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im Spiegel der Zeit

Ein kurzer geschichtlicher Abriss
Die Lage ist auch dafür verantwortlich, dass die Inselgruppe, zu der noch Gozo und Comino gehören, in früheren Jahrhunderten heiß umkämpft und begehrt war. Die Phönizier waren hier, die Karthager, die Römer. Als das Königreich Sizilien von den Normannen gegründet wurde, gehörten die Inseln dazu, später gehörte es zu Spanien und irgendwann richtete sich der Johanniter-Orden hier häuslich ein, nachdem Rhodos, die letzte Bastion gegen die Türken, gefallen war. Malta wurde noch wehrhafter als Rhodos ausgebaut und saß rund 250 Jahre wie ein Stachel im Fleisch der Osmanischen Eroberungsträume zu See. Die Galeerenflotte der Insel war berühmt und gefürchtet und zerschnitt das Mittelmeer in zwei Teile und behinderte die Ausdehnung zur See, so dass sie im Mittelmeer auf die östliche Hälfte beschränkt wurden. Mit dem Übergang in das Siechtum der Pforte verfiel auch Malta zusehends in eine Art Schlaf. Erst kamen die Franzosen unter Napoleon, danach die Engländer, die die Malteser gegen die Franzosen zu Hilfe riefen. Diese bauten die Insel zu einer neuen Festung auf und entließen sie erst 1964 in die Unabhängigkeit.

Sprachliche Eigenheiten
Das alles hat Spuren hinterlassen. Das Maltesisch, welches auf den Inseln gesprochen wird, ist eine künstliche Mischsprache. Man findet hier phönizisch-karthagische Einflüsse wie auch normannische, viel arabische und römisch-italienische. Die Amtssprache des Ordens war italienisch. In seinen Ursprüngen ist es semitisch und durch die westliche Anbindung die einzige Sprache dieser Art, die in lateinischen Buchstaben geschrieben wird. Man muss hier jedoch eine Menge Besonderheiten in der Aussprache berücksichtigen. Am einfachsten ist: x = sch. Das ist noch phönizisch. Der idyllische Fischerort Marsaxlokk wird somit Marsaschlokk gesprochen, wobei im phönizischen Marsa = Hafen ist. 

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Lahan ist arabisch und bedeutet Fleisch – im Maltesischen ebenso. Tal ist eine maltesische Präposition. Dann gibt es zum Beispiel ein h mit Querstrich. Ghawdex (hier h mit Querstrich denken; Gozo) wird Audesch ausgesprochen. G gefolgt von h mit Querstrich bleibt immer stumm. Und der Name der Insel Malta leitet sich wohl auch aus dem Phönizischen her: Malete = Schutz. Wichtig auch ein G mit einem Punkt drauf = dsch, weswegen eine der bekanntesten Tempelanlagen der Insel Dschgantija ausgesprochen wird. Und ew = au.
Verwirrt? Das war nur eine ganz kleine Einführung. Maltesisch ist eine schwere Sprache. Durch die lange Zeit der englischen Herrschaft ist Englisch jedoch die zweite Sprache der Insel – und das zu können reicht völlig aus.

Die Gaumenfreuden
In Marsaxlokk ist am Marktplatz mit Blick auf Fischerhafen das traditionelle Restaurant Ta‘Victor jüngeren Datums. Ein altes Wohnhaus ist umgebaut worden und bietet heutzutage exzellente maltesische Küche.

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Dazu gehören als Vorspeise typisch maltesisches Brot mit Olivenöl und Tomatenmark. Dazu gibt es eine gemischte Platte aus Oliven, Kapern, weißen Bohnen, Knoblauch und Petersilie. Oder man nimmt Brot und Cracker mit Bohnenpaste und Humus. Letzteres ist auf Malta sehr trocken, unterscheidet sich also von der arabischen Variante. Dazu wird noch frittierte Mettwurst gereicht. Als Hauptgericht ist Hase der absolute Liebling. Daneben hat aber auch Schwein, Schaf und Rind Platz auf dem Tisch, gerne auch gemixt. Und als Nachtisch bietet sich Ricotta mit Pistazie an Schokosauce bzw. Melasse oder in Teig gebackene Dattelpaste an. Sehr gewöhnungsbedürftig ist der abschließende Kaffee, der mit Nelken gewürzt wird. Kaffee mit Zimt oder Kardamom … kein Problem, Nelken an sich auch kein Problem aber die Mischung Kaffee plus Nelke stellt mich persönlich vor eine harte Bewährungsprobe. Zumindest habe ich ausgetrunken – was sollen die Malteser sonst denken?
In Valletta gibt es auch ein relativ neues und vor allem urig-kleines Restaurant. Das Il-Horza in der Christopher Street ist liebevoll ausgebaut in einem Mikro-Haus. 

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Oben Theke und ein paar Sitzgelegenheiten, Treppe runter ein kleiner Tisch, ein großer und im Nebenraum ein mittlerer. Der Laden ist voll. Auch hier dominiert maltesische Küche, präsentiert sich aber in einem völlig anderen Gewand als im kleinen Fischerdorf. Verschiedene maltesische Antipasti munden mit dem Brot vorzüglich. Der Wein ist gut und als Hauptgericht gibt es Nudeln. 
Allerdings ist auch internationale Küche auf Malta breit vertreten. Zum Beispiel das Restaurant Agliolio imHOTELRadisson Blu an der Goldenen Bucht. Es ist italienischer Stil. Von der Terrasse hat man einen wunderbaren Ausblick über die Bucht. 
In Birgu gibt es das Maritim-Museum direkt am Kai. Dahinter erstreckt sich eine kleine Promenade alter Lagergebäude, die heute größtenteils zu Restaurants ausgebaut worden sind. Wer sich die Mühe macht, in einen Hinterhof zu treten und den Fahrstuhl zu Don Berto zu nehmen, wird mit einem Balkon-Ausblick über den Hafen belohnt – oder zieht sich in die kühlen Kavernen zurück.

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Ein feines Restaurant, welches auch eher international ausgerichtet und als gehoben anzusehen ist.
Für Torten- und Kuchenliebhaber sollte ein Besuch im Busy Bee auf dem Programm stehen. Direkt an der Hafenstraße Ta‘Xbiex in Msidia gelegen, hält das Kaffee eine umfangreiche Auswahl bereit, die gleich vor Ort bei einem Kaffee genossen werden kann. Malteser schleppen hier ganze Kuchen weg.
In Valletta liegt mitten auf dem prestigeträchtigen Platz neben dem Großmeister-Palast das Cafe Cordiana. Das wissen auch die Tauben, die frech über den Platz durch die Sonnenschirme huschen und nach Leckerbissen Ausschau halten. Auch hier steht ein buntes Gemisch auf der Speisekarte, die viele Kleinigkeiten bereithält und irgendwie eine englische Ader besitzt. 
Und wenn wir schon beim Thema Präsentierteller sind … Das sind sie in Mdina ganz bestimmt nicht, wenn sie sich in das Festungscafé begeben. 

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Aber der Ausblick ist fantastisch und sie sitzen direkt auf der Mauer. Die Kunst ist hier, einen Platz zu finden. Auch dieses Café ist berühmt für seinen Kuchen und es gibt extra einen Tresen für den Mitnahme-Verkauf. 
Insel, Meer … dazu gehört Fisch. Natürlich gibt es Fisch, und Meeresfrüchte, natürlich fangfrisch. Mit dem Hasen kann er jedoch nicht konkurrieren. Das fällt auf, wohin man auch kommt und sich Speisekarten anschaut. 

Valletta
Die Stadt ist nach der großen Türkenbelagerung Maltas entstanden und nach dem Held des Krieges Großmeister La Valette benannt worden. Sie wurde im Stile der Renaissance errichtet. Die meisten der heute zu sehenden Fassaden stammen jedoch aus der Barockzeit. Und die typischen Erker an den Häusern gehen auf maurisches Erbe zurück. 
Die komplette Stadt ist in der auch heute noch rekordverdächtigen Zeit von nur zehn Jahren erbaut worden und streng quadratisch in den Straßenverläufen gegliedert. Das Gefälle innerhalb der Stadt ist groß, so dass sich der unbedarfte Tourist oftmals wie ein verkannter Bergsteiger fühlt. Die Sehenswürdigkeiten reihen sich hier wie Perlen an eine Schnur. Die Upper Barrakka Gärten gehörten zur italienischen „Zunge“ des Ordens. 

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Schon kurz nach dem Einzug der Engländer wurde er für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Aussichtsterrasse bietet einen unvergleichlichen Überblick über den großen Hafen und die drei Städte. Als nächster Punkt sollte unbedingt die St. Johns Co-Cathedral auf dem Programm stehen. Es war die Konvent- und Hauptkirche des Ordens. Jede „Zunge“ hatte hier eine eigene kleine Kapelle und fast jeder Großmeister liegt hier begraben. Die Ausstattung ist … kennen Sie typische bayrische oder österreichische Barock-Kirchen? Diese sind ärmlich und spartanisch eingerichtet gegen das was sie hier zu sehen bekommen. Haben Sie nun eine Vorstellung?

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Beim Eintritt in den Orden musste der adlige Kandidat einen Großteil seines Vermögens abliefern. Das war immer noch ein lukratives Geschäft für den zukünftigen Ordensritter, der nach seinem Tod wiederum ein Teil seines Vermögens dem Orden vererbte. In der Kathedrale befinden sich auch zwei Caravaggios, die besonders gesichert in einem extra Raum ausgestellt werden. 
Es gibt noch andere Gotteshäuser zu sehen. Jede „Zunge“ hatte nicht nur ein eigenes Stammhaus (Herberge) sondern auch eine dazugehörige Kirche. Diese Ensemble prägen das Bild der Stadt. Und neben diesen gab es noch andere Kongregationen, die hier ihre Stiftshäuser und Kirchen betrieben.
In der Nähe der Kathedrale befindet sich auch der Großmeister-Palast, welcher heute Präsidentenpalast und Sitz des Parlamentes ist.

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Ein paar der alten Räumlichkeiten können besichtigt werden und zeigen in üppiger Pracht die Heldentaten der Großmeister.
Gegenüber ist ein Bau der englischen Zeit: die Hauptwache. Dort hatten die Wachregimenter Quartier und noch heute sieht man am Eingang zum Großmeisterpalast eine kleine Reminiszenz an englische Wach-Vorbilder aus London.
Es geht von dort die Straße runter in Richtung Wasser. Auf halber Höhe gibt es ein kleines, unscheinbares Haus mit Andenken-Laden. Lassen Sie sich nicht täuschen. Es ist der Eingang zu einem alten Stadtpalast, dem Casa Rocca Piccola. 

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Der am Ende des 16. Jahrhunderts erbaute Palast ist noch immer im Besitz der Familie. Sie hat daraus quasi ein Museum erschaffen. Ein Museum, in dem sie selber lebt. Maximal acht Führungen gibt es am Tag. Wenn man Glück hat, führt einen der Baron selber und entschuldigt sich dafür, dass manchmal auch seine Familienangehörigen zu sehen sind. Es ist der einzig verbliebene Stadtpalast in Privatbesitz und die Familie hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Erbe zu erhalten. Der Krimskram, wie es Nicholas 9. Baron von Budach nennt, ist eine einzigartige Sammlung von Dingen des täglichen Lebens der Malteser aus der Zeit des Ordens und der Engländer. Dazu gehört eine umfangreiche Sammlung alter Briefe und Dokumente, der erste davon datiert aus dem Jahr 1703 und zeugt von der Geschichte der Bewohner und Maltas. Der damals erste Baron hatte die Aufgabe erhalten, mit einer kleinen Flotte nach Sizilien zu reisen, um dort Getreide einzukaufen und zukünftige Lieferungen sicherzustellen.
Danach geht es weiter runter. Die Straße auf der alten Festungsmauer führt zur heute so genannten Waterfront.

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Die großen Häuser, die sie rechts säumen, waren früher die Lazarette. Unten ankerten die Galeeren und die Verwundeten konnten so möglichst schnell in ärztliche Obhut überführt werden. Das galt natürlich nicht für die Galeerensklaven. Diese wurden auf das Schiff gebracht und verließen es erst wieder, wenn sie tod waren, was damals recht schnell ging und unprätentiös per Fische füttern passierte – gerne auch schon vor dem endgültigen Atem aushauchen. Die heutige Waterfront wurde früher als Reparatur-Pier benutzt, dient heute Kreuzfahrtschiffen als Anlaufpunkt und bildet ein Ausgeh- und Amüsierzentrum für einheimische und Touristen gleichermaßen mit Bars und Restaurants. 

Sehr zu empfehlen ist eine Bootsfahrt durch den Hafen von Valletta. Die traditionsreichen Hafenboote sind heutzutage zwar auch mit Außenborder unterwegs, kosten im Unterhalt aber rund 2.000 Euro pro Jahr. Bei einer Flotte von 20-30 Booten kann man sich ausrechnen, was reinkommen muss, weswegen Besucher Hafentrips in diesen Booten unternehmen können. Es ist ein völlig anderes Erlebnis, tief auf dem Wasser zu liegen und mit einem kleinen wackligen Kahn über die Wellen zu springen anstatt in großen, bequemen Ausflugsschiffen sich eher passiv auf dem Wasser zu bewegen. 

Die Festungsanlagen münden landeinwärts in ein Grabenbollwerk, welches wiederum in eine Festungsanlage übergeht – Vallettas Vorstadt Floriana. Sie wurde von einem Italiener namens Florini geplant und gebaut. Hier ist dasHOTELGrand Excelsior angesiedelt, welches sich am steilen Abhang fast selbst als Bollwerk etabliert und im Marsamxett-Hafen einen eigenen Anleger besitzt.

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Gibt es Prominenz, die Malta einen Besuch abstattet – egal ob Sport, Politik oder sonstwas – logiert sie mit Sicherheit dort – wenn sie nicht mit einer Luxusjacht einläuft, die als eigene Herberge dient.

Birgu – Vittoriosa
Der ursprüngliche Name der Stadt ist Birgu. Im Gegensatz zu Valletta ist Birgu eher bescheiden gebaut und die Prachtentfaltung des Ordens noch nicht erkennbar. Im Gegensatz zur heutigen Hauptstadt sind hier noch deutliche Fatimiden-Einflüsse in der Architektur vorhanden. Als die Normannen die Insel in Besitz nahmen, schufen sie eine Mischarchitektur. Noch deutlicher wird dieser Stil in Mdina.
Der spätere Inquisitionspalast ist ein typisch normannisches Bauwerk. Die Inquisition wurde 1542 eingeführt und erst unter Napoleon in der kurzen Zeit der französischen Herrschaft abgeschafft. Jedenfalls ist er im Kern noch normannisch, denn er wurde später umgebaut. Gleich gegenüber steht das Dominikanerkloster, welche seit Beginn der Inquisition diese Institution trugen. Es ist der einzige in Europa noch erhaltene Inquisitionspalast.
Die Stufen bei der Herberge Kastiliens & Portugals sind noch in typischer Weise erhalten. Sie sind flach und lang, damit Ritter mit ihren Pferden dort bequem „reiten“ konnten. Immerhin wog so eine Rüstung um die 50 Kg, so dass diese Planung puren Pragmatismus widerspiegelt. 

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Die Kirche St. Laurentius, direkt am Hafen, wurde als Konventskirche gewählt. Vom Orden wurde sie später in eine Barock-Kirche umgebaut. 
Nach dem großen Sieg über die türkischen Belagerer bekam die Stadt den Beinamen Vittoriosa. Citta del Vittorioso – Die siegreiche Stadt. Also wenn heute von Vittoriosa die Rede ist, handelt es sich eigentlich um den Titel der Stadt und nicht um den Namen. 
Im Hafenbecken vor Birgu (Galeerenbucht – hier lagen am Ende die Trockendocks des Ordens) liegt auch die Kooperative der traditionsreichen Hafenboote. Noch vor rund vier Generationen gab es rund 3.000 Boote. Heute sind noch 100 übrig geblieben. Diese werden von „Genossenschaften“ in kleinen Verbänden betrieben. Sie versuchen, die Tradition zurückzuholen bzw. wenigstens am Leben zu erhalten, was schwer ist.

Dingli
Dingli Village ist ein kleiner Bauernort. Die Polizei hat nur Vormittags offen, die Bank dreimal die Woche nachmittags. Es gibt einen Arzt, einen kleinen Einkaufsladen und 10 bis 12 Schüler befinden sich in einer Klasse. 

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Recht beschaulich und übersichtlich also. Doch ein paar Meter hinter dem Ort ist die Küste und dort bilden die Dingli-Klippen einen herrlichen Aussichtspunkt, der beliebt ist. 

Die kleine, Maria Magdalena geweihte Kapelle, stellt mit 250 Metern über dem Meeresspiegel den höchsten Punkt Maltas dar.

Mistra-Tal
Hier befinden sich viele archäologische Fundstellen vor allem aus phönizischer und karthagischer Zeit. 
In der gleichnamigen Bucht, auch als Heiliger-Paulus-Bucht bekannt, strandete der Apostel Paulus auf seinem Weg nach Rom. Er hatte Glück. Die Bevölkerung erschlug ihn nicht, hörte vielmehr aufmerksam zu und so nahm sich Paulus mehr Zeit als notwendig und hinterließ eine funktionierende christliche Gemeinde. Heute ist er der Nationalheilige.

Roter Turm
Der Rote Turm ist einer der letzten seiner Art. Ursprünglich errichtete der Orden 14 Türme zum Schutz der seichten Küsten im Norden und auf Gozo. Sie bewachten gefährdete Punkte, wo es gute Landemöglichkeiten für Schiffe gab. Nicht der eventuelle Osmanische Gegner sollte hier gehindert werden sondern die primäre Aufgabe war der Schutz der Küsten vor moslemischen Piratenüberfällen, die es vor allem im Norden und auf Gozo immer wieder auf Sklaven abgesehen hatten. Insgesamt wurden von moslemischen Piraten rund eine Million Christen nicht nur im Mittelmeerraum verschleppt, und Nordafrika lebte während der Ordenszeit hauptsächlich von der Piraterie. Malta lag in unmittelbarer Nähe dieses Zentrums. Zwar war der Orden in der befestigten Hauptstadt gut geschützt, doch durch die immerwährenden Überfälle war die Versorgung in Gefahr und die Bevölkerung wurde ebenfalls für das Funktionieren des Ordensstaates benötigt. Es waren also durchaus langfristig existenzielle Fragen, die mit der Wachturm-Kette gelöst werden sollte. 
Die Besatzung bestand aus 40 bis 50 Mann und der Abstand war in Leuchtfeuerweite gewählt, damit Signale schnell weitergeleitet werden konnten. Die Engländer nutzten die Türme teilweise noch im ersten und zweiten Weltkrieg. Der Rote Turm diente danach dem maltesischen Militär als Radarstation. Heutzutage gehört der Turm zur nationalen Denkmalpflege, wurde restauriert und ist der Öffentlichkeit zugänglich.

Die Salinen von Qawra
In der kleinen Bucht direkt neben der Mistra-Bucht, die praktischerweise Salinen-Bucht heißt, betrieb der Orden die Salzgewinnung. Hier soll ein Freiland-Museum zum Thema entstehen. Salz war in alten Zeiten ein wichtiges Handelsgut und bedeutete erhebliche Einnahmen. Im Mittelmeerraum wurde es durch Meerwasser-Verdunstung gewonnen. An der Gewinnung hat sich im Grunde genommen nichts geändert. Anschaulich im Quervergleich zu den Salinen auf Gozo zu sehen, die aus römischer Zeit stammen. 

Heiliger Paulus-Katakomben
Der Name der größten Katakomben auf Malta stammt aus der Fehleinschätzung, sie hätten etwas mit der Grotte des heiligen Paulus zu tun, die als Hort der Christianisierung der Insel gilt. Sie datieren auf ungefähr das erste Jahrhundert nach Christus und wurden von den Begüterten verwendet. Die Armen wurden verbrannt. Es gibt ungefähr 25 Katakomben, die Juden, Christen und auch Heiden gleichermaßen als Begräbnisstätte dienten. Als Besonderheit gibt es hier einen „Tisch“ für die Agape, den es sonst nur noch einmal in einer römischen Katakombe gibt. 

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Ursprünglich war es nur eine kleine Anlage. Doch sukzessive wurde sie erweitert und verschmolz mit benachbarten zu einer 2.000 qm großen Katakombe. Sie geriet nie wirklich in Vergessenheit, denn im 13.Jahrhundert wurde die große Halle auch als Altar benutzt. Damals begann die Re-Christianisierung. Später wurden Bereiche auch als Tiergehege genutzt. Ende des 19. Jahrhunderts begann jedoch erst eine umfangreiche Bestandsaufnahme und Dokumentation des Gangsystems. 
Interessant ist noch zu erwähnen, dass auf Grund der frühen, zufälligen Christianisierung der Insel durch den Apostel Paulus in Zeiten der römischen Christenverfolgung viele Malteser im Zirkus geendet sind. 
Allerdings gab es schon zu Zeiten der Erbauer der Tempelanlagen ein erstes Hypogäum. 

Mdina
Die alte Festungsstadt Mdina ist auf römischen Resten erbaut. Prinzipiell ist die Stadt dreimal gebaut worden: Römer, Araber, Spanier (nachdem die sich das Königreich Sizilien einverleibt hatten). Doch erste Besiedlungsspuren sind schon wesentlich früher nachweisbar. Die strategische Lage ist seit jeher erkannt worden. 

Die Römer zogen die Stadt zusammen mit der Nachbarstadt Rabbat in ein Befestigungssystem ein, die Araber lösten es wieder auf und konzentrierten sich wieder auf Mdina, wie die Stadt nun hieß. Die Normannen verstärkten die Befestigung und sie hielt einem türkischen Invasionsversuch stand. Die eindrucksvolle Festungsanlage, welche heute zu sehen ist, stammt jedoch aus Barockzeit und damit vom Orden. Die Stadt war erster Regierungssitz vor Birgu. Nach dem Bau von Valletta starb die Stadt langsam vor sich hin, da auch die Malteser sich nun in Richtung Valletta orientierten.

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Hier steht auch die Kathedrale vom Heiligen Peter und Paulus. Eigentlich eine normannische Kirche, wurde sie während der Ordensherrschaft von einem Erdbeben zerstört und im Barock-Stil wieder aufgebaut. Sie gilt als Vorbild aller später auf der Insel gebauten Kirchen.
Die Altstadt ist klein aber fein und detailverliebte Architektur-Liebhaber kommen voll auf ihre Kosten. Allerdings kann man auf dem Mauerring nicht herumspazieren, er ist nur an wenigen Stellen zugänglich und bietet eine herrliche Weitsicht über die Insel.Malta allgemein
Malta liegt unterhalb Siziliens auf dem Weg nach Afrika. Temperaturen von 10-18 Grad im Winter und 22 – 33 Grad im Sommer vermutet man hier nicht. Es regnet sogar im Winter. Das ist wichtig, um die Speicher aufzufüllen. Bleibt der Regen aus, muss mehr Meerwasser durch die Entsalzungsanlagen laufen – teure Wasseraufbereitung. Die Regenzeit geht von Oktober bis April, danach ist Trockenzeit. Demzufolge ist die Blüte der Pflanzen während der Regenzeit und gibt vor allem Gozo ein gänzlich anderes Bild.
Malta ist universell: Sport gefällig? Tauchen ist hier ein ganz großes Ding. Malta gilt als eines der sichersten Reviere weltweit und durch die gerade auch jüngste bewegte Geschichte, gibt es außer Natur jede Menge Wracks zu sehen. Wer nicht in die Tiefe geht, bleibt auf dem Wasser. Oder geht in die Höhe. Aufgrund des karstigen Felsengesichts der Insel ist Klettern hier ebenfalls eine sehr beliebte Beschäftigung und es gibt Strecken für jede Schwierigkeitsstufe. Wem dies zu viel Nervenkitzel ist, kann wandern. Vor allem Gozo hat diesbezüglich eine Menge Touren zu bieten.
Badeurlaub, Bildungsurlaub? Alles möglich. Sehr beliebt ist englisch lernen auf Malta. Eine ganze Fortbildungsindustrie ist darum entstanden. Nicht zuletzt fahren die Malteser wie auch die Engländer auf der falschen Straßenseite. Englisch ist zweite Amtssprache, die einheimischen Tageszeitungen erscheinen in englisch und so spricht fast jeder Malteser fließend englisch. Und das Wetter ist ohnehin viel besser als auf der großen Insel im Norden Europas.
Malta gilt als fünft-dichtbesiedeltstes Land der Welt und passt drei- bis viermal in Berlin. Es kann sich also nur zu rund 20 Prozent selbst versorgen. Zu Zeiten des Ordens ist aus Gewinnstreben mehr oder weniger eine Baumwoll-Monokultur errichtet worden. Das benötigte Getreide für die Versorgung wurde aus dem rund 90 km entfernt liegenden Sizilien beschafft. Der Orden schaffte für seine Ritter Gärten als Refugien, private Gärten waren nicht erlaubt wegen der Wasserarmut.
Heute ist die Landwirtschaft kleinteilig und reine Handarbeit. Die sich findenden Orangenbäume sind vom Typ Bitterorange. Sie eignen sich gut für Marmelade.
Der Mindestarbeitslohn liegt auf der Insel bei 152 Euro/Woche. Die Mittelschicht bröckelt derzeit langsam weg und die Altersarmut steigt. Sie liegt derzeit bei bei rund 20 Prozent. Ein Busfahrer bei den Öffentlichen verdient rund 800 Euro pro Monat.
Das größte Problem der Insel ist jedoch die Energiefrage. Derzeit ist sie zu 98 Prozent vom Öl abhängig. 60% des benötigten Wassers stammen aus der Entsalzung, wofür rund 20 Prozent der gesamten Energiemenge aufgewendet werden müssen. Windenergie als Lösung ist abgelehnt worden. Man befürchtet negative Auswirkungen auf den Tourismus, von dem die Insel abhängig ist. Stattdessen sollen hier Wellenkraftwerke die Frage der Energie in Zukunft lösen.
Mit dem EU-Beitritt ist ein weiteres Problem der Insel verschwunden: die Verschmutzung des sie umgebenden Gewässers. Mit dem Bau von Kläranlagen nach dem Beitritt hat Malta einen riesengroßen Schritt in die eigene Zukunft getan. Das Meer um die Insel gilt mittlerweile als das sauberste im Mittelmeer und so ist hier eine neue lukrative Industrie entstanden: Fischzucht.
Aber Veränderungen benötigen Zeit. Da die Bewohner sich nie um etwas kümmern mussten, da sie immer fremdregiert waren und die Zeit des Sozialismus nach der Unabhängigkeit mit enger Anbindung an China auch nicht den Eigenwillen gestärkt hat, mahlen Mühlen hier langsam und vielen ist vieles einfach völlig egal. Und so war auch der EU-Beitritt eher eine Sache der Wirtschaft und der jüngeren.
Seit einiger Zeit ist es das erklärte Ziel, die Insel grüner werden zu lassen, denn Malta sah nicht immer so kahl und öde aus. Einheimische bzw. südländische Baumarten benötigen wenig Wasser und sind zäh. Und so wurden bisher rund 100.000 neue Bäume gepflanzt. Das Programm ist langfristig ausgelegt und mit diesen neuen Pflanzungen nicht am Ende.
Auf Malta gibt es auch einen heimlichen König: Fußball. Die Insel ist schon als fußballverrückt zu klassifizieren. Während die einheimische Liga im internationalen Vergleich eher Dorfbolzplatzniveau erreicht, teilen sich die Vorlieben der Malteser zwischen Italienern und Engländern. Letztere Fraktion feiert Siege ihrer Lieblinge mit hupenden Autokorsos, während die italienische Fraktion eher Karneval feiert.
Aus der Tradition seit der Antike ist der Böse-Blick-Aberglauben auf der Insel fest verankert. Die Sache ist jedoch nicht so zu sehen, dass der Malteser daran glaubt, dass man jemanden mit dem Bösen Blick verhexen kann sondern geht eher dahin, dass man das Schicksal nicht auf jemanden Aufmerksam machen soll. Es sagt also niemand: „Was für ein schönes, süßes Kind.“ oder „Mir geht es gut.“ Man wird alles immer nach unten spielen, aus Angst davor, dass durch übermäßiges „Protzen“ und „Loben“ das Unglück im Leben Einzug erhält – im eigenen oder eines anderen.
Die von den Touristen geliebten Oldtimer-Busse sind vor einiger Zeit von neuen ersetzt worden. Das Problem ist, die Insel droht im Verkehrskollaps zu ersticken. Also war das erklärte Ziel, den öffentlichen Nahverkehr auch für die maltesische Bevölkerung wieder attraktiver zu gestalten. Moderne Busse mit Klimaanlage wurden angeschafft, die nur einen Nachteil haben: Die Malteser interessieren sich nicht die Bohne dafür. Sie sind autoverrückt und stehen lieber im Stau und so bleibt ein gut ausgebautes ÖPNV-Netz für die Touristen. Das Tagesticket kostet rund 2,60 Euro und ist eine gute Wahl, will der Tourist seine Nerven schonen. Übrigens ist ein großer Dreh- und Angelpunkt der große Busbahnhof in Floriana kurz vor dem Haupteingang nach Valletta, der über eine mächtige Steinbrücke die Festungsmauern der beiden Städte verbindet.

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Text:
Otger Jeske

Fotos: 
Matthias Dikert