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Lund und Malmö zu Weihnachten

Sturm fegte über den Sund, der Zug von Schweden nach Kopenhagen fiel aus. Aber vom dänischen Flughafen in das Land der Lucia fuhr er über die Brücke durch die Dunkelheit. Wir waren unterwegs zu der ‚Lichtergekleideten’, die 1764, vor 250 Jahren, auf einigen westschwedischen Gutshöfen erstmals in Erscheinung traten. In der „Lusselangnacht“, der längsten Nacht des Jahres, nach altem Kalender zum 13. Dezember. Das Datum blieb, das Ereignis änderte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Namenspate war anfangs auch Adams erste Frau Lucia, sie stand angeblich in Verbindung mit Lucifer. Wilde „Lussekerle“ zogen in Teufelsgewändern einst durch die Dörfer um Speis und Schnaps zu fordern. Gut für uns, heute beruht das Fest nur auf der heiligen Lucia, die als Märtyrerin starb, 304 in Sizilien. 
Ja, aus der dunklen Nacht nahte Lucia heran, ein Lichterkranz auf ihrem Haupt mit einer hellleuchtenden Kerze inmitten. Schritt für Schritt samt singender Gefolgschaft, Sternknaben und Jungfrauen – jede trug einen brennenden Stab auf den Händen – majestätisch glitten sie durch das Gotteshaus. So ging die Geschichte. Schade, alles LED jetzt, oder nicht?
Nun, Lund wird’s uns zeigen. Die Nacht zur Lucia logieren wir in Malmö und obwohl uns wirklich dort kein Mensch näher bekannt ist sind wir wie privat zu Besuch. Sitzen schon bald als Teil der Familie zu Tisch. 

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Genießen bei Marijke und Thomas Rengfjord ein Stück schwedischer Gastfreundschaft. „A piece of Swedish hospitality“ vermittelt an Land und Leute interessierte Gäste die passenden Gastgeber. Herzlich werden wir empfangen und gleich ins Geschehen einbezogen. Der Baum ist geschmückt, die Tafel gedeckt, muntere Gespräche entwickeln sich auf Englisch. Ein Smörgåsbord angerichtet in festlicher Fülle: viele Salate, eingelegter Hering, hausgemachte Pastete, Schinken, Würzbrot, Kartoffeln, Stockfisch und noch einiges Schmackhaftes mehr. Dazu Bier, Wein und Hochprozentiges. Der Tisch biegt sich. „Gubbröra“ ist ein Ei-Anschovis-Salat, die „Alte-Männer-Mischung“ schmeckt köstlich. Von allen Gerichten gefällt uns „Janssons frestelse“ am Besten. Das Leibgericht des Opernsängers Pelle Janzon, und wie er vor gut 100 Jahren können heute auch wir der „Versuchung“ nicht wiederstehen, nehmen gern noch vom traditionellen Auflauf zu Weihnachten. Marijke verrät uns das Rezept, und nun wollen wir in der Küche unser Glück beim Backen versuchen. Mit „Lussekatter“, den Lucia-Katzen. In das von uns mehr oder weniger kenntnisreich geformte Safrangebäck kommen dunkle Rosinen, sie bilden die Augen, bevor das Blech im Ofen verschwindet. Frisch glasiert werden unsere Gebilde enthüllt und bei bestem „Glögg“, dem schwedischen starken und süßeren Glühwein, fröhlich verzehrt. Hausgemachte „Pepparkakor“, Pfefferkuchen in Herzform, gibt’s als Geschenk mit auf den Heimweg.
Im Mayfair Hotel Tunneln weilten vormals die Beatles auf Tournee. „Lucy in the sky with diamonds“: Übernatürliche Wesen treiben in der Nacht zu Lucia ihr Unwesen, und Tiere können sprechen.

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Wir schlafen fest bis sieben, sehen dann müd und faul fern. Die heilige Lucia erscheint auf dem Schirm und verbreitet schon so Weihnachtsstimmung. Wie wird es erst in Lund sein? Ehrfurchtsvoll erhebt sich die alte Kathedrale in der einbrechenden Dämmerung vor unseren Augen. Andächtig wartet die Gemeinde. Eine blonde Lucia mit ihrer lichten Schar schreitet getreu der Überlieferung mit erleuchtetem Haar durch Schwedens bedeutendsten Sakralbau. Mit dabei: Ein Träger mit vollem Wassereimer für alle Fälle! Das festliche Ereignis welches folgt können Bilder besser beschreiben. 

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Nachfolgend nun das „Lucia-Lied“ (zum Mitsingen die erste Strophe deutsch und schwedisch):

Nacht stapft mit schwerem Gang
Um Hof und Garten.
Sonn’ bleibt jetzt aus so lang,
im Schatten wir warten.
Da tritt mit Lichterschein
ins dunkle Haus herein
Sancta Lucia, Sancta Lucia.
Da tritt mit Lichterschein
ins dunkle Haus herein
Sancta Lucia, Sancta Lucia.

Natten går tunga fjät
runt gård och stuva.
Kring jord, som sol’n förlät,
skuggorna ruva.
Då i vårt mörka hus
stiga med tända ljus
Sankta Lucia, Sankta Lucia.
Då i vårt mörka hus
stiga med tända ljus
Sankta Lucia, Sankta Lucia.

Nun sind wir hier in Skåne ganz wild auf schwedische „Jul“, sprich Weihnachten. Schonen uns nicht und besuchen jeden Weihnachtsmarkt, von dem wir erfahren. Gönnen uns nur gelegentlich eine„Fika“, die traditionelle Pause in der gemütlichen Atmosphäre von alten Kaffeehäusern. Kaufen unsere Geschenke für daheim bei fröhlich innovativen Designern in Malmö.

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Kehren ein im Grand Hotel in Lund, um auf Zeitreise zu gehen. Serviert wird in Kostümen wie vor 100 Jahren, tadellos arrangiert. Chic und charmant ist das Ambiente – im ganzen Haus, wo Originale der Universitätsstadt gern Gast waren. Berühmte Namen trifft man in Lund oft. In unserem Hotel Concordia weilte Håkan Nesser. Ums Eck herum verfasste Strindberg “Advent“ und „Inferno“ und war als Alchemist auf Goldsuche. Ohne Monika Lennartsson, unsere gute Gästeführerin aus Bayern eingewandert, hätten wir das alles und mehr nicht gefunden, keine versteckten bunten Märkte oder Geschäfte mit überraschendem Dekor, und unter „Kulturen“ nur lokale Schrebergartenlauben vermutet. Dabei ist es ein Freilichtmuseum, das zweitälteste der Welt. 

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Monika, die herzliche Oberbayerin führte durchs Gelände. Sie öffnete in regionaler Tracht Türen und Truhen und zeigte deren Schätze. Nun sitzen wir hier mit ihr und lassen die große Kugel rollen, rund herum in der Schüssel aus Steingut. Mahlen die Körner klein. Da haben wir den Senf, unseren selbst hergestellten, für Fisch und Fleisch auf schwedische Art. Weihnachten kann kommen – wenn nur die Kontrolle am Flughafen nicht wäre! Vergnügt starten wir wenig später mit SAS zurück nach Berlin. Problemlos verlief die Zugfahrt über die Sund-Brücke sowie nach Kopenhagen-Kastrup. Und am 13. Januar, dem „Knutstag“, wollen wir dann unsere in „Kulturen“ angefertigten „Knutskerlen“ aus Stroh in Bäume hängen und den Weihnachtsbaum plündern, wie die Schweden. Hej, hoffentlich fällt dazu noch Schnee. God Jul!

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Text: 

Christoph Merten

Fotos:


Matthias Dikert