Auf den Spuren der Thraker

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Auf den Spuren der Thraker

Die Thraker waren eins der größten Völker der Antike, sogar das zweitgrößte nach den Indern.
Sie waren auch die frühesten Bewohner des heutigen Bulgarien. Wir haben uns daher auf Spurensuche begeben und Orte der Thraker in Bulgarien besucht.
Erste Aufzeichnungen über das Leben der Thraker finden sich in Homers Dichtungen der Ilias. Sie lebten seit dem 8 Jahrhundert v. Chr. auf den Gebiet des heutigen Bulgarien.
Berühmte Gestalten der Antike wie der Sänger Orpheus und Spartakus, der Gladiator, waren Thraker.
Die Thraker waren eine indogermanische Völkergruppe mit blonden Haaren und blauen Augen und bestanden aus zeitweise 90 Stämmen, die unter der Führung von Stammesfürsten und Königen standen. Berühmt waren Sie für schnelle Pferde, moderne Waffen und eine hochentwickelte Kriegskunst.
Sie hatten keine eigene Schrift, aber sie handelten mit der umliegenden Welt der Griechen, Perser, Skythen sowie mit Kelten, Römern und sogar Ägypten. 
Weshalb Sie in der damaligen Politik keine große Machtrolle inne hatten lag in der Uneinigkeit der thrakischen Stämme.
Die Thrakerreligion, die sich vor allem mit einem Sonnengott beschäftigte, wurde in Felsenheiligtümern, in Höhlen und auf Bergen ausgeübt. 

Daher gehören thrakische Gräber, in denen die Herrscher und Stammesführer begraben wurden, auch zu den interessantesten Hinterlassenschaften dieses Volkes. 
Auf unserer Spurensuche haben wir jedoch auch bei anderen sehenswerten Stätten halt gemacht.
Begonnen haben wir unsere Spurensuche in Sofia am Fuße des Vitosha-Gebirges, wo sich im Stadtteil Boyana dasNationale Historische Museum befindet, wo historische Denkmäler aus der Vorgeschichte bis in die Gegenwart aufbewahrt werden.

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Mit über 700.000 Kulturdenkmälern verfügt das Museum über einen der umfangreichsten Bestände des Landes. So finden sich hier auch umfangreiche Ausgrabungen der Thraker. Insbesondere die filigranen Goldgeschmeide geben uns heute Rätsel auf, wie diese damals ohne Hilfsmittel wie eine Lupe gefertigt werden konnten. Unweit des Museums steht die Kirche von Boyana – eines der bulgarischen UNESCO-Weltkulturerbe-Denkmäler. 
Sie ist eine von den wenigen mittelalterlichen Denkmälern der christlichen Kunst, die bis heute erhalten ist. 
Die Kirche ist eins von den 100 nationalen touristischen Objekten und ist seit 1979 ein UNESCO Weltkulturerbe.
Sie wurde in drei Etappen gebaut.

Der östliche Teil der Kirche besteht aus einem kleinen Gebäude mit einer Apsis und einer Kreuzkuppel, mit eingebauten Stützen in der Form eines Inkreises. Die erste malerische Schicht, die den ganzen östlichen Teil bedeckt hat, existiert seit dem 12.Jahrhundert. Im 13. Jahrhundert wurde der zweite zweistöckige Teil der Kirche, mit einer Spende von Sebastokrator Kaloyan und seiner Ehefrau Desislava, die zu dieser Zeit den Sofia (Sredetska) Bereich regierten, gebaut. Dieser Teil der Kirche gehört der Art nach zu den zweistöckigen Friedhof-Kirchen. Die Stifterinschrift zeigt, dass die Ikonen in der Kirche im Jahr 1259 aufgefrischt wurden. Die Ikonenmaler Vasilie und Dimitar, dessen Namen während der Restaurierung bekannt wurden, malten eine neu Schicht von Wandmalerei über die erste Schicht in dem alten Teil und bemalten beide Stöcke des neuen Teils der Kirche. 

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Die weltweite Berühmtheit der Boyanska Kirche ist vor allem der Wandmalereien vom Jahr 1259 zu verdanken. Diese Wandmalereien zeigen die außergewöhnlichen Errungenschaften der bulgarischen Kultur während des Mittelalters. Jede von den 240 wiedergegebenen Abbildungen zeichnen sich durch Individualität und hohem künstlerischem Wert aus. Die Porträts der Stifter – Sebastokrator Kaloyan und seine Ehefrau Desislava, des bulgarischen Königs Konstantin Asen Tih (der im Zeitraum vom Jahr 1257 bis Jahr 1277 reagierte) und der Königin Irina, sind einige von den ältesten erhaltenen Porträts von historischen Figuren. In der Kirchenvorhalle wird das Heiligenleben von St. Nikola – einer der Schutzheiligen der Kirche, in 18 Szenen dargestellt. Die 18 Szenen beinhalten Elemente der Lebensweise der Zeitgenossen der Maler. Unter den hier dargestellten Heiligen, ist das älteste erhaltene Porträt vom bulgarischen nationalen Heiligen Ivan Rilski, der im 10. Jahrhundert im Rilski Kloster lebte. Unter den Abbildungen von Mönchen und Einsiedlern ist das Antlitz von St. Efrem Sirin, dessen allsehende Augen den Besucher andauernd folgen. 
In dem Souvenirladen der Kirche kann man Postkarten, Bücher, CDs, DVDs, Souvenirs und Materialien über die Boyanska Kirche und andere touristische Objekte kaufen. Das Fotografieren innerhalb der Kirche ist verboten. 

Für Übernachtungen in Sofia bietet sich das Hotel Crystal Palace an.

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Unser weiterer Weg führte uns nach Russe.

Die Stadt liegt am höchsten rechten Donauufer, 320 km von Sofia, 200 km von Varna und circa 300 km von Plovdiv entfernt. Die Bevölkerung der Stadt zählt circa 180.000 Einwohner. Das ist eine der größten Städte des Landes sowie ein wichtiges Kultur-, Handels- und Industriezentrum.
Die Nähe zu der Donau spielt bereits vom Altertum an bis heutzutage eine große Rolle für die Entwicklung der Stadt. Hier wurde im 1. Jh.n.Chr. das römische Kriegsfestungslager mit dem Namen Sxaginta Pristis errichtet: „Der Hafen der 60 Schiffe”. Seit dem 16. Jahrhundert war die Stadt unter ihrem osmanischen Namen Rustchuk bekannt. Während der Osmanischen Herrschaft stellte Russe eine der wichtigsten Städte des Osmanischen Reichs dar, was ihre wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung beeinflusste. Russe gilt als Pionier in vielerlei Hinsicht – hier wurde der erste Eisenbahnhof in Bulgarien errichtet, eine moderne Druckerei erfunden, eine Zeitung gegründet und in der Stadt sitzen viele Konsulate.
Nach 1878 war Russe die größte Stadt des Fürstentums Bulgarien, seine Wirtschaft entwickelte sich sehr schnell, was sich auf die gesamte Stadtgestalt auswirkte. Die Verbindung, in der die Stadt mittels der Donau mit Europa stand, begünstigte ihre Entwicklung. Wegen seiner schönen Architektur und Innengestaltung der Gebäude, entworfen von italienischen, österreichischen, deutschen und bulgarischen Architekten, wird Russe als „ das kleine Wien” bezeichnet. 
Eines der Stadtsymbole ist das Gebäude Dohodno zdanie – ein schönes öffentliches Gebäude im Stadtzentrum. Es wurde im Zeitraum 1901-1902 gebaut und ist durch seine prächtige Fassade und die sieben Dachfiguren sehr beeindruckend. Sie verkörpern die Kunst, die Wissenschaft, die Landwirtschaft, die Handwerke, den Handel, die Verteidigung und den freien Geist. Ganz oben steht das Symbol des Handels: Merkur.
Ein weiteres Muss für Besucher ist das Regionale Historische Museum. Dort werden über 130.000 Kulturdenkmäler aufbewahrt, unter denen sich auch der thrakische Schatz von Borovo befindet – ein Tafelgeschirr aus fünf silbernen rituellen Gefäßen, die auf das IV. Jh. v.Chr. zurückgehen.
Eine interessante Sehenswürdigkeit ist ebenfalls das Museum der Stadtlebensweise, genannt noch „Das Haus von Kaliope“. Seine Ausstellung gibt die Inneneinrichtung eines reichen Hauses in Russe vom Ende des XIX. und Anfang des XX. Jhs. wieder, während die schönen Wandmalereien im zweiten Stock ein Werk des österreichischen Malers Charl Schaussberg sind.
In der Nähe vom Museum der Stadtlebensweise befindet sich das Hausmuseum „Zahari Stoyanov”. Dort sind zwei Expositionen ausgestellt – die eine ist dem Revolutionären und Schriftsteller Zahari Stoyanov (1850 – 1889) gewidmet, während die andere die Geschichte der Familie Obretenov aus Russe sowie ihre Tätigkeit im Rahmen der Nationalbewegung für Befreiung von der Osmanischen Herrschaft nachzeichnet.
Die sterbliche Hülle sowohl von Zahari Stoyanov, als auch von einer Reihe von großen Bulgaren, wird im Pantheon der Persönlichkeiten aus der Epoche der bulgarischen Wiedergeburt in Russe aufbewahrt. In der Beinhauskirche wird über 450 Persönlichkeiten aus der Epoche der bulgarischen Wiedergeburt die Ehre gebührt.
Eine der interessantesten Sehenswürdigkeiten von der Stadt Russe sind die Ruinen der Festung Sexaginta Prista. Sie befinden sich im nordwestlichen Teil der Stadt, auf einer kleinen Erhebung neben dem Donauufer. Die Freilichtsexposition zeigt die Maßstäbe der Festung, während ein Teil der Funde im Historischen Museum von Russe besichtigt werden kann, wo sie in einem gesonderten Saal ausgestellt sind.
In Russe befindet sich das einzige in Bulgarien Nationale Transportmuseum, das im Gebäude des ersten Eisenbahnhofes in Bulgarien beherbergt wird. Zu den interessanten Exponaten des Museums gehören die Wagen der Zaren Ferdinand und Boris des III. .

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In der Umgebung der Stadt Russe befinden sich ebenso interessante und schöne Sehenswürdigkeiten. 20 km südwestlich von der Stadt, auf der Fläche von 3408 ha, liegt der schöne Naturpark „Russenski Lom”. Der Park bietet vielfältige Möglichkeiten für ökologischen und alternativen Tourismus an, und in seinem Grenzbereich befinden sich einige bedeutende historische und kulturelle Denkmäler. Dazu gehören die Ruinen der mittelalterlichen Stadt Cherven – eines der größten Kriegs-, Wirtschafts- und Kulturzentren des Zweiten bulgarischen Reichs (1185 – 1393). Hier befinden sich ebenso die Felsenkirchen von Ivanovo – ein Objekt, aufgenommen in die Liste des Weltkulturerbes von UNESCO. Ein weiterer religiöser Mittelpunkt in der Nähe von Russe ist das Kloster „Sveti Dimitar Basarbovski“- das einzige funktionierende Felsenkloster in Bulgarien.
Auch heute ist der Fluss Donau ein Hauptfaktor für die Entwicklung nicht nur von Russe, sondern auch von ganz Bulgarien. „Die Donaubrücke” bei Russe hat eine strategische Bedeutung, weil das Durchfahren des Flusses mit Auto- und Bahnverkehrsmitteln im östlichen Teil der Balkanhalbinsel ausschließlich über sie ermöglicht wird. Einige Kreuzfahrtgesellschaften bieten Donaurundfahrten, die teilweise in ihren Programmen Fahrten durch das bulgarische Gebiet einschließen.
Die Stadt ist ebenfalls Gastgeber von zahlreichen kulturellen Ereignissen wie dem Karneval von Russe, den Musiktagen im März, den Herbsttagen der Kunst und der Wissenschaft u. a..
Alljährlich findet in Russe eine touristische Messe “Wochenende Tourismus” statt. Im Rahmen der Messe, als Teil ihres Programms, wird ebenso das Festival der touristischen Unterhaltung und Animationen durchgeführt.
Russe bietet verschiedene Kategorien von Unterkunftsmöglichkeiten, Gaststätten und Unterhaltungslokalen an. Mehr Informationen über die Sehenswürdigkeiten in der Stadt und die Unterkunftsmöglichkeiten können im touristischen Informationszentrum erhalten werden, das sich am zentralen Platz befindet.

Wir haben im Best Western Hotel „Bistra and Galina“ genächtigt.

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Von Russe sind es 85 km bis nach Sveshtari. Die bedeutendste Entdeckung auf dem Gebiet des historisch-archäologischen Reservats „Sboryanovo” ist die thrakische Zarengrabstätte von Sveshtari. Sie wurde 1982 bei den Ausgrabungen des Grabhügels Nr. 7 von der östlichen Grabhügelnekropole von Sboryanovo (Ginina Grabhügel) entdeckt. Sie wurde im ersten Viertel des 3. Jhs. v. Chr. errichtet und stellt ein einzigartiges Denkmal der thrakischen Grabstättenarchitektur dar. Sie weist beeindruckende Maße auf. Ihre Länge beträgt 7,5 m, die Breite der Fassade 6,5 m, während die Höhe der Grabkammer (von innen) 4,45 m ist. Die Grabstätte wurde aus großen Kalksteinblöcken erbaut. Sie besteht aus einem Dromos (Korridor) und drei Kammerräumen, wobei jede Kammer mit einem einzelnen Gewölbe überdacht ist.

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Die Verzierung der Grabstätte entspricht dem Geist der hellenistischen Kultur, wurde jedoch durch die Anschauung und den Glauben der Geten (ein thrakischer Stamm) beeinflusst. In die Kammer wurde der Körper des verstorbenen Herrschers gelegt. Die unvollendete Verzierung an den Wänden und an der Decke zeigt, dass er starb, bevor sein ewiges Zuhause fertiggestellt werden konnte. Die Kammerdecke wird durch Frauenstatuen mit erhobenen Armen (die sogenannten Kariatiden) gestützt, deren Gesichter und Haare immer noch die Reste von der farbigen Verzierung aufweisen. An der Kammerdecke ist eine Szene der Herrscherverherrlichung dargestellt.
Dank ihrer bemerkenswerten Architektur und ihrer kunstvollen Verzierung steht die Grabstätte von Sveshtari auf der Liste des Weltkulturerbes von UNESCO von 1985.
Weiter ging es auf den Spuren der Thraker nach Veliko Tarnovo, das sich im Norden von Bulgarien befindet. Die Stadt liegt im Flussgelände von Yantra, 241 km von der Hauptstadt Sofia, 228 km von Varna und 107 km von Russe ?ntfernt.
10 km von Veliko Tarnovo entfernt befindet sich der Flughafen Gorna Oryahovitsa, welcher der nächste Flughafen zur Stadt ist.
Veliko Tarnovo ist mit dem Bus oder dem Zug zu erreichen, wobei ein regelmäßiger Verkehr von den größeren Städten aus angeboten wird. Die Stadtbevölkerung zählt rund 70.000 Einwohner, und die Fläche, auf der sie sich streckt, beträgt 30,4 km². Die Lage der Stadt als Kreuzweg und Schnittpunkt von vielen Verkehrs- und Handelsverbindungen und Marschrouten trieb ihre wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung vom Altertum an bis heute voran. Veliko Tarnovo ist eine der ältesten Städte im Land, wobei ihre Geschichte auf mehr als fünf Jahrtausende zurückgeht, wovon die archäologischen Ausgrabungen zeugen.
Die Blütezeit von Veliko Tarnovo hängt mit der Periode des Zweiten Bulgarischen Reichs (1185 – 1393) zusammen. 1185 wurde die Stadt zur Hauptstadt des wiederhergestellten bulgarischen Staates durch die Brüder Assen und Peter benannt, die das Ende der Byzanthinischen Herrschaft erklärten, welche 167 Jahre lang gedauert hatte. Nach ihrer Benennung zur Hauptstadt entwickelte sich die Stadt schnell, wobei sie im Zeitraum XII. – XIV. Jahrhundert eine uneinnehmbare bulgarische Festung sowie einen kulturellen und geistigen Mittelpunkt von Bulgarien darstellte.
Das bedeutendste Kulturdenkmal in Veliko Tarnovo ist die mittelalterliche Burg Tsarevets, die sich auf dem gleichnamigen Berg befindet, umgeben von drei Seiten durch den Fluss Yantra. Die Ausgrabungen zeigen, dass obwohl Tsarevets von einer Festungsmauer umzäunt ist, keine geschlossene Burg, sondern eine richtige mittelalterliche Stadt war, in deren Zentrum sich das Schloss, die Kirche “Sv. Petka“, unzählige Wohn- und Wirtschaftsgebäude, Wasserspeicher und Kriegstürme erhoben. Der höchste Teil von Tsarevets war die Residenz des Patriarchen, und in unmittelbarer Nähe befand sich die Patriarchenkirche „Vaznesenie Hristovo“.
Neben Tsarevets befindet sich ein weiterer historischer Hügel – Trapezitsa. Sein historischer Reichtum ist sehr groß und gilt immer noch als nicht komplett entdeckt. Die archäologischen Ausgrabungen dauern immer noch an und es treten immer wieder neue interessante Entdeckungen zutage.
Veliko Tarnovo ist nicht nur durch seine historischen Hügel, sondern auch durch seine unzähligen orthodoxen Kirchen bekannt. Eine der signifikantesten mittelalterlichen Kirchen ist die Kirche „Sv. Chetirideset machenitsi”, erbaut zu Ehren des Sieges des Zaren Ivan Assen des II. (1218 – 1241) über den epirischen Despoten Theodor Komnin (geb. 1180 – gest. 1273). In der Kirche wurden die bulgarischen Zaren Kaloyan (geb. 1168 – gest. 1207), Ivan Assen der II., sowie viele weitere Mitglieder der Zarenfamilien und des bulgarischen Adels bestattet. In der orthodoxen Kirche werden auch einige der bedeutendsten altbulgarischen epigraphischen Denkmäler aufbewahrt – die Säulen von Omurtag, von Assen sowie die Grenzensäule von der Festung Rodosto aus der Zeit des Chans Krum (geb. 755 – gest. 814) aufbewahrt.
In der Stadtumgebung befinden sich ebenso einige der bekanntesten bulgarischen Klöster – Patriarsheski, Preobrazhenski, Arbanashki, Plakovski, Kapinovski, Kilifarevski u. a..
Während der Epoche der Wiedergeburt (XVIII. – XIX.) war Veliko Tarnovo ein Anziehungspunkt für die aufgeweckten Bulgaren. Die Stadt war ebenfalls das Zentrum des Ersten revolutionären Kreises während des Aprilaufstands von 1876 gegen die Osmanische Herrschaft.
Nach der Befreiung von Bulgarien von der Osmanischen Herrschaft im Jahr 1878 war Veliko Tarnovo die vorübergehende Hauptstadt des Staates. 1879 wurde in der Stadt die Erste Gründungsversammlung einberufen, auf der die sogenannte Verfassung von Tarnovo verabschiedet wurde. Hier wurde ebenso die Erste Große Volksversammlung einberufen, die den Füsten Alexander I. von Battenberg (geb. 1857 – gest. 1893) zum bulgarischen Herrscher ernannte.
Die Architektur der Altstadt versetzt die Besucher in die Vergangenheit. Wenn die Touristen die Straße „Gurko” oder die Handwerkerstraße „Samovodska charshiya” entlang gehen, haben sie die Möglichkeit, sich Gebäude anzuschauen, errichtet vor mehr als 200 Jahren, sowie eine ganz besondere Atmosphäre zu erleben. Die Handwerkerstraße ist ein eigenartiger ethnographischer Komplex mit Handwerkstätten, Souvenirläden und Galerien.

_1329785214In der Altstadt befindet sich der größere Teil von den örtlichen Museen, von denen das Archäologische Museum, das Museum „Vazrazhdane i Uchreditelno sabranie“ („Wiedergeburt und Gründungsversammlng“), das Museum „Nova i nai-nova istoriya“ („Neue und neuere Geschichte“), das Sarafkina-Haus, das Hausmuseum von P. R. Slavejkov, das Gasthaus von Stambolov, das Gasthaus von Hadzhi Nikoli u. a. besonders interessant sind.
20 km von Veliko Tarnovo entfernt befindet sich das archäologische Reservat Nikopolis ad Istrum – eine römische und frühbyzantinische Stadt, gegründet vom Kaiser Trayan (98 – 117) im Jahr 106 v.Chr.
Der 22. März ist der offizielle Feiertag von Veliko Tarnovo. Dieses Datum hängt mit dem historischen Sieg des Zaren Ivan Assen des II. über Theodor Komnin (1230) zusammen. Traditionell findet am Abend des Feiertags ein eintrittsfreies Spektakel auf dem Hügel Tsarevets statt. Das audiovisuelle Spektakel „Klang und Licht” erzählt durch Musik, Lichtspiele, Laser und Kirchenglocken von der ruhmreichen und tragischen Geschichte Bulgariens, was es zu einer einzigartigen Attraktion des Landes macht. Die Vorstellungen werden auch im restlichen Teil des Jahres mit Voranmeldung und kostenpflichtig veranstaltet.
Es ist kein Zufall, dass Veliko Tarnovo zur Balkanhauptstadt des Kulturtourismus erklärt wurde und die Auszeichnung „Die schönste Stadt” von Bulgarien als Ergebnis einer alljährlich durchgeführten Medienuntersuchung mehrmals erhielt. Die Stadt ist tatsächlich hervorragend durch ihre schönen Häuser, die amphitheatralisch an den Flussufern stehen, reich an Geschichte und Sehenswürdigkeiten und attraktiv für die Besucher.
Die Unterkunftsmöglichkeiten in der Stadt sind sehr vielfältig – Privatmietwohnungen, Hotels, Gasthäuser und Hotels bis zu 4 Sternen. Die Stadt bietet reiche Möglichkeiten für Unterhaltung und Nachtleben – Diskotheken, Bars, Restaurants u. a. Die Hauptstraße in der Stadt bietet eine Vielfalt von Geschäften, Hotels, Gastronomie- und Unterhaltungslokalen an. Die Restaurants in der Stadt sind mit ihrer guten Küche bekannt. Hier können Sie populäre bulgarische Gerichte probieren, die für die Region charakteristisch sind.
Für die Anhänger des aktiven Urlaubs besteht eine Reihe an Ökowanderwegen – Negovanska (im Dorf Emen), Preobrazhenska, Arbanashka und andere. Die Ökowanderwege sind markierte Fußgängermarschrouten mitten in der Natur, die den Touristen den Zugang zu schönen Gegenden und Natursehenswürdigkeiten ermöglichen. Die Gegend bietet viele Möglichkeiten zum Felsenklettern, Gebirgsradfahren, Reiten an, währen die zahlreichen Flüsse und Stauseen den Fischfang und das Schwimmen möglich machen.
Nähere Informationen über Hotels, Restaurants, Sehenswürdigkeiten, Verkehr, verschiedene Attraktionen und aktuelle Ereignisse, Autovermietung und den aktuellen Zustand der Ökowanderwege können Sie im touristischen Informationszentrum der Stadt erhalten, das sich in der zentralen Hauptstraße befindet. Dort können Sie Informationsmaterialien über die Objekte in Tarnovo erwerben sowie sich für das Spektakel „Klang und Licht“ anmelden.

Nur 6 km von Veliko Tarnovo entfernt befindet sich das Architekturreservat Arbanasi. Das archaische Dorf hat seine prächtigen Architekturdenkmäler aus der Epoche der bulgarischen Wiedergeburt, alte Kirchen und malerische Höfe, versunken in Blumen und Grünem, aufbewahrt.
Die älteste und bekannteste Kirche in Arbanassi ist die Kirche Heilige Geburt Christi. 

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Errichtet ist sie auf einem alten Tempel. Die Wandmalereien wurden um 1598 gefertigt.

In Arbanasi haben wir im Hotel Vin Palace übernachtet.

Weiter ging es zu den Grabstätten von Golyama Kosmatka, wo der thrakische König Seuthus III bestattet wurde.

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Es wurde 2004 ausgegraben und wird auf das 5. Jahrhundert vor Christi Geburt datiert.

Nicht weit entfernt liegt Kazanlak, wo ein berühmtes Museum Sammlungsgegenstände der Thraker beherbergt.
Das 1901 gegründete Geschichtsmuseum in Kazanlak trägt den Namen „Iskra“ (Funke). Es zählt zu den ältesten Regionalmuseen Bulgariens. Hier werden über 50.000 Originalstücke aufbewahrt, die die reichhaltige materielle und geistige Kultur der Kazanlaker Region aufzeigen. Das Museum bewahrt und popularisiert das gesamte historische Erbe der Kazanlaker Region, einschließlich aller thrakischen Grabstätten aus dem Tal der thrakischen Herrscher.
Im Museum sind die ständigen Ausstellungen in den Fachbereichen „Archäologie“, „Bulgarische Wiedergeburt“, „Neue Geschichte“, „Ethnografie“ und „Neueste Geschichte“ zu sehen. Die Ausstellung „Archäologie“ umfasst steinerne und knöcherne Arbeitswerkzeuge, handgefertigte Keramik-Gefäße, Schmuck aus Glasperlen, Ringe, Armbänder und verschiedene Anhänger aus dem Neolithikum (VI. – IV. Jahrtausend v. Chr.), dem Chalkolithikum und der frühen Bronzezeit. Gezeigt werden ferner die thrakischen Tempelgräber – Kazanlaker Thrakergrab, das am 19. April 1944 entdeckt wurde, Stadt Seuthopolis (1948 -56 während des Dammbaus am Koprinka-Stausee erforscht) und zahlreiche Gegenstände aus den Hügelgräbern im Kazanlaker Umland (Golyama Kosmatka, Maglisher Grabstätte u.a.) Ebenfalls zu sehen sind Funde aus der Zeit des Römischen Reiches. Das Mittelalter präsentieren Gegenstände, die in der Siedlung und mittelalterlichen Nekropole beim Dorf Kran, Kazanlaker Region, gefunden wurden.
Die Ausstellung „Bulgarische Wiedergeburt“ vergegenwärtigt den Alltag und Broterwerb der ansässigen bulgarischen Bevölkerung im XVIII. – XIX. Jahrhundert. Die ethnografische Sammlung umfasst Schmuck und Trachten aus dem Alltag des Kazanlakers in der Vergangenheit. 
Im Fachbereich „Neue Geschichte“ werden Fotografien, Dokumente, Medaillen und Orden aus den Kriegen des XX. Jahrhunderts gezeigt, als auch die Partitur zur ersten bulgarischen Oper „Siromahkinya“ des Komponisten Emanuil Manolov (1858 – 1902), die 1990 in Kazanlak uraufgeführt wurde, sowie die Partituren eines weiteren großen bulgarischen Komponisten – des Akademikers Petko Staynov (1896 – 1977). Dieser Bereich umfasst ferner die Geschichte der Stadt und der Region im Zeitraum 1889 – 1944.
Die Ausstellung „Neueste Geschichte“ ist dem Einsatz des 23. Shipkaer Infanterieregiments im Zweiten Weltkrieg gewidmet. Gezeit wird ferner Fotomaterial vom Damm-Bau am Koprinka-Stausee, der 7km von Kazanlak entfernt liegt.
Ein weiterer interessanter Museumsraum ist der Neue Tresorsaal, in dem die jüngsten Gold-, Silber- und Bronzefunde aus den thrakischen Tempelgräbern in der Region ausgestellt sind, darunter der einzigartige goldene Lorbeerkranz des thrakischen Herrschers Seuthes III. (IV. Jahrhundert v. Chr.), dessen Helm und Knieschutz, komplettes silbernes und goldenes Zaumzeug sowie eine seltene Sammlung von Münzen und anderen Gegenständen aus der Thrakerzeit.
Im Lapidarium des Museums befindet sich die reichhaltigste Sammlung primitiver knöcherner Sicheln Südosteuropas.
Das Iskra-Museum bietet Führungen an. Im Multimediensaal werden Filme gezeigt, auf denen Momente der Ausgrabungen und archäologischen Entdeckungen in der Region festgehalten sind. Darüber hinaus bietet das Museum Demonstrationen von Bräuchen um das Rosenfest und die Herstellung von Rosenöl an. Auf Voranmeldung werden Ausflüge zu den Grabstätten in der Umgebung der Stadt Shipka unter Leitung eines erfahrenen Archäologen organisiert. Das Museum verfügt über Souvenirläden. Foto- und Videoaufnahmen sind gebührenpflichtig. 

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Im Park „Tyulbeto” in Kazanlak befindet sich das Original der thrakischen Grabstätte vom 4. bis 3. Jh. v. Chr., bekannt als die Grabstätte von Kazanlak. Sie hat ein spezielles Aufbewahrungsregime. Neben ihr ist eine Kopie im Maßstab 1:1. Diese zeigt die Architektur, die archäologischen Materialien und Wandmalereien der Grabstätte von Kazanlak, die eines der bedeutendsten Denkmäler der thrakischen Kultur auf den bulgarischen Gebieten ist, aufgenommen in die Liste des Weltkulturerbes von UNESCO im Jahr 1979.
Die Grabstätte wurde durch Zufall 1944 in der nordöstlichen Region von Kazanlak entdeckt und stellt ein bemerkenswertes Denkmal der thrakischen Kunst aus der frühhellenistischen Epoche dar. 
Ihrem Architekturplan entsprechend gehört sie zu den Kuppelgrabstätten, charakteristisch für die Grabarchitektur von Thrakien vom Ende des V. und Anfang des III. Jhs. v.Chr..
Sie liegt im südlichen Teil eines Grabhügels und besteht aus drei Räumen: einem rechteckigen Vorraum, einem schmalen Ziegelkorridor (Dromos) und einer Ziegelgrabkammer mit einem runden Bauplan und einer glockenartigen Kuppel.
In der Grabstätte fanden zwei Bestattungen statt – von einem Mann und einer Frau, durch Niederlegung des Leichnams, was auf die erhaltenen Gebeine zurückzuführen ist. Laut Archäologen wurde die Grabstätte bereits im Altertum geplündert. In der Grabhügelaufschüttung wurden zwei Tonaskoi (ein Askos ist ein flaches rundes Gefäß mit zwei Griffen) und ein silbernes Kännchen entdeckt. Im Vorraum entdeckte man ein Tongefäß – Oinochoe (Weinkanne)- und die Gebeine eines Pferdes. Im Kuppelraum wurden eine Amphora mit einem spitzen Boden, Tonrosetten mit einer trockenen Vergoldung, ein Bestattungskranz, kleine Teile von Goldschmuck und Fragmente von örtlicher thrakischer Keramik. 
Seine Weltberühmtheit verdankt das Denkmal den bemerkenswerten Wandmalereien im Korridor und im Kuppelraum, die einige von den besterhaltenen Werken der antiken Malerei aus der frühhellenistischen Malerei sind. Der unbekannte Maler hat mit vier Grundfarben gearbeitet: Schwarz, Rot, Gelb und Weiß.
Die Wanddekoration ahmt farbig die Vorderseite eines reichen Baus nach, gefliest mit Marmorplatten und abschließend mit Architekturdetails. Die dargestellten Krieger auf der zweiten Friese vom Korridor geben den Zusammenstoß von zwei feindlichen Heeren wieder, wobei an der westlichen Wand eine Kampfszene gezeigt ist. Die Szenen spiegeln ein historisches Ereignis wider, das mit dem Leben des in der Grabstätte bestatteten namhaften thrakischen Herrschers verbunden ist. 
Im Kuppelraum in der Mitte der Hauptfriese, gegenüber dem Eingang, sind die Figuren von einer Frau und einem Mann dargestellt, die an einem kleinen, mit Obst bedeckten, Tisch, sitzen, und um sie herum sind ihre Dienstboten dargestellt, die Gaben tragen. Es handelt sich um eine Szene von einem „Beerdigungsschmaus mit einem Festzug“. Das vornehme Ehepaar ist mit Lorbeer bekränzt: ein Merkmal von Heroisierung, breit verbreitet in der hellenistischen Epoche.
Die Wanddekoration am oberen Ende der Kuppel schließt mit einer zweiten kleinen Friese ab, auf der drei Streitwagen dargestellt sind, gezogen von zwei Pferden.
Neben dem Eingang der Kopie der Grabstätte steht ein Geschäft für Souvenirs und Informationsmaterialien.
Die Grabstätte ist ein Teil vom Tal der thrakischen Zaren, das ebenso die Kirchen und die Grabstätten einschließt, entdeckt in den Grabhügeln Golyama Kosmatka, Golyama Arsenalka, Shushmanets, Helvetsiya, Grifoni, Svetitsa und Ostrusha.

Auf dem Weg nach Alexandrovo haben wir in Stara Zagora im schönen Hotel Kalista übernachtet.

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Das Kurhotel hat einen sehr großen Wellnessbereich mit einem Mineralwasserbecken.

Die Grabstätte von Alexandrovo wurde im Jahr 2000 bei Ausgrabungen des Hügelgrabes „Roshavata Chuka“ entdeckt, welche westlich des Dorfs Alexandrovo und ca. 20 km östlich der Stadt Haskovo liegt. Es handelt sich dabei um eine Thrakische Grabstätte und sie ist eine der wichtigsten archeologische Entdeckungen in Bulgarien.
Gebaut wurde sie während der zweiten Hälfte des 4. Jh v.Chr. und diente als letzten Zufluchtsort eines reichen thrakischen Herrschers, dessen Name bis heute unbekannt ist. Die Wandmalerei in der Grabstätte ist einzigartig und gut erhalten. Die Architekur ist ebenfalls beeindruckend. Die Höhe des Hügelgrabes „Roshavata Chuka“ beträgt 15 Meter, der Durchmesser mehr als 70 Meter. Die Grabstätte hat einen 15 Meter langen Korridor, dessen Eingang im Osten liegt. Durch den Korridor galangt man in eine rechteckige Kammer mit den Ausmassen 1,92×1,5 m. nach ihr folgt eine runde Kammer mit einem Durchmesser von 3,3 m und einer Höhe von 3,4 m.Das Gewölbe setzt am Boden an und hat die Form einer Glocke. Südlich davon war ursprünglich eine Logge aus Steinen errichtet, die noch in der Antik zerstört wurde. Das beweisen die zwei unterschiedliche Bodenarten der runden Kammer- eine aus Steinen und eine aus Lehm

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Die Grabstätte von Alexandrovo ist eine der grössten dieser Art. Die Wandmalerei ist einzigartig und in der ganzen Grabstätte vorzufinden – in den Kammern, im Korridor, im Vorraum. Dabei unterscheiden sich auch alle Zeichnungen von einander. Sehr vielfältig sind die Zeichnungen in der runden Kammer – dort sind die Zeichnungen in 6 unterschiedlich breiten horizontalen Streifen angebracht, die übereinander liegen. Die meisten Fresken stellen Jagdszenen dar.
Im Jahr 2009 eröffnete in unmittelbarer Nähe das Museum der thrakischen Kunst in den Ostrhodopen. Die Mittel für das Errichten des Museum wurden von der Japanischen Regierung gestiftet. Beim Einweihen des Gebäudekomplexes waren der japanische Prinz Akisho und der Präsident von Bulgarien Georgi Parvanov persönlich anwesend. Im Museum wurde eine genauere Kopie der Grabstätte von Alexandrovo errichtet, die von Besuchern betreten werden darf, im Gegensatz zu dem Original.

60 km von Alexandrovo liegt die nächste Ausgrabungsstätte Mezek.

Die thrakische kuppelförmige Grabstätte Mezek (aus dem 4. bis 3. Jahrhundert v. Chr.) befindet sich in der Umgebung des Dorfes Mezek, Gemeinde Svilengrad, in dem Hügel Meltepe. Das Dorf liegt 13 km südwestlich von Svilengrad.
In der Aufschüttung hat ein Bauer im Jahre 1908 eine Bronzeskulptur von einem Wildschwein mit realen Ausmaßen und einem Gewicht von 177 kg gefunden.
Das Fundstück befindet sich heute in dem archäologischen Museum in Istanbul in der Türkei. Zu dieser Zeit gehörte die Region noch zum Grenzgebiet der Türkei.

Die Grabstätte wurde von Anwohnern zufällig im Jahre 1931 entdeckt. Sie ist die größte und eine der interessantesten und beeindruckendsten kuppelförmigen Gruften vom mykenischen Typ in Thrakien. Die Ursprungsform ist bis heute komplett erhalten geblieben. Die Forschungen leitete Professor Bogdan Filkov – ein großartiger bulgarischer Archäologe und Politiker, Ministerpräsident von Bulgarien in zwei Legislaturperioden von 1940 bis 1943.
Im 67. Amtsblatt von 1968 wurde die Grabstätte zum Architekturdenkmal erklärt.

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Mit beeindruckender Hügelmasse bedeckt erreicht die Gruft eine Höhe von 14-15 Metern und hat einen Grunddurchmesser von 90 Metern. Sie wurde aus gemeißelten Steinen errichtet, die teilweise mit Metallklammern verbunden wurden.
Zur Grabstätte gelangt man durch einen mehr als 20 Meter langen Tunnel (Dromos). Es folgen zwei rechtwinklige Vorräume, und dann – eine runde Grabkammer mit einer korbförmigen Kuppel. Die gesamte Anlage ist ungefähr 31 Meter lang.
In der Grabstätte wurden viele Gegenstände aus Gold, Bronze, Metall, Glas und Keramik gefunden, die heute in Museen in Sofia und in Haskovo ausgestellt werden. Darunter befanden sich Schmuck, Ohrringe, Rüstung aus Eisen, silberne, bronzene und Tongefäße und ein 134 cm großer und mit einer tanzenden Satyrstatue geschmückter bronzener Kandelaber (großer dreibeiniger Kerzenständer mit Lampen).
Man geht davon aus, dass die Grabstätte als Kultstätte benutzt wurde – ein Platz, wo der Kult zum göttlichen Verstorbenen durch bestimmte religiöse Rituale ausgelebt wird. Sie wurde mehrmals genutzt und sehr wahrscheinlich auch als Familiengrab von thrakischen Aristokraten. Es wurden Spuren von 6 Beerdigungen gefunden. In der Vorhalle befand sich eine beerdigte Frau.
Die Grabstätte alleine ist eine großartige architektonische Leistung.
Für begleitete Besuche muss man sich mit dem Informationszentrum in Mezek in Verbindung setzen. Bei Voranmeldung bietet das Zentrum Besuche der thrakischen Kuppelgrabstätte bei Mezek und der mittelalterlichen byzantinischen Burg bei Mezek an.
Unter dem Gipfel des Sheynovets (704 Meter über dem Meeresspiegel) befindet sich eine weitere thrakische Kuppelgrabstätte. Die Vorhalle ist allerdings kleiner und fast zerstört. Der Kuppelraum ist noch erhalten geblieben, der Bodenbelag jedoch wurde bereits völlig von Schatzgräbern zerstört.

Abseits der trhrakischen Grabstätten gibt es noch die Stadt Plovdiv zu besichtigen.

Plovdiv ist mit rund 300000 Einwohnern die zweitgrößte bulgarische Stadt und Verwaltungszentrum des Bezirks Plovdiv. Sie liegt in der thrakischen Tiefebene beiderseits des Flusses Maritsa. Hier herrscht ein Übergangs-Kontinentalklima mit milden Wintern und heißen Sommern. Die durchschnittliche Lufttemperatur im Januar beträgt +1°C und die Durchschnittstemperatur im Juli liegt bei 24°C.
Plovdiv wurde an sieben Hügeln erbaut, die bis heute ein Wahrzeichen der Stadt sind.
Die Stadt gehört zu den ältesten Europas – ihre Anfänge reichen 4000 Jahre vor Christus zurück. Die einstige Siedlung stand auf der natürlichen Erhebung zwischen den drei Hügeln „Nebet“, „Taksim“ und „Dzhambaz“.
In der Antike bewohnten die Thraker die Drei-Hügel-Stadt, die sie in die größte Thrakiens verwandelten. Im 2. Jahrhundert vor Christus wurde Plovdiv vom Makedonierkönig Philipp II. eingenommen. Die Stadt wurde zu Ehren dieses Siegs nach ihm benannt – Philippopolis. Er ließ die Stadt mit einer dicken Festungsmauer umgeben. Nach einiger Zeit eroberten die Thraker ihre Stadt zurück, doch nach einer Reihe weiterer Schlachten geriet Philippopolis in den Machtbereich der Römer.
In römischer Zeit war die Drei-Hügel-Stadt (Lateinisch „Trimontium“) ein wichtiges Provinzzentrum. Die Römer bauten die Stadt nach ihren Vorstellungen aus – es entstanden prächtige Gebäude und Anlagen; etliche Straßen wurden in der Umgebung angelegt. Aus der Römerzeit sind viele Überbleibsel gut erhalten – gepflasterte Straßen, Stadtmauern, Gebäude, Wasserversorgungsanlagen und Kanalisation.

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Während der Herrschaft des bulgarischen Khans Malamir (831-836) wurde Plovdiv Teil des Bulgarenreiches. In der Folgezeit war die Stadt mal in bulgarischer, mal in byzantinischer Hand. Für kurze Zeit wurde sie sogar von den Rittern des Vierten Kreuzzuges in Besitz genommen. 1344 wurde Plovdiv wieder vollends bulgarisch.
Als die Osmanen im Jahre 1364 hierher eindrangen und Schritt um Schritt das bulgarische Reich eroberten, veränderten sie auch die weitere Entwicklung von Plovdiv gänzlich. Auch das Stadtbild wandelte sich grundlegend – es wurde orientalisch. Die Türken nannten die Stadt von da an „Filibe“.
In der Zeit der bulgarischen Wiedergeburt (18./19. Jahrhundert) ist Plovdiv erneut ein wichtiges Wirtschaftszentrum. In der Stadt leben viele vermögende und gebildete Bürger, die durch Europa reisten und von dort moderne Kulturströmungen mit nach Hause nahmen. Ihren Wohlstand brachten sie mit schönen, reich geschmückten Häusern zum Ausdruck. Im Vergleich zum Beginn der bulgarischen Wiedergeburtszeit, als die Fachwerkhäuser klein aber praktisch waren, wurden nunmehr großzügige Wohnbauten errichtet, bei denen neben der Größe auch auf Üppigkeit und Details Wert gelegt wurde. Außer in ein Architektur-Zentrum verwandelt sich die Stadt in ein kulturelles Zentrum und begann eine wichtige Rolle in der geistigen Auferweckung des bulgarischen Volkes zu spielen. Plovdiv wurde zu einem wichtigen Zentrum der Kämpfe um eine eigenständige bulgarische Kirche.
Am 16. Januar 1878 wurde die Stadt in Folge des russisch-türkischen Krieges von 1877/78 befreit. Der Friedensvertrag von San Stefano setzte am 3. März 1878 den Grundstein für die langersehnte Neugründung des bulgarischen Staates. Der Berliner Vertrag aus dem gleichen Jahr trübte jedoch die Freude und zerriss das bulgarische Territorium, wobei ganze Landesteile wieder dem türkischen Sultan unterstellt wurden. Bulgarien entstand als kleines schwaches Fürstentum neu, während Plovdiv in die Grenzen eines autonomen Gebietes unter türkische Macht fiel, genannt Ostrumelien. Die Spaltung der größten zwei Landesteile dauerte sieben Jahre, die jedoch nicht ungenutzt verstrichen. In Plovdiv, als Provinzhauptstadt, entstanden viele neue moderne Verwaltungsgebäude. Gleichzeitig damit bereitete ein speziell gegründetes Komitee einen Aufstand vor, der beide großen Landesteile wieder vereinen sollte. Am 6. September 1858 wurde die Stadt von den Aufständischen eingenommen und Ostrumelien mit dem Fürstentum Bulgarien vereint. Dieses wichtige Datum gehört zu den bedeutendsten in der neueren Geschichte Bulgariens und wird jedes Jahr als landesweiter Feiertag und als Tag Plovdivs begangen.
Nach der Vereinigung ist Plovdiv bis heute die zweitgrößte Stadt Bulgariens und ist nach der Hauptstadt Sofia auch das wichtigste Wirtschaftszentrum des Landes. Hier wird die bekannte internationale Messe veranstaltet, zu der sich jedes Jahr viele Produzenten und Geschäftsleute aus aller Welt ein Stelldichein geben. In Plovdiv werden auch die verschiedensten Theater-, Tanz- und Kinofestivals veranstaltet. Die unzähligen Überbleibsel aus thrakischer, römischer und byzantinischer Zeit erinnern nicht nur an die ruhmreiche Vergangenheit, sondern sind auf harmonische Weise mit der modernen Architektur verschmolzen. Ein gutes Beispiel gibt der römische Aquädukt ab, der zu einem untrennbaren Bestandteil des Boulevards „Komatewsko Shose“ geworden ist. Das antike Theater hingegen ist gekonnt restauriert worden und wird heute zu Vorstellungen genutzt. In der Stadt gibt es viele Museen – ein historisches, archäologisches, ethnographisches und ein naturwissenschaftliches, ferner gibt es eine Kunstgalerie und ein Schauspielhaus. Eine der bekanntsten Sehenswürdigkeiten ist der Architekturkomplex „Altes Plovdiv“, das aus erhaltenen und liebevoll restaurierten schönen Wiedergeburtshäusern besteht, die teilweise bis heute bewohnt sind.
Außer kulturelle Sehenswürdigkeiten bietet die Stadt auch sehr gute Bedingungen für Sport und Freizeit. Am Rand von Plovdiv wurde ein Ruderkanal mit olympischen Ausmaßen gebaut, der nicht nur für Rudern glänzend geeignet ist – man kann in seiner Umgebung auch Laufen und Radfahren.
Einst rühmte sich Plovdiv seiner sieben Hügel. Heute sind davon nur noch sechs übrig – der Markovo-Hügel wurde vollständig abgetragen, wobei aus seinem Material Kopfsteinpflaster und anderer Straßenbelag hergestellt wurde. Die Hügel der Altstadt sind jedoch nur drei – die restlichen liegen in der Umgebung, auf die sich die Stadt ausgedehnt hat.
„Dzhendem Tepe“ oder auch „Hügel der Jugend“ genannt ist die höchste Ergebung. Wegen der endemischen Pflanzen und der gut erhaltenen Natur wurde dieser Hügel zu einem Schutzgebiet erklärt. Hier leben auch einige Tierarten, wie Eichhörnchen, Eichelhäher und Wildhasen. Auf dem Hügel „Bunardzhik“ wurde ein Denkmal zu Ehren der Sowjetarmee errichtet, genannt „Aljoscha“. „Sahat Tepe“ – der Uhrturm-Hügel wurde in einen Park verwandelt, der zu einem beliebten Treff für Verliebte und Jugend-Cliquen mit Gitarre geworden ist. Oben auf dem Hügel selbst steht der Uhrturm – ein Bauwerk aus dem 16. Jahrhundert. Alle anderen Hügel wurden ebenfalls in gepflegte Parks mit Alleen und Bänken verwandelt.
Plovdiv ist eine der gesuchtesten touristischen Destinationen Bulgariens und gleichzeitig auch das Kultur- und Wirtschaftszentrum Südbulgariens. Hier gibt es die unterschiedlichten Unterbringungsmöglichkeiten – von Hostels bis Luxushotels. Die Hauptstraße von Plovdiv bietet hervorragende Möglichkeiten für Zeitvertreib und Shopping, während die Gaststätten der Stadt sehr zahlreich und überall verstreut sind. 

Unsere 2 letzten Stationen auf unserer Spurensuche nach den Thrakern sind die Orte Perperikon und Starosel.

Die Felsenstadt Perperikon stellt eines der ältesten monumentalen Megalith-Denkmäler dar, die vollständig in das Felsgestein gearbeitet sind. Diese einstige heilige Stätte ist in archäologischer, geschichtlicher und multireligiöser Sicht als eines der Wunder Bulgariens und der Welt zu betrachten. Die Anlage liegt zudem in einer herrlichen Landschaft und ist in den letzten Jahren zu einem der besuchtesten Tourismusobjekte Bulgariens geworden.
Elf Kilometer östlich der Stadt Kardzhali befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Dorf „Shiroko Pole“ die Burg „Monyak“. Sie stammt aus dem 12./13. Jahrhundert und ist eine der höchstgelegenen und größten mittelalterlichen Festungsanlagen in den Rhodopen. Die Wehrmauern schließen eine Fläche von mehr als 5 Hektar ein.

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In der Nähe des Dorfes „Dazhdovnitsar“, zehn Kilometer nordwestlich von Kardzhali, liegt eine weitere interessante Sehenswürdigkeit – die Felsnischen. Sie wurden in der Zeit von 1200 bis 550 vor Christus von Menschenhand geschaffen. Sie sind trapezförmig mit einer Höhe von 70 bis 90 Zentimetern und einer Breite und Tiefe von 30 bis 50 Zentimetern. Über ihre Bestimmung sind sich die Wissenschaftler nicht einig. Einige sind der Ansicht, dass sie einst für die Aufnahme von Urnen mit der Asche gewöhnlicher Menschen dienten, während sich die Aristokratie in Felsgräbern beisetzen ließ, auf die man ebenfalls in den Rhodopen stößt. Andere wiederum sehen in den Nischen Orte für die Verehrung verschiedener Gottheiten, wobei sich Götterbildnisse in den Nischen befunden haben sollen, die man mit speziellen Türen verschlossen habe. Dritte sind der Ansicht, dass diese Nischen von angehenden jungen Männern an schwer zugänglichen Felsen eingemeißelt wurden, als Zeichen ihres Eintretens in das Mannesalter. Diese Sitte sei Teil der orphischen Kulte gewesen.
Rund 17 Kilometer von Kardzhali entfernt befindet sich die Höhle namens „Utroba“ (auf Deutsch „Mutterleib“). Ihr Name rührt von ihrer Gestalt her, die an ein weibliches Geschlechtsorgan erinnert. Von den Innenwänden fließt ständig Wasser herab und am Ende der Höhle befindet sich ein Altar. In der Nähe wurden in das Gestein gehauene Becken zur rituellen Weinherstellung entdeckt. Der dort hergestellte Wein wurde bei religiösen Kulthandlungen in der Höhle benutzt. Den Wissenschaftern zufolge stammt auch dieser Komplex aus der Thrakerzeit.
Die vielen Sehenswürdigkeiten in und um Kardzhali ziehen das ganze Jahr über Tausende Touristen an. Es gibt reichlich Unterbringungsmöglichkeiten, wie auch eine Vielzahl an gastronomischen Einrichtungen. Unweit von Kardzhali liegen zwei große Stauseen: „Studen Kladenets“ (auf Deutsch „kühler Brunnen“) und „Kardzhali“. Sie sind ein beliebter Ort für Angler, die aus dem ganzen Land hierher kommen. 

Das thrakische Kult-Zentrum in „Chetinyovata mogila“, 4 km von dem Dorf Starosel entfernt, wurde im Jahre 2000 entdeckt. Die Anlage erhielt den Status eines archäologisches Kulturdenkmals mit Schreiben N°4 vom 04.06.2001. Sie gilt als die größte jemals entdeckte thrakische Königsgrabstätte mit Mausoleum. Datiert wurde sie auf das Ende des 5. und Anfang des 4. Jh. v. Chr. 
Das thrakische Kult-Zentrum bei Starosel setzt sich aus sechs riesigen Tempeln, von denen vier einzigartig sind, und weiteren königlichen Grabstätten zusammen. Zugänglich für touristische Besichtigungen sind der große Tempel auf dem „Chetinyova“ Hügel und der Tempel „Horizont“.

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Der gesamte Grabhügel ist von einer aus Betonblöcken verarbeiteten Mauer umgeben. Ihre Länge beläuft sich auf 241 Metern und sie erreicht eine Höhe von 3,5 Metern. Diese Wand wird „krepida“ genannt und zeichnet einen Kreis nach, der nach thrakischen religiösen Überzeugungen die Sonne symbolisierte. Eine Paradetreppe und zwei Sockel, auf denen Löwen-Statuen standen, stellen den Eingang des Tempels dar. Die Treppe führt die Besucher auf eine ebenmäßige Plattform hinaus, die für rituelle Tänze genutzt wurde. Der Korridor führt zur eigentlichen Fassade des Tempels und zu einem runden Saal mit 10 dekorativen Halbsäulen und Triglyphen ( Dreischlitzplatten auf jeder Säule) mit blau-roten Verzierungen. Im Tempel wurden religiöse Zeremonien durchgeführt, die in Zusammenhang mit dem Kult zur mächtigen Muttergöttin, ihrem Sonnen-Sohn und Orpheus standen. Auf der Nordseite des Hügels befindet sich ein Reservoir für Wein oder Wasser. 
Die Grabstätte „Chetinyovo“ befindet sich auf einer wichtigen Stelle, in einer Umgebung mit zahlreichen Felsenschreinen und Felshügeln. Am Tempel „Chetinyova mogila“ können Informationsmaterial und Souvenirs erworben werden. Die Funde, die bei archäologischen Ausgrabungen in der Region gemacht wurden, können im Nationalen Historischen Museum und im Archäologischen Museum in Sofia besichtigt werden. 
Der Grabhügel „Horizont“ befindet sich in der Ortschaft „Manastircheto“, etwa 1,5 km von dem Dorf Starosel entfernt. Zum Hügel führt ein Hinweisschild und vom Parkplatz zum Tempel verläuft ein Gehweg. Die Stätte wurde vom Ende des 5. und Anfang des 4. Jh. v. Chr. datiert. Es handelt sich um das einzige in Thrakien entdeckte Tempelgrab mit Kolonnade. Die zehn Säulen stehen auf einer Basis mit jeweils zwei Zylindern und Kapitellen in frühdorischem Stil. In ihm wurde ein Thraker von hohem Rang bestattet. Den Beweis dafür liefern die darin gefundenen Gegenstände wie z. B. bronzene Pfeilspitzen, Silberperlen und Goldplättchen zur Dekoration von Kleidung. Für den Besuch in den Grabtempel wird kein Eintritt bezahlt und z.Z. gib es keine touristische Betreuung. Bei der Führung durch den Tempel „Chetinyova mogila“ geben die Fremdenführer auch Auskunft über den Tempel „Horizont“. 

Es lohnt sich auf jeden Fall, auf den Spuren der Thraker in Bulgarien zu wandeln.


Weitere Informationen bei:
Bulgarisches Fremdenverkehrsamt
Mauerstr. 11
10117 Berlin
Tel.: 030 2512579


Text und Fotos:
Matthias Dikert

Textquelle:
Das Ministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus in Bulgarien