Achterhoek und Twente

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Die Hamalandroute

Die Hamalandroute

Bereits seit über 40 Jahren unterhalten der niederländische Automobilclub ANWB und der Allgemeine Deutsche Automobilclub ADAC Westfalen gemeinsam die grenzüberschreitende, deutsch-niederländische Touristikroute durch das ehemalige Hamaland. 

Mit einer Förderung im Rahmen der EU Gemeinschaftsinitiative INTERREG-IIIA und Kooperationspartnern auf beiden Seiten der deutsch-niederländischen Grenze – wie den Tourismusorganisationen der Regios Achterhoek und Twente, der Münsterland e.V., dem Kreis Borken, dem Landesbetrieb Straßenbau NRW und der EUREGIO e.V. – ist die Hamalandroute ein Paradebeispiel nachhaltiger grenzüberschreitender Zusammenarbeit.

Diese Hamalandroute hat sich im Laufe der Zeit zu einer Themenroute entwickelt, die anderen namhaften Routen, z.B. der Deutschen Ferienstraße Alpen-Ostsee, der Deutschen Weinstraße oder der Deutschen Märchenstraße, in Anspruch und Attraktivität in keiner Weise nachsteht.

Die 253 km lange Autoroute greift die landschaftliche Schönheit dieser Region auf. Die auffälligen, sechseckigen Schilder leiten den mobilen Besucher sicher über weniger stark befahrene Haupt- und Nebenstraßen. 

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Große Schautafeln an ausgewählten Standorten entlang der Route informieren über Sehenswürdigkeiten vor Ort. Die Strecke kann beliebig verkürzt oder individuell in viele, kleine Etappen unterteilt werden. Vielfältige touristische Angebote rechts und links der Hamalandroute ermöglichen einen Abstecher in das grüne Grenzgebiet. Ob mit dem Auto 
oder zwischendurch auf dem Rad, zu Fuß oder gar auf Inline-Skatern – in dieser herrlichen Parklandschaft und den vielen kleinen Städtchen und Dörfer gibt es viel zu entdecken. Für Jung und Alt, alleine, als Familie oder mit Freunden wird diese Aktionsroute so zu einem heimatkundlichen Highlight, die verbindet: Die Hamalandroute schlägt eine Brücke von 
der Vergangenheit in die Gegenwart. Sie führt Urlauber des 21. Jahrhunderts auf den Spuren eines germanischen Volkes aus dem 3. Jahrhundert durch die Hamalandregion. Diesem germanischen Volk, den Chamaven, hat der Landstrich übrigens seinen heutigen Namen zu verdanken. Zudem verbindet die Hamalandroute die östlichen Niederlande mit dem westlichen Deutschland. 
Sie führt durch die Regionen Achterhoek und Twente sowie das Münsterland. Unterwegs lassen sich Unterschiede und Gemeinsamkeiten in Landschaft und Kultur, Natur und Architektur bei den jeweiligen Nachbarn entdecken. Die Hamalandroute bringt Touristen und Einheimische einander näher. Überall an der Strecke laden malerische Schlösser und historische 
Innenstädte, Heimatmuseen und Mühlen, Aussichtstürme und verträumte Dörfer dazu ein, Land und Leute kennen zu lernen. Attraktive Radtouren und Wanderwege bitten zu erholsamen Streifzügen durch die Natur. Somit ist die Hamalandroute weit mehr als eine klassische Autotour. Sie ist eine originelle Erlebnisroute mit Tipps für Stadtbummel, Museumsbesuche und Aktiverlebnisse.
Die Hamalandroute führt mitten durch Haaksbergen und geht dann weiter durch Naturschutzgebiete. Die idyllische Natur rundherum bildet die Kulisse für eine Vielfalt an Rad,-Reit- und Wanderwegen. Frische Luft schnappen, die Ruhe genießen, Streifzüge durch Heide, Moor und Wald, all das macht Haaksbergen aus. Das Zentrum kombiniert diese ländliche Atmosphäre mit städtischer Vielfalt. Schöne Geschäfte, gemütliche Kneipen und exklusive Restaurants prägen das Ortsbild. Wir kehren ein in die „Watermölle“ und probieren typische holländische Kost. 

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Als Vorspeise wählen wir leckeren westfälischen Schinken, dicke Bohnen mit Speck und knuspriges selbst gebackenes Brot. Gouda-Käsestückchen zum Selbstbedienen gehören als Appetithappen dazu. Als Hauptgericht lassen wir uns das holländische Nationalgericht „Stamppot“ munden, das aus einem zusammen gestampften Gemüse (Grünkohl und Kartoffeln) und einer deftigen Räucherwurst besteht. Kulinarisch berühmt sind in den Niederlanden die verschiedenen Pfannkuchen-Zubereitungen und natürlich Matjeshering, sowie Pommes frites mit Ketchup oder Majo. Zum Nachtisch bestellen wir uns einen „Mojito-Cocktail“. In ein Glas kommt Rum, zerstoßenes Eis, Sodawasser, frische Minzblätter, brauner Rohrzucker und eine halbe Limette, dazu Vanille-Parfait, das man sich so richtig auf der Zunge zergehen lässt.
Nach dem Essen wandern wir auf der Naturwanderroute durch das Landgut und den Wasserpark Het Lankheet und durch ausgedehnte Wälder und weite Heidefelder. 

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Im Wasserpark sieht man, wie umweltfreundlich und ökologisch vertretbare Arten genutzt werden, um in dieser historischen Landschaft zum Beispiel mit Riedfeldern das Oberflächenwasser zu klären und aus alten Gewächsen Energie zu erzeugen ist.
Nicht weit von Haaksbergen entfernt, bietet sich an bei Lochem eine Berkelschifffahrt auf einem nachgebauten Boot, dem Berkelzompen, zu machen. Mit diesen typischen flachen Holzbooten, die von einem Elektromotor angetrieben werden, zeigen die Kapitäne ihren Gästen die fantastische Natur im Berkeltal. In Abhängigkeit von der Größe der einzelnen Schiffe ergibt sich eine maximale Anzahl von 15 bis 20 Personen. Unser Kurz-Törn beginnt bei der historischen Wassermühle Mallum, geht durch die Schleuse und führt unter verschiedenen Brücken durch das Berkeltal bis zum Ausgangspunkt zurück. 

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Beim Dahingleiten über die alte Berkel genießt man die Ruhe auf dem Wasser und kann manchmal sogar einen bunten Eisvogel beobachten. Von April bis Oktober stechen die Berkelzompen täglich in See, und die Leute aus nah und fern kommen gern, um solche Bootsausflüge zu machen. Für Kinder bis zu 8 Jahren organisieren die Bootsleute auch eine spannende Piratenfahrt und an schönen Sommerabenden finden exklusive „Moonlight-Törns“ statt. Im Frühjahr, Sommer und Herbst werden außerdem Naturthemenfahrten mit Begleitung durch einen erfahrenen Naturführer angeboten.

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Zu Mittag essen wir im Restaurant Bernagie in Eibergen, das regionale, saisonale, belgische und französische Küche bietet.

Keine 20 Minuten entfernt, besuchen wir in Groenlo das Weingut „Schepershof“. Die Hobbywinzerin Silvia Sonderen heißt uns herzlich in ihrem Weingut willkommen und erzählt uns interessante Dinge über den Weinanbau in Holland. 10 Weinbauern haben sich in dieser Region zu einer Kooperation zusammengeschlossen und erledigen alle Arbeiten gemeinsam. Holland hat keine Weintradition. Das Wissen, wie man Wein macht, haben die Weinbauern von dem deutschen Spezialisten Markus Renieri eingekauft, der ein Weingut mit 25 Ha an der Mosel hat. Er hilft auch während der Erntezeit und gibt Tipps und Empfehlungen. Die Traubensorten kommen aus Deutschland, und die Deutschen sind ständig dabei alte Rebsorten miteinander zu kreuzen, damit dann neue zu kreieren, die sich besser gegen die Kälte im Norden durchsetzen können.

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Die hiesigen Rebsorten, die hier auf Sandboden gedeihen, können auch mehr Feuchtigkeit vertragen und werden trotz weniger Sonnenstunden zu einer guten Traube. Die Weiterverarbeitung findet nach der Ernte im Weinkeller in Winterswijk statt. Zwischen 30 und 60 000 Liter Wein produzieren die 10 Weinbauern jährlich. Ihre holländischen Weine heißen „Goodoan“, das bedeutet es geht mir gut, „Werkommen“, was soviel heißt wie Wiederkommen und „Utblasen“ hat die Bedeutung- Ausruhen. Kaufen kann man die köstlichen Rebensäfte bei den Weinhändlern selber, in regionalen Getränkeläden, in Hofläden und in den hiesigen Restaurants. Bei der Verkostung waren wir überrascht von dem guten Geschmack dieser holländischen Sorten.
Die Weinfelder und die schöne Landschaft um Winterswijk herum, kann man am besten mit einem Elektroroller erkunden. Dazu braucht man keinen Führerschein, nur eine kurze Einweisung, und schon geht’s ganz leise los mit 25 KMH zu einem Streifzug durch die Natur.
Unser nächster Halt auf der Hamalandroute ist Stadtlohn. Wir übernachten in dem wunderschönen Residenz Hotel Loen, jedoch machen wir mit Bernhard Oepping vorher einen Abendspaziergang durch die Stadt und beginnen traditionell am Marktbrunnen, wo sonst auch die historische Reise des Nachtwächters anfängt. Mit Hellebarde, Laterne, Umhang, Mütze und Brandhorn erfahren wir Interessantes über die Stadt, den Marktbrunnen und die Pfarrkirche St.Otger. An dem Brunnen sind die bekanntesten Stadtlohner Geschichtsfiguren zu sehen. Der heilige Ludger als Gründer der Pfarrei, zusammen mit dem heiligen Otger, dem Pfarrpatron dieser Gemeinde, dann der Ritter zu Lohn, die drei nach links schreitenden Vögel und drei Paulusköpfe-Paulus, der Patron des Münsterlandes.

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Zu 90 Prozent wurde Stadtlohn während des 2.Weltkrieges zerstört, weil die Nationalsozialisten bis zum Schluß an den Endsieg geglaubt und noch einen Westfalenwall gebaut haben. Dadurch haben die Engländer die Stadt zur Festung „Veronica“ erklärt und sie in zwei Bombenangriffen zerstört. Die Kirche hat den Bombenregen zum großen Teil auf der einen Seite abgehalten und 3 bis 4 Häuser sind fast unbeschädigt geblieben. Die Kirche wurde auch verschönert und konnte im Mai 1951, mit neuer Orgel wieder eingeweiht werden. In der Schatzkammer, der Krypta der Kirche, hat man nach 20 Jahren verschwundene Kostbarkeiten entdeckt und restauriert. Dabei handelt es sich unter anderem um ein Choral-und Messbuch mit 470 Seiten in lateinischer Sprache auf Pergament handgeschrieben von Chorbrüdern von 15 Hundert. Zur Gemeinde gehört auch die Wallfahrtskapelle auf dem Hilgenberg, die auch grundlegend restauriert werden musste. Dieses kleine Gotteshaus stammt aus dem 15.Jahrhundert und ist etwa 1 km von der St.Otger Kirche entfernt. 1886 ereignete sich hier ein mysteriöser Diebstahl. Aus der Kirche wurde die wundertätige Marienfigur gestohlen – der Fall ist bis heute ungeklärt. Sogar noch 300 Jahre älter sind die Überreste der einstigen Stammburg der Herren von Lohn, die im heutigen Burggarten zu sehen sind.

Unbedingt noch anschauen sollte man sich die historische 250 Jahre alte Töpferei Erning. Bernhard Erning zeigt das Töpferhandwerk in allen Facetten. Besonders schwärmt er von seinen Brandofen, der in einem Spezialmaterial ausgemauert wurde. Der Stein ist ein Abfallprodukt der Weltraumfahrt. Und dieser Stein hat den Vorteil, das er die Energie, die der Brenner abgibt, aufnimmt und sofort wieder in den Ofenraum abgibt. Daher kann der Ton wesentlich schneller gebrannt werden. Früher waren die Öfen aus Schamott, und man musste 4 bis 5 Tage brennen, um das fertige Produkt zu erhalten. Heute dauert das Procedere 1 ½ Tage. Die Ware, die in den Ofen hineinkommt, wird auch noch speziell glasiert. Das ist das sogenannte salzglasierte Steinzeug. 

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Wenn der Ofen eine Temperatur von 1250 Grad hat, wird Natriumchlorid, also Kochsalz dazugegeben, und das Natrium geht mit dem Quarz im Ton eine Verbindung ein, die dann den glasartigen Überzug schafft. Zum Schluß werden die Waren von jungen Arbeiterinnen freihändig und ohne Schablone verziert. 50 Prozent der Produkte sind die sogenannten Einmachtöpfe für Sauerkraut, Bohnen, Gurken und Paprika, wie man sie von früher her kennt. Und die anderen 50 Prozent sind die bekannten Brottöpfe, Aufschnittdosen, Lampen, Vasen, Geschirre oder Wünsche, die die Kunden haben.
Wer waren die Chamaven? Wie lebte dieses Volk und wie erging es seinen Nachfolgern? Den Chamaven verdankt allerdings die Hamalandroute ihren Namen. Das Hamaland-Kreismuseum Borken in Vreden lädt zu einer spannenden Spurensuche ein. Für Fahrer der Route ist dieser Streifzug durch die Historie ein Muß. Frau Doktor Annette Menke ist die Leiterin des Museums und gibt den Besuchern gern Auskunft. Rund 10 000 Exponate berichten über diese grenzüberschreitende Region. Eine alte und historische Landschaft, die heute in Westmünsterland und Ostniederlande unterteilt ist.
Im Haupthaus findet man Dinge zur Geschichte der Region, zur politischen Geschichte, zur naturräumlichen Umgebung, natürlich zu Handwerk und früher Industrie. Die wichtigsten Dinge stammen aus kirchlichem Besitz. Besonders zu erwähnen ist dabei die „Sixtus Kasel“, ein Bekleidungsstück, das als Reliquie diente und aus einem Grundstoff genäht wurde, der bereits im 7.Jahrhundert in Persien entstand.

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Neben dem volkskundlich geprägten Haupthaus gibt es nahe des Museums, eine im Stadtpark gelegene Hofanlage, deren alte Gebäude aus dem Kreisgebiet dort wieder aufgebaut wurden. Es ist eine typisch- zusammengestellte bäuerliche Ansiedlung mit Scheune, Backhaus, Kötterhaus Flachsofen, Mäusescheune, die sich alle um das Hauptgebäude, das Haus „Früchting“ herum trapieren. Während der Sommerzeit werden Kochveranstaltungen für groß und klein angeboten. Die Besucher kochen gern ein mittelalterliches Mahl über dem Herdfeuer, und die Kinder sind eifrig bei der Sache und stellen sich geschickt an bei der Zubereitung eines Eintopfes. 
Es finden auch Sonderausstellungen, im Museum statt, wie die zum Thema Bier und Hopfen, die im September 2012 zu Ende ging. Bier wurde früher auf fast allen Höfen gebraut, es stand meist in engem Zusammenhang mit dem Brotbacken. Der Hopfen wurde schon bei Hildegard von Bingen nicht nur als Bierzusatz, sondern auch als Heilmittel beschrieben. Heute wird er im Wellnessbereich eingesetzt, es gibt Tropfen und Bäder mit beruhigender Wirkung, und nun hat er sogar im Lebensmittelbereich Einzug gehalten. Es gibt Hopfennudeln und ebenso Hopfenschokolade, die gern konsumiert werden.
Es gibt aber auch Erlebnisradtouren durch die Münsterländer Parklandschaft beispielsweise, die man mit Magdalena Heinze von Velen aus in einer Rundtour antreten kann. Das Wasserschloß Velen ist eine romantische Schloßanlage, deren Fundamente aus dem 14. Jahrhundert stammen. 
Das Spiegelbild der Architekturgeschichte beherbergt heute ein Sporthotel. 

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Sehenswert sind die Pfarrkirche, die Orangerie mit Festsaal und Gewölberestaurant im Keller und der angrenzende Schlosspark. Ein erholsamer Spaziergang oder eine Spazierfahrt geht vom Schloß durch den angrenzenden Tiergarten zur Fasanerie und weiter zum Forsthaus. Prinz August, Freiherr von Landsberg heiratete 1756 die Anna Theresia Freiin von Velen, und ließ ihr zu Ehren diese Fasanerie errichten. Heute wird sie genutzt für Festlichkeiten, Hochzeiten und sonstige Feierlichkeiten.
Mit gemieteten Rädern fahren wir weiter über den „Knüver Darp“ nach Ramsdorf. Hexe Hovermann erklärt uns auf dem „Knuv“- der Anhöhe also- was sein Verein „Alte Dreschflegel“ sich auf die Fahne geschrieben hat, wie er mit alten landwirtschaftlichen Geräten- und Maschinen umgeht, und was dort so alles auf dem Lande geboten wird. 

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Bevor unsere Radtour in Ramsdorf in der historischen Backstube „Mensing“ bei Kaffee und Kuchen und einer musealen Atmosphäre von alten Backgeräten- und Maschinen seinen Abschluß findet, statten wir der Familie Ehling auf dem „Röllinghoff“ einen Besuch ab, um einen Eindruck von dem ehemaligen Rittergut zu erhalten.
Mit dem „Velener Olli“, einem hiesigen 25 %-igen Kräuterlikör verabschieden wir uns von Velen und steuern auf die Stadt Gemen im Stadtteil von Borken zu. Ein historischer Stadtrundgang in Gemen lohnt sich vor allem, wenn er mit dem Schloßkastellan Herbert Helling durchgeführt wird. Mit ihm erkunden wir zuerst die Marienkirche – 1705 als Kapelle gebaut und sehr viel später als Klosterkirche mit der Fertigstellung der barocken Fassade erweitert. Historiker sprechen von eine der Perlen der barocken Baukunst Norddeutschlands. Zum Kirchenschmuck gehören 3 Altäre mit auswechselbaren Antipendien, den Altarbildern. In Reliquienschreinen hat man Urkunden gefunden, die aus dem Jahr 1678 stammen. Die Fenster sind unverändert seit 1720, Butzenscheiben, die in Blei gehalten werden mit Metallspannern versehen. Rechts und links sieht man Reliquienbilder mit jeweils 5 Wachsmedaillons, im Original aus der Zeit 1640. In beiden Bildern gibt es 14 verschiedene Seidenstreifen, auf denen von Perlen umgeben und in Silber gefasst, die Namen der jeweiligen Reliquienträger erscheinen.
Etwas Besonderes darf nicht unerwähnt bleiben, und zwar die Orgel mit 13 Registern und 559 Pfeifen, die einen wunderbaren Klang abgeben. Von weit her kommen Musiker, um einmal auf dieser Orgel zu spielen. Des weiteren gibt es wohltönende Glocken, die noch von Hand bedient werden.

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Inmitten der westfälischen Parklandschaft gelegen, ragt das imposante Wasserschloß Gemen heraus.
Das Schloß steht auf einer Insel und ist nur über eine Zugbrücke zu erreichen. 950 wurde es als Burg erbaut und in verschiedenen großen Bauabschnitten, die sich über mehrere Jahrhunderte hinzogen,zum heutigen Aussehen verholfen. Heinrich der 3. von Gemen gilt als der große Erbauer der Schloßanlage. Bis 1411 ließ er im Westen einen dreigeschossigen Palast mit großem Saal und Gewölbekeller errichten und stockte den Ballturm (den ehemaligen Bergfried) auf vier Geschosse auf. Auch die Erbauung des sogenannten Batterie-oder Kapellenturms aus Backsteinen geht auf ihn zurück. Dem Langhaus wurde ein Flachdach verpasst und die Türme bekamen einen Helm. 1946 wurde das Gemener Wasserschloß von dem Grafen Landsberg-Velen an das Bistum Münster verpachtet und ist heute eine Jugendbildungsstätte des Bistums Münster. Von Gemen nach Gescher ist es auf der Hamalandroute nur ein kleines Stück des Weges, und schon steht man vor einem einmaligen Glockenmuseum.
Das westfälische Glockenmuseum Gescher lädt mit vergrößerter Ausstellungsfläche, neu konzipierter Schausammlung und neuen museumspädagogischen Angeboten zu einer klingenden Entdeckungsreise durch die Glockengeschichte ein. Besucher werden in dem Museum auf vielfältige Weise angeregt, sich in 20 Themenbereichen mit dem Musikinstrument und dem Kunstwerk „Glocke“ zu beschäftigen. Die umfangreiche Sammlung von Kirchenglocken bietet einen spannenden und klingenden Eindruck in 900 Jahre westfälische Glockengeschichte und Glockengießerkunst. Dabei werden neben bedeutenden Glocken aus Bronce auch Kirchenglocken aus Gussstahl, Eisenhartguss und Sonderlegierungen vorgestellt. Bei Führungen und Museumsaktionen werden ausgewählte Glocken „ angeschlagen“ und zum Klingen gebracht.

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Im Musikraum können Besucher durch Forschen und Ausprobieren die Besonderheiten von Glockentönen und Glockenmusik entdecken. Töne und Tonentwicklung werden besonders gut hörbar, fühlbar und sogar an der „Wasserglocke“ sichtbar, die zu den Attraktionen des Museums zählt. Wie auch heute noch in einer Glockengießerei gearbeitet wird, erfahren Museumsbesucher an der sogenannten Glockengrube, die originalgetreu im Museum aufgebaut wurde. Schritt für Schritt kann hier der Werdegang einer Glocke von der ersten Rippenzeichnung, der Herstellung der Lehmformen bis zum Glockenguss verfolgt werden. Im Obergeschoß des Gebäudes werden in weiteren Themenbereichen Glocken gezeigt, mit denen im Alltagsleben in Schulen, Läden und Fabriken, auf Hausdächern oder auf Schiffen die Tageszeiten angekündigt, vor Gefahren gewarnt oder Signale gegeben wurden. Die Unterschiede von Form, Gestalt und Klang von Tierschellen und Tierglocken hebt ein weiterer abwechslungsreicher Sammlungsschwerpunkt hervor. Für jüngere Museumsbesucher, Schulklassen, Kindergärten, sowie Eltern mit Kindern werden neue Angebote „rund um die Glocke“ zum Forschen, Entdecken und Ausprobieren präsentiert. Für Geburtstagskinder und Gäste organisiert das Museumsteam klangvolle Geburtstagsfeiern. Und für Senioren werden nicht nur Führungen durch die Sammlung, sondern auch Museumsprogramme zum Mitmachen vorgeschlagen.
Südlich von Gescher liegt Vreden. Von dort führt die Abkürzungsschleife der Hamalandroute Richtung Groenlo. Unterwegs passiert sie das Naturschutzgebiet „Zwillbrocker Venn“.

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Hier bietet die Biologische Station Einblicke in die einmalige Natur der Region. Hermann Josef Fliening arbeitet in der Station und gibt uns wertvolle Hinweise. Das „Zwillbrocker Venn“ an der deutsch-niederländischen Grenze, ist einer der Kernpunkte der Flamingoroute, die den Tourismus hier in der Region auf den Gebieten Natur, Umwelt und Tourismus fördern. Die Strecke ist 450 km lang, ist eine Nachfolgeroute zur ehemaligen Westmünsterlandroute und verbindet im Kern die Moor-und Heidegebiete an der deutsch-niederländischen Grenze. Es war ursprünglich eine Route, die nur von A nach B ging, ist mittlerweile aber auch als Rundkurs konzipiert worden und soll die Menschen in diese Region hineinführen und die Naturschönheiten noch einmal besonders vorstellen. Innerhalb der Route wurden verschiedene Infrastrukturmaßnahmen, wie ein Informationszentrum oder auch Beobachtungspunkte errichtet. Von der Aussichtsplattform nahe der Station kann man die Flamingos gut sehen. Hier beginnt also die größte Flamingokolonie in Nordeuropa. Die Flamingoroute wird im Gelände durch blaue bzw.grüne Richtungsschilder gekennzeichnet. Die Strecke von Gronau bis Vreden wird durch ein grünes Schild und die Nebenstrecken, die auch Rundtouren ermöglichen, durch ein blaues Flamingoschild ausgewiesen. Die Flamingos sind eigentlich von März bis August hier in der Regel, haben in diesem Jahr noch einmal die 2. Brut aufgenommen, weil die 1. Brut durch solche Räuber, wie Füchse, vernichtet worden ist. Die jungen Flamingos werden später beringt und können dann ihre Reise in wärmere Gebiete antreten. Flamingos kommen jährlich wieder, kommen im Frühjahr hier her, um zu brüten und sind so zum Markenzeichen der ganzen Route geworden. Diese langbeinigen und langhalsigen rosa Vögel vermehren sich auf der Insel im Lachmövensee und stammen vermutlich ursprünglich aus Tiergärten oder privater Tierhaltung und brüten nun schon seit 1982 fast in jedem Jahr auf der Insel.

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Der Besuch dieser Kolonie ist lohnenswert, ebenso der Besuch der prächtigen Zwillbrocker Barockkirche, die ein Juwel des Münsterlandes ist und jährlich viele Touristen anzieht.


Weitere Informationen bei:
Grenzüberschreitendes Büro für Tourismus EUREGIO / Stichting ECC 
Enschederstraße 362 
48599 Gronau 
Tel.: 02562-702-48 


Text:
Peter Marquardt

Fotos:
Matthias Dikert