere „abgeschlossen“ werden konnte. Nun, wahrscheinlich hat sich auch schon der „steinzeitliche“ Gozitaner von seinem maltesischen Pendant abheben wollen.

Das Blaue Fenster
Wer auf Gozo weilt, sollte sich auch unbedingt das Naturschauspiel Blaues Fenster ansehen, neben der Dwejra Bucht. Links steht der Generalsfelsen, rechts das Fenster. Der natürliche Bogen ist inzwischen Einsturz gefährdet und das Betreten nicht mehr gestattet. Auf dem Generalsfelsen wächst eine seltene schwammartige Pflanze. Die Ordensritter sprachen ihr Wundheilkräfte zu und bewachten den Zugang schwer.

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Wer sich dennoch unerlaubt hierher verlief, wurde mit dem Tode bestraft. Heute ist es ein beliebtes Ausflugsziel und auch hier fühlen sich Taucher pudelwohl. Allerdings stellt das scharfkantige Felsgestein, welches durch Ausspülungen bizarre Formen annimmt, eine echte Herausforderung dar. Das selbe gilt für neugierige Besucher, die einen Blick an der Felskante auf das Meer erhaschen wollen. Nicht wenige verzichten deshalb darauf, nachdem sie ein paar Meter versucht haben, fortzukommen. 

Und so verwundert es nicht, wenn Gozo eigentlich nur zwei ausgewiesene „richtige“ Strände hat. Ansonsten muss man zusehen, wie man in das Meer kommt. Da bietet sich z.B. die Hondoq Bucht an. 

Berühmt seit der Antike ist Gozos Honig. Er hat einen speziellen Geschmack und so findet er sich in Schriften berühmter Römer wieder. Auch heute gilt er noch als ganzer Stolz der Insel. Und unter den Römern hatte die Insel auch eine eigene Verwaltung, gehörte nicht zu Malta und durfte sogar eigene Münzen prägen. Aber dies sicherlich nicht wegen des Honigs …

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Weitere Informationen bei:

Fremdenverkehrsamt Malta
Schillerstrasse 30-40
D-60313 Frankfurt am Main

Tel.: +49. (0)69. 247 50 31 30

Text:
Otger Jeske

Fotos:
Matthias Dikert